Kein Alk mehr ab 22 Uhr

20. März 2013 19:54; Akt: 21.03.2013 09:13 Print

«Kommt ein Verbot, prüfen wir das Referendum»

von Jessica Pfister - Das nächtliche Alkoholverkaufsverbot sorgt für Unmut. Jugendverbände kritisieren die Massnahme als reine Symptombekämpfung. Die Jungfreisinnigen drohen gar mit dem Referendum.

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Wer künftig ab 22 Uhr bei Coop Pronto ein Bier, im Quartierladen eine Flasche Wodka oder beim Pizzakurier einen Rotwein kaufen will, soll leer ausgehen. So zumindest will es der Ständerat, der sich am Mittwoch mit 30 zu 10 Stimmen für das Nachtverkaufsverbot bis 6 Uhr aussprach. «Damit können wir die Zahl der Ausschreitungen und Saufgelage der Jugendlichen, die sich bisher rund um die Uhr mit Alkohol eindecken konnten, verhindern », zeigte sich die welsche SP-Ständerätin Géraldine Savary überzeugt.

Die Stadt Genf, die das nächtliche Alkoholverkaufsverbot ab 21 Uhr seit rund acht Jahren kennt, habe gute Erfahrungen gemacht. Tatsächlich ist laut einer Untersuchung von Suchtinfo Schweiz die Zahl der jugendlichen Rauschtrinker, die im Spital landeten, in Genf zurückgegangen. Ein anderes Bild herrscht laut FDP-Ständerätin Karin Keller-Sutter in St. Gallen, wo ab 21 Uhr ebenfalls kein Bier und Wein mehr über die Theke wandert. «Die Bilanz ist ernüchternd, die Probleme sind immer noch die gleichen», so Keller-Sutter. Und SVP-Ratskollege Peter Föhn enervierte sich: «Wir können die Jugendlichen doch nicht zu Kriminellen abstempeln.»

«Verbot stempelt Jugendliche als Problemgruppe ab»

Genau dieser Meinung ist auch Maurus Zeier, Co-Präsident der Jungfreisinnigen. «Der Entscheid des Ständerats ist eine Katastrophe und eine reine Symptombekämpfung», so Zeier. Die Jungen seien doch schlau genug und würden sich einfach früher mit Alkohol eindecken - wenn möglich sogar mit mehr als zuvor. Ausserdem würde man mit einem solchen Gesetz auch alle anderen bestrafen, die einen vernünftigen Umgang mit Alkohol pflegen. In die gleiche Richtung argumentiert Andreas Tschöpe von der Schweizerischen Arbeitsgruppe der Jugendverbände (SAJV). «Das Verbot stempelt die Jugendlichen als Problemgruppe ab, dabei wäre es nötig, sie in der Phase des Erwachsenwerdens zu unterstützen.»

Jugendverbände und Jungfreisinnige wollen nun mit allen Mitteln dafür kämpfen, dass das Nachtverkaufsverbot im Nationalrat chancenlos bleibt. Für Zeier ist klar: «Kommt das Gesetz so durch, prüfen wir Jungfreisinnigen das Referendum.»

Nicht so weit gehen will Rolf Hartl, Geschäftsführer der Erdölvereinigungen, dem Dachverband der Tankstellen. Aber auch für ihn ist der Entscheid des Ständerats ein «Ärgernis». «Vor allem die Umsetzung ist für die Tankstellenbetreiber mühsam.» Ständig würden sie ihr Sortiment wechseln und abdecken müssen. Hartl ist ebenfalls skeptisch, ob das Verbot das Problem der Saufgelage behebt. «Vor allem befürchte ich weitere Verbote, wenn die Massnahme nicht greift.»

Restaurantbetreiber und Detailhandel sehen kein Problem

Bei Gastrosuisse, deren Mitglieder künftig auch kein Alkohol mehr über die Gasse verkaufen dürfen, sieht man die Lage weniger dramatisch. «Wenn das Verbot kommt, betrifft uns das nur marginal», sagt Präsident Karl Künzi. Was den Alkoholkonsum von Jugendlichen in den Restaurants und Bars angehe, herrsche sowieso eine andere Situation vor, weil die Preise in den Gastbetrieben höher seien und die Jugendlichen in einem kontrollierten Rahmen trinken.

Auch beim Detailhändler Coop nimmt man den Entscheid gelassen. Die Verkaufsverbot betreffe nur eine sehr kleine Anzahl von Verkaufsstellen - und die meisten würden bereits heute freiwillig um 22 Uhr den Verkauf von Alkohol einschränken.

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Ausgewählte Leser-Kommentare

Es ist schon komisch, dass gerade die Rechten sich für uns Jugendlichen einsetzen, wenn es um Alkohol geht. Sie denken hier mal logisch und wollen nicht "dass die Jugendlichen zu Kriminellen abgestempelt werden". Gleichzeitig setzen sich die Linken hier für restriktive Regeln in Sachen Rauschmittel ein. Sobald es aber um Gras geht, was ja grundsätzlich die selbe Fragestellung ist (in welchem Rahmen darf sich unser Volk berauschen?) ist das ganze genau umgekehrt. Die Linken leben dafür dort in der Gegenwart und die Rechten sind in dieser Frage die zurückgebliebenen Hinterwäldler! unlogisch... – Tommy

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • urs meier am 20.03.2013 20:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    nicht wirklich tragisch

    glaube ich war noch nie nach 22 uhr alk kaufen.. zu dieser zeit bin ich eh schon lange in einer bar oder in einem club. also mich würds eh nicht einschränken. komm auch so besoffen nach hause ;-)

  • Dani am 20.03.2013 22:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Verbote

    Hauptsache noch ein Verbot mehr! Bald sind wir sämtliche Freiheiten los.

  • Jugendlicher am 20.03.2013 21:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    früher

    Dann kauf ich mein Bier halt um 20 Uhr... langsam frage ich mich wirklich wie viel Zeit für unnötige Gesetze/Regelungen verschwendet wird.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Daniel Hofmann am 22.03.2013 22:50 Report Diesen Beitrag melden

    Konsum in der Öffendlichkeit Verbieten

    Warum so kompliziert? Es geht doch ganz Einfach... per sofort wird der konsum von Alkohol in der Öffendlichkeit Verboten. In den Niederlanden ist dies der Fall, dort wird es Teuer, wenn man in der Öffendlichkeit Alkohol trinkt. hmm wer Überwcht dies dann, nun die Staatskameras, die jeden qm der Schweiz überwachen.

  • Franz am 21.03.2013 22:17 Report Diesen Beitrag melden

    Ist mir egal

    Das Verbott krazt mich nicht. Ich werde auch damit meine Morgendosse Bier trinken. Und tagsüer ist ja der Verkauf nicht verboten. Abends trinke ich lieber Schnaps und mir reicht eine Flasche für mehr als ein Tag. Mit Bier muss ich immer aufs WC und das ist Stressig. Aber noch mehr verbotten ist nicht gut.

  • Politologe am 21.03.2013 20:24 Report Diesen Beitrag melden

    Ausgewählter Leserkommentar von Tommy

    Sehe ich nicht so. Grundsätzlich sind rechte Parteien schon per Definition für "weniger Staat - mehr Markt" und linke Parteien für "mehr Staat - weniger Markt". Regulierungen sind, das Asylrecht mal ausgenommen, tendenziell auch eher den linken Parteien zuzuschreiben. Es ist hinsichtlich dessen also logisch, dass sich z.B. der Freisinn hier für eine liberale Wirtschaft und für Eigenverantwortung einsetzt. Die Einhaltung von bestehenden Gesetzen (z.B. BtmG) durchzusetzen ist ein ganz anderes Thema. Eine Initiative zur Legalisierung wurde ja ausserdem sehr klar abgelehnt vom Volk.

  • Kein SP Wähler am 21.03.2013 19:02 Report Diesen Beitrag melden

    Bestrafung

    Bestraft werden alle statt nur wenige.

  • chrigi am 21.03.2013 18:48 Report Diesen Beitrag melden

    Zweiklassengesellschaft

    Wiedereinmal trifft ein Verbot nur die ärmere Schicht der Gesellschaft. Denn genau die kaufen sich ihr Vereinabendbier an der Tankstelle oder besorgen sich noch schnell was vor oder während dem Ausgang dort. Wohlhabende trinken eher Wein aus dem Keller oder betrinken sich gleich im Restaurant/Club, wenn sie das wollen. Es wird rotzfrech Symptombekämpfung auf dem Buckel dieser Leute gemacht. Denn für die Saufgelage einiger Jugendlichen können die auch nichts dafür. Ausserdem wird heutzutage vieles auf den Alkoholkonsum zurückgeführt, obwohl eher gesellschaftliche Hintergründe deren Ursache sind