Schwulen-Rechte

08. März 2016 17:20; Akt: 08.03.2016 17:36 Print

«Kind muss die Adoption widerrufen können»

von J. Büchi - Beat Rieder (CVP) ist ein Gegner des Stiefkind-Adoptionsrechts für Schwule. Im Interview fordert er ein Widerrufsrecht für betroffene Kinder.

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Beat Rieder ist Walliser CVP-Ständerat. Der Anwalt ist verheiratet und hat drei Kinder. (Bild: Keystone/Alessandro Della Valle)

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Herr Rieder, hätten Sie Mühe damit, wenn eines Ihrer Kinder homosexuell wäre?
Nein, damit hätte ich keine Probleme. Ich kenne mehrere Homosexuelle und habe als Anwalt sogar Scheidungen durchgeführt, nach denen sich ein Partner anders orientiert hat. Ich bin an einer ehrlichen Auseinandersetzung mit dem Thema interessiert. Aber derzeit wird versucht, den homosexuellen Paaren durch die Hintertür alles zu ermöglichen, was biologisch nicht möglich ist.

Umfrage
Finden Sie es richtig, wenn auch Homosexuelle Kinder adoptieren können?
41 %
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6 %
41 %
2 %
Insgesamt 14386 Teilnehmer

Sie haben sich im Ständerat vergebens gegen das Stiefkind-Adoptionsrecht für Homosexuelle gewehrt. Was stört Sie daran?
Im Kern geht es für mich um die Diskussion: Sollen eingetragene Partnerschaften und faktische Lebensgemeinschaften die gleichen Privilegien geniessen wie die Ehe? Ich bin der Meinung: Nein. Die Ehe ist eine zentrale Institution unserer Gesellschaft. Auch biologisch ist es klar: Es braucht einen Mann und eine Frau, um Kinder zu kriegen. Was wir hier versuchen, ist, eine künstliche Welt aufzubauen, in der auch zwei Männer und zwei Frauen Kinder haben dürfen.

Wir haben zwei Väter mit Leihmutterbabys porträtiert. Glauben Sie, dass diese Kinder aufgrund ihres Elternhauses Nachteile erleiden?
Ich will mich nicht auf die Diskussion einlassen, ob Homosexuelle bessere oder schlechtere Eltern sind. Tatsache ist, dass die Scheidungs- oder Trennungsquote in allen Lebensformen steigt und dass es viele vernachlässigte Kinder gibt. Man muss sich fragen, ob man da noch weitere konfliktreiche Konstellationen schaffen will. Prinzipiell lehne ich die Leihmutterschaft ab. Sie ist in der Schweiz verboten. Es darf nicht sein, dass dieses Verbot nun ausgehebelt wird.

Das Beispiel der beiden Männer zeigt doch gerade, dass homosexuelle Paare schon heute die Dienste von ausländischen Leihmüttern in Anspruch nehmen. Daran ändert sich mit der Stiefkind-Adoption nichts. Wenn schon, müssten Sie Strafen für solche Paare fordern.
Nein, ich bin nicht für Strafen. Es stimmt, dass es schon heute solche Fälle gibt und dass der leibliche Vater in der Schweiz teilweise anerkannt wird. Solange es sich um Ausnahmefälle handelt, stört mich das nicht. Aber es wäre falsch, seinem Partner auch noch zu erlauben, das Kind zu adoptieren. Dann können wir gerade zulassen, dass Homosexuelle fremde Kinder adoptieren dürfen. Es ist diese Salamitaktik, die mich stört.

Vom neuen Adoptionsrecht könnte beispielsweise auch eine lesbische Frau Gebrauch machen, deren Partnerin auf natürlichem Weg mit einem befreundeten Mann ein Kind gezeugt hat. Lehnen Sie die Stiefkind-Adoption in diesem Fall ebenfalls ab?
Ja. Es gibt keinen Grund, warum die Partnerin dieses Kind adoptieren sollte. Ausser, man will die eingetragene Partnerschaft auf die gleiche Stufe wie die Ehe stellen. Wenn man das will, soll man das ehrlich sagen und das Volk darüber abstimmen lassen. Ich hoffe langsam ernsthaft, dass die Initiative «Ehe für alle» an die Urne kommt. Dann wird die Diskussion geführt und ist danach gegessen.

Bundesrätin Simonetta Sommaruga betonte, das Kindeswohl stehe im Vordergrund: Beim Tod des leiblichen Elternteils seien Kinder von Schwulen und Lesben sonst rechtlich nicht abgesichert.
Die rechtliche Absicherung ist auch über Verträge und das Testament möglich. Eine Berücksichtigung des Kindeswohls würde meiner Ansicht nach zudem auch bedeuten, dass ein von Homosexuellen adoptiertes Kind bei Erreichen der Volljährigkeit den Entscheid widerrufen könnte. Es kann doch nicht sein, dass jemand einen nicht biologischen Vater anerkennen muss, falls er dieses Familienbild ablehnt.

Viele europäische Länder erlauben Schwulen und Lesben die Stiefkind-Adoption bereits, manche sogar die gemeinschaftliche Adoption. Glauben Sie, dass sich diese Entwicklung hierzulande noch aufhalten lässt?
Nein, mit dem Entscheid von heute lässt sich diese Entwicklung wohl leider nicht mehr aufhalten. Ich gehe davon aus, dass der Nationalrat die Vorlage ebenfalls durchwinken wird. Aber wir müssen uns einfach bewusst sein: das ist eine sehr europäisch-zentrierte Ansicht: Viele Kulturen haben ganz ein anderes Familienverständnis. Das wird künftig noch grosse Reibereien geben.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • A.D am 08.03.2016 17:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Netter Gedanke

    Dann sollten aber alle adoptierte Kinder entscheiden dürfen ob die adoption ok war/ist nach dem 18-ten Lebensjahr, nicht nur die Kinder von homosexuellen Paaren..

  • Ina B. am 08.03.2016 17:42 Report Diesen Beitrag melden

    Andere Meinung

    Immer dieses Biologie-Gerede. Am Ende ist es doch so: Manchmal sind Eltern nicht in der Lage ihre Kinder zu versorgen, manchmal, sehr oft sogar, verschwindet ein Elternteil. Warum sollten diese Kinder keine intakte Familie haben? Mein Vater ist gegangen als ich drei war. Ich hätte gerne eine zweite Mutter gehabt, Hauptsache jemand, der einen gern hat und seine Aufgabe ernst nimmt. Es gibt soviele Waisenkinder, Biologie hin oder her, diese Kinder brauchen Eltern, ob hetero oder homo spielt doch keine Rolle, was zählt ist die Beziehung der Eltern, die Unterstützung und die Liebe zum Kind.

  • Revdave_95 am 08.03.2016 19:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Und Kinder von heteros?

    Wenn Adoptivkinder von heterosexuellen Paaren die Adoption auch widerrufen können fände ich das eine akzeptable Lösung. Wenn man aber ganz konsequent sein möchte müsste man gleich allen das Recht geben sich von ihren Eltern loszulösen.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Jeny W. am 08.03.2016 21:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schöne Idee

    Ich würde es schön finden wenn Homosexuelle Kinder adoptieren dürften. Hauptsache es wächst behütet und behutsam auf. Es gibt viele Gegner dieser Idee. Aber wer sagt das Homosexuelle automatisch schlechte Eltern aufgrund ihrer Sexualität wären?! Es gibt viele Kinder die in Beziehungen und Ehen aufwachsen die gestört oder geschieden sind. Es gibt viele Kinder die elternlos aufwachsen und sich aber nach einer Familie mit einem intakten Daheim wünschen. Ich glaube das die Kinder, die in Regenbogenfamilien aufwachsen den Vorteil von Toleranz frühzeitig lernen. Was ja vielen scheinbar fehlt.

  • jvk am 08.03.2016 21:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ich bin erstaunt ...

    ... das sowas überhaupt Thema ist in der Schweiz. In der konservativen und naja, doch etwas dümmlichen (siehe Trump) Gesellschaft wie in den USA ist das ja noch verständlich aber hier..? Die Qualität der Erziehung hat doch nichts mit dem Geschlecht der Eltern zu tun? Das Argument "unnatürlich" ist extrem vage, unsachlich und sagt eigentlich gar nichts aus. Überraschend, dass sich Politiker so äussern dürfen.

  • Philipp am 08.03.2016 21:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gleiche Meinung

    Stimme diesem Mann vollkommen zu.

  • Art am 08.03.2016 20:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Es gibt so viele Kinder ohne Eltern!

    Es gibt Menschen die gerne ein Zuhause haben für ein Kind. Das passt doch zusammen wie ein Puzzle. Jede Veränderung macht Angst. Angst bekämpft man am besten mit Wissen. Veränderungen sind Natur. Wer sich der Veränderung widersetzt wird leiden.

  • Raptor am 08.03.2016 20:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bessere Eltern?

    Wer sagt, dass Mann und Frau die besseren Eltern sind? Es gibt viele verheiratete Paare, die keine Kinder haben sollten. Was spielt das Geschlecht oder die sexuelle Orientierung für eine Rolle bei der Erziehung und Adoption von Kindern? Wichtig ist doch, dass die Kinder in behüteten Verhältnissen und mit viel Liebe aufgezogen werden.