Steigende Zahlen

21. Februar 2018 05:46; Akt: 21.02.2018 09:03 Print

Schweizer studieren Medizin in Rumänien

von Nikolai Thelitz - Wer in der Schweiz beim Numerus clausus versagt, darf nicht Arzt werden. Viele Studenten versuchen es deshalb in Osteuropa.

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Wer in der Schweiz Arzt werden will, hat es nicht leicht. Auf die 2224 Studienplätze in Medizin haben sich letztes Herbstsemester 6407 Studenten angemeldet. Ob man einen Studienplatz erhält, wird an den meisten Universitäten durch einen Numerus-clausus-Test bestimmt. Nur wer an der Prüfung zu den Besten gehört, darf das Studium überhaupt aufnehmen. In Genf, Lausanne und Neuenburg findet die Selektion im ersten Jahr statt. Gleichzeitig ächzt die Schweiz unter einem Ärztemangel. «Ein Drittel der in der Schweiz praktizierenden Ärzte hat einen ausländischen Abschluss, Tendenz steigend», heisst es bei der Ärzteorganisation FMH.

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Mit dieser Situation konfrontiert, bewerben sich viele Studenten auch an Universitäten im Ausland, wo sie eine weitere Chance erhalten, ihren Traumberuf zu erlernen. Ein beliebtes Ziel ist dabei Osteuropa. Die Universität Iuliu Hatieganu in der Stadt Cluj-Napoca in Rumänien verzeichnet beispielsweise einen starken Anstieg der Zahl der Studenten aus der Schweiz. «Im aktuellen Studienjahr besuchen 49 Schweizer unsere Universität, 46 in der Human- und 3 in der Zahnmedizin. Letztes Jahr waren es erst 33», sagt Universitätssprecherin Simona Iclozan zu 20 Minuten.

«Man wird hier leichter aufgenommen»

Auch das Veterinärstudium in Cluj, das an einer anderen Universität stattfindet, zieht junge Schweizer an, etwa die Westschweizerin Mathilde Gerdil. «Das Studium selbst ist nicht einfacher, aber man wird leichter an der Uni aufgenommen», sagt sie im Westschweizer Fernsehen RTS. Sie fühle sich an der rumänischen Universität gut aufgehoben, «wie in einer kleinen Familie». Das Verfahren in der Schweiz sei hart und man könne leicht scheitern. «Viele junge Leute träumen davon, Arzt zu werden, und hier kann dieser Traum wahr werden.»

Erika Ziltener von der Zürcher Patientenstelle ist besorgt: «Es gibt bestimmt Universitäten, an denen die Qualitätsstandards gleich gut sind wie in der Schweiz. Aber das ist sicherlich nicht überall der Fall.» Würden immer mehr junge Schweizer im Ausland studieren, könnte die Sicherheit der Patienten in Gefahr sein. Deshalb müsse vor allem auch bei ausländischen Diplomen genau hingeschaut werden. «Es braucht eine genaue Prüfung der Ausbildung, bevor ein Arzt mit einem ausländischen Abschluss in der Schweiz zugelassen wird. Auch Spitäler müssen Bewerber genau prüfen.»

Die Universität Iuliu Hatieganu betont, das Medizinstudium in Cluj sei international anerkannt. «Rumänien ist EU-Mitglied, unsere Diplome sind international akzeptiert, auch in der Schweiz», sagt Sprecherin Iclozan. Die Ausbildung sei nach westeuropäischen Vorbild aufgebaut, man habe mehr als hundert Jahre Erfahrung und versuche ständig, sich weiter zu verbessern.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • B. Bakker am 21.02.2018 06:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Finde den Fehler

    Es hat jeweils 6000 Studiumsinteressierte, aber nur 2200 werden genommen. In der Schweiz gibt es jedoch einen Ärztemangel und 1/3 sind ausländische Ärzte. Sieht mir nach einem hausgemachten Problem aus.

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  • Sandro77 am 21.02.2018 06:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Paradox

    Dann sollte man das Numerus Clausus erhöhen und übrigens schon jetzt sind unsere Spitäler voll von ausländischen Arbeitskräfte. Die KK wird trotzdem nicht günstiger

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  • Kappa77 am 21.02.2018 06:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Dafür wieder einheimische Ärzte

    Ich bin geschäftlich viel in Tschechien und in Brno habe ich eine Gruppe Israelis getroffen die in Brno Medizin und Vet-Med studieren, weil man in Israel ewig auf einen Studienplatz wartet.. Da es bei den Ärzten eine Ost-West Verschiebung gibt, dh Deutsche Ärzte in die CH, Polnische nach D und Ukrainische Ärzte nach Polen, so kommen unsere jungen mit dieser Welle wieder zurück.. Sicher taugt nicht jeder Hoschschul Abschluss auf der Erde gleich viel, aber unterschätzt die Unis im Ost-Europa nicht..

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Die neusten Leser-Kommentare

  • debs am 21.02.2018 20:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    NC-Flüchtling

    Ich bin selbst NC-Flüchtling und studiere im 6. Semester Veterinärmedizin in Budapest. Das Studium steht dem in der Schweiz in nichts nach. Die meisten Prüfungen sind mündlich und überprüfen das vorhandene Wissen besser als Single-Choice Prüfungen. Ich bin für eine Begrenzung der Studienplätze, da ansonsten die praktische Ausbildung darunter leiden würde. Für mich war es die beste Entscheidung im Ausland zu studieren. Im Ausland auf eigenen Beinen zu stehen ist doch nochmal eine andere Lebensschule als wenn man in der Schweiz studiert und ein internationaler Abschluss schadet nicht.

  • Hussein am 21.02.2018 20:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Paradox

    Wir haben viele Unis und zu wenig hoch qualifizierte Personal. Lieber Politiker lassen Sie bitte die guten Schüler Zuhause studieren.

  • Aschi Bern am 21.02.2018 14:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kosten im Gesindheitswesen

    Mitte 80er Jahre hat die Schweiz beschlossen, die Anzahl Medizinstudenten zu beschränken, um die Kosten im Gesundheitswesen in den Griff zu bekommen. Studien der Hochschule St. Gallen zeigten damals, dass diese Kosten mit der Anzahl Aerzte korreliert. Leider ging diese Strategie voll daneben. Kosten stiegen trotzdem, und wir haben zu wenig Mediziner.

  • Prof.Dr. Teminus am 21.02.2018 14:14 Report Diesen Beitrag melden

    Gleich nicht für Gleiche

    Was ist mit den vielen Deutschen Ärzten in der Schweiz .wurden die getestet ,es gibt ja sogar Scheinärzte die in der Schweiz herumfummeln

  • Blixen am 21.02.2018 13:46 Report Diesen Beitrag melden

    Unterschätzt Rumänien nicht

    Rumänien hat ein sehr gutes Rechtssystem. Die Richter in Bukarest sind 100mal besser ausgebildet als unsere hier. Da kommt nicht jeder Dödel hin sondern muss jahrelang dafür studieren (eigener Studiengang). Da sind intelligente, innovative Menschen daran, ihren Staat aufzubauen. Und so ist es mit den Medizinern. Die betreiben keine Wischi-Waschi-Studiengänge sondern werden auf hohem Niveau ausgebildet. Wenn ich denke, dass unsere Ärzte hier nie (auch schulmedzinische) Alternativen anschauen und aus Gvätterlidenken nix selber hinterfragen, setze ich grosse Hoffnungen in Rumänien.