Ticketzweithändler

13. November 2018 09:42; Akt: 13.11.2018 10:43 Print

«Ich zahlte 5000 Franken für 6 Rammstein-Tickets»

5000 Franken für sechs Rammstein-Tickets und kein Einlass zum Ed-Sheeran-Konzert trotz gekauftem Ticket: Diese Fälle beleuchten die fragwürdige Strategie von Viagogo.

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Richtig absurde Ticketpreise fand man auf Viagogo erst vor wenigen Tagen. So verlangte der Ticketzweitverkäufer umgerechnet über 90'000 Franken Eintritt für eine Veranstaltung in London, an der Michelle Obama eine Rede halten sollte. Besonders absurd: Der ursprüngliche Ticketpreis beläuft sich auf rund 40 bis 160 Franken. Leser S. H.* wollte letzte Woche sechs Tickets für das Rammstein-Konzert in Bern vom 05. Juni ergattern. Nachdem er bei Starticket keinen Erfolg hatte, suchte er einen anderen Anbieter. Auf Viagogo fand er schliesslich Tickets für 200 Franken pro Stück, die er sofort kaufte. Kurze Zeit später erhielt er eine Kaufbestätigung von Viagogo für einen Betrag von über 4930 Franken. Unter dem Slogan «Viagogo – NO GO!» schreibt der Circus Monti: «Lassen Sie sich nicht von massiv überhöhten Preisen und Buchungsgebühren täuschen.» Bis zu 20 Franken Gebühren pro Ticket soll Viagogo in die eigene Kasse fliessen lassen. «Viagogo ist ein Ticketanbieter, der ein Betrüger ist. Sie zahlen Google eine Million pro Jahr, damit sie in der Suchmaschine zuoberst sind. Wenn sie ihr Ticket-Kontingent verkauft haben, posten sie ‹ausverkauft› – was nicht wahr ist», sagt Komikerin Stephanie Berger in einem privaten Video. Zahlreiche Musikfans erhielten nach dem Ticketkauf bei Viagogo keinen Einlass zu den beiden Konzerten von Ed Sheeran im Hallenstadion. Im offiziellen Vorverkauf waren nur personalisierte Tickets verkauft worden. Die Tickets des Zweithändlers Viagogo waren folglich mit dem Namen des Erstkäufers versehen und wurden deshalb vor Ort als ungültig erklärt. Die Freude war gross, als die Spice Girls für nächstes Jahr eine Reunion und eine gemeinsame Tour ankündigen. Die Ernüchterung folgte vor drei Tagen, der Ansturm auf die Tickets war riesig und bald schon waren diese offiziell ausverkauft. Dafür tauchten sie auf Zweithändlerseiten wie Viagogo auf. Über Viagogo ärgern sich laut dem «Beobachter» momentan auch die Fans des Berner Fussballclubs Young Boys (YB). Viele von ihnen erhielten kein Ticket für die Champions League Spiele ihres Vereins. Die Fifa hat Viagogo angeklagt: Die Firma habe Tickets für das Eröffnungsspiel zwischen Russland und Saudiarabien verkauft – für mehr als das Doppelte des üblichen Preises. Bereits für den WM-Final 2014 in Rio soll Viagogo Tickets für rund 35'000 Franken verkauft haben.

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Der Ticketwiederverkäufer Viagogo sorgt zunehmend für verärgerte Kunden: Beim Staatssekretariat für Wirtschaft sind seit dem 1. Januar 2016 über 800 Beschwerden eingegangen. Die Firma mit Sitz in Genf erwirbt Tickets im grossen Stil, sobald sie in den Verkauf gehen, und verkauft sie später zu höheren Preisen weiter.

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Hier finden Sie eine Auswahl von Fällen, bei denen Künstler oder Konsumenten unter der Geschäftsstrategie von Viagogo zu leiden hatten.

Michelle Obama: Richtig absurde Ticketpreise fand man auf Viagogo erst vor wenigen Tagen. So verlangte der Ticketzweitverkäufer umgerechnet über 90’000 Franken Eintritt für eine Veranstaltung in London, an der Michelle Obama eine Rede halten sollte. Besonders absurd: Der ursprüngliche Ticket-Preis beläuft sich auf rund 40 bis 160 Franken.

Rammstein: Leser S. H.* wollte letzte Woche 6 Tickets für das Rammstein-Konzert in Bern im kommenden Juni ergattern. Nachdem er bei Ticketcorner keinen Erfolg hatte, suchte er einen anderen Anbieter. Auf Viagogo fand er schliesslich Tickets für 200 Franken pro Stück, die er sofort kaufte. Kurze Zeit später erhielt er eine Kaufbestätigung von Viagogo für einen Betrag von über 4930 Franken. H. verstand die Welt nicht mehr: «Knapp 5000 Franken für sechs Stehplatztickets! Das ist schlicht Betrug!», sagt H. Er könne sich den Preisunterschied nur durch exorbitante Gebühren von Viagogo erklären und habe sich nun an den Rechtsschutz gewendet.

Circus Monti: Auch der Schweizer Zirkus gehört zu den Opfern von Viagogo. Bei Monti warnt man die Gäste auf der offiziellen Website davor, sich Tickets über Viagogo zu beschaffen. Unter dem Slogan «Viagogo - NO GO!» schreibt der Circus Monti: «Lassen Sie sich nicht von massiv überhöhten Preisen und Buchungsgebühren täuschen.» Bis zu 20 Franken Gebühren pro Ticket soll Viagogo in die eigene Kasse fliessen lassen.

Stephanie Berger: Die Schweizer Komikerin postete im Netz kürzlich ein Video, in dem sie vor Viagogo warnt. Eine ihrer Veranstaltungen sei nur schlecht besucht gewesen, weil Viagogo sie fälschlicherweise als ausverkauft markiert habe: «Viagogo ist ein Ticketanbieter, der ein Betrüger ist. Sie zahlen Google eine Million pro Jahr, damit sie in der Suchmaschine zuoberst sind. Wenn sie ihr Ticket-Kontingent verkauft haben, posten sie «ausverkauft» – was nicht wahr ist», sagt Berger im Video.

Ed Sheeran: Grosse Wellen schlug auch ein Vorfall im August, über den das Schweizer Radio und Fernsehen berichtete. Zahlreiche Musikfans erhielten nach dem Ticketkauf bei Viagogo keinen Einlass zu den beiden Konzerten von Ed Sheeran im Hallenstadion. Im offiziellen Vorverkauf waren nur personalisierte Tickets verkauft worden. Die Tickets des Zweithändlers Viagogo waren folglich mit dem Namen des Erstkäufers versehen und wurden deshalb vor Ort als ungültig erklärt. Den Sheeran-Fans blieb nichts anderes übrig, als draussen zu bleiben oder sich vor Ort noch ein Ticket zu ergattern. Im September zahlte Viagogo den betroffenen Kunden das Geld zurück, zur Überraschung aller Beteiligten.

Spice Girls: Die Freude war gross, als die Spice Girls für nächstes Jahr eine Reunion und eine gemeinsame Tour ankündigen. Die Ernüchterung folgte vor drei Tagen, der Ansturm auf die Tickets war riesig und bald schon waren diese offiziell ausverkauft. Dafür tauchten sie auf Zweithändlerseiten wie Viagogo auf. Anstatt original umgerechnet 100 Franken für einen Stehplatz kosten die Spice-Girl-Tickets dort rund 1550 Franken.

Young Boys: Über Viagogo ärgern sich laut dem «Beobachter» momentan auch die Fans des Berner Fussballclubs Young Boys (YB). Viele von ihnen erhielten kein Ticket für die Champions-League-Spiele ihres Vereins. Tage vor dem Start des offiziellen Vorverkaufs konnten auf Viagogo Tickets für das Champions-League-Heimspiel von YB erworben werden – mit über 340 Franken kosteten diese fünf- bis siebenmal mehr als ursprünglich. Über bezahlte Käufer oder Kauf-Roboter gelingt es Viagogo, bereits vor dem offiziellen Vorverkauf an Tickets zu kommen und diese weiterzuverkaufen. Im offiziellen Vorverkauf landen dann weniger Tickets zu fairen Preisen.

Fifa: Im Juni dieses Jahres hat die Fifa gegen Viagogo Klage wegen unlauteren Wettbewerbs eingereicht. Die Firma habe Tickets für das Eröffnungsspiel zwischen Russland und Saudiarabien verkauft – für mehr als das Doppelte des üblichen Preises. Bereits für das WM-Finale 2014 in Rio soll Viagogo Tickets für rund 35’000 Franken verkauft haben.

Billie Eilish: Leser-Reporter G. L.* war auf der Suche nach Tickets für das Zürcher Konzert von Billie Eilish im Januar. Er habe den Anbieter Viagogo nicht gekannt und sei aufgrund der professionellen Aufmachung der Seite davon ausgegangen, dass es sich um einen offiziellen Anbieter handle. «Schliesslich habe ich die Tickets massiv überteuert gekauft. Sie waren rund doppelt so teuer wie im offiziellen Verkauf.» Erst danach habe er feststellen müssen, dass das Konzert noch nicht einmal ausverkauft gewesen sei.

(jk/dp)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • David am 13.11.2018 09:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Abzocke

    Endlich, Danke. Hoffe es vewirkt auch was und viagogo kann dicht machen.

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  • L. Schmid am 13.11.2018 09:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Scamseite

    Viagogo ist sowieso eine Scamseite, ein Kollege von mir kaufte Miite Jahr 2 Tickets für das Defqon Weekend Festival, bezahlte, und hatt nie irgendetwas erhalten. Auch sind immer genau soviele Tickets verfügbar wie man sucht, aber zeitlich begrenzt.

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  • Martin Brändle am 13.11.2018 10:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    No Go!!!

    Wenn NIEMAND je bei einem solchen oder ähnlichen Anbieter Tickets kaufen würde, dann wäre bald Schluss mit solchen Schweinereien!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Stefan o. am 15.11.2018 11:35 Report Diesen Beitrag melden

    Kein Schutz davor

    Ist ja auch ein Witz. Rammstein Tickets personalisert usw. Aber man kann es ganz simpel "umpersonalisieren" lassen. Also ja ist klar. Jetzt gehen wir halt nach Wien, mit Tickets zum Normalpreis ;)

  • Monika Gamper am 14.11.2018 11:14 Report Diesen Beitrag melden

    Selber Schuld!

    Nie würde ich solch überrissene Preise zahlen! Ich kaufe Tickets nur bei Ticketcorner. Wenn es keine mehr hat, habe ich halt Pech gehabt. Ich warte dann auf die nächste Gelegenheit.

  • Baldimkobel am 13.11.2018 19:30 Report Diesen Beitrag melden

    Kreditkartenfirma informieren

    dass zu viel abgebucht wurde. Die sollen streiten.

    • sebo t am 16.11.2018 19:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Baldimkobel

      Dummheit wird nicht gedeckt... Also Kopf einschalten. Seit Jahren liest man nur negatives von viagogo... Wer dort bestellt, ist selber schuld

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  • älu am 13.11.2018 18:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    selber schuld

    Man ist selber schuld dort ticket zu kaufen auf dieser schwarzmarkt werbseite, man weiss es eigentlich.

  • JS95 am 13.11.2018 18:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Eigenverantwortung

    Klar sind diese Angebote eine bodenlose Frechheit, aber wer diese Preise bezahlt ist selber Schuld.