Ausflüge statt Quarantäne

18. März 2020 20:06; Akt: 18.03.2020 20:06 Print

«Habe auch die Maul- und Klauenseuche überlebt»

von Philip Salzmann - Stur und uneinsichtig? Nicht alle Senioren bleiben zu Hause. Wieso, erklären sie im Video.

Einige Personen ignorieren die Empfehlung, zuhause zu bleiben. Die Gründe sind vielseitig, wie im Video ersichtlich ist. (Video: phs)
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«Grandma, Grandpa, Stay Home», diese Botschaft richtet das BAG auch in einer neuen Kampagne an die über 65-Jährigen. Wie eine Strassenumfrage von 20 Minuten zeigt, nehmen das nicht alle ernst. «Ich habe die Maul- und Klauenseuche überlebt, ich überlebe auch das», sagt etwa Alfred (78) im Video oben.

Das Thema gibt auch in den Kommentarspalten zu reden. «Mir fällt auf, dass noch viele ältere Menschen unterwegs sind, dabei sind diese doch gefährdet. Komische Welt», wundert sich etwa 20-Minuten-Leserin Theres Z. Ein anderer Leser nervt sich über «Es heisst: ‹Die Jungen interessierts nicht, wir seien egoistisch.› Auf dem Weg zur Arbeit und wenn ich aus dem Fenster schaue, sehe ich aber nur Senioren.» Einige Leser fordern deshalb bereits eine Ausgangssperre für über 65-Jährige.

Fatalistische Haltung

Auch Pro Senectute Schweiz ist es nicht entgangen, dass einige Mühe haben, ihr Verhalten umzustellen. In einem Appell ruft die Stiftung insbesondere Seniorinnen und Senioren dazu auf, sich unbedingt an die Vorgaben des Bundes und der Kantone zu halten.

Kommunikationschef Peter Burri begründet das Verhalten unter anderem mit einer «Altersgelassenheit»: Man habe lange leben dürfen und dass es einmal fertig sei, gehöre dazu, ob mit Coronavirus oder ohne, so das Argument. Gegen diese Haltung habe man grundsätzlich nichts einzuwenden, allerdings würden so auch Dritte gefährdet, die vielleicht noch nicht an diesem Punkt des Lebens seien. Manche Senioren seien sich auch nicht bewusst, dass sie auch ohne Symptome Mitmenschen anstecken könnten. Hinzu komme: «Auch wenn man nur wandern geht und sich das Bein bricht, belastet man das Gesundheitssystem zusätzlich.»

Generationen müssen solidarisch sein

«Ein junger Wirt, der sein Restaurant schliessen muss und vor dem Konkurs steht, wird nicht verstehen, wenn Senioren ihr Leben weiterführen, als wäre nichts geschehen», sagt Burri. «Nun müssen alle Generationen solidarisch sein, dies fängt bei jedem Einzelnen an, mit seinem persönlichen Verhalten – auch wenn das zurzeit niemandem leichtfällt.»

Burri rechnet über kurz oder lang mit einer Verschärfung der Situation, wie dies in viele europäischen Ländern auch der Fall war. Damit sich Ältere in dieser
Situation nicht allein fühlen, hat Pro Senectute die Aktion Telefonketten ins Leben gerufen. Einmal in der Woche rufen sich die Teilnehmer reihum an, um zu plaudern und so den Kontakt zu pflegen.