Homosexueller Politiker

27. Juni 2018 19:00; Akt: 27.06.2018 19:00 Print

«Küsse meinen Freund auch vor SVP-Delegierten»

Die SVP und Homosexualität – das passt für viele nicht zusammen. Der schwule Politiker Michael Frauchiger (28) widerspricht.

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Im LGBT-Parteiranking von Pinkcross schneidet die SVP jeweils am schlechtesten ab, wenn es darum geht, wie «gayfriendly» die Partei ist. Das stört den Jungpolitiker Michael Frauchiger (28) aus Weiach ZH. Das Mitglied der SVP ist offen schwul und weiss um den schlechten Stand der Partei beim Thema Homosexualität: «Obwohl es in der SVP einige Homosexuelle gibt – ich kenne mehrere Aktivmitglieder –, bringt uns kaum jemand damit in Verbindung.»

Gemäss dem SVP-Vorstandsmitglied des Bezirks Dielsdorf liegt es daran, dass die Gesellschaft die Parteimitglieder eher noch als «Konservative mit Scheuklappen» sieht. «Viele können sich einfach nicht vorstellen, dass auch rechte Politiker schwul sind oder sich auch für die Rechte von Schwulen einsetzen können und wollen», sagt Frauchiger.

Bammel vor der Grossmutter

Die SVP-Basis sei aber nicht mehr so konservativ wie vor etwa zehn Jahren: «Es gibt eine neue Generation, die offener mit Gesellschaftsthemen umgeht und die auch den Kurs der Partei prägen und neu ausrichten wird.» Dadurch könne die SVP genauso wie andere Parteien die Rechte von Homosexuellen würdig vertreten. Frauchiger kandidiert 2019 für den Kantonsrat. Er ist sich sicher: «Auch als Homosexueller kann man in der SVP Karriere machen.» Das zeige das Beispiel von Rechtsprofessor Hans-Ueli Vogt, der für die SVP im Nationalrat sitzt.

Der Projektleiter , der sich für Homosexuelle in Bereichen wie Adoption, Blutspende und Ehe einsetzt, outete sich mit 16 Jahren. Da war er bereits seit einem Jahr SVP-Mitglied: «Ich habe mich aber nicht zuerst bei meinen Parteimitgliedern geoutet, sondern bei engen Kollegen und meiner Schwester», so der Politiker. «Danach bei meinen Eltern und meinen Verwandten.»

Am meisten Bammel habe er gehabt, als er sich bei seiner Grossmutter geoutet habe, die katholisch und eher konservativ aufgewachsen sei, so Frauchiger: «Sie ist mein ein und alles. Wenn sie etwas Negatives gesagt hätte, wäre es sehr schlimm für mich gewesen. Sie sagte aber: ‹Du, ich weiss es schon, seit du auf der Welt bist›. Das war so eine Erleichterung.»

«Menschlichkeit und Leistung vor Sexualität»

Obwohl er bei seinen Parteikollegen geoutet sei, würde er nicht von sich aus erklären, dass er homosexuell ist: «Man muss mich schon fragen. Ich kann ja nicht in eine Versammlung gehen und gleich damit anfangen. Es muss schon irgendwie zum aktuellen Gesprächsthema passen», sagt Frauchiger, der seit rund zwei Jahren in einer Beziehung ist.

Verstecken würde er sich aber auch nicht: «Käme es zu einem grösseren SVP-Treffen wie etwa einer Delegiertenversammlung, würde ich meinen Freund mitnehmen, falls er Interesse hat. Es würde mir auch nichts ausmachen, Hand in Hand mit ihm durch die Menge zu laufen oder ihm vor allen einen Kuss zu schenken.» Er ist sich sicher: «Einige Parteimitglieder würden mich freudig darauf ansprechen und mir zum Mut gratulieren. In der SVP zählt die Menschlichkeit, Leistung und Einstellung mehr als die Sexualität.»

«SVP würde Wähler gewinnen»

René Schegg, Geschäftsleiter von Pinkcross, beobachtet einen leichten Wandel in der SVP: «Offensichtlich spricht sich die Mehrheit der SVP Basis im Gegensatz zu den letzten nationalen Wahlen nun doch für die Ehe für alle aus. Trotzdem sind viele Anliegen von Homosexuellen in der Partei auch weiterhin nicht gut aufgehoben.»

Schegg hält es nicht für unmöglich, dass die SVP sich in Zukunft mehr für die Rechte von Homosexuellen einsetzt: «Dafür muss sich aber erst die Basis der Partei öffnen. Die neue Generation könnte das durchaus schaffen. Jedoch braucht es aktive und selbstbewusste Politiker und Zeit, bis die Partei als gayfreundlich empfunden wird.»

Das es im Moment eher schlecht darum stehe, zeige das eher «ruhige Dasein» der GaySVP: «Die Gruppe hat innerhalb der Partei nie an Bedeutung bekommen», erklärt Schegg. «Die Anliegen von Homosexuellen hatten wohl bei anderen Parteimitgliedern keine Priorität.» Auch sei das Outing einzelner Mitglieder, wie beispielsweise von Thomas Fuchs, leider nicht förderlich für die Karriere in der Partei gewesen. «Es wird sich zeigen, wie sich das in Zukunft verhalten wird», so Schegg. Er ist sich sicher: «Würde sich die SVP mehr für die Rechte der Homosexuellen oder allgemein mehr und konsistent für Menschenrechte einsetzen, hätte sie sicherlich ein höheres Wählerpotential.»

Der SVP-Präsident Albert Rösti mochte sich zu diesem Thema nicht äussern, da aktuell parteieigene Geschäfte wie die Selbstbestimmungsinitiative im Vordergrund stehen würden.

(qll)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Yannick95 am 27.06.2018 19:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    nicht jeder ein Hardliner

    nicht jeder svp-wähler ist ein hardliner.. ich bin auch svp-wähler.. ich bin aber nicht mit allem von der svp einverstanden, sie kommt aber meinen politischen interessen am nächsten. es gibt aber auch personen oder svpinitiativen, die ich ablehne..

    einklappen einklappen
  • .Nicolas. am 27.06.2018 23:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    naja

    ehm. ... wo ist das Problem? er kann doch knutschen wer er möchte. was hat das mit der SVP zu tun? komisch .....

  • Daisy Duck am 27.06.2018 19:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Man muss nicht immer gleicher Meinung sein

    Ich bin auch seit jeher SVP Wählerin und finde es absolut falsch dass es bis heute immer noch ein Thema ist! Man muss ja nicht immer die gleiche Meinung haben wie die Spitze! Bin auch für die Legalisierung von Cannabis!

Die neusten Leser-Kommentare

  • El perro am 28.06.2018 12:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Verfassung

    Eigentlich müsste man sich nur an die Verfassung halten. Darin steht, dass alle Menschen vor dem Gesetz gleich sind. Dass gleichgeschlechtliche Partnerschaften nicht gleich gesetzt sind heisst, dass die Verfassung mit Füssen getreten wird.

  • Sonne am 28.06.2018 12:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    leben und leben lassen

    Irgendwie hab ich das Gefühl, dass in letzter Zeit diese Homowelle übertrieben wird! Jeder will sich öffentlich outen, und hoffentlich gesehen werden! Mensch, lebt doch einfach euer Leben, und gut ist! Übrigens, mag ich persönlich auch von Heterosexuellen nicht, wenn sie sich überall und immer abknutschen müssen. Dazu hat man die eigenen vier Wände!

  • Elizabeth am 28.06.2018 11:55 Report Diesen Beitrag melden

    Richtig so

    Ich bin Trans, lesbisch und SVP Mitglied seit 10 Jahren. Ja, das geht. Ich gehe mit meiner Freundin Hand in Hand zu SVP Versammlungen. Küssen ist auch kein Problem. Wieso auch.

  • Walter Portmann am 28.06.2018 10:38 Report Diesen Beitrag melden

    Unnötig

    Es geht nicht um SVP oder nicht, man hat was übrig für Homos oder nicht ! Immer dieser Theater der Minoritäten !

  • Genervter am 28.06.2018 10:37 Report Diesen Beitrag melden

    Langsam aber sicher

    geht mir das "Geschlechtertheater" auf die Nerven. Mir ist es vollkommen Egal, wer, wie, mit wem oder was immer Rummacht. Um in die Presse zu kommen ist der SVP sowieso alles recht und der Herr Frauchinger lässt sich auch noch benutzen. Nur Peinlich und Schädlich.