Mindestlohn

27. März 2014 10:51; Akt: 27.03.2014 12:17 Print

«Initiative ist klassisches Eigengoal»

Die Gegner der Mindestlohn-Initiative haben sich heute Donnerstag an einer Medienkonferenz geäussert. Das Volksbegehren sei das falsche Mittel, um Armut zu bekämpfen.

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: Verdient bis zwei Jahre Berufserfahrung 6692 Franken. Zwischen zwei und fünf Jahren Berufserfahrung 7923 Franken und ab fünf Jahren 8462 Franken. : In einer Bierbrauerei wird im Schnitt 41 Stunden pro Woche gearbeitet. Ein gelennter Brauer verdient 4459 Franken. Nach acht Jahren sind es 4896 Franken. : In einer Confiserie steigt der Lohn mit der Ausbildung. Mit Berufsattest beträgt er 3445 Franken, mit Fähigkeitsausweis 3845 Franken und mit Meisterdiplom als Produktionsleiter 5313 Franken. : Drogisten arbeiten pro Woche 42 Stunden. In wirtschaftlich schwächerer Region verdienen sie 3708 Franken, in wirtschaftlich stärkerer Region 4225 Franken. Als Geschäftsführer mit höherer Fachschule beträgt der Zahltag sogar 6542 Franken. : Ein Elektroingenieur arbeitet 41,5 Stunden pro Woche. Sein Einstiegslohn beträgt 5959 Franken, mit Erfahrung gibts satte 9285 Franken. : Mitarbeiter ohne Berufslehre erhalten 3407 Franken, Mitarbeiter mit Berufsattest 3707 Franken. Mit Berufslehre gibts 4108 Franken. : Ein Senn verdient trotz der harten körperlichen Arbeit gerade einmal 160 bis 225 Franken pro Tag. : Bis zum 25. Altersjahr verdienen Softwareentwickler 5169 Franken, ab dem 30. Altersjahr 6746 Franken. : Ein Journalist verdient als Volontär durchschnittlich 4099 Franken, als Redaktor 7541 Franken und als Ressortleiter 8310 Franken. : Köche arbeiten 42 Stunden pro Woche und verdienen dafür 4810 Franken. : Lastwagenchauffeure fahren 48 Stunden pro Woche. Ab dem vierten Berufsjahr verdienen sie 4450 Franken, vorher verdienen sie 4250 Franken. : Ein gelenter Mauer verdient 5553 Franken, ein Vorarbeiter 6080 Franken. : Eine Näherin verdient 3420 Franken mit Berufslehre. Nach 3-jähriger Berufspraxis gibts 4360 Franken. : Ein Oberarzt verdient 8506 Franken im Monat. Zum Vergleich: Ein Assistenarzt erhält 7463 Franken, ein Chefarzt 12'824 Franken und der Direktor eines Unispitals gar 14'732 Franken. Eine Arztgehilfin hingegen verdient zwischen 4000 Franken und 5170 Franken. : Laut dem Zürcher Personalgesetz verdienen Aspiranten 5217 Franken, ein Gefreiter 5511 Franken und ein Wachtmeister 6197 Franken. . Er verdient ab dem 24. bis zum 29. Altersjahr 6823 Franken. Für Vierzigjährige gibt es laut dem Lohnbuch 8182 Franken, für Fünfzigjährige sogar 8359 Franken. : Unter 18-jährige Raumpflegerinnen verdienen 3351 Franken, über 18-jährige 4655 Franken oder 25 Franken pro Stunde. : Als Schneesportlehrer lohnt es sich, eine Ausbildung zu machen. Denn Mit eidgenössischem Fachausweis verdient ein Lehrer minimal 70 Franken pro Stunde, als Hilfslehrer minimal 30 Franken. Sie verdient bei höchstens 23 Arbeitstagen im Monat einen Nettolohn von 2300 Franken. Die Tagespauschale beträgt 190 Franken. : Uhrmacher werden für ihr Geschick mit dreijähriger Lehre mit 3650 Franken, mit vierjähriger Lehre mit 4000 Franken entlöhnt. : Detailhandelsangestellte arbeiten rund 41 Stunden in der Woche und werden nach einer dreijährigen Lehre dafür mit 3900 Franken entlöhnt. Mit vierjähriger Lehre gibts 200 Franken mehr. : Wäschereimitarbeiterinnen profitieren von einer guten Ausbildung. Mit Berufsattest gibts 3375 Franken, Mit dreijähriger Lehre 4264 Franken. : Sogar dieser ungewöhnliche Beruf wird im Buch aufgeführt. Ein gelernter Yachtbauer verdient 5454 Franken, ab 30 sogar 6729 Franken. : Spezielle Entlöhnungen gibts für Zirkusartisten. Der angegebene Mindestlohn richtet sich nach Können und Bekanntheitsgrad des Künstlers, beträgt aber mindestens 2000 Franken oder 9.20 pro Stunde. Berufsüblich ist eine 50-Stunden-Woche.

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Ein Mindestlohn verdränge Schwächere aus dem Arbeitsmarkt, vernichte Arbeitsplätze und erschwere den Berufseinstieg. Davon sind die in einem überparteilichen Komitee zusammengeschlossenen Gegner der Mindestlohn-Initiative überzeugt.

Das Volksbegehren des Schweizerischen Gewerkschaftsbunds (SGB), über das am 18. Mai abgestimmt wird, verlangt einen landesweiten gesetzlichen Mindestlohn von 22 Franken pro Stunde. Das entspricht rund 4000 Franken im Monat. Etwa 330'000 Personen arbeiten in der Schweiz für ein tieferes Gehalt. Für diese wäre die Initiative ein klassisches Eigengoal, wie die Gegner am Donnerstag vor den Medien in Bern ausführten.

Probleme für Landwirtschaft

Der Rationalisierungsschub, den die Initiative auslösen würde, treffe besonders Berufseinsteiger, Wiedereinsteiger und weniger gut Qualifizierte, sagte CVP-Präsident Christophe Darbellay (VS). Die «gut gemeinte» Initiative schade damit ausgerechnet jenen, die sie eigentlich schützen wolle.

Besondere Probleme orten die Gegner für Angestellte von KMU oder Landwirtschaftsbetrieben. Bei einem Stundenlohn von 22 Franken könne sich die Landwirtschaft keine Angestellten mehr leisten, gab der Berner BDP-Grossrat Heinz Siegenthaler zu bedenken. Arbeitsintensive Kulturen wie Gemüse, Obst oder Beeren und grössere Tierbetriebe würden verschwinden.

Bei einem Mindestlohn von 22 Franken könne sein Betrieb nicht mehr mit Unternehmen aus dem Osten Europas konkurrieren, sagte Fuhrhalter und SVP-Nationalrat Ulrich Giezendanner (AG). Für ihn ist klar, dass die Initiative in der Schweiz viele Arbeitsplätze kosten würde. Gerade Jobs im Niedriglohnbereich würden unnötig gefährdet, sagte auch der Berner GLP-Nationalrat Jürg Grossen.

Weniger Lohn auf dem Land

Die Gegner der Initiative halten es auch für falsch, alle Regionen, Branchen und Qualifikationen über einen Kamm zu scheren. Eine kleine Firma im Berner Oberland könne ihren Angestellten nicht den gleichen Lohn zahlen wie eine Grossfirma mitten in Zürich, sagte Grossen. Das mache aber nichts, denn in ländlichen Gebieten seien auch die Lebenshaltungskosten tiefer als in grossen Städten.

Grossen hält es zudem für «ungerecht, wenn eine ausgebildete Fachkraft gleich viel verdient wie jemand, der keine Berufslehre gemacht hat». In den Augen der Gegner gefährdet die Initiative aus diesem Grund auch das duale Bildungssystem: Der Anreiz, eine Berufslehre zu machen, würde massiv sinken, sagte FDP-Nationalrätin Petra Gössi (SZ). «Ohne jegliche Qualifikationen auf Anhieb 4000 Franken zu verdienen ist so reizvoll wie gefährlich.»

Weltweit höchster Mindestlohn

Laut Darbellay steht auch die Sozialpartnerschaft auf dem Spiel. Vorteilhafte Regelungen in Gesamtarbeitsverträgen könnten einem staatlichen Mindestlohn zum Opfer fallen. Und schliesslich wäre für den CVP-Präsidenten das Lohngefälle zu gross, wenn die Schweiz den weltweit höchsten Mindestlohn einführen würde.

Der höchste europäische Mindestlohn liege derzeit in Luxemburg bei rund 12 Franken pro Stunde; Deutschland diskutiere über einen gesetzlichen Mindestlohn von umgerechnet 10,5 Franken. In den ohnehin unsicheren Zeiten dürfe man die Wirtschaft nicht noch mit zusätzlichen Unsicherheiten belasten, warnte Darbellay.

Dem überparteilichen Komitee gehören SVP, CVP, FDP, GLP, BDP und EVP an. Bundesrat und Parlament empfehlen die Initiative zur Ablehnung. Auch Wirtschaftsminister Johann Schneider-Ammann macht geltend, dass ein staatlich festgelegter Mindestlohn das falsche Mittel sei, um Armut zu bekämpfen. Für ihn steht das Funktionieren des Schweizer Arbeitsmarkts auf dem Spiel.

Die Gewerkschaften bezeichnen dies als Angstmacherei. Sie verweisen auf die Erfahrungen im Gastgewerbe, in welchem die Arbeitslosigkeit nach der Einführung von Mindestlöhnen sogar gesunken war. Auch die OECD kam zum Schluss, dass kein Zusammenhang zwischen Mindestlöhnen und der Arbeitslosenrate nachweisbar ist.

(sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • peter n am 27.03.2014 11:02 Report Diesen Beitrag melden

    Weltzerstörer....

    Alle linken Initiative die in letzter Zeit kamen, sollen unseren Schwächsten stärken. Nur wenn man das ganze zu Ende denkt, sieht man jedes mal, dass es ein Schuss ins eigene Bein ist. Gleichzeitig zeigen sich dieselben Leute je länger je intolleranter was andere Meinungen betreffen. Aktuell in Bern wollen Linke verhindern dass Rechte demonstrieren. Das ist ein wunderschönes Demokratieverständnis das diese Leute haben und uns gleichzeitig noch ständig zu sagen: wir wissen es besser, was für euch gut ist. Liebe Linke: wir wollen keinen Kommunissmus und Sozialismus! Lest endlich Geschichtsbücher

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  • Jay D. am 27.03.2014 11:19 Report Diesen Beitrag melden

    Ist es fair,...

    ...dass jemand der eine weniger anspruchsvolle Ausbildung gemacht hat und z.B. in einem Kiosk arbeitet (nichts persönliches!) mehr verdient und ich, der einen inhaltlich anspruchsvolleren Job ausübe, dann immer noch gleich viel verdiene? oder wie stellt man sich das vor? werden dann einfach die Löhne von allen angepasst? dann würde ein min.-Lohn jedoch keinen Sinn machen, da sich die Kaufkraft ja kaum verändern würde. Konsumentenpreise steigen! ergo: leute die gleich viel Lohn wie vor der Initiative haben, können sich weniger leisten als vorher. Für mich eine unverständliche Initiative.

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  • ENU am 27.03.2014 11:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Mindestrente 4000.-

    Die Initiative kann anschliessend auch für die Mindestrenten Initiative verwendet werden. Wenn Alle den Mindestlohn durchbringen kann man ja auch die Mindestrente 4000.- durchboxen.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Gabriel am 27.03.2014 17:35 Report Diesen Beitrag melden

    Geht's noch?

    Wer einen Mindestlohn fordert der hat ja wohl Null Ahnung von Wirtschaft. Man muss nur 1 Jahr die KV Lehre absolviert haben um zu verstehen dass ein Mindestlohn von 4000.- zu Massenentlassungen und Schäden in Unternhemen führen wird. Hat mich nicht gewundert dass dieser Wunsch von Linker Seite kommt. Von Wirtschaft haben die selten was verstanden.

  • Liselote Meier am 27.03.2014 12:58 Report Diesen Beitrag melden

    Pro Mindestlohn

    Alle Menschen, die arbeiten, haben das Recht auf eine Entlohnung, die ihnen eine eigenständige Existenzsicherung möglich macht und die Sozialkassen nicht belastet. Es ist ja Absurd das viele Menschen Ergänzungsleistungen, Krankenkassenverbilligungen usw. erhalten müssen, welches von der Allgemeinheit bezahlt wird, anstatt es sich selber erarbeiten können.

  • Domi am 27.03.2014 12:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bin mir nicht sicher.

    Besser wäre 3500.- ohne Ausbildung, 4000.- mit Ausbildung. Dann würde ich Ja stimmen.

  • Mech am 27.03.2014 12:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Mech

    Warum redet nie jemand über mechaniker bei tiefen löhnen??

  • Patrik B. 16J. am 27.03.2014 12:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    4'000...

    Ein gesetzlich geregelter Mindestlohn wird nicht viel erreichen. Wenn alle mindestens 4'000 Fr. bekommen, dan werden die, die jetzt 4'000 Fr. haben auch mehr wollen. Und so wird es immer weiter gehen. Ausserdem sind die Steuern progressiv. Dass heisst der Bund ist der lachende Gewinner. Und unterm dem Strich werden alle zwar 4'000 Fr. und mehr haben jedoch werden sie damit weniger haben. Kaufkraft jedes einzelnen sinkt. Deshalb ein klares Nein. P.S. Schade das ich noch nicht abstimmen kann. :)