Selbstbestimmungsinitiative

03. November 2018 12:15; Akt: 04.11.2018 09:38 Print

Kiffender Polizist kämpft gegen SVP-Initiative

von Julia Käser - Mit einer aussergewöhnlichen Kampagne wollen die Jungfreisinnigen Schweiz gegen die SBI mobilisieren. Ein Experte zweifelt daran, dass dies gelingen mag.

Auf den Plakaten der JFS muss man schon genauer hinsehen. (Video: jk)
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Eine langbeinige, blonde Frau, die sich zwischen Parfüm und Knoblauch räkelt, oder ein Polizist, der genüsslich einen Joint raucht: Mit diesen Sujets wollen die Jungfreisinnigen Schweiz (JFS) gegen die Selbstbestimmungsinitiative mobilisieren. Auf den ersten Blick ist nicht klar, worum es bei den Plakaten, die ab Montag am Zürcher Hauptbahnhof hängen, genau geht. Das zeigt auch eine nicht repräsentative Strassenumfrage von 20 Minuten (siehe Video).

Ungewohnte Strategie für die Schweiz

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Sprechen die Plakate Sie persönlich an?

Am Erfolg der 30'000 Franken teuren Kampagne zweifelt Starwerber Frank Bodin: Das Gute an den Plakaten sei, dass sie für Politwerbung erfrischend anders seien und geeignet, ein jüngeres Publikum anzusprechen. Aber: «Kritisch an den Plakaten ist: Wer sich nicht die Mühe macht, die damit beworbene Website Jobkiller.ch zu besuchen, weiss nicht, worum es geht.» Crossmediale Kampagnen würden immer die Gefahr bergen, dass sie einen Umweg zu viel machen und damit einen Klick zu weit von der Botschaft entfernt seien, so Bodin.

Zudem stellt der Werber die Plakate auch stilistisch infrage: «Auf der einen Seite möchte man mit dem Argument ‹Jobkiller› Angst machen, auf der anderen Seite spielen die Plakatsujets mit schwarzem Humor.» Gemäss Bodin funktioniert das in England, in der Schweiz habe es diese Form von Ironie in der Werbung erfahrungsgemäss eher schwer.


Ein Clip der Kampagne der JFS mithilfe der Werbeagentur Heimat gegen die SBI

«Die Plakate sind ein Experiment»

Der Präsident der Jungfreisinnigen Schweiz, Andri Silberschmidt, bezeichnet die Plakate als Experiment. Ein zentraler Punkt bei der Erarbeitung der Kampagne sei einerseits das Herunterbrechen der komplexen Materie gewesen. Andererseits habe die JFS einen Weg finden müssen, ihre junge Zielgruppe zu erreichen. «Die Plakate sollen Aufmerksamkeit erlangen. Keinesfalls geht es darum, Klamauk zu verbreiten. Auf der Website, die auf den Plakaten vermerkt ist, findet man dann fundierte Infos und Argumentationen zur SBI», so Silberschmidt.

Er sei sich bewusst, dass die Plakate nicht allen gefallen werden, doch: «Es gibt schon genug 08/15-Plakate in der Politik.» Zudem bringe man ein neues Gegenargument auf: die drohenden Jobverluste bei einem Ja zur SBI. «Das Menschenrechts-Argument ist zentrales Thema vieler Nein-Kampagnen. Wir wollen eine andere Facette beleuchten, die bisher kaum erwähnt wurde», erklärt der Jungpolitiker.

Ja zur SBI führt zu Jobverlusten

Laut den Jungfreisinnigen droht bei einem Ja zur SBI der Jobverlust – ähnlich, wie wenn man im Büro andauernd nach Knoblauch stinkt oder als Polizist im Dienst heimlich Cannabis raucht.

Die Argumentation der JFS lautet wie folgt: Als Exportnation sei die Schweiz auf den direkten Zugang zu internationalen Märkten angewiesen. Als Kleinstaat sei man zudem durch die allgemein gültigen Regeln, die auf internationalen Verträgen basieren, geschützt. Ansonsten setze sich das Recht des Stärkeren durch. Kündige die Schweiz nun einen entsprechenden Vertrag, der nicht mehr verfassungskompatibel sei, komme das einem radikalen Vertrauensbruch gegenüber der Staatengemeinschaft gleich. Das wiederum könne Marktzugänge gefährden – und damit auch Jobs.

«Argument ist ein Märchen»

SVP-Nationalrat Thomas Matter betitelt das neue Argument der Jungfreisinnigen als ein «weiteres Märchen». Das Ziel der SBI sei es, den Zustand vor dem «verheerenden» Bundesgerichtsurteil vom 12. Oktober 2012 wiederherzustellen. Matters Frage an die JFS: «Hatten wir vor 2012 denn ein Problem mit den Jobs?»

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • stadtzürcher am 03.11.2018 12:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ja zur Schweiz, Nein zum EU Diktat

    Es darf nicht sein, dass ein paar EU-Richter unser Volkswille oder unser Bundesgericht überflüssig machen. Das letzte Wort soll immer noch das Volk und nicht das Ausland haben

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  • Simba74 am 03.11.2018 12:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    das man sein Land

    der EU verkauft begreife ich immer noch nicht. Deshalb stimme ich Ja zur SBI und zur Selbstbestimmung.

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  • Kerl am 03.11.2018 12:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Selbstbestimmung

    Hoffe die Schweiz macht endlich mal Schluss dass andere über uns bestimmen.. was haben wir noch zu sagen im eigenen Land.. nichts mehr...

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Rampage am 05.11.2018 06:56 Report Diesen Beitrag melden

    Freier Unsinn

    Kam von der Seite schon mal ein anderes Argument? Alles was nicht nach ihrem Sinn läuft, ist ein Jobkiller. Man stelle sich das mal vor: Geht es nach ihnen sind wir nicht mehr überlebensfähig wenn intern. Verträge mit unserer Verfassung übereinstimmen. Wir sind nicht mal mehr existenzfähig wenn wir nicht jedes Jahr tausende Menschen aufnehmen, geschweige wenn wir nicht alles um uns herum verbauen und uns nicht von Brüssel bestimmen lassen wollen. Überspitzt gesagt: Würde sich ihr düster gezeichneter Untergang für sie rentieren, wetten sie wären ganz vorne mit dabei?!

  • Amüller am 04.11.2018 18:27 Report Diesen Beitrag melden

    SBI Abstimmung

    Alles leere Behauptungen. Die gleichen Behauptungen hat man vor 26 Jahr vor der EWR Abstimmung auch hervorgeholt. Seit dieser Abstimmung 1992 hat sich die Schweiz an der Weltspitze gehalten (Wohlstand usw) 26 Jahre sind Beweis genug, dass die Ausreden der FDP nur leere Worte sind und nichts aber auch gar nichts mit der Realität zu tun haben.

    • Niklaus am 04.11.2018 19:55 Report Diesen Beitrag melden

      Der Absolutismus

      @Amüller so ist es sehr gut gesagt und deshalb hoffe ich das die Wähler das erkennen und Landrecht vor Völkerrecht stellen damit der Erfolg der Schweiz weiter gehen kann.

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  • Niklaus am 04.11.2018 17:44 Report Diesen Beitrag melden

    Der Absolutismus

    Was machen wir nur wenn die NeinSager verlieren sie müssten wohl oder Übel an der direkten Demokratie weiter arbeiten und endlich ihren Traum der Fremdbestimmung aufgeben.

    • Urs am 04.11.2018 18:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Niklaus

      Ein Volk ist stark wenn es dem einzelnen die Menschenrechte garantiert. Die Initiative greift diese an und verspricht brandgefährlich zu sein.

    • Niklaus am 04.11.2018 19:58 Report Diesen Beitrag melden

      Der absolutismus

      @Urs das ist nicht korrekt das Landrecht schützt die Menschenrechte genau so gut wenn nicht besser deine Aussage mit dem Völkerrecht ist also reine Augenwischerei um die Wähler in die irre zu führen.

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  • Doktor Sommer am 04.11.2018 17:33 Report Diesen Beitrag melden

    Der Brennpunkt meiner Berechnung

    Ich kann Ihnen versichern, Lohnschutz gibt es nur noch, wenn man keine fremden Richter zulässt, ansonsten fällt die Lohnkurve tief nach unten und ich irre mich selten.

    • Niklaus am 04.11.2018 18:25 Report Diesen Beitrag melden

      Der Absolutismus

      @Doktor Sommer so ist es nicht nur der Lohnschutz würde fallen sondern der Mittelstand wird dem Erdboden platt gemacht es gebe nur noch arm oder reich und das in einer Zeit wo KK und Mieten nicht fallen sondern steigen.

    • Koni am 04.11.2018 18:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Doktor Sommer

      Fremde Richter ist das Hirngespinst der SVP. Es geht hier um die Einhaltung der Gewaltentrennung. Wer weiter für eine Gewaltentrennung ist sollte Nein stimmen.Wer eine unsichere Zukunft möchte folge dem Doktor Sommer.

    • Paul am 04.11.2018 18:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Niklaus

      Nun erklären sie uns was der Lohnschutz mit den Menschenrechten zu tun hat. Wie so oft verbreiten die SVPler Angst und Unsicherheit. Menschenrechte haben höchste Priorität. Diese Initiative ist gefährlich und sollte von Volk und Ständen abgelehnt werden.

    • Niklaus am 04.11.2018 19:52 Report Diesen Beitrag melden

      Der Absolutismus

      @Paul der Lohnschutz und Menschenrechte haben sehr viel gemeinsam denn wenn fremdes Recht gilt müssen auch die völkerrechtlichen Verpflichtungen eingehalten werden aber das hörst du natürlich nicht gerne weil du ja lieber auf deine Menschenrechte pochst bestes Beispiel ist ja Saudi Arabien bis heute haben die noch Mittelalterliche Strafen.

    • Minerspeed am 05.11.2018 07:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Paul

      Warum sollte die SBI abgelehnt werden? Bitte um Argumente die Hieb und Stichfest sind. Frage mich was bei einer annahme der SBI Brandgefährlich sein soll? Zu mal es keinen einzigen Staat gibt die Völkerrecht und Internationalesrecht dynamisch übernimmt. Die Gegner der SBI sollten einfach mal der Wahrheit bleiben.

    • Minerspeed am 05.11.2018 07:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Koni

      Die Gewaltentrennung ist ja bei der Annahme gewäherleistet, habe im Text niergens gelesen das die aufgehoben würde. Nicht immer unwahrheiten erzählen.

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  • MadMax am 04.11.2018 17:16 Report Diesen Beitrag melden

    Es ist unverständlich,...

    ... wie sich die Leute seit Jahren von BR und Parlament, mit nachweislich falschen Aussagen und Drohungen, hinter die Fichte führen lassen. Wenn das Result für die dann nicht stimmt, dann begehen die noch hemmunglos VERFASSUNGSBRUCH. Damit diese schleichenden Entmündigung der Bürgerrechte gestoppt wird braucht es ein klares JA zu Selbstbestimmungs-Initiative. Merci!

    • John am 04.11.2018 17:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @MadMax

      Wer hat das Parlament gewählt? Das Volk. Bitte die Gewaltentrennung respektieren. Wer die Gewaltentrennung respektiert stimmt Nein.

    • Niklaus am 04.11.2018 17:47 Report Diesen Beitrag melden

      Der Absolutismus

      @MadMax so ist es besser könnte man es nicht schreiben und darum auch von meiner Seite ein JA für die SBI.

    • Minerspeed am 05.11.2018 07:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @John

      Das eine Inititive vom Parlament nicht umgesetzt wird hat nichts mit der Gewaltentrennung zu tun sondern mit der missachtung des Volkswillen. Klar haben wir das Parlament gewählt, aber wenn das Parlament den Volksauftrag nicht umsetzt hat das was mit Arbeitsverweigerung gegenüber dem Volksauftrag zu tun. Die Gewaltentrennung ist bei einer Annahme der SBI nicht in frage gestellt bitte Initiatvtext lesen.

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