Jean-Claude Juncker

15. Dezember 2010 12:28; Akt: 15.12.2010 14:02 Print

«Ich wünsche mir einen EU-Beitritt der Schweiz»

Nach dem deklarierten Ende der bilateralen Beziehungen fährt die EU eine Charmeoffensive gegen die Schweiz. In Person von Eurogruppen-Chef Jean-Claude Juncker.

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Jean-Claude Juncker macht Komplimente. (Bild: Keystone)

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Der Chef der Eurogruppe, Jean-Claude Juncker, spricht sich für einen EU-Beitritt der Schweiz aus. Die Europäische Union würde so «kompletter» werden, sagte der luxemburgische Ministerpräsident in einem Interview mit der Wochenzeitung «Die Zeit» vom Donnerstag (Vorabdruck).

Der «weisse Fleck auf der europäischen Landkarte» sei ein «geostrategisches Unding», erklärte er in dem Interview weiter. «Ich wünsche mir einen EU-Beitritt der Schweiz, auch wenn ich weiss, dass dies dem Volkssouverän immer noch widerstrebt», sagte Juncker.

Ein Beitritt der Schweiz würde die EU zwar nicht verändern: «Aber der EU würde damit eine substanzielle Dosis an gesundem Menschenverstand eingeimpft werden.» Er sei auch deshalb für den EU- Beitritt der Schweiz, «weil wir dann nicht mehr so isoliert wären». Die Luxemburger seien die Schweizer der EU.

Da auch er aus einem kleinen Land komme, wisse er, dass kleinere Einheiten den Zuruf von aussen nicht sehr schätzten. «Die Eidgenossen wissen schon selbst, was in ihrem zukünftigen Interesse liegt.»

Allerdings müssten diejenigen, die jetzt Verantwortung in der Schweiz trügen, sich mit perspektivischen Fragen beschäftigen. «Wie soll die Schweiz in 30 Jahren ihre totale Autonomie mit anderen und gegen andere organisieren? Ohne die EU?» Das mache wenig Sinn.

Kritik an SVP-Position

Juncker äusserte sich auch zu den jüngsten Ansinnen der SVP, unter anderem einer möglichen Initiative zu einem Schengenaustritt. «Wer überall austritt, wird eines Tages allein sein.» Deshalb sei die SVP-Position «grundsätzlich eine rückwärtsgewandte und perspektivlose.»

Wer dagegen versuche, durch Beitritt die Dinge mitzugestalten, werde nicht mehr nur Zuschauer, sondern Akteur sein. Sein Land sei zu dem Schluss gekommen, «dass Neutralität, auch wenn sie sich aktiv nennt, letztlich in eine Sackgasse führt, wenn sie keine Zuhörenden, keine Partner in Europa und in der Welt findet».

Wer denke, in der Abschottung des nationalen Raumes gegen den europäischen Raum liege das Heil kleiner Nationen, «der irrt sich fundamental». Sogar die grossen europäischen Nationen verlören in diesem Fall dramatisch an Einfluss und würden am Ende des Jahrhunderts nur noch als Flecken auf einer unorganisierten Landkarte Europas wahrgenommen, sagte Juncker.

Direkte Demokratie

Die direkte Demokratie in der Schweiz «hat dauerhaften Vorbildcharakter für andere», hielt der Luxemburger weiter fest. Es gebe keinen Grund dafür, der Schweiz das Recht auf demokratisch organisierte Selbstbestimmung in vielerlei Fragen streitig zu machen.

Allerdings räumte er ein, dass sich diese Art der Ausübung direkter Demokratie «nur schwerstens mit der Notwendigkeit relativ schneller Entscheidungsprozesse in der EU» vereinbaren liesse. «Aber darüber wird man, falls sich die Frage eines Tages stellt, diskutieren müssen.»

Erst am Dienstag hatten die EU-Aussenminister einen neuen Bericht zu den Beziehungen Schweiz-EU verabschiedet. Darin wird mit keinem Wort ein möglicher EU-Beitritt erwähnt. Dagegen wurden die «Grenzen des bilateralen Wegs» herausgestrichen und eine «effizientere» und «dynamischere» Anpassung der bilateralen Abkommen an das sich entwickelnde EU-Recht gefordert.

(sda)

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • P. Müller am 15.12.2010 13:01 Report Diesen Beitrag melden

    Träumen Sie weiter Herr Juncker

    Hoffentlich wird das Schweizer Volk noch lange nicht so dumm sein, so einer maroden Organisation wie der EU beizutreten. Vielmehr sollten wir die Zusammenarbeit mit den Schwellenländern ausbauen, wo die Zukunft ist. Herr Juncker hätte wohl gerne, das nach all den Pleitestaaten mal endlich ein einigermassen gesundes Land in diesen Verein eintritt.

  • Noldi Glaibasel am 15.12.2010 16:25 Report Diesen Beitrag melden

    Keine Gespräche mehr mit der EU!

    Das ist Erpressung, die wollen nur noch mehr Geld von uns. Wer geht schon freiwillig in eine marode EU? Da gibts Staaten, die würden lieber wieder aus der EU austreten. Eine EU die zulässt, was in Italien läuft, ohne nur ein Wort über diese Mafiösen Verhältnissen zu reklamieren? Warum nicht Umgekehrt fordern? Wir sagen denen, dass wir nicht möchten , dass Druck auf uns ausgeübt wird! Mal sehen wie die sofort wieder bilateral Verhandeln, nur damit sie ein paar Millionen bekommen!

  • Werner am 15.12.2010 16:38 Report Diesen Beitrag melden

    Optimist

    Glaubt Herr J.C.J. wirklich dass es in 30 Jahren noch eine EU gibt. Bis dahin ist die EU samt EURO auf dem Müllhaufen der Geschichte. Vielleicht schon in 29. Die Einstellung der EU hat das Schweizervolk schon öfter beobachten können. Z.B. nach der Kriegserklärung des Herrn Gadaffi und nach der Visaaffäre mit Libyen.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Berner Bär am 03.01.2011 09:53 Report Diesen Beitrag melden

    EU-Träumereien

    Herr Juncker, sorgen Sie sich um Luxemburg und mischen sie sich nicht in die Angelegenheiten der Schweiz ein! Sie wissen genau, dass die Schweiz mit ihren Eigenheiten nicht EU-kompatibel ist und daher der EU schon lange ein Dorn im Auge ist. Die von Ihnen angesprochene direkte Demokratie fürchten ihre EU-Freunde doch genau so wie der Teufel das Weihwasser. Das Schweizer Volk ist der EU komplett egal, was die EU will, ist ein neuer Nettozahler.

  • Jamc am 22.12.2010 21:07 Report Diesen Beitrag melden

    Ich würde ...

    ... mich auch ein Goldesel wünschen, wenn meine Finanzen voll am a. wären. Träum weiter !!

  • arsenius am 22.12.2010 18:47 Report Diesen Beitrag melden

    to bid to fail ?

    Hatte bis anhin eine gute Meinung vom Herr Juncker. Leider muss ich das nun auch revidieren. Da die EU eben auch "to big to fail" ist muss sie wohl repariert werden, als Sanierer ist die CH wohl etwas zu klein!

  • Erik am 17.12.2010 12:21 Report Diesen Beitrag melden

    Nein Danke

    Das wünsche ich mir nicht! Auch nicht als Schweizer/ EU-Doppelbürger!

  • Dr. Nörgeli am 16.12.2010 15:16 Report Diesen Beitrag melden

    Sind wir wirklich noch frei?

    Genaugenommen haben unsere Politiker den Willen des Volkes schon lange unterwandert mit der Personenfreizügigkeit können Menschen bis in den tiefsten Ostblock hinein, einfach rein und raus aus der Schweiz wie sie wollen. Auch mit dem Arbeiten ist dies so. Wir sind schon in der EU, die Politik hofft nur, dass das Volk es nicht bemerkt!