Restaurantbesitzer

01. Mai 2015 23:04; Akt: 02.05.2015 04:01 Print

«Innert 30 Minuten war das Restaurant voll Wasser»

Die Pegel der Schweizer Gewässer sind wegen des intensiven Regens gefährlich hoch. Das musste der Besitzer des Restaurants Einsiedelei in Rüttenen SO am eigenen Leib erfahren.

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Das Restaurant Einsiedelei in Rüttenen SO glich nach dem Dauerregen am Freitagabend einer Insel. «Es war der Horror, wir konnten nichts machen», sagt Besitzer Franz Aerni. Innerhalb von 30 Minuten habe sich das Lokal mit Wasser aus dem Verenabach gefüllt. Zeitweise sei es kniehoch gestanden. Mit Sandsäcken und aufgerollten Teppichen versuchte der Wirt und die Gäste das Eindringen des Wassers zu verhindern - jedoch ohne Erfolg. «Es schmerzt mich zu sehen, dass alles, was ich in mühsamer Kleinarbeit geschaffen habe, nun den Bach runtergeht», sagt Aerni. Leser-Reporterin Jasmina meldet: «An der Aare in Aarburg ist alles überschwemmt.» Die Feuerwehr sei im Einsatz und Strassen seien teilweise gesperrt. Auch die Vièze in Monthey VS führte am Freitagabend gefährlich viel Wasser. Aus diesem Grund... ... wurden Bewohner aufgefordert, ihre Häuser zu verlassen. Auch in der Deutschschweiz waren einige Pegel von Flüssen gefährlich hoch, so etwa die Birs in Laufen BL. Diese zwei Kajakfahrer nutzen die Gunst der Stunde und ritten auf dem wilden Fluss. Leser-Reporter Basil aus St. Urban LU schickt ein Bild vom «Groppenbach», der über die Ufer trat. «Der Dorfbach in Hubersdorf SO ist bis an die Oberkante des Bachbettes angeschwollen», schreibt uns Roland Isch. Von der Fussgängerbrücke in Olten aus schickt uns ein Leser-Reporter dieses Zeugnisses des Kampfes der Feuerwehr gegen die Fluten. In Morgins (VS) sei die Strasse nach Frankreich kurz davor, überschwemmt zu werden. Unser Leser-Reporter aus Moudon (VD) fasst das ganze zusammen: «Zu viel. Es ist zu viel.»

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Das Restaurant Einsiedelei in Rüttenen SO steht unter Wasser: «Es war der Horror, wir konnten nichts machen», sagt Besitzer Franz Aerni gegenüber 20 Minuten. Innerhalb von 30 Minuten sei das Wasser des Verenabachs plötzlich kniehoch in seinem Wirtshaus gestanden. Und das ausgerechnet am Jubiläumsabend von Aerni: «Heute vor 37 Jahren habe ich das Restaurant übernommen – jetzt ist mein wunderschönes Lokal zerstört.»

Als das Wasser langsam in den Saal floss, habe er noch versucht, das Nass mit gerollten Teppichen und Sandsäcken aufzuhalten. «Auch unsere Gäste haben tatkräftig mit angepackt und das gepolsterte Mobiliar in Sicherheit gebracht». Als jedoch das Wasser um das Gebäude schon mehrere Zentimeter hoch stand, hätte alles nichts mehr geholfen.

Die Feuerwehr sei überlastet gewesen und hätte darum lange gebraucht, bis sie eintraf. «Es schmerzt mich zu sehen, dass alles, was ich in mühsamer Kleinarbeit geschaffen habe, nun den Bach runtergeht», sagt Aerni. Er wisse nicht, wie es nun weiter gehen soll, so etwas hätte er noch nie erlebt: «Wir sind ein Ausflugs-Restaurant. Im Mai fängt die Saison für uns erst an», sagt der pensionierte Besitzer.

Landesweiter Dauerregen

MeteoNews schreibt in einer Medienmitteilung, dass es in den dreissig Stunden vor Mitternacht fast in der ganzen Schweiz grosse Mengen an Regen gefallen sind. Vor allem der Jurasüdfuss, das westliche Mittelland, die Romandie und die Jurahügel selber seien am stärksten betroffen. 50 bis 80 Liter je Quadratmeter seien verbreitet gewesen und zum Teil ging es gar über 100. Einzig der Kanton Graubünden sei verschont geblieben.

Einige Bewohner von Monthey VS wurden am Freitagabend aufgefordert, ihre Häuser zu verlassen. Grund war der hohe Pegelstand der Vièze: «Alle Einwohner zwischen dem Hallenbad und der roten Brücke werden gebeten, ihre Häuser zu verlassen», schrieb die Polizei auf ihrer Facebook-Seite. Bewohner wurden angehalten, sich zur Schule in Collombey-Muraz zu begeben und Radio zu hören.

70 Prozent der gesamten Mai-Niederschläge

MeteoNews meldete am Freitagabend auch hohe Regenmengen im waadtländischen La Dôle, wo 120 Liter Regen pro Quadratmeter gemessen wurden. Normalerweise fallen im Mai in der Region insgesamt 155 Liter Regen. Neuenstadt BE kassierte 107 Liter, Grenchen SO wurde mit 105 Litern begossen, Wynau BE mit 96.

Auch in Bern strömte es aus Kübeln: Insgesamt mass der Wetterdienst 62 Liter pro Quadratmeter. In Zürich Oerlikon waren es 54 und in Basel 52 Liter. Stellenweise sind gemäss MeteoNews in nur 24 Stunden 40 bis 70 Prozent der gesamten Mai-Niederschläge gefallen.

Ab Samstagabend geht es weiter

In den Bergen seien die Niederschläge deutlich stärker als in den Niederungen.

Ab Samstagmorgen sollen die Niederschläge allmählich wieder abklingen. Aber weitere, zum Teil anhaltende Niederschläge sollen zwischen Sonntagnacht und -nachmittag fallen. Dabei seien zusätzlich noch 20 bis 30 Liter pro Quadratmeter bei einer Schneefallgrenze zwischen 2500 bis 2800 Metern zu erwarten, schreibt MeteoNews weiter.

Flusspegel sind bereits angestiegen

Die Flüsse auf der Alpennordseite haben auf die seit Donnerstagabend gefallenen Niederschläge bereits reagiert und sind leicht angestiegen, wie dem Naturgefahrenbulletin des Bundes vom Freitagmittag zu entnehmen ist.

Einzelne kleinere und mittlere Flüsse zeigten für die Jahreszeit erhöhte Abflüsse, während die Pegelstände der Seen noch mehrheitlich den saisonalen Mittelwerten entsprachen.

Auf der Alpennordseite bestand ab Freitagmittag mässige Hochwassergefahr an der Aare, dem Rhein, der Birs, der Thur sowie an den kleineren und mittleren Flüssen.

Die grössten Abflussanstiege wurden an der Emme, der Aare unterhalb des Bielersees, der Birs, der Thur sowie dem Hochrhein zwischen Bodensee und Basel vorhergesagt.

(cho/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Romy am 01.05.2015 16:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Dauerregen

    Schaut nach Nepal und seid zufrieden. So ein Theater, nur weil es ein/zwei Tage regnet.

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  • höhöhö am 01.05.2015 15:39 Report Diesen Beitrag melden

    Räge rägetröpfli

    Gut heute regnet es ziemlich stark aber jetzt mal ehrlich der April war bis jetzt sehr angenehm, oft sonnig. Man könnte meinen bei uns regnet es 365 Tage durchgehend. Das Wetter ist wie es ist und die Natur weiss schon was sie tut. Und zur Erinnerung es wurde schon mal erwähnt das es auf unserem Breitengrad normal ist das es öfters regnet... auch im Sommer...

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  • Tüechlidrugger am 01.05.2015 15:56 Report Diesen Beitrag melden

    Ein Vorschlag

    Die Karre zuhause lassen und zusammen ein Fondue essen und... hört ihr nicht wie das Bettchen ruft?

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Claudia am 02.05.2015 19:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unwetter

    In wenigen Jahren, fragen die Schweizer,wer hilft Uns?Egal,was passiert.

  • Rüttener am 02.05.2015 17:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schade

    Ja bei uns hat es stark geregnet. Dem Herrn trotzdem alles Gute beim reinigen und sanieren seines Restaurants! Ich er kann die Schäden möglichst schnell beheben.

  • T. Jobs am 02.05.2015 14:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Renaturieren!

    Wenn man die Bäche und Flüsse auf den Bildern anschaut merkt man, dass durch das kanalisieren und zubetonieren die Wassermassen eben nur noch in die zu nahe gebauten Häuser laufen kann!

    • M.G. am 02.05.2015 18:30 Report Diesen Beitrag melden

      Hydrologische Unkenntnis

      Ein Kollege von mir wollte im Kanton Bern in der Nähe der Aare ein Haus bauen. Es gelang aber nicht die Baugrube für den Keller leer zu pumpen. Was selbst die Gemeinde nicht wusste, durch ihr Gebiet floss in antiker Zeit ein Nebenarm der Aare. Das in 2 Meter Tiefe liegende antike Sediment steht heute noch wassertechnisch mit der Aare in Verbindung und bei jedem Regen ist der Grund nass wie ein Schwamm. Die ganze Umzonung erfolgte früher ohne ein hydrologisches Gutachten. Nur weil er der erste war der im Neubaugebiet ein Haus mit Keller bauen wollte ist die ganze Sache überhaupt aufgefallen.

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  • rainbowmaker63 am 02.05.2015 14:05 Report Diesen Beitrag melden

    sichere Bauzonen definieren

    Gemäss Raumplanung gibt es Bauzonen und solche, die nicht bebaut werden (dürfen). Vielleicht müssen wir uns umbesinnen und nur (noch) dort Bauten zulassen, wo sie nicht beim nächsten Starkregen unter Wasser stehen. Aber da machen wir's wie die Amis; die bauen ihre (Holz-)Häuser auch in alter Weise in der Tornado-Alley wieder auf und selbst Land unter dem Meeresspiegel wird fröhlich bebaut.

  • rb am 02.05.2015 13:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    natur

    Das ist die Natur!!! was die menschen geben, kommt einfach zurück! was in nepal passiert ist, ist auch schrecklich! ich hoffe dort kann man auch noch vieles retten wie bei uns!