RS-Entlassungen

17. April 2019 11:45; Akt: 17.04.2019 12:58 Print

«RS-Kommandant verhält sich unwürdig»

Ein RS-Kommandant entlässt mehrere Soldaten, weil sich diese für den Zivildienst interessierten. Sicherheitspolitiker sind erstaunt.

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A. D.* (20) war Soldat in der Rekrutenschule Elektronische Kriegsführung in Jassbach BE – bis Donnerstagmorgen. Dann wurden er und vier andere Soldaten per sofort entlassen. Sie hatten sich für den Zivildienst angemeldet. Im Schreiben begründet der Schulkommandant die Entlassung damit, dass er einen weiteren Einsatz nicht verantworten könne. (Symbolbild) Dabei sollten die Soldaten die Ausbildung zum Wachtmeister absolvieren. Sie schickten ein Gesuch zur Zulassung zum Zivildienst ab, weil sie damit nicht einverstanden waren. (Symbolbild) Ein Betroffener sagt, er wolle den Entscheid anfechten. Grosse Chancen rechne er sich nicht aus. «Wahrscheinlich wollte der Kommandant ein Zeichen gegen das Wechseln in den Zivildienst setzen», sagt er. (Symbolbild) Besonders bitter sei, dass die Entlassung am Donnerstag erfolgt sei. Anfang nächster Woche hätten die fünf Soldaten nämlich 80 Prozent ihrer Rekrutenschule absolviert. (Symbolbild) Bei einem Wechsel in den Zivildienst hiesse das, dass sie keinen zusammenhängenden Arbeitseinsatz von 180 Tagen mehr absolvieren müssten. (Symbolbild) Gemäss dem Schreiben mit ein Grund für die Entlassung: Im Gesuch zur Zulassung zum Zivildienst muss bestätigt werden, dass ein Gewissenskonflikt mit dem Militärdienst besteht. Erst danach ist der Besuch des Einführungstages möglich. Danach gibt es allerdings eine Bedenkfrist, und Gesuchsteller müssen schriftlich erneut bestätigen, dass sie in den Zivildienst wechseln wollen. Erst dann wird über die Zulassung entschieden. BDP-Nationalrätin Rosmarie Quadranti sagt: «Die Armee hat nur eine Chance, die Leute bei der Stange zu halten, wenn sie diese für den Dienst motivieren kann. Dafür braucht es gute Vorgesetzte.» FDP-Nationalrat Walter Müller sagt: «In der Schweiz gilt immer noch die allgemeine Wehrpflicht. Leider wird diese zunehmend unterlaufen.»

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Fünf Soldaten in der Funkaufklärer-Rekrutenschule der Armee schienen zu Höherem berufen: Sie sollten weitermachen und Wachtmeister werden. Am Dienstag wurden sie vom Schulkommandanten aber per sofort entlassen. Das schludrige Entlassungsschreiben an einen der Soldaten – es ist voller Rechtschreibfehler – liegt 20 Minuten vor. Die Begründung: Die Anmeldung zum Zivildienst-Infotag zeige offensichtlich, dass der Armeeangehörige den Dienst nicht mit seinem Gewissen vereinbaren könne.

Klar ist: Die Armee hat ein Problem damit, genügend Soldaten für Kaderpositionen zu gewinnen. Der Bundesrat will darum das «Abschleichen» in den Zivildienst erschweren (siehe Box). Das Problem zeigt sich auch in Zahlen: Allein im 1. Quartal 2019 wechselten 896 Armeeangehörige vor oder nach bestandener RS in den Zivildienst.

«Strafaktionen sind der falsche Weg»

Für Sicherheitspolitiker wirft die Entlassung der Soldaten kurz vor Ende der RS Fragen auf. Scharfe Kritik übt BDP-Nationalrätin Rosmarie Quadranti, die auch Vorstandsmitglied des Zivildienstverbandes Civiva ist. «Die Armee hat nur eine Chance, die Leute bei der Stange zu halten, wenn sie diese für den Dienst motivieren kann. Dafür braucht es gute Vorgesetzte.» «Zwang und fragwürdige Strafaktionen» wie die Entlassungen seien hingegen der völlig falsche Weg.

Die Teilnahme am Zivildienst-Einführungstag müsse auch für Soldaten möglich sein. «Die Armee will ja mündige Leute in den Kaderpositionen. Dazu zählt, dass sie sich ein eigenes Bild machen können.» Das Verhalten des Kommandanten sei darum «unsinnig, unprofessionell und unwürdig».

SP-Nationalrätin Priska Seiler Graf überrascht die Reaktion des Kommandanten. «Er scheint brüskiert zu sein, weil die Soldaten nicht weitermachen wollen.» Möglicherweise habe er mit den Entlassungen weitere Wechselwillige abschrecken wollen. «Ich verstehe die Armee, dass es ärgerlich ist, wenn man Leute verliert, die man mühsam ausgebildet hat.» Die Armee müsse aber selbst attraktiver für junge Männer werden, um das Problem zu lösen.

«Wehrpflicht wird zunehmend unterlaufen»

FDP-Nationalrat Walter Müller will den Fall nicht kommentieren, da er die Hintergründe nicht kenne. Er sagt aber: «In der Schweiz gilt immer noch die allgemeine Wehrpflicht. Leider wird diese zunehmend unterlaufen.»

Für ihn zeige der Vorfall, dass die Revision des Zivildienstgesetz nottue, um «Klarheit zu schaffen». Dieses sieht höhere Hürden für einen Wechsel von der Armee in den Zivildienst vor.

Armee-Sprecher Daniel Reist nimmt im Interview Stellung zum Fall.

(daw)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Hoeloe am 17.04.2019 06:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Versteh ich nicht...

    Sie wollten aus dem Militärdienst entlassen werden und jetzt ist auch nicht recht...

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  • teddy1993 am 17.04.2019 06:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wer Spielchen spielt, muss bereit sein zu verliere

    Tragisch für die Soldaten, deren Spielchen nun halt nicht aufgegangen ist. Wer droht, muss auch bereit sein, die Konsequenzen zu ziehen.

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  • Mario am 17.04.2019 06:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Plötzlich...

    Gewissensbisse so plötzlich? Ist doch auch nur vorgeschoben.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Koch René am 18.04.2019 19:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Skandal

    Es ist ein Skandal wenn das stimmen sollte. Das Personal der Armee ist die Hypothek der ganzen Landesverteidigung!!!

  • Max fuir am 18.04.2019 19:16 Report Diesen Beitrag melden

    Ich wollte Dienst leisten

    Ich wollte Dienst leisten sogar durchrdiener und mit Ambition eine Kader Position zu erhalten. Jedoch wurde ich UT gestempelt weil ich in der Kindheit schlafgewandelt bin. Also Rosinen picken wo es nur geht. Diese Miliz Armee gehört abgeschafft!

  • horst am 18.04.2019 19:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    weshalb

    es wird das falsche verhalten unterstützt. wenn man kein bock hat und sich keine mühe gibt ist man fein raus. wenn man sich etwas anstrengt, wird man zu weiterem dienst gezwungen. wenn man nicht weiter machen will, einfach 8 wochen die sau rauslassen. ich musste jedes wochenende 4 h nacharbeit leisten. dafür konnte ich immer zu spät kommen und wenn ich die hälfte des gepäcks "vergessen" hatte, sagte niemand etwas. am schluss nur noch wachdienst (3-4h/tag) und restliche zeit filme schauen und kiffen. überhaupt keinen anreiz sich etwas zu bemühen (abgesehen vom eigenen egl)

  • Dani am 18.04.2019 17:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wehr vs Zivildienst

    Ich finde der Dienst an der Allgemeinheit sollte im Zentrum stehen, ob nun Wehr- oder Zivildienst, sollte keine Rolle spielen.

  • Egon Zuppiger am 18.04.2019 16:55 Report Diesen Beitrag melden

    Schafft sie ab, die Armee.

    Schaffen wir sie endlich ab. Diese Armee ist nicht brauchbar und basiert auf veralteten Prinzipien. Eine Erneuerung von innen an die heutigen Anforderungen ist unmöglich. Ein Neubeginn auch nicht. Krieg heisst heute Verlust von technischem KnowHow und Einfluss auf die welweiten Resourcen. Die Rosinen der Schweizer Wirtschaft sind schon lange in internationalen Konzernen einverleibt. Wir sind erpressbar, geworden wie die Unternehmensteuerreformen zeigen. Die Konzerne sagen was geht. Unser Volkwissen ist verscherbelt worden und die Armee täumt von Angreifern die nie kommen werden.