Rassismus

22. November 2019 19:15; Akt: 22.11.2019 19:18 Print

«Ich verkaufe nicht an Jugoslawen»

Der Verkäufer eines Jeeps sagte einem Interessenten ab. Er verkaufe nicht an Jugoslawen. Dabei war der potenzielle Käufer Albaner.

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Der Verkäufer eines Jeeps sagte einem Interessenten ab. Er verkaufe nicht an Jugoslawen. Dabei war der Käufer Albaner. Ihr Freund (30) habe sich ein Auto kaufen wollen, berichtet L. B.* (26). Auf einem Portal für Kleinanzeigen habe er einen Jeep Grand Cherokee zu einem günstigen Preis gefunden. Per Whatsapp setzte er sich deshalb über die auf der Plattform angegebene Handynummer mit dem privaten Verkäufer des Wagens in Verbindung. Der Chatverlauf liegt 20 Minuten vor. Da der Wagen im Titel des Inserats bereits als reserviert angegeben war, fragte L. B.s Freund nach, bis wann der Wagen reserviert sei. Der Verkäufer informierte ihn über die Reservationsdauer und fügte zudem an: «Ich verkaufe nur an Schweizer, bitte keine Jugoslawen.» Ihr Freund sei irritiert gewesen, berichtet L. B. Mit einer Prise Ironie, so scheint es, antwortete er dem Verkäufer: «Ach so, okay. Ich bin kein Jugoslawe, ich bin Albaner.» Daraufhin schrieb der Jeep-Besitzer lediglich zurück: «Kein Verkauf!», worauf L. B.s Freund den Dialog mit einem «Schön!» beendete. Ihr Freund sei sehr verletzt gewesen, so L. B.: «Der kennt mich ja gar nicht», sei seine erste Reaktion gewesen. Es sei das erste Mal, dass er eine solch extreme Nachricht erhalten habe. Gegenüber 20 Minuten sagt der Verkäufer, das Problem sei, dass er ständig Angebote von Personen bekomme, die Autos in den Balkan exportieren wollen. «Und diese wollen dann meist den Ankaufspreis drücken.» Laut Verkäufer sei der Begriff «Jugo» in seiner Region unter Autoverkäufern eine gängige Bezeichnung für Autoexporteure. «Ich habe es deshalb im Chat mit dem Interessenten nicht auf die Herkunft bezogen.» Er könne sich aber vorstellen, dass seine Aussage dem Jeep-Interessenten seltsam vorgekommen sei.

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Ihr Freund (30) habe sich ein Auto kaufen wollen, berichtet L. B.* (26). Auf einem Portal für Kleinanzeigen habe er einen Jeep Grand Cherokee zu einem günstigen Preis gefunden. Per Whatsapp setzte er sich deshalb über die auf der Plattform angegebene Handynummer mit dem privaten Verkäufer des Wagens in Verbindung. Der Chatverlauf liegt 20 Minuten vor.

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Da der Wagen im Titel des Inserats bereits als reserviert angegeben war, fragte L. B.s Freund nach, bis wann der Wagen reserviert sei. Der Verkäufer informierte ihn über die Reservationsdauer und fügte zudem an: «Ich verkaufe nur an Schweizer, bitte keine Jugoslawen.»

«Der kennt mich ja gar nicht»

Ihr Freund sei irritiert gewesen, berichtet L. B. Mit einer Prise Ironie, so scheint es, antwortete er dem Verkäufer: «Ach so, okay. Ich bin kein Jugoslawe, ich bin Albaner.» Daraufhin schrieb der Jeep-Besitzer lediglich zurück: «Kein Verkauf!», worauf L. B.s Freund den Dialog mit einem «Schön!» beendete.

Ihr Freund sei sehr verletzt gewesen, so L. B.: «Der kennt mich ja gar nicht», sei seine erste Reaktion gewesen. Es sei das erste Mal, dass er eine solch extreme Nachricht erhalten habe. Ihr Freund habe sich daraufhin auch nicht mehr bei dem Verkäufer gemeldet: «Ich weiss ja jetzt, dass ich beim Auto keine Chance habe», habe er gesagt. L. B. sagt: «Es ist sehr verletzend, wenn jemand so etwas sagt. So was macht man einfach nicht.»

«Ich habe es nicht auf die Herkunft bezogen»

Gegenüber 20 Minuten sagt der Verkäufer, das Problem sei, dass er ständig Angebote von Personen bekomme, die Autos in den Balkan exportieren wollen. «Und diese wollen dann meist den Ankaufspreis drücken.» Beispielsweise würden sie «in schlechtem Deutsch» einen Wagen für 100 Franken von ihm kaufen wollen, auch wenn er den Preis höher angegeben habe.

Laut Verkäufer sei der Begriff «Jugo» in seiner Region unter Autoverkäufern eine gängige Bezeichnung für Autoexporteure. «Wenn man einen Neuwagen gefahren hat und verkaufen möchte, sagt man, man gebe ihn einem ‹Jugo›», erklärt er. «Ich habe es deshalb im Chat mit dem Interessenten nicht auf die Herkunft bezogen.» Er könne sich aber vorstellen, dass seine Aussage dem Jeep-Interessenten seltsam vorgekommen sei.

*Name der Redaktion bekannt

(ihr)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Samuel am 22.11.2019 22:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Fragwürdig

    Verstehe nich ganz wiso es ein Problem darstellt. Wiso wird immer wenn ein Schweizer etwas so sagt ein riesiges Theater gemacht. Wäre es umgekehrt...gäbe es hier kein Artikel zu lesen.

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  • rita moor am 22.11.2019 19:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    wie er will

    Heute wird jede Aussage als rassistisch eingestuft. Man darf kaum noch etwas sagen. Wir haben hier Meinungsfreiheit, zudem kann der Verkäufer machen was er will.

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  • Master T am 22.11.2019 19:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Punkt

    Seine Entscheidung. Sein Leben. Sein Problem. Können wir nicht ändern. In Ruhe lassen und vor der eigenen Türe wischen. Adios Amigo

Die neusten Leser-Kommentare

  • Dani am 23.11.2019 10:18 Report Diesen Beitrag melden

    Geht gar nicht

    Stellt euch vor.. so was passiert Auslandschweizern? Wie würden die sich dabei fühlen?

  • Denkpause am 23.11.2019 10:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wer mal ein Auto ...

    ... zum Verkauf inseriert hat, weiss, welche Erfahrungen man mit gewissen Leuten machen kann. Es sind bestimmt nicht alle gleich, aber diese Erfahrung erspart man sich lieber.

  • Jemand am 23.11.2019 09:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Doppelmoral

    Traurig, dass Rassimus von den meistens Menschen nicht anerkannt bzw. gesehen wird. Als es letzte Woche hiess, jemand suche Ausländer für eine Arbeit , fühlt sich die Schweizer plötzlich diskriminiert.

  • Joseph am 23.11.2019 09:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Selber entscheiden

    Jeder kann selber entscheiden an wen er verkaufen möchte. Ich persönlich meide auch gewisse Gruppen und entscheide für mich mit wem ich zu tun habe und mit wem nicht. Dass hat nichts mit Rassismus zu tun, manchmal passen mir gewisse Leute nicht und dann ist es besser für beide nicht in Kontakt zu kommen wie in diesem fall es vermutlich sein mag

  • Nany am 23.11.2019 09:46 Report Diesen Beitrag melden

    Sehr, sehr traurig...

    Auch wenn Ausländer seriös sind, wichtige und harte Arbeit für das Land (Pflegeberufe, Baubranche etc.) leisten, glauben weite Kreise der Schweizer Bevölkerung Ausländer in jedem Fall als zweitrangig behandeln zu können. Das ist ein Armutszeugnis für das Land und es muss etwas unternommen werden um dies zu ändern.