Iranischer Christ

13. September 2019 04:51; Akt: 14.09.2019 09:22 Print

«Ich will nicht zurück in die Hölle»

Nach seiner Bekehrung zum Christentum sei er verfolgt worden, sagt der Iraner Farshad Ghane (22). Trotzdem soll er die Schweiz verlassen. Tausende wollen das verhindern.

2015 kam Farshad Ghane in die Schweiz. Seine Freunde wollen die Ausschaffung des Asylbewerbers verhindern. (Video: G. Brönnimann)
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Gegen 10 000 Menschen fordern via Onlinepetition, dass der vor vier Jahren in die Schweiz geflohene Farshad Ghane nicht ausgeschafft wird. Seine Freunde sind schockiert, dass Ghane Ende August einen negativen Asylentscheid erhalten hat. Im Petitionstext schreiben sie: «Diese Entscheidung ist einfach unwürdig für einen Rechtsstaat.» In der Schweiz habe sich Farshad gut und schnell integriert, Französisch gelernt und sich in seiner Kirche und Vereinen engagiert. Er sei ein «Musterbeispiel für Integration», schreibt einer seiner Freunde in einem Unterstützungsbrief.

Farshad wurde laut eigenen Angaben im Iran verfolgt, da er 2015 zum Christentum konvertierte. Zuerst habe die Polizei seine illegale Hauskirche durchsucht, wenig später sein Elternhaus. Dann habe er die Flucht ergriffen. Via Balkanroute kam er in die Schweiz. Der Gedanke an die Rückkehr macht Farshad Angst: «In meinem Land erwartet mich der Tod. Ich will nicht zurück in diese Folter-Hölle.» Konvertiten sind laut Hilfsorganisationen wie «Open Doors» besonders gefährdet, weil sie als «Ungläubige» vom Islam abgefallen sind.


Warum Farshad geflüchtet ist, sehen Sie hier.


Verfolgung im Iran:

Wie die Hilfsorganisation «Open Doors» in einem Bericht schreibt, wurde die iranisch-christliche Gemeinschaft 2018 von einer Verhaftungswelle heimgesucht. Die Gefängnisstrafen für Abtrünnigkeit sollen sich in der Regel auf fünf bis zehn Jahre belaufen und vor allem Neubekehrte mit muslimischem Hintergrund treffen.

Seit 2018 ist der Iraner mit seiner Freundin Beatrice zusammen und absolviert eine Ausbildung als Interactive Media Designer an der Berufsfachschule für Gestaltung in Freiburg. Sein Traum ist es, Journalist beim Schweizer Fernsehen zu werden. Die Ausbildung beenden darf Farshad jetzt aber nicht.


Hier sehen Sie, wie Farshad und seine Freundin mit der bevorstehenden Ausschaffung umgehen.

Bund glaubt nicht, dass er ernsthaft verfolgt ist

Wie aus der Verfügung des Staatssekretariats für Migration (SEM) hervorgeht, muss der 22-Jährige das Land bis am 17. Oktober 2019 verlassen. Laut den Behörden gibt es keine Beweise dafür, dass der 22-Jährige «die Aufmerksamkeit der iranischen Behörden auf sich gezogen hat». Die Annahme des Christentums stelle für ihn kaum eine Gefahr dar.

«Ihre Bekehrung und die in der Schweiz vorgenommene Taufe allein reichen nicht aus, um Sie bei Ihrer Rückkehr in den Iran besonderen Risiken auszusetzen», heisst es im Schreiben. Auch seine Geschichte betreffend die Hausdurchsuchung ist laut dem SEM nicht schlüssig: «Sie haben diese ‹Hauskirche› im Iran nur etwa fünf Monate lang besucht und dort keine politischen oder religiösen Tätigkeiten gehabt.»

Mehrere Verhaftungen im Iran

Wie das SEM auf Anfrage sagt, könne man zum vorliegenden Fall aus Gründen des Datenschutzes keine Auskunft erteilen. Die Wegweisung in den Iran gelte grundsätzlich als zulässig, zumutbar und möglich. Diese Faktoren prüfe man stets individuell. Vergangenes Jahr wurden zwei Personen in den Iran ausgewiesen. 2019 laut letzten Zahlen noch niemand. Allgemein gilt: «Ein Asylantrag wird angenommen, wenn die Asylgründe glaubhaft dargelegt wurden und die Flüchtlingseigenschaft gemäss Asylgesetz erfüllt ist», sagt Pressesprecherin Katrin Schmitter.

Das internationale christliche Hilfswerk «Open Doors» setzt sich in über 60 Ländern für Christen ein, die aufgrund ihres Glaubens diskriminiert oder verfolgt werden. Laut «Open Doors» würde Farshad im Iran in ein schwieriges Umfeld gesteckt werden. Es hofft, dass Farshad den Asylentscheid anficht und Erfolg haben wird: «Die Gefahr von Verfolgung ist nach wie vor sehr gross. Erst Anfang Jahr kam es zu mehreren Verhaftungen mit anschliessender Inhaftierung», sagt ein Mitarbeiter.

Farshad und seine Freunde wollen bis zum 22. September 2019 Rekurs einlegen.

(juu/gib)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • tjt am 13.09.2019 05:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Iran = Christenverfolgung

    Langsam falle ich vom Glauben ab. Das SEM wird unglaubwürdig, denn Rückschaffungen von Christen in einen islamischen Staat geht gar nicht. Das SEM soll endlich bei Kriminellen hart durchgreifen und im übrigen, Maghrebstaaten sind sicher und doch könnten viele von dort Asylgesuche stellen = Arbeitsbeschaffung?

  • Arnold Studerus am 13.09.2019 05:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schwierig zu verstehen

    Unglaublich dass Menschen wie Herr Ghane unser Land verlassen müssen aber Flüchtlinge aus manchen Ländern, welche meines Wissens nach den Militärdienst in der Heimat verweigern, zu Tausenden hier sein dürfen. Manchmal verstehe ich unsere Schweizer Politik nicht mehr. Ich wünsche Herrn Ghane und allen echten Flüchtlingen bei uns in der Schweiz das Beste.

  • Burninetoile am 13.09.2019 08:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Es wäre so einfach

    Wieso sind es immer diejenigen die sich gut integriert haben und sich so viel Mühe geben eine Ausbildung zu machen, damit sie selbstständig für ihre Kosten aufkommen können? Die, die uns auf der Tasche liegen, dürfen dann natürlich bleiben *facepalm*

Die neusten Leser-Kommentare

  • Monalisa am 14.09.2019 14:38 Report Diesen Beitrag melden

    Es tut mir leid, aber

    Die Gesetze sind da um die Gesellschaftsleben zu regulieren. Wenn sie nicht benutzt werden, dann wofür brauchen wir sie????? Dann sollte die Schweiz ihre Gesetze (alle') abschaffen??? Irgendwie nicht logisch.... oder?

  • Sepp am 14.09.2019 12:22 Report Diesen Beitrag melden

    Ganz einfach.

    Das SEM verlangt,dass er dass er die Schweiz bis Mitte Oktober verlasse. Falls nicht, wird er ausgewiesen. Wenn er nicht in "die Hölle" zurückgehen will, dann soll er sich ein anderes Land aussuchen. Ganz einfach.

  • Müller michelle am 13.09.2019 21:24 Report Diesen Beitrag melden

    Familiennachzug

    Ich weiss ja nicht welchen Aufenthaltsstatus seine Freundin hat aber eventuell wäre eine Heirat die Lösung?

  • Peter Schwarz am 13.09.2019 19:55 Report Diesen Beitrag melden

    Kann jeder nachlesen

    "Ein Asylantrag wird angenommen, wenn die Asylgründe glaubhaft dargelegt wurden und die Flüchtlingseigenschaft gemäss Asylgesetz erfüllt ist" Nach Genfer Konvention würde die Zahl "echter" Flüchlinge in der Schweiz gegen Null tendieren. Unter anderem wegen dem Satz "berechtigte Furcht vor Verfolgung" in der Konvention. Berechtig ist eigentlich nur, wer von einem Verfolgenden in einen sicheren Staat einreist, desshalb wurde diese Formulierung so gewählt.(Meistens der Nachbarstaat) Von einem bereits sicheren Staat in einen anderen besteht jedoch kein Asylgrund und auch kein Recht auf Asyl.

  • Basler am 13.09.2019 19:15 Report Diesen Beitrag melden

    Ganz so Naiv darf ein Gericht nicht sein

    Na gut ich denke das Gericht hat seine kurzen Fristen (5 Monate in der Hauskirche) zu seiner plötzlichen Glaubensänderung dann doch nicht abgekauft.