Energiestrategie 2050

13. Januar 2017 14:08; Akt: 13.01.2017 15:16 Print

«In Röstis Brust schlagen zwei Herzen»

von D. Pomper - Der Wasserwirtschaftsverband stellt sich hinter die Energiestrategie 2050. Ihr Präsident ist ausgerechnet Albert Rösti, der dagegen ankämpft.

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SVP-Präsident Albert Rösti kämpft mit einem Referendum gegen die Energiestrategie 2050. Dies obwohl er Präsident des Schweizerischen Wasserwirtschaftsverbandes ist. Dieser stellt sich hinter die Energiestrategie. Der Schweizerische Wasserwirtschaftsverband unterstütze die mit der Energiestrategie 2050 zu Gunsten der Wasserkraft verabschiedeten Massnahmen. Es brauche aber weitergehende Anstrengungen, damit die Wasserkraft ihre Rolle für die Versorgungssicherheit wahrnehmen könne, schreibt der SWV. «In Albert Röstis Seele schlagen offensichtlich zwei Seelen», sagt Politologe Louis Perron. Offensichtlich sei er mehr SVP-Präsident als Präsident des Wasserwirtschaftsverbandes. Die Energiestrategie 2050 ist nach der gescheiterten Atomausstiegsinitiative unter Beschuss. Ein wichtiges Ziel der Energiestrategie: Bis 2050 soll eine 2000-Watt-Gesellschaft angestrebt werden. Was bedeutet das konkret für den Bürger? Im Bild: Plakate mit der Aufschrift «Die Bewohner dieses Hauses sind freie Bürger, sie brauchen so viel Strom, wie sie brauchen» hängen an einer Zürcher Hauswand. Leben wir bald alle wie die Bewohner dieses energieautarken Mehrfamilienhauses in Brütten? Der Strom für Lampen, Backofen oder Fernsehen wird ausschliesslich durch Sonnenenergie erzeugt. Das Mehrfamilienhaus ist weder an ein Stromnetz noch an eine Gasleitung angeschlossen und besitzt keinen Öltank. Auf dem Dach und an den Fasssaden gibt es Photovoltaikelemente, mit denen die Wohnungen versorgt werden. In der Küche und im Bad stehen energieeffiziente Geräte. Im Bild: Bundesrätin Doris Leuthard besucht das erste energieautarke Mehrfamilienhaus der Welt. Die Bundesrätin war mit ihrem Elektroauto angereist. Auch Kathy Riklin (CVP) ist überzeugt: «Die Schweiz wird den Energie- und Stromverbrauch senken können, ohne dass die Bürger darunter leiden werden.» Der technologische Fortschritt entwickle sich rasant, so dass sich der Konsument dank energieeffizienteren Geräten und Fahrzeugen nicht einschränken müsse. «Er wird auch in Zukunft nicht auf seinen Kühlschrank oder Kaffeemaschine verzichten müssen. Das heisst: Gleicher Lebensstandard mit weniger Energie.» «Kommt die Energiestrategie 2050 durch, katapultiert uns das in Richtung 1960er-Jahre zurück», sagt dagegen Lukas Weber, Elektroingenieur und Geschäftsführer von Alliance Energie. Statt einem eigenen Tumbler in der Wohnung gäbe es höchstens ein mit den Nachbarn geteiltes Gerät in der Waschküche, und vor der Benützung würden wir uns fragen, ob Wäscheaufhängen nicht günstiger komme. Da wohl auch Flüge verteuert würden, flögen die Leute weniger, glaubt Weber. Sie hätten langsamere Autos, und einige könnten sich keinen Zweitwagen mehr leisten. «In einer zweiten Phase der Energiestrategie würde über eine Lenkungsabgabe wahrscheinlich auch das Benzin verteuert. Folglich würden die Ausgaben der Haushalte und der Wirtschaft für den Energieverbrauch steigen», befürchtet Weber.

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Der Schweizerische Wasserwirtschaftsverband hat diese Woche seine Position zur Energiestrategie 2050 veröffentlicht. Darin stellt er sich hinter die Energiestrategie: «Damit diese Massnahmen zu Gunsten der Wasserkraft rasch ihre Wirkung entfalten, unterstützt der SWV die Inkraftsetzung des 1. Massnahmenpakets auf Anfang 2018», heisst es.

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Dies wäre nicht weiter aufsehenerregend, wäre der Verbandspräsident nicht ausgerechnet Albert Rösti. Der SVP-Präsident kämpft nämlich an vorderster Front gegen die Energiestrategie 2050. Die erste Hürde hat er bereits genommen: Die SVP hat über 60'000 Unterschriften gesammelt, nächste Woche wird das Referendum eingereicht. Am 21. Mai wird das Stimmvolk über die Energiestrategie 2050 abstimmen.

Richtiger Mann fürs Präsidium?

«In Albert Röstis Brust schlagen offensichtlich zwei Herzen», sagt Politologe Louis Perron. Offensichtlich sei er mehr SVP-Präsident als Präsident des Wasserwirtschaftsverbandes. Damit sei Rösti nicht allein. Fast alle Parlamentarier lobbyierten für irgendwelche Anliegen und Verbände. Es liege am Verband, zu entscheiden, ob Rösti damit der geeignetste Mann fürs Präsidium ist.

Dieser stellt sich hinter Albert Rösti: «Man kann durchaus für die einheimische Wasserkraft einstehen und das Gesamtpaket der Energiestrategie aus vielen anderen Gründen ablehnen», sagt Roger Pfammatter, Geschäftsführer des Wasserwirtschaftsverbandes. Pfammatter betont, dass der SWV «keine Position zum Gesamtpaket der Energiestrategie» habe, da sie sich «als Fach- und Interessenverband der Wasserkraft auf unsere Kernkompetenzen» konzentrierten. Richtig sei, dass der SWV «die mit dem Gesetzespaket vorgesehenen Massnahmen zu Gunsten der einheimischen Wasserkraft unterstütze und diese am schnellsten über die Inkraftsetzung der vorliegenden Energiestrategie 2050 eingeführt werden könnten».

«Ich war immer transparent»

Rösti betont, dass er gegenüber dem SWV immer transparent gewesen sei: «Ich wurde einstimmig zum Präsidenten gewählt, obwohl ich kommuniziert hatte, gegen die Energiestrategie 2050 anzukämpfen.» Ausserdem werde er sich – unabhängig vom Ausgang der Energiestrategie – bedingungslos für die Wasserwirtschaft einsetzen.

Mit dem ersten Massnahmenpaket der Energiestrategie 2050 wollen der Bundesrat und das Parlament die erneuerbaren Energien fördern, die Energieeffizienz steigern und den Neubau von Atomkraftwerken untersagen.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Chnoblibrot am 13.01.2017 14:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Typisch

    Symptomatisch für diese Partei. Bei der PFZ dafür, man kann dann billige ausländische Arbeitskräfte einstellen, aber dann gegen billige ausländische Arbeitskräfte wettern, um Stimmen zu generieren.

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  • Robin Zobrist am 13.01.2017 14:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ausstieg

    Finde einen Ausstieg definitv notwendig, jedoch soll man diesen auch realistisch planen.

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  • Guschti Brösmeli am 13.01.2017 14:28 Report Diesen Beitrag melden

    Rösti im Teller

    2 Seelen? Ich habe gemeint das Sprichwort lautet: In seiner Brust schlagen zwei Herzen...

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Laure. am 14.01.2017 08:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Herr Rösti

    Ich bin sicher, Sie kaufen die Bratwurst im Ausland.

  • mrfiveduck am 14.01.2017 07:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Volksvertreter?

    "Volksvertreter" Rösti ist ein Interessensvertreter der Wirtschaft und des Establishment. Unglaubwürdig.

  • Dr.Kern am 14.01.2017 00:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Desaster

    Von einer Strategie zu reden ist ja wohl weit übertrieben. Es ist ein haufen nicht umsetzbarer versprechen.

  • ninolino am 13.01.2017 19:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Im Schnee stecken geblieben?

    Hmm, wo sind nur all die fleissigen Kommentarschreiber, wenns ausnahmsweise mal einen kritischen Artikel über einen Exponenten der Sünnelipartei zu kommentieren gäbe?

  • Sador am 13.01.2017 18:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Naja.

    Ich glaube schon dass die Energiestategie der Richtige Weg ist. Jedoch sollte man endlich eine einheitliche Linie verfolgen. Nicht gegen Atomkraftwerke aber ebenfalls gegen Wasserkraftwerke. Dies gilt insbesondere für eine etwas Grün angehauchte Partei.