Wechselmodell

29. November 2014 22:10; Akt: 29.11.2014 22:10 Print

«Kinder wollten das Mami und den Papi behalten»

von J. Büchi - Väterorganisationen wollen, dass Kinder getrennter Eltern zu gleichen Teilen bei Mutter und Vater leben. Eine Familie, die dieses Wechselmodell lebt, erzählt.

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Franziska Moser betreut Nils und seine Geschwister an durchschnittlich 3,5 Tagen pro Woche. (Bild: Franziska Moser)

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Wenn Nils nach der Schule nach Hause geht, schlägt er nicht immer dieselbe Richtung ein. Der 13-Jährige aus Zuchwil SO hat zwei Heimwege, zwei Zimmer, zwei Kleiderschränke. Als sich seine Eltern vor rund zehn Jahren trennten, entschieden sie sich dafür, Nils und seine beiden älteren Geschwister im Wechselmodell zu betreuen. Die Hälfte der Woche leben die Kinder bei der Mutter, die andere beim Vater.

Seit Juli gilt in der Schweiz für getrennte Eltern im Normalfall das gemeinsame Sorgerecht. Trotzdem haben Familien, in denen die Kinder zu gleichen Teilen bei Mutter und Vater leben, noch immer Seltenheitswert. In den meisten Fällen betreut ein Elternteil den Nachwuchs, während der andere – meist der Vater – ein Besuchsrecht hat. Für Franziska Moser, die Mutter von Nils, wäre ein solches Modell nie infrage gekommen: «Wir wollten es unseren Kindern nicht antun, dass sie unter der Woche ganz auf einen Elternteil verzichten müssen. Die drei sagten uns: ‹Wir wollen das Mami und den Papi behalten.›»

Der ältere Sohn zog zum Vater

Moser arbeitet heute als Kindergärtnerin, ihr Ex-Partner Teilzeit als Maschinenbauingenieur. Am Montag und Dienstag sind Nils und seine Geschwister jeweils beim Vater, am Donnerstag und Freitag bei der Mutter. Mittwochs und am Wochenende betreuen die beiden Eltern die Kinder abwechslungsweise. Kritiker des Wechselmodells bemängeln, das Kind werde auf diese Weise hin- und hergeschoben, es erfahre keine Stabilität.

Moser widerspricht: «Das Modell tönt etwas kompliziert – unsere Kinder hatten aber kaum Schwierigkeiten damit.» Nur selten hätten die beiden Buben und das Mädchen keine Lust gehabt, die Wohnung zu wechseln. Als der ältere Sohn in die Lehre kam, zog er jedoch zum Vater. «Wir haben das gemeinsam entschieden, auch wenn ich darunter gelitten habe», so Moser. «Ich dachte: So müssen sich Väter fühlen, die ihr Kind nur jedes zweite Wochenende sehen dürfen.»

«Wir sind jetzt nicht einfach Freunde»

Nils sagt, manchmal sei es schon «blöd», wenn die Hausaufgaben noch beim Mami zuhause lägen, obwohl er den Abend beim Papi verbringe. «Ich habe mich aber langsam daran gewöhnt.» Er wohne bei beiden gern. «Der Papi ist etwas strenger als das Mami, schön ist es bei beiden.» Die Wohnungen von Franziska Moser und ihrem Ex-Mann trennen nur zehn Minuten Fussweg. «Für uns war es eine Bedingung, dass wir im gleichen Quartier bleiben, damit die Kinder im selben Schulhaus bleiben können», so Moser.

Wenn man das Wechselmodell lebe, sei ein regelmässiger Kontakt unter den Eltern unumgänglich. «Man sitzt immer wieder zusammen, um Sachen auszudiskutieren und Kompromisse zu machen.» Sie verstehe, wenn das anderen Paaren zu aufreibend sei. «Auch wir sind jetzt nicht einfach Freunde, die sich immer einig sind. Aber wir haben uns aber einmal sehr geliebt. Die Kinder können nichts dafür, deshalb glaube ich, dass wir ihnen das schuldig sind.» Die ersten zweieinhalb Jahre half ihnen ein Mediator bei der Aufteilung der Betreuungszeiten und in finanziellen Fragen.

Tool soll Aufteilung regeln

Ein ähnliches Ziel verfolgt die Website Wechselmodell.ch, die in der Schweiz seit rund einer Woche online ist. Ein Tool soll getrennten Eltern helfen, die Betreuungszeiten optimal aufzuteilen. Zudem zeigt ein Rechner allfällige Kosten für eine Fremdbetreuung an. Hinter dem Angebot steckt der Verein Vaterverbot. Präsident Marcel Enzler sagt: «Jetzt, da das gemeinsame Sorgenrecht Realität ist, muss es auch die gemeinsame Betreuung werden.»

Rechtlich gesehen habe die Mutter in der Regel eine Betreuungsfunktion, der Vater eine Zahlfunktion, so Enzler. Ziel müsse jedoch sein, dass die Kinder beide Elternteile im Alltag erleben. «Ein Wochenend-Papi kann seinen Kindern vielleicht jeden Samstag Programm bieten. Er kann aber kaum erzieherische Aufgaben wahrnehmen.» Selbst zerstrittenen Eltern empfiehlt Enzler, sich die Betreuung zu teilen. «Ansonsten versuchen die beiden Elternteile nur, das Kind auf ihre Seite zu ziehen – und das Kind spielt Mutter und Vater gegeneinander aus.»

Patrick Fassbind, der Präsident der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde Bern, widerspricht. Auch er hält das Wechselmodell zwar grundsätzlich für ein «sehr gutes» Modell. «Allerdings nur, wenn die Eltern nahe beieinander wohnen und eine klare Aufteilung mit klaren Regeln vereinbaren können.» Dafür sei ein hohes Mass an gegenseitigem Verständnis sowie Kooperations- und Kompromissfähigkeit nötig. «Wenn die Eltern ständig streiten, wird es sehr schwierig, die nötigen Absprachen zum Wohl des Kindes zu treffen.»

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • viggi am 29.11.2014 22:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    viggi

    sehr gut. der papa ist genau so wichtig wie die mama. und umgekehrt.

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  • Single-Mami am 29.11.2014 22:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wenn der Vater nicht will...

    Finde das eine super Sache und hätte dies gern, zumindest ähnlich, mit meinem Ex-Mann so gehandhabt mit unseren Kindern. Leider lag seine 1. Priorität darin mit seiner Freundin wegzuziehen - eine halbstündige Autofahrt weg. Für ihn reiche es, die Kinder alle zwei Wochenenden zu sehen. Hut ab vor allen Vätern, die ihre Verantwortung richtig wahrnehmen möchten und mit denen ein solches Modell möglich ist!

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  • Simi am 29.11.2014 22:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Alt bewährtes Modell

    Tatsache ist doch, dass Kinder haben schwer ist, und wenn es die Eltern nicht schaffen ein Kind gemeinsam gross zu ziehen müssen sich die Eltern wirklich mal Gedanken machen. Was habe ich schon alles für storys gehört. Für die Verfehlungen der Eltern büssen dann die Kinder ... Das einzig korrekte Betreuungsmodel ist eine Intakte Familie.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Robi am 30.11.2014 14:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sollte Standart sein

    Bin Vater von vier Kinder. Die Trennung kam als die Kinder 3, 3, 8 und 10 waren. Dieses Modell sollte Standart sein. Die Alimenten sollten ganz wegfallen. Bin davon überzeugt davon, dass die Scheidungsquote massiv zurückgehen würde. Es wird vielen Frauen viel zu einfach gemacht. Wird wohl auch der Grund sein, weshalb 80% der Scheidungen von den Frauen aus kommt.

    • David Brunner am 30.11.2014 15:09 Report Diesen Beitrag melden

      Scheidungsbranche

      Das Scheidungswesen ist zu sehr davon geprägt, welche Berufsgattungen davon leben. Oft ist es so: Früher integre Frauen werden aufgehetzt. Professionell Beteiligten haben wenig ehrliches Interesse an einvernehmlichen Lösungen. Es wird genau so lange gestritten und das Verfahren verschleppt, bis der eine oder der andere oder beide keine Geld mehr haben, finanziell und seelisch ruiniert sind. Dass dabei vorsätzlich gesunde Existenzen zerstört werden, kümmert nicht. Daran werden erwartungsgemäss neue Gesetze und Modelle nichts ändern.

    • Ivan am 30.11.2014 17:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Robi hat recht

      Robi, gebe dir recht, hätten Mütter nicht meistens auf Kosten des Vaters ausgesorgt, würden sie sich zweimal überlegen, den Kinder aus Egoistischen Gründen den Vater wegzunehmen.

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  • Aemmi Talere am 30.11.2014 14:32 Report Diesen Beitrag melden

    Wenn

    ein Paar sich in der Ehe nicht einigen kann, wie kann man dann erwarten, dass es sich im gemeinsamen Sorgerecht zum Wohle der Kinder einigt?

  • David Brunner am 30.11.2014 14:08 Report Diesen Beitrag melden

    Schwache Männer und Väter

    Die Diskussion in Bern scheint wiederum geprägt von Feindlichkeit und Verachtung gegenüber emanzipierten Männern und Vätern. Ein Elternteil darf weiterhin unbehelligt die Kinder gegen den anderen instrumentalisieren und aufhetzen. Den Kindern wird der Vater als wichtiger Teil der kindlichen Orientierung und Identität zerstört. Das Selbstverständnis zur Vormachtstellung der Mutter ist ungebrochen. Sie bestimmt, wer die Kinder betreut und erzieht und wer erwerbstätig und unterhaltspflichtig zu sein hat. Das zeugt weder von Gleichstellung noch von Gerechtigkeit noch von Sorge um das Kindeswohl.

  • Dinumina am 30.11.2014 14:00 Report Diesen Beitrag melden

    Es klappt

    Wir leben Dieses Modell seit bald 15 Jahren und es klappt wunderbar. Noch heute sind die heute jungen Leute (18 und 20) abwechslungsweise bei mir und ihrem Vater.

  • PR am 30.11.2014 13:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Lina Sörensen ein Paradebeispiel

    Lina Sörensen Aus Ihrem Statement ist praktisch direkt herauszulesen, dass und wie Sie sich erlauben, den Vater vor dem Kind aus egoistischen Eigeninteressen heraus negativ darzustellen. Sie sind quasi ein Paradebeispiel!