Spielsucht

18. April 2018 18:28; Akt: 18.04.2018 19:26 Print

«Ich verzockte mehrere 10'000 Franken online»

Neben geplanten Netzsperren gibt auch der Schutz von Spielsüchtigen im neuen Geldspielgesetz zu reden. Ein Betroffener erzählt seine Geschichte.

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Online-Spielseiten können schnell abhängig machen, sagt ein ehemals süchtiger Zocker. (Bild: Gaetan Bally)

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Bei Christian* (34) ging alles ganz schnell. In einem Monat verspielte er mehrere 10'000 Franken. Nun sind praktisch seine ganzen Ersparnisse weg. Christian verbrachte früher täglich mehrere Stunden auf Online-Geldspielseiten wie Pokerstars oder Betathome, spielte Poker und Black Jack.

«Ich war schnell abhängig und habe die Realität verloren», sagt Christian rückblickend. Durch die Spielsucht sei sein Leben stark beeinflusst worden. «Es ging nur noch um die Frage, wie komme ich wieder zu Geld.»

Handy, Laptop, Bankkonto weggenommen

Er isolierte sich immer mehr. Doch dank seinem Umfeld, das auf seine Sucht aufmerksam wurde, zog Christian die Reissleine. Hilfe fand er bei den Universitären Psychiatrischen Kliniken (UPK) in Basel, die als schweizweit einzige Institution über ein stationäres Angebot für Glücksspiel- und Internetsüchtige verfügen.

Mit Christians Einverständnis wurde ihm in einem ersten Schritt alles weggenommen: Sämtliche Laptops, Mobiltelefone, zeitweise wurde ihm der Zugang zu seinem eigenen Bankkonto gesperrt. «Das war eine sinnvolle und notwendige Massnahme, um mein Spielverhalten zu kontrollieren.»

«Man verliert nur»

Zurzeit ist Christian krankgeschrieben. Seit zwei Monaten absolviert er eine psychotherapeutische Behandlung, Gruppen- und Einzelgespräche sind Teil davon. «Es geht darum, mein Hirn neu zu konditionieren.» Andere Teile seines Lebens sollen wieder in den Vordergrund rücken, die Glücksspielwelt vergessen machen.

«Es ist der Reiz, zu gewinnen, die sofortige Bestätigung für mein Handeln», sagt Christian über die Faszination des Geldspieles. «Doch es passiert das Gegenteil: Man verliert nur.»

Spielsüchtige online sperren

Dass Online-Casinos die ganze Zeit erreichbar sind, habe seine Sucht befeuert, meint Christian. Zu seinem eigenen Schutz und dem Schutz von anderen Spielsüchtigen befürwortet er deshalb Netzsperren, wie sie das neue Geldspielgesetz vorsieht. «Der Aufwand zur Umgehung einer Sperre hätte mich womöglich schon davon abgehalten weiterzuspielen.»

Christian befürwortet das neue Gesetz noch aus einem weiteren Grund: «Durch die Überprüfung der Identität hätten die Casinos die Möglichkeit, Spielsüchtige auch online zu sperren – das wäre ein grosser Vorteil.»

*Name geändert

(bus)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Pasci am 17.04.2018 20:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Anfang vom Ende

    Dieses Gesetz darf nie durchkommen. Es wäre der Anfang vom Ende des freien Internet. Wer Spielsüchtig ist, findet andere Wege seine Spielsucht zu befriedigen.

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  • sigi am 17.04.2018 20:49 Report Diesen Beitrag melden

    Politiker & Globalisierung

    Politiker wollen die Globalisierung, aber nur dort wo es ihnen passt. So nicht meine Herren in Bern!

  • BSN am 17.04.2018 20:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ein Witz

    Auch wenn ich gegen diese Casinos bin - geplante Netzsperren sind lächerlich und hindern nicht daran den Zugang zu erhalten. Will ich z.B. Swisscom TV-Air live im Ausland sehen, wechsle ich auf eine Schweizer IP und werde als in der Schweiz erkannt. Genauso werden Sperren in China oder der Türkei umgangen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Hans Meiser am 18.04.2018 20:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schutz für alle

    Es gibt Leute die sind süchtig nach Zitronen. Soll man jetzt den Import für alle verbieten?

  • Michelangelo am 18.04.2018 20:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Internet-Zensur?

    Ein in der Schweiz verbotenes Geschäftsmodell zu sperren hat nichts mit Internet-Zensur zu tun!

  • Schwizer am 18.04.2018 18:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hilfe anbieten

    Die Spielsucht, eine Krankheit die total unterschäzt wird. Wenn euch in eurem Umfeld eine Aufällige Spielweise aufällt. Schweigt nicht, sondern sprecht die Person an bitte.

  • sagamol am 17.04.2018 21:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Rechtsfreier Raum Internet?

    Wieso meinen die meisten Leute das Internet sei ein rechtsfreier Raum? Nur weil bis jetzt beinahe alles toleriert wird? Die Zukunft wird uns lehren, dass die vorgegaukelte unendliche Freiheit im Netz nicht funktioniert. Zensuren, Verbote, Abschaltungen und massive Strafen werden schon sehr bald eingeführt und dies ist auch gut so. In etwa so, wie auch jetzt schon mit harten Strafen gerechnet werden muss, bei Konsum von z.B. Kinderpornografie, Rassismus und noch einigem mehr. Dies ist doch auch richtig, Unsere Gesellschaft hat sich Gesetze auferlegt und die sind auch im Internet durchzusetzen.

    • Mr. Jister am 18.04.2018 19:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @sagamol

      Dann weicht man einfach auf das Darknet aus. Da können Politiker noch so viele Gesetze erlassen.

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  • AreSee am 17.04.2018 21:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Lobbyisten

    Liegt es nich auf der Hand dass hier Lobbyisten die Finger gaaanz tief in die Politik hineinstecken? Ich frag mich, ist das nicht irgendwann illegal? Das ist doch Bestechung auf dem höchsten und offensichtlichsten Niveau!