Wolfschutz

23. Juni 2014 13:39; Akt: 23.06.2014 13:39 Print

«In der Schweiz könnten 300 Wölfe leben»

von D. Waldmeier - Nachdem ein Wolf in der Agglomeration von Zürich aufgetaucht ist, wird ein alter Streit neu angeheizt: Wie viele Wölfe haben Platz in der Schweiz?

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Der Wolf ist in der Schweiz auf dem Vormarsch – am Donnerstag wurde bekannt, dass es ein Jungtier schon nach Schlieren ZH geschafft hatte. Gleichentags sprach sich die kleine Kammer dafür aus, den Wolfsschutz zu lockern. Die Mehrheit der Ständeräte befürchtete, dass sich die Wölfe unkontrolliert vermehren. Heute dürfen sie nur dann abgeschossen werden, wenn sie Schafe gerissen haben oder Menschen gefährden.

Unklar bleibt, wie stark das Wachstum der Population gebremst werden soll. Der Urheber des Vorstosses, der Bündner CVP-Ständerat Stefan Engler, hat bewusst keine konkrete Zahl vorgegeben und verlangt eine «Abflachung der Wachstumskurve». Damit ist ein neuer Streit vorprogrammiert – denn die Meinungen darüber, für wie viele Wölfe es in der Schweiz Platz hat, gehen meilenweit auseinander.

Wie viele Wölfe verträgt es?

Während für Engler mit den heutigen 20 bis 30 Wölfen bald einmal die Schmerzgrenze erreicht ist, wünscht sich David Gerke von der Gruppe Wolf Schweiz rund zehnmal so viele Wölfe wie heute, also 200 bis 300 Tiere. «Die ökologisch mögliche Dichte liegt weit höher. Aber diese Zahl ist meiner Meinung nach ein gesellschaftsverträglicher Kompromiss.» Als Argument dafür führt er die Situation beim Rudel im Calandagebiet an: Es gebe dort kaum Schäden, keine Konflikte mit der Bevölkerung und der Wildbestand sei nicht zusammengebrochen.

Mirjam Ballmer, Wolfspezialistin von Pro Natura, bestätigt, dass aufgrund des Futterangebotes und der Lebensräume sicher 200 bis 300 Wölfe in der Schweiz leben könnten. «Wieviele es tatsächlich einmal sein werden, hängt von der Akzeptanz ab.» Schon 2012 hatte sie sich wie auch der WWF bereit erklärt, über Regulationsmöglichkeiten zu sprechen. Laut Ballmer ist entscheidend, dass sich die Wolfspopulation gut selbst erhalten kann. «Dafür braucht es deutlich mehr Tiere als heute und auch mehrere Rudel.»

Reinhard Schnidrig, Leiter der Sektion Wildtiere beim Bundesamt für Umwelt, sagt es so: «In der Schweiz hat es für so viele Wölfe Platz, wie wir es in unseren Köpfen zugestehen.» Der Wolf habe in der Nähe von Siedlungen nichts verloren, ansonsten gebe es aber genügend geeignete Lebensräume.

«Im Unterland wird die Wolfsbegeisterung schwinden»

Das Auftauchen des Wolfes an der Zürcher Stadtgrenze könnte laut dem obersten Wildhüter der Schweiz die politische Debatte aber wesentlich beeinflussen: «Die Diskussion ist natürlich eine andere, wenn man den Wolf vor der Haustür hat.» Auch wenn die Mentalität der Leute im Flachland eine andere sei als in den Bergen, werde bei einem Teil der Bevölkerung die Begeisterung für den Wolf schwinden.

David Gerke von der Gruppe Wolf Schweiz räumt ein, dass dieses Risiko bestehe. Trotzdem begrüsst er es, wenn sich Meister Isegrim vermehrt im Mittelland zeigt: «Bis jetzt hatten wir die Situation, dass die Bevölkerung in den Berggebieten, die den Wolf hatte, tendenziell eher kritisch war. Im Flachland dagegen wurde der Wolf eher befürwortet, ohne dass man mit ihm zusammenleben musste.» Es sei nur recht, dass jene, die den Wolf wollten, ihn auch hätten. Grössere Wälder im Mittelland seien durchaus ein geeigneter Lebensraum für Wölfe.

Die Walliser Wolfsgegner vom Verein zur Verteidigung gegen Grossraubtiere hoffen dennoch, dass die Stimmung kippt: «Die Wolffreunde in den Städten finden, dass wir den Wolf erdulden müssen. Vielleicht haben sie mehr Verständnis für unsere Anliegen, wenn sie selber mit dem Raubtier konfrontiert sind», sagt Sekretär Jürgen Rohmeder.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Alain Iseli am 23.06.2014 14:19 Report Diesen Beitrag melden

    Falsche Frage

    die Frage ist eher: Wieviele Menschen haben hier Platz? ...wenn mir noch etwas Natur und vor allem Freiheiten und wenig Regulierungen wollen

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  • Hape S. am 23.06.2014 14:10 Report Diesen Beitrag melden

    Wolfparadies Zürich

    50 davon in der Stadt Zürich, wenn man diese gerecht verteilen gewillt ist. Da gibt's auch genug Katzen, Hunde und Küngel als Futter für die Wölfe.

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  • KULT-Urbanause am 23.06.2014 15:27 Report Diesen Beitrag melden

    Davon ausgehend...

    dass jeder der 300 Tiere pro Tag einen der 8 Mio Menschen reisst, werden die Tiere die 73 Jahre satt. Und das völlig ohne Zuwanderung. Ein Traum :-)

Die neusten Leser-Kommentare

  • Sarah (15) am 08.09.2015 16:35 Report Diesen Beitrag melden

    Wölfe in der Schweiz willkommen

    die Wölfe haben das gleiche Recht in der Schweiz zu leben wie wir! Sie sind auch nur Lebewesen wie wir alle. Wir haben ihnen die Heimat genommen und sollten ihnen das zurück geben, was ihnen gehört. wir können mit diesen Tieren leben, wenn wir es versuchen würden!

  • EGLI RUDOLF Ottenbach am 23.06.2015 17:40 Report Diesen Beitrag melden

    1 gerissenes Schaf ist eines Zuviel

    Als Züchter des Bündner Oberländer Schafes, einer Rasse welche fast ausgestorben wäre, frage ich mich immer wieder, was denn so ein Leben eines Schafes wert ist. Für mich ganz klar ein gerissenes Schaf ist eines zu viel . Da opfern so viele Menschen Ihre Freizeit um diese Tiere wieder heranwachsen zu lassen, welche ohne solche Einsätze freiwilliger nie möglich wäre. Die Antwort ist immer ganz einfach und Real selten wirklich umsetzbar Herdenschutzhunde. Der Platz mit heute so vielen Menschen bietet einfach keinen Platz mehr für solche Wildtiere. Vor 100 Jahren war noch viel mehr Platz.

  • Markus Lüttin am 13.10.2014 02:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wolf heute! mit Lizenz zum Töten

    mit unter all den Business Wölfen sollte es ein leichtes sein den schaden von echten Wolfstieren zu tragen. aber der Wolf ist nicht dumm, er merkt sicher schnell wie dumm der Mensch ist und sich bis ins Haus zurück zieht und sich seiner Haus- Tiere nicht wehrt. Da müsste dem Menschen ein Ausgleich ( Respekt verschaffen) eingeräumt werden. so dass der Wolf Distanz zum lebensraum Mensch einhaltet. Und da uns keine Zähne wie den Löwen wachsen müssen wir uns anders bewaffnen. In der Natur werden solche probleme selbst gelöst. Der stärkere gewinnt. Der schwächere macht sich aus dem Staub. Dann funktionert das zusammen leben. Ansonsten der Wolf zuerst die Neu-Erfundene Regel des Menschenerlernen muss.. vielleicht mit einem Migros-Kurs

  • P. Wittwer am 22.07.2014 21:04 Report Diesen Beitrag melden

    Unfall in Schweden 18.04.2011

    Wölfe greifen Mutter mit Baby an. Auf einem Morgenspaziergang sind eine Schwedin und ihr Kind von Wölfen attackiert worden. Die Familie kam mit dem Schrecken davon, ihr Hund jedoch nicht. Zwei Wölfe haben eine Schwedin beim Sonntagsspaziergang mit ihrer kleinen Tochter und einem Hund attackiert. Nach Angaben des Ehemannes der Frau tauchten bei dem morgendlichen Spaziergang bei Norrtälje nördlich von Stockholm plötzlich zwei Wölfe auf und bauten sich vor dem Hund namens Tyson auf. Während das eine der beiden Raubtiere den kleinen Hund in den Nacken biss, ihn anhob und mit der Beute in den Wald

  • Michael Klein am 23.06.2014 16:05 Report Diesen Beitrag melden

    Passt nicht mehr

    Ich glaube nicht das man den Wölfen etwas gutes tut, wenn man sie in eine vom Menschen dominierte Umgebung verpflanzt. Da zieht er immer den Kürzeren. Die Zeit von Bär und Wolf sind hier wirklich vorbei, auch wenn ich es schön finden würde. Nur ist die Lobby von Schafzüchtern und ängstlichen Eltern zu gross.