«Bachelor»-Mia

07. Januar 2019 12:33; Akt: 07.01.2019 12:33 Print

«Ich würde niemanden mit Gesichtstattoo einstellen»

von Christian Holzer - Gesichtstattoos boomen derzeit in der Schweiz. Die Gesellschaft reagiert nicht nur positiv darauf – wie Ex-«Bachelor»-Kandidatin Mia sagt. Trotzdem bekommt sie diese Woche ein weiteres.

Mia (22) spricht mit 20 Minuten über Gesichtstattoos und deren Folgen. (Video: cho)
Zum Thema
Fehler gesehen?

An Armen, Beinen und Torso sind sie längst keine Seltenheit mehr – nun tauchen sie auch im Gesicht immer öfters auf: Tattoos. Offizielle Zahlen gibt es keine, doch mehrere Tätowierer geben gegenüber 20 Minuten an, 2018 so viele Gesichtstattoos wie noch nie gestochen zu haben. Prominentes Trend-Beispiel aus der Schweiz: Ex-«Bachelor»-Kandidatin Mia. «Gesichtstattoos werden hier langsam salonfähig – was wirklich auch Zeit wurde», so die 22-Jährige (siehe Video oben). Noch diese Woche, will sie sich ein weiteres Gesichtstattoo stechen lassen. Im April 2018 bekam die Zürcherin zum ersten Mal Tinte ins Gesicht – nun soll es ein grösseres gebrochenes Herz unter dem rechten Auge geben.

Umfrage
Was halten Sie von Gesichtstattoos?

«Mit einem Gesichtstattoo wurde man früher sofort in die ‹Verbrecher›-Schublade gesteckt. Heute provoziert man noch immer damit, aber nicht mehr so krass.» Sie bemerke die Blicke, die sie wegen ihrer Tattoos im Gesicht erhalte. Gut die Hälfte der Menschen würde sie für das «Angel?»-Tattoo, das sie unter dem rechten Auge trägt, abstrafen.

Die Abneigung der Chefs

Aus diesem Grund setzen nicht alle Tattookünstler die Nadel im Gesicht an. «Wir stechen aus Prinzip keine Motive in diesem Bereich», heisst es etwa beim Bieler Tattoostudio Sailor and Saints. Robi Pena, Besitzer des Tattoostudios Old Capital in Bern, handhabt dies anders: «Ein Gesichtstattoo gibt es bei uns, aber nur nach einer intensiven Beratung.» Von diesen führte er in letzter Zeit viele: «2018 haben wir so viele Gesichtstattoos gestochen wie noch nie. Allein im Dezember seien es über zehn gewesen.» Gefragt seien etwa kleine, feine Symbole um die Augen oder Grafiken und Schriften an den Koteletten.

Die meisten Kunden, die sich im Gesichtsbereich stechen lassen würden, hätten bereits Tattoos am Körper, so der 40-Jährige Pena. «Ich würde mich schwertun damit, jemandem ein Tattoo am Kopf zu stechen, wenn er sonst noch keines hätte.» Er rate den Kunden jeweils, sich gut zu überlegen, ob sie diese Stelle tatsächlich tätowieren möchten: «Die Arbeitgeber haben meist keine Freude daran.»


Robi Pena über Tattootrends im Gesicht und deren Folgen. (Video: cho, Fotos PD)

Tattoo-Toleranz steigt

Diese Erfahrung musste auch Mia machen. Die Tinte unter der Haut hat ihr auch schon Probleme bei der Jobsuche bereitet. «Das muss man sich schon bewusst sein. Mit Tattoos, speziell im Gesicht, wird es schwieriger, eine Arbeit zu finden.» Sie könne dies jedoch nachvollziehen: «Als Chefin würde ich auch niemanden mit Gesichtstattoo einstellen.» Es passe meistens einfach nicht in ein Arbeitsumfeld.

Laut dem Personaldienstleister Adecco hängt dies jedoch stark von der Branche ab. «Bei direktem Kundenkontakt sind Tattoos oft unerwünscht, in der Modebranche hingegen eher toleriert», so Annalisa Job, Sprecherin des Schweizer Ablegers. Die Gesellschaft werde diesbezüglich jedoch toleranter, stellen die Arbeitsvermittler fest.

Diese Stars haben ihr Gesicht tätowiert

Lichtstrahl gegen Tintensünden

«Ich würde mir manche Tattoos heute an einer anderen Stelle machen lassen», sagt Mia. Am stärksten provoziere ihr Halstattoo – «1312», was für A.C.A.B, also «All Cops Are Bastards», steht. Sie habe auch schon dran gedacht, sich gewisse Tattoos weglasern zu lassen, darunter auch das «Angel?»-Tattoo unter dem Auge. «Wenn ich ungeschminkt bin, wirkt es manchmal, als ob ich einen dunklen Augenring hätte.» Aber sie fürchte sich vor dem Laser und den Schmerzen.

Nicht ganz unbegründet, denn tatsächlich ist die Tattoo-Entfernung nicht ganz angenehm, wie Dr. Michael Schorn sagt. Der Arzt ist auf Tattooentfernung spezialisiert und betreibt seit zwei Jahren ein Laser- und Lichtmedizininstitut in Bern. Mit speziellen Betäubungscremes, Eisluft und Schmerzmittel könne man die Reize heute jedoch gut kontrollieren – auch an besonders sensiblen Stellen wie im Intimbereich (siehe Video unten).


Michael Schorn über unliebsame Tinte unter der Haut. (Video: cho)

Der 49-Jährige kann sich nicht über mangelnde Kundschaft beklagen, wie er selber sagt: «Mit dem Tattoo-Boom der letzten Jahre stiegen auch die Kundenzahlen.» Sechs bis acht Sitzungen brauche es, bis ein Tattoo vollständig entfernt sei. Je dunkler die Tinte, desto einfacher die Prozedur. Das Ganze dauere mindestens ein halbes Jahr und sei nicht ganz billig: «Etwa das Zehnfache des Tattoopreises, so die Faustregel», sagt der Mediziner.

«Besonders lustig sind Tattoos, die alkoholisiert entstanden»

Gut 30 Prozent seiner Kunden würden sich Tattoos am Hals- und Gesichtsbereich entfernen lassen. Darunter seien auch solche mit Permanent-Make-up. Oft seien die Tattoos unliebsame Souvenirs aus den Ferien oder schlicht aus der Mode.

«Es sieht halt einfach geil aus»

Auch wenn ihre Gesichtstattoos schon Probleme bereitet hätten und sie mit dem Gedanken gespielt habe, mindestens eines davon wegzulasern, steht Mia zu der Tinte im Gesicht: «Es sieht halt einfach geil aus. Und es kann auch extrem verbinden.» Ihr neuer Freund habe auch Gesichtstattoos. «Das ist auch ein Grund, warum ich mich in seiner Nähe so wohl fühle.»

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • MrG am 07.01.2019 12:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nicht schön, vorallem diese Lippen

    Fragwürdige Schönheitsvorstellungen heutiger Frauen!

    einklappen einklappen
  • Mdw am 07.01.2019 12:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Jeder wie er will

    Jeder darf wie er will. Jeder darf sich ein Gesichtstattoo stechen lassen. Jeder Chef hat die Freiheit einen Bewerber deswegen abzulehnen. Es wird zusammen kommen was zusammen passt.

    einklappen einklappen
  • S. Kalbermatten am 07.01.2019 12:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Weg!

    Ich bin Personalverantwortliche bei einem grösseren Nahrungsmittelverarbeiter. Wenn jemand mit einem Gesichtstattoo reinkommt, kann er/sie sofort wieder gehen, bevor er/sie den Begrüssungssatz auch nur begonnen haben!

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Maryvansu am 08.01.2019 16:06 Report Diesen Beitrag melden

    Sagt viel über einen Arbeitgeber aus,

    wenn es verboten wird! Ich bin selber gepirct und habe Tattoo's ich sage immer ich will nicht in einen Bertieb arbeiten der sowas verbietet. Wir Leben in nicht mehr im 19./20. Jahrhundert ;) Tattoo's gehören heute bei den Meisten einfach dazu - jeder wie er selber möchte!! Wisst ihr was aber witzig ist? Im Sozial Bereich sagt kaum jemand was :D

  • CaliTaco am 08.01.2019 15:14 Report Diesen Beitrag melden

    Zombie Face

    Ganz toll, die sehen ja dann auch geil aus mit 50zig!

  • Don Vito Corleone am 08.01.2019 15:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Mit tätowierten Händen, Unterarmen

    und Tattoos im Gesicht gabs bei mir keinen Job. Das gleiche galt für Piercings ausser sie wurden während der Arbeitszeit abgelegt! Wer Jobs mit Kundenkontakt will muss einfach bereit sein auch ohne Bildchen durchs Berufsleben zu gehen!

  • Darko urejkic am 07.01.2019 21:12 Report Diesen Beitrag melden

    #weilreinehautreinhaut

    Ist die Tinte erstmal kalt, ruft auch schon der Staatsanwalt. Und nicht vergessen für jede Tattoonadel stirbt ein Babyigel! 100% der inhaftierten Tätowierten sind kriminell!

  • T.Ibet am 07.01.2019 20:40 Report Diesen Beitrag melden

    Eigene Entscheidung

    Muss jeder selber entscheiden was er mit seinem Körper macht. Solange damit nicht andere beeinträchtigt werden hat jeder mein Segen dazu. Der Mensch hinter dem Tattoo ändert sich ja nicht deswegen. Aber man muss leider damit rechnen auf nicht allzu grosse Toleranz in der Gesellschaft zu stossen.