Skurrile Festtags-Unfälle

21. Dezember 2017 20:03; Akt: 21.12.2017 20:38 Print

«Kinder klauten Batterien vom Rauchmelder»

von Jennifer Furer - An Weihnachten und Silvester wird nicht nur gefeiert, es kommt auch immer wieder zu Unfällen. Darunter gibt es besonders skurrile Fälle.

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Brennende Tannenbäume sind an Weihnachten keine Seltenheit. Bei der Mobiliar löste ein Hauskater einen solchen Vorfall aus: «Einmal wurde uns mitgeteilt, dass der Hauskater mit dem Lametta am Tannenbaum spielte, sodass sich ein Ast des Baumes bewegte, auf dem eine Kerze angebracht war. Diese wiederum berührte einen anderen Ast und der Baum fing Feuer.» (Symbolbild) Das Wohnzimmer habe anschliessend eine Komplettsanierung benötigt. (Symbolbild) Auch Roland Bingisser, Chefarzt Notfallzentrum des Universitätsspitals Basel, behandelt über die Festtage Patienten, die wegen eines Weihnachtsbaumes eingeliefert werden: «Wir hatten einen Patienten, der unter einem Weihnachtsbaum begraben wurde.» Ein anderes Mal habe ein Mann einen brennenden Baum auf den Balkon werfen wollen. Dabei verletzte er sich schwer. (Symbolbild) Auch im Inselspital Bern herrscht über die Festtage viel Betrieb, wie Aris Exadaktylos, Chefarzt und Direktor Universitäres Notfallzentrum im Inselspital Bern, sagt. Im Vergleich zu den gleichen Tagen im November behandle man doppelt so viele Schnitt-Verletzungen. «Bei Verbrühungen und Verbrennungen ist der Anstieg noch stärker», sagt Exadaktylos. Spürbare Auswirkungen haben die Festtage zwischen Weihnachten und Neujahr auch bei der Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt (Suva). «In den Unfallprotokollen heisst es dann beispielsweise, dass sich jemand beim Einpacken von Geschenken mit dem Jagdmesser geschnitten hat oder dass beim Ausprobieren des neuen Messers ein Teil der Fingerkuppe abgetrennt wurde», sagt Senn.

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Weihnachtsgeschenke auspacken lässt Kinderherzen höher schlagen. Blöd nur, wenn die neuen Spielzeuge Batterien benötigen, aber keine griffbereit sind. Da kann es passieren, dass sich die Kinder am Rauchmelder bedienen, dessen Batterien entfernen und in ihre Spielzeuge einsetzen. Gefährlich wird es, wenn sich dann ein Kerzenbrand ereignet, der Rauchmelder wegen der fehlenden Batterien nicht mehr funktioniert und Weihnachten im Spital endet.

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Diesen skurrilen Vorfall erlebte Roland Bingisser, Chefarzt im Notfallzentrum des Universitätsspitals Basel. Es war nicht der erste. «Wir hatten einen Patienten, der unter einem Weihnachtsbaum begraben wurde», sagt Bingisser. Ein anderes Mal habe ein Mann einen brennenden Baum aus der Wohnung auf den Balkon werfen wollen. Dabei verletzte er sich schwer.

Doppelt so viele Schnittverletzungen

Solche Unfälle seien keine Einzelfälle. «An Weihnachten kommt es oft zu Verbrennungen», sagt Bingisser. Auch im Inselspital Bern herrscht über die Festtage viel Betrieb, wie Aris Exadaktylos, Chefarzt des Universitären Notfallzentrums, sagt. Im Vergleich zu den gleichen Tagen im November behandle man zum Beispiel doppelt so viele Schnittverletzungen.

«Bei Verbrühungen und Verbrennungen ist der Anstieg noch stärker», sagt Exadaktylos. Auch Erkrankungen des Verdauungstraktes, des Herz-Kreislauf-Systems oder Probleme bedingt durch Alkohol und andere Genussmittel würden zunehmen.

Personal aufstocken

Im Universitätsspital Zürich werde über die Festtage aufgestockt. Dagmar Keller Lang, Direktorin des Instituts für Notfallmedizin: «Ab dem 25. Dezember suchen mehr Patienten den Notfall auf als sonst. Spürbar wird es vor allem in der Silvesternacht und am Neujahrsmorgen, weshalb wir dann auch mehr Personal einsetzen.»

Spürbare Auswirkungen haben die Festtage zwischen Weihnachten und Neujahr auch bei der Schweizerischen Unfallversicherung (Suva). «Auffallend ist, dass die Unfallversicherungen über Weihnachten am meisten Haushaltsunfälle verzeichnen», sagt Sprecherin Barbara Senn. Wie eine Statistik zeigt, verletzten sich pro Tag durchschnittlich 109 Menschen bei Haushaltsarbeiten. An den beiden Weihnachtstagen sind es mit 290 Fällen deutlich mehr.

Ski- und Sturzunfälle an Silvester

«In den Unfallprotokollen heisst es dann beispielsweise, dass sich jemand beim Einpacken von Geschenken mit dem Jagdmesser geschnitten hat oder dass beim Ausprobieren des neuen Messers ein Teil der Fingerkuppe abgetrennt wurde», sagt Senn. Vor allem Männer würden sich an Weihnachtstagen überdurchschnittlich oft verletzen.

An Silvester hingegen passieren vor allem Skiunfälle. Durchschnittlich 646 Fälle registrierte die Suva an den Neujahrstagen pro Jahr. Auch Unfälle — vor allem Sturzunfälle — nehmen an Silvester zu. Während durchschnittlich pro Tag 362 solcher Unfälle passieren, sind es an den beiden Silvestertagen 1110.

Komplettsanierung wegen verspielter Katze

Nicht nur bei der Suva und in den Spitälern häuft sich die Arbeit, auch die Versicherung Mobiliar muss wegen der Festtage einige Schadensmeldungen mehr bearbeiten — vor allem wegen Brandschäden. «Im Dezember verzeichnen wir doppelt so viele wie in einem normalen Monat», sagt Sprecherin Kim Allemann.

Und auch bei der Mobiliar befinden sich skurrile Fälle darunter. Allemann: «Einmal wurde uns mitgeteilt, dass der Hauskater mit dem Lametta am Tannenbaum spielte, sodass sich ein Ast des Baumes bewegte, auf dem eine Kerze angebracht war. Diese wiederum berührte einen anderen Ast und der Baum fing Feuer. Das Wohnzimmer benötigte anschliessend eine Komplettsanierung.»