Missbrauch in Kita

08. Februar 2019 05:52; Akt: 08.02.2019 05:52 Print

«Kitas müssen ein für alle Mal Lehren ziehen»

von B. Zanni - Der Missbrauch eines Buben durch einen Kita-Mitarbeiter löst Fassungslosigkeit aus. Jetzt werden Massnahmen gefordert.

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«Ich bin schockiert über das Ausmass dieses Falls. Daraus muss der Verband ein für alle Mal seine Lehren ziehen», sagt SVP-Nationalrätin Natalie Rickli. Wichtig sei das Vier-Augen-Prinzip. Wo es sonst konkrete Massnahmen brauche, wisse «das Personal vor Ort am besten». Lu Decurtins, Leiter des Projekts Mehr Männer in die Kinderbetreuung, fordert in Kitas klare Regeln und eine offene Gesprächskultur. Verhalte sich ein Kollege auffällig, sollten dies die anderen Betreuer ohne Hemmungen sofort zur Sprache bringen können. Der 33-jährige M. N.* wurde Anfang Juli 2018 verhaftet und sitzt derzeit in U-Haft. In einem Schreiben an die Eltern hat die Kita über die neusten Ermittlungen informiert. M. N. wird verdächtigt, kinderpornografisches Material im Netz verbreitet zu haben. Nun hat sich herausgestellt, dass er in der Kita einen Jungen missbraucht und Bildaufnahmen gemacht hat. Die Eltern der betroffenen Kinder seien diesbezüglich von der Staatsanwaltschaft bereits direkt kontaktiert worden. Die Verantwortlichen der Fiorino Kinderkrippen zeigen sich über den Vorfall schockiert und zutiefst betroffen. Jacques Hefti, Verwaltungsratspräsident der Kita, informierte am 7. Februar 2019 die Medien. Der betreffende Mitarbeiter wurde fristlos entlassen. «Das Wohlergehen der Kinder wie auch die Anliegen der Eltern sind für die Fiorino AG das Wichtigste», sagt Jacques Hefti, Verwaltungsratspräsident der Fiorino AG, Der Fall liege nun bei der Staatsanwaltschaft St. Gallen.

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«Es wird wirklich nichts versteckt gemacht», versicherte Kita-Betreuer M. N.* 2014 noch in einem SRF-Interview. Im «Blick» beklagte er sich sogar, dass Männer, die mit kleinen Kindern arbeiteten, unter Generalverdacht stünden.

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Doch jetzt steht der vermeintliche Vorzeige-Krippenmitarbeiter unter dringendem Tatverdacht: Bei der Arbeit soll er einen unter zweijährigen Buben sexuell missbraucht und von zwei weiteren sexuell motivierte Fotos online verbreitet haben.

Handys sollten abgegeben werden

Nun fordern Experten und Politiker Massnahmen. «Ich bin schockiert über das Ausmass dieses Falls. Daraus muss der Verband ein für alle Mal seine Lehren ziehen», sagt SVP-Nationalrätin Natalie Rickli. Wichtig sei das Vier-Augen-Prinzip. Wo es sonst konkrete Massnahmen brauche, wisse «das Personal vor Ort am besten».

Lu Decurtins, Leiter des Projekts Mehr Männer in die Kinderbetreuung, fordert in Kitas klare Regeln und eine offene Gesprächskultur. Verhalte sich ein Kollege auffällig, sollten dies die anderen Betreuer ohne Hemmungen sofort zur Sprache bringen können. Und: «Um zu verhindern, dass unangemessene Aufnahmen gemacht werden, sollten die Mitarbeitenden ihre privaten Handys bei Arbeitsbeginn abgeben.»

«Keine 100-prozentige Garantie»

Heute gibt der Verband Kinderbetreuung Schweiz (Kibesuisse), dem rund 1300 Kita-Betriebe angeschlossen sind, einen Verhaltenskodex für den Umgang des Personals mit Kindern vor. So darf nur bei offener Tür gewickelt werden, Küssen ist verboten und Fotos dürfen nicht mit privaten Geräten und nicht ohne elterliche Bewilligung gemacht werden. Unter dem Punkt Berührung steht zudem: «Die Berührung darf nie der Befriedigung dienen.»

Zudem müssen Bewerber je nach Kanton und Gemeinde einen Strafregisterauszug vorlegen. Auch kann ein Sonderprivatauszug verlangt werden. In Letzteren werden automatisch alle Verurteilungen eingetragen, die für die Arbeit mit Minderjährigen relevant sein können. Er gilt laut Kibesuisse-Geschäftsleiterin Nadine Hoch als wichtige Mindestmassnahme, um Missbrauchsfälle zu verhindern.

In einzelnen Kitas darf sich das männliche Personal zudem nicht im Schlafraum aufhalten. Die Kibesuisse hat allerdings keine zusätzlichen Regeln für männliche Mitarbeiter festgelegt. Dafür gibt es gemäss Hoch auch keinen Grund: «Es gibt leider keine 100-prozentige Garantie. Auch bei noch so vielen Sicherheitsvorkehrungen kann etwas passieren.»


*Name der Redaktion bekannt.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • DaddyCool am 08.02.2019 06:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Dikrminierung

    In einzelnen Kitas darf sich das männliche Personal nicht im Schlafraum aufhalten. Den Satz musste ich zweimal lesen. Da werden wir Männer somit unter Generalverdacht gestellt und DAS ist echte Diskriminierung.

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  • Fred am 08.02.2019 06:05 Report Diesen Beitrag melden

    Unverständlich

    Einfach nur schlimm, dass wir in der heutigen Zeit noch immer nicht in der Lage sind, solche Sachen konsequent anzugehen. Und wenn es dann um das lebenslange Berufsverbot mit Kinder geht, kommen von allen Seiten Ausreden und fadenscheinige Begründungen, weshalb man diesem armen Mitbürger doch nicht die Zukunft verbauen könne.

  • Sonnenblume13313 am 08.02.2019 07:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nicht nur Männer

    Ea gibt auch BetreuerINNEN, die nicht "korrekt" mit den Kindern umgehen...Habe ich in meiner Praktikumszeit vor gut 20 Jahren gesehen. Es waren keine sexuellen Handlungen, aber psychische Gewalt und das finde ich auch schlimm! Ich wette, wenn dies ein Betreuer getan hätte, wäre er sofort entlassen worden....

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Jk am 09.02.2019 10:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schlimm

    Es ist schlimm was passiert ist! Jedoch alle Männliche Mitarbeiter in einen topf zu schmeissen geht nicht!! Bei uns sieht man, wie die Kinder an Männer freude haben mit ihnen zu spielen. Ist super wie der Beruf in der Öffentlichkeit für Männlichebetreuung publiziert wird!

  • catalena am 09.02.2019 10:23 Report Diesen Beitrag melden

    Aufgedeckt.

    Es gibt viele hässige Altenbetreuerinnen die die Alten grundlos schlagen und tyranisieren. Versteckte Kameras haben zum Glück so vieles aufgedeckt. Nur zur Info, wie sich Männer wie Frauen benehmen bei Betreuungen , egal ob Kinder oder bei älteren Menschen.

  • F. Acepalm am 09.02.2019 10:10 Report Diesen Beitrag melden

    Erzieht und betreut eure Kinder

    doch wieder selbst, dann kann alles dies nicht mehr passieren. Hat die ganze Menschengeschichte so gut funktioniert - warum müssen die Kids denn heutzutage aus der Familie ausgelagert werden? Warum müssen denn heutzutage beide Elternteile arbeiten? Um sich den neusten SUV zu kaufen, oder was?

  • catalena am 09.02.2019 10:06 Report Diesen Beitrag melden

    zwei Personen

    Es sollten immer 2 Personen sein , aber das wäre wahrscheinlich zu teuer.

  • Thomas L. am 09.02.2019 09:07 Report Diesen Beitrag melden

    Da entwickelt sich was gewalltig schief

    Es kommt die Zeit, dass generell kein Vater alleine ohne Aufsicht mit seinen eigenen Kindern zusammen sein darf. Darum Kinder schon von klein auf beigebracht wird, dass alle Männer inklusiv eigener Vater einfach nur böse sind.