St. Galler Bussenmodell

15. Februar 2012 07:18; Akt: 15.02.2012 10:15 Print

«Kiffen unter 18 ist eben nicht so harmlos»

von Jessica Pfister - Das St. Galler Bussenmodell für Kiffer gilt als Vorbild für die schweizweite Gesetzesrevision. Die Erfahrungen dort zeigen: Für Unter-18-Jährige ist eine Busse nicht sinnvoll.

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Im Kanton St. Gallen müssen Kiffer unter 18 seit rund einem Jahr wieder vor dem Richter antraben. Davor kamen Jugendliche ab 15 Jahren mit einer Busse von 50 Franken davon.

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Das Parlament will Kiffer künftig wie Falschparkierer bestrafen - mit einer Ordnungsbusse. Streitpunkt bei der Gesetzesrevision ist aber nicht nur die Cannabismenge (20 Minuten Online berichtete), sondern auch das Alter. So verlangt eine Gruppe von Gesundheitspolitikern von SP bis FDP, die Bussen schon bei Jugendlichen ab 16 Jahren anzuwenden. Die Mehrheit der Kommission hingegen will, dass Minderjährige weiter vor dem Richter antraben müssen.

Umfrage
Bis maximal 10 Gramm Cannabis gibt es eine Busse - ist das zu viel?
17 %
17 %
66 %
Insgesamt 6337 Teilnehmer

Erfahrungen mit unterschiedlichen Altersgrenzen hat der Kanton St. Gallen. Dort wurde das Bussenmodell vor rund zehn Jahren erstmals eingeführt – ursprünglich mit einer Altersgrenze von 15 Jahren. Diese stellte sich jedoch als zu tief heraus. «Weil Jugendliche einfach 50 Franken zahlen konnten, statt sich vor der Jugendanwaltschaft oder der Suchtfachstelle zu verantworten, wurden diejenigen mit einem echten Drogenproblem weniger rasch erfasst», sagt Eugen Rentsch, Leiter der Drogenfahndung. Deshalb lassen die St. Galler Polizisten seit rund einem Jahr nur noch Erwachsene mit einer Ordnungsbusse davonkommen – Unter-18-Jährige hingegen werden wieder verzeigt.

«Mehrarbeit nehmen wir gerne auf uns»

Für eine Erhöhung der Altersgrenze von 15 auf 18 Jahre haben sich vor allem Jugendanwälte eingesetzt. Sie sind mit der Entwicklung zufrieden. «Der Schritt war richtig. Die Mehrarbeit nehmen wir gerne auf uns, um gefährdete Leute zu erkennen», sagt der erste Staatsanwalt Thomas Hansjakob gegenüber 20 Minuten Online. Gemäss Drogenfahnder Rentsch sind durch die strengere Regelung etwa zehn ordentliche Verfahren zusätzlich angefallen. Pro Fall seien dies zwei Stunden Zusatzaufwand für die Einvernahme. «Dass es nicht noch mehr sind, hat damit zu tun, dass die Polizei schon zuvor die Möglichkeit hatte, Jugendliche unter 18 Jahre an die Jugendanwaltschaft zu verweisen», erklärt Rentsch.

Die Suchtfachstelle des Kantons St. Gallen ist von der neuen Regelung ebenfalls überzeugt. «Damit senden wir ein klares Signal, dass Kiffen unter 18 Jahren eben nicht so harmlos ist», sagt Geschäftsleiter Jürg Niggli. Die Anzahl Jugendlicher in den Präventionskursen habe seit der Alterserhöhung zugenommen – von 21 im Jahr 2010 auf 28 im Jahr 2011. «Die Kurse sind wichtig, um zu erkennen, ob es sich um einen unproblematischen Neugierkonsum oder um ein ernsthaftes Suchtproblem handelt», so Niggli. In letzterem Fall müsse die Suchtfachstelle weitere Massnahmen wie eine Einzelberatung ergreifen.

«Altersgrenze nicht wirklich entscheidend»

Angesprochen auf die Erfahrungen im Kanton St. Gallen geben sich die Politiker, die im nationalen Gesetz eine Altersgrenze von 16 Jahren bevorzugen, plötzlich flexibel. «Die Altersgrenze ist nicht wirklich entscheidend», sagt die grüne Nationalrätin Yvonne Gilli. Es gehe vor allem um den Aufwand, der für Polizei und Jugendanwaltschaften anfalle. SP-Nationalrätin Jacqueline Fehr sagt, man habe sich beim Alter an der Regel für Bier orientiert. Die Erfahrungen der Kantone müsse man aber sicher berücksichtigen. Egal, für welche Variante sich das Parlament entscheidet, sagt Fehr: «Auf den Konsum von Cannabis wird das Bussenmodell sowieso kaum Auswirkung haben.»

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Muksi am 15.02.2012 14:45 Report Diesen Beitrag melden

    Lasst die

    Leute doch Kiffen. Habe selber geraucht und auch wieder aufgehört. Wer will sich ab nem gewissen Alter noch den Stress vom Kiffen antun wenn man seinen Kopf für wichtigeres braucht. Ab nem gewissen Zeitpunkt hören alle auf oder schränken es ein, oder sie gehn dann auf die Harten Drogen oder werden Alkis oder Medi abhängig. Obs legal ist oder nicht ist doch wurscht. Irgend so ein mittelchen hat doch jeder Mensch...

  • Nadine am 15.02.2012 12:45 Report Diesen Beitrag melden

    Entweder...oder....

    Meines Erachtens sollte man entweder Alkohol für alle verbieten oder den Cannabiskonsum für Personen ab 16/18 Jahren legalisieren (einziges Tabu: im Strassenverkehr)... Jährlich sterben tausende Personen an den Folgen von Alkoholkonsum und trotzdem ist dies noch erlaubt... Wesentlich weniger Personen sterben an Cannabiskonsum, dies ist jedoch verboten. Wo steckt da die Logik?

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  • Manuel am 15.02.2012 15:38 Report Diesen Beitrag melden

    Alles Moralapostel

    Ja ich kann es auch nicht mehr lesen. Ich kiffe seit mehr als 10 Jahren taeglich und aus mir ist auch etwas geworden. Ich bin im Kader und habe eine Menge Verantwortung in meinem Job. Wenn ich mir jeden Tag die Birne zugesoffen haette, waere ich heute nicht da wo ich bin. Dann haette ich keine Hirnzellen mehr! Aber das ist legal und das wird nie so besprochen. Und ausserdem, bin ich immer noch der Meinung, dass wir freie Menschen sind. Und frei bedeutet, ich bin selber fuer mich verantwortlich und brauche hier keine Moralapostel die mir sagen was gut und was schlecht, fuer mich ist!

Die neusten Leser-Kommentare

  • Bob Harley am 16.02.2012 10:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Legalisirung in einer gewiesen Menge

    Man sollte hanf in einer gewiesen Menge legalisieren. So das jeder etwa 5 g besitzen darf. Wiso ist alkohol legal und canabis nicht ? Wegen canabis kosum ist noch kein mensch gestorben und wegen alkohol sterben jährlich tausende menschen.

    • David Lessner am 16.02.2012 13:43 Report Diesen Beitrag melden

      Mehr

      Nicht Tausende, 2.5mio pro Jahr !!!

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  • Krankenpfleger Peter am 16.02.2012 08:52 Report Diesen Beitrag melden

    Wie sehr sich die Sprüche doch gleichen

    "Ich habe alles im Griff" habe ich fast jeden Tag gehört. Von Menschen die wir nur noch mit Gumminhandschuen angefast haben weil sie sich in die Hosen gemacht haben als sie bei uns ankamen. Immer nur ein bischen Bier, Dope, Tabletten... Ich glaube von den Grossmäulern werde ich wohl einige in der Notaufnahme kennen lernen. Wenn ich lese "Ich kiffe jeden Tag und bis heute (21Jahre) ist nichts passiert."

  • Coolio Cesar am 15.02.2012 23:09 Report Diesen Beitrag melden

    Es wird so schon überall gekifft

    Am Bahnhof, im Dorf, im Auto, in der Stadt... überall stinkts nach Kiffete. Sorry, aber ein Gesetz das nicht eingehalten wird, ist für mich kein Gesetz. Entweder härter durchgreifen oder fallen lassen. Wischi Waschi ist die falsche Methode.

  • mMee am 15.02.2012 22:23 Report Diesen Beitrag melden

    Auf der einen Seite der Staat

    auf der anderen Seite die Polizei ;-) Persönliches Beispiel vom Zürifäscht (das vorletzte). Ich sass mit 3 Kollegen am See, fing an einen zu bauen. Auf einmal seh ich 8 Kampfstiefel vor mir, schau nach oben = 4 Polizisten. Der eine fragte, wie viel ich dabei habe. Ich zeigte ihm das säckchen (ca 3.5g), dann wollte er unser alter wissen (3 x 21, 1 x 23). Kurze "Denkpause" (oder was auch immer), dann sagte er zu uns "Verhaltet Euch unauffällig, nervt niemanden und wir haben keine Probleme miteinander". Gesagt getan, 1A Zürifäscht - kein Stress, keine Bussen, kein Ärger.

  • MOI am 15.02.2012 21:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Legalize

    Ich bin 38, kiffe seit 23 Jahren, Abgeschlossene Lehre, Höhere Fachprüfung, eidg. Dipl. Ausbilder, bin verheiratet, 3 gesunde Kinder, eine schöne Frau, eine Top Position, überdurchschnittlicher Lohn &&&... Kann auch ein Alki das?? Es gibt viele Antikiffer die es nicht so weit bringen.

    • Karli am 16.02.2012 08:55 Report Diesen Beitrag melden

      Mein EX-Chef

      hatte 1200 Angestellte und ist mit 56 in die Klapse gekommen. Aber warscheinlich kiffst Du wie ich Bier trinke :-) zwei Halbe im Monat.

    • maria vonbank am 16.02.2012 09:39 Report Diesen Beitrag melden

      Yes legalize

      Dieser Meinung schliesse ich mich völlig an! Die Gefahr liegt in den chemischen, gestreckten Drogen, die Psyche und Physe angreifen und nicht in der Tüte.

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