Klassenreise nach Berlin

07. Februar 2011 13:48; Akt: 07.02.2011 13:49 Print

«Ich will wissen, was in Berlin passiert ist»

Vier 18-jährige Schüler des Gymnasiums Köniz-Lerbermatt haben in Berlin ein Pärchen überfallen. Heute müssen sie beim Rektor antraben. Ihnen droht ein Schulausschluss.

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Rektor Hanspeter Rohr muss extra seine Ferien unterbrechen. Heute Nachmittag trifft er sich zu einer ausserordentlichen Schulleitungssitzung des Gymnasiums Köniz-Lerbermatt. Danach kommt es zur grossen Aussprache mit den vier Schülern, die am Freitagmorgen auf der Klassenreise in Berlin ein Pärchen ausraubten. «Ich will wissen, was in der Nacht in Berlin passiert ist», sagt Rohr auf Anfrage. «Auch allfällige Massnahmen werden diskutiert.» Rohr wehrt sich allerdings gegen eine Vorverurteilung der vier 18-jährigen Schüler.

Für die Berliner Polizei ist der Fall klar. Laut Mitteilung beraubten die Gymnasiasten am Freitag um 3.50 Uhr einen 38-Jährigen und seine 27-jährige Freundin. Den Mann sollen sie von hinten zu Boden getreten haben, wobei sich dieser am Knie verletzte. Auch die Frau sei von den Jugendlichen attackiert worden und gestürzt. «Die Opfer wurden nur leicht verletzt und ambulant behandelt», sagt ein Sprecher der Berliner Polizei am Montag auf Anfrage. Wegen schweren gemeinschaftlichen Raubes wurde aber ein Strafermittlungsverfahren gegen die Jugendlichen eingeleitet. Für dieses Vergehen droht in Deutschland eine Freiheitsstrafe von mindestens drei Jahren.

Beute bei Jugendlichen gefunden

Weitere Details zum Fall entlasten die Jugendlichen ebenfalls nicht. Wie der Polizeisprecher ausführte, wurde bei den Gymnasiasten ein Teil der Beute gefunden. Worum es sich genau handelt, will die Polizei nicht bekannt geben. Gemäss Communiqué wurden der Frau ihr Handy und ihre Geldbörse gestohlen.

Die vier Jugendlichen sind gemäss Rohr bis zum Freitag nie negativ aufgefallen. Ob bei ihrem nächtlichen Raub Drogen oder Alkohol im Spiel war, wird abgeklärt. Die Resultate der Blutproben, die die Berliner Polizei den Jugendlichen in der Gefangenensammelstelle abgenommen hatte, sind noch ausstehend.

Von Rüge bis Schulausschluss

Rektor Rohr hat bislang von der Polizei keinerlei Informationen erhalten, wie er sagt. Auch die Eltern seien von der Polizei nicht genauer über den Hergang aufgeklärt worden. Gemäss Rohr können gegen die Jugendlichen verschiedene Massnahmen getroffen werden. Die Schulleitung könne in eigener Kompetenz eine Mahnung, Rüge oder einen schriftlichen Verweis anordnen. Bei schweren Vorkommnissen muss die Schulkommission, die an der Sitzung heute Nachmittag ebenfalls vertreten ist, aktiv werden. Sie kann eine Androhung zur Wegweisung, einen temporären Schulausschluss von maximal drei Monaten oder die Wegweisung von der Schule aussprechen.

Klar ist schon jetzt: Waren die Gymnasiasten tatsächlich um 3.50 Uhr in der deutschen Hauptstadt unterwegs, hätte dies «den Rahmen ganz klar gesprengt», so Rohr.

(meg)

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Sebastian am 07.02.2011 21:25 Report Diesen Beitrag melden

    Wiedergutmachung statt Kriminalitätslehrgang hinte

    Konsequenz und Klarheit sind ja heute aus der Mode. Auf der anderen Seite bringt ein Kriminalitätslehrgang im Knast auch nichts. Ich wäre für 6 Monate Kriminalitätsopfer betreuen und weitere 6 Geld verdienen, zur Wiedergutmachung an die Opfer.

  • Koni am 07.02.2011 14:18 Report Diesen Beitrag melden

    Strafe muss sein!

    Einsperren! Hier bitte die Höchststrafe anwenden! Ohne jede Hilfe. So was gehört sich nicht!

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  • Susanne Baselland am 07.02.2011 13:59 Report Diesen Beitrag melden

    18-jährig, na und?

    Auch mit volljährigen Jugendlichen auf einer Klassenreise können verbindliche Abmachungen getroffen werden. Alles andere ist Bequemlichkeit der Lehrer!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • unbekannt am 09.02.2011 21:41 Report Diesen Beitrag melden

    kleiner Denkanstoss

    und was genau soll denn das nun bringen diese Jungs von der Schule auszuschliessen???? Vielleicht denkt ihr mal darüber nach was den Staat die ein Schüler eines Gymnasiums kostet. Wenn ein solcher nun ein knappes halbes Jahr vor dem Abschluss von der Schule fliegt, kann sich jeder selbst einmal überlegen, wie viel Geld da vernichtet wird........

  • Trish am 09.02.2011 15:50 Report Diesen Beitrag melden

    hört mal auf zu übertreiben!

    klar war das nicht in ordnung, was die vier jungs gemacht haben. aber gleich so ein drama daraus zu machen? und dann noch diese schuldzuweisung (eltern,.. erziehung,..) mein gott.

  • albert am 08.02.2011 12:03 Report Diesen Beitrag melden

    raus aus dem Gymi

    naja eins ist mal klar. raus aus dem gymi. Kann ja nicht sein, dass solche auch noch das gymnasium zu enden machen dürfen. DIe obligatorische Schulzeit liegt ja bereits hinter ihnen.

    • El Mudjahid am 16.02.2011 19:47 Report Diesen Beitrag melden

      Richtig

      Solche Kinder haben im Gmynasium nichts verloren. Sie sind unwürdig. Würdige Gymnasiasten sind die Freiheitskämpfer in Aegypten, Yemen, Bahrain und Iran. Dort ist die Bildung von Gymnaisasten höher, da nicht durch Wohlstand verwarlost und verweichlicht.

    • thomas am 22.02.2011 17:55 Report Diesen Beitrag melden

      Eine angemessene Strafe muss sein!

      Eine angemessene Strafe muss sein! Aber die vier Schüler sollten diese auch spüren resp. realisieren, WAS sie falsch gemacht hatten! OB sie die Sachlage auch wirklich begreifen und ihr Tun auch wirklich und ehrlich bedauern und auf Dauer nie mehr solches tun werden, das müsste mittels einer geeigneten Psychoterapie ermittelt werden!

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  • Daniel am 08.02.2011 10:41 Report Diesen Beitrag melden

    Das Volk hat zum Fall nichts zu sagen

    Die Gerichte haben über die Straftat zu befinden und die Schulleitung kann zusätzliche Sanktionen aussprechen. Wir haben in der Schweizer Demokratie eine Gewaltentrennung. Das Volk ist nicht legimiert und kompetent, hier über diesen Fall seinen Senf abzugeben.

    • Markus am 08.02.2011 13:30 Report Diesen Beitrag melden

      Meinungsfreiheit?

      Meinungsfreiheit?

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  • Susanne Baselland am 07.02.2011 21:35 Report Diesen Beitrag melden

    Volljährig, Jugendlich oder Schüler ???

    Die "erwachsenen Volljährigen" (vielleicht mehr voll als jährig!) werden auch im Bericht als Jugendliche bezeichnet, die über 18-jährig sind und somit als Erwachsene gelten. Es handelt sich aber um Schüler, die kaum einen Franken verdienen und von den Eltern abhängig sind. Und so wie die sich verhalten, stecken sie noch in einer pupertären Krise, aber es waren KEINE Kinderspiele mehr!!!

    • July am 08.02.2011 12:02 Report Diesen Beitrag melden

      Jugend- und Erwachsenenstrafrecht

      Gemäss Jugendstrafrecht wird entschieden, ob einer als Erwachsener oder Jugendlicher verurteilt wird. Dies wird von Fall zu Fall bewertet.

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