Jugendpsychiater zur Gewalt

30. Oktober 2015 11:40; Akt: 30.10.2015 13:25 Print

«Kiffer haben häufig psychische Störungen»

Jugendliche, die Cannabis konsumieren, werden eher kriminell, besagt eine Studie. Ein Jugendpsychiater erklärt, wieso das so ist.

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Herr Köhnlein*, Jugendliche, die kiffen sind aggressiver als jene die trinken. Wieso?
Klar ist, Cannabis fördert Gewalt nicht direkt, es sediert vielmehr. Es ist aber so, dass Jugendliche, die leicht reizbar sind und zu Gewalt tendieren, eher zu Cannabis greifen, um sich selbst zu beruhigen. Dazu gehören etwa ADHS-Kinder.

Diese Jugendlichen schlagen trotz des Cannabis zu?
Das kann man so sagen. Aber sie werden nicht wegen des Cannabis delinquent, sondern viel eher wegen der zugrundeliegenden Störung. Hinzu kommt, dass diese Jugendlichen angespannter, verletzbarer und leichter reizbar sind, wenn die Wirkung des Cannabis nachlässt. Sie schlagen dann eher zu oder begehen ein Delikt, weil sie sich wegen der Entzugserscheinungen noch schlechter fühlen.

Schwierige Jugendliche kiffen also öfter?
Kiffende Jugendliche haben überdurchschnittlich häufig psychische Störungen. Sie konsumieren Cannabis, um sich selbst zu medizieren. Kiffen hilft ihnen sozusagen, mit ihrem psychischen Problem besser zurechtzukommen. Darum ist es nicht erstaunlich, dass diese Jugendlichen eher Straftaten begehen. Das hat aber nichts direkt mit dem Cannabis zu tun.

Gibt es Jugendliche, die auf Cannabis mit Aggression reagieren?
Ein kleiner Teil kann anfangen zu halluzinieren und in einen psychotischen Zustand zu verfallen. Diese Jugendlichen können dann sehr aggressiv werden und schwerste Straftaten begehen – bis hin zu Tötungsdelikten. Das ist aber sehr selten.

Die normale Reaktion auf Cannabis ist lahm zu werden?
Vor allem jene, die Cannabis chronisch konsumieren, werden total antriebslos, eine Art Null-Bock-Syndrom. Ihnen ist alles egal: Schule, Eltern, Job. Sie haben gar keine Lust, irgendetwas zu machen. Das ist für Jugendliche, die ja viel spontaner sind und gern Action haben, besonders tragisch. Delikte können dann eine Art Action in einem sonst lahmen Leben sein. Man spricht dann von «Sensation Seeking». Auch das ist dann eine indirekte Art, wie Cannabis kriminelles Verhalten begünstigt.

*Frank Köhnlein ist Jugendpsychiater an der Universitären Psychiatrischen Klinik in Basel

(ann)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Legalize It am 30.10.2015 07:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ex-Raucher

    Wer beim kiffen agressiv wird hat eindeutig ein anderes Problem. Hab selber Jahre lang geraucht und hatte nie gewalttätige Gedanken oder dergleichen. Auch nicht im Freundeskreis. Das ist reine Hetze.

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  • Richu Hess am 30.10.2015 07:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Aargau

    Wieder mal der Beweis, dass Aargauer Schüler komische Kauze sind, habe noch nie einen agressiven Kiffer erlebt...:)

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  • JoeNez am 30.10.2015 07:26 Report Diesen Beitrag melden

    Bitte Denken!

    Schon einmal überlegt, dass es eventuell auch sein kann, dass sich die Kiffer so verhalten, da sie mit kiffen sowieso schon ein Gesetz brechen und die anderen Delikte somit nicht als viel schlimmer einstufen? Eine Legalisierung könnte da wohl auch Abhilfe schaffen. Und das mit dem Drogenverkauf ist doch offensichtlich...

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Dan am 02.11.2015 18:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kiffer oder Trinker

    Wenn jemand Alkohol trinkt und kifft, dann ist er/sie Kiffer/-in?

  • Md am 31.10.2015 20:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    MOMENT

    Ich glaub eher das menschen mit psychischen Störungen kiffen ;-) anstelle sich mit Temesta zu zu dröhnen und nachher auf Entzug zu müssen......

  • Natalie Reuters am 31.10.2015 12:33 Report Diesen Beitrag melden

    Teutonen wissen alles besser....

    Warum werden wir immer von den Teutonen belehrt. Sie sollen sich in den USA wichtig machen. Wir brauchen das nicht hier.

  • Stan March am 31.10.2015 04:33 Report Diesen Beitrag melden

    Wer nur ein bisschen nachdenkt

    sollte schnell zu dem Schluss kommen, dass es sich dabei um absoluten Schwachsinn handelt. Warum? Weil jugendliche Cannabiskonsumenten nicht eher straffällig werden, sondern weil straffällige Jugendliche eher zum Cannabiskonsum neigen. Die Hemmschwelle als Jugendlicher zu kriminellen und potentiell gewalttätigen Dealern zu gehen ist wesentlich höher als wenn man selber schon kriminell oder gewalttätig aufgefallen ist. Darüberhinaus weiß jeder der Cannabis schonmal probiert hat, dass es definitiv nicht enthemmend und gewaltfördernd wirkt, sondern das Gegenteil der Fall ist.

  • Kkmmcxx am 30.10.2015 21:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gelogen

    Ich w18, kiffe mehrmals in der woche, mache meine Kv lehre mit keinerlei problemen und aggressionen. Das sind alles nur vorwürfe gegen das kiffen die nicht stimmen. Ich wette die studien wurden von "nie-im-leben-gekifft-menschen" erfunden. Also lasst die kiffer eeendlich inruhe. Smoke on ;)

    • Glaubinid am 31.10.2015 00:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Easy

      Diese Aussagen werden von Leuten gemacht, die noch nie gekifft haben. Keine Ahnung ist auch eine Ahnung ;-)

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