Klischees über Lehrer

17. September 2018 13:09; Akt: 17.09.2018 14:01 Print

«Lehrer arbeiten viel und motzen gar nicht ständig»

von A. Peterhans - Junge PH-Studenten sagen, wieso sie trotz Helikopter-Eltern, steigender Arbeitsbelastung und wenig Anerkennung Lehrer werden wollen.

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Silja R. (23) sagt: «Es geht auch darum, Kinder zu erziehen». Dieses Plakat zum Thema Afrika malten zwei Schüler, während Silja im Praktikum war. Dieses Bild sandte eine Primarlehrerin aus Basel ein. Zeichnungen werden den Lehrpersonen oft und gern geschenkt. Der 26-jährige Mario C. aus Wädenswil hat schon ein Studium hinter sich. Er studierte vor allem, um seinen Wissenshunger zu stillen. Ein Bürojob sei aber zu einsam für ihn. Jetzt freut er sich auf die PH. Mario (26) im Wald mit seinen Jungwacht- und Blauring-Kindern. «Ich war über zehn Jahre Leiter im Jugendverband Jungwacht Blauring und habe Lager und Freizeitaktivitäten gestaltet. Jetzt freue mich darauf, auch den Unterricht kreativ zu gestalten, und will die Kids mit meinen eigenen Inputs und Erlebnissen begeistern», sagt Mario. Die 23-jährige Silja R. aus Felben-Wellhausen freut sich, Kinder fürs Lernen zu begeistern und ihnen Wissen mit Spass beizubringen. «Viele Vorstellungen sind aber auch einfach falsch: Nach dem Unterricht kommt man meistens nicht nach Hause und kann nicht abschalten. Die Lektionen können immer noch besser gestaltet werden und die Probleme der Kinder sind auch nach Schulschluss noch da», sagt Silja. «Es waren die Vorurteile, die mich davon abhielten, gleich an die PH zu gehen. Wenn ich beispielsweise jemandem sage, ich studiere Maschinenbau, denkt man: Wow, Respekt. Sagt man allerdings, man gehe an die PH, gibt es keine Anerkennung», sagt Mario. «Man muss sehr sensibel sein. Ich half schon als Kind gerne den Schwächeren. Ich kenne die Probleme der Kinder aus der eigenen Schulzeit. Ich war die einzige Asiatin an meiner Schule und wurde gemobbt. Jeder Tag war ein Kampf. Erst in der fünften Klasse bekam ich eine Lehrperson, die nicht mehr wegschaute. Von da an wusste ich: Ich will auch Lehrerin werden», sagt Alexandra.

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13 Wochen Ferien und ein «Schoggi-Läbe» – die Klischees gegenüber dem Lehrerberuf halten sich hartnäckig. Zwar verdienen Schweizer Lehrer im OECD-Vergleich gut. Trotzdem fordern Gewerkschaften mehr Lohn, um den Beruf attraktiver zu machen und dem Lehrermangel zu begegnen. Drei junge angehende Lehrer erzählen, wieso sie trotz Klischees und steigender Belastung unterrichten wollen.


Silja R., 23. Felben-Wellhausen: «Es geht auch darum, Kinder zu erziehen.»

«Ich beginne nun mein viertes Ausbildungsjahr zur Sekundarlehrerin an der PH Zürich. Die Vorurteile sind immer dieselben: Wir arbeiten zu wenig, aber motzen auf Hochtouren. Ich finde den Lohn zum Beispiel in Ordnung und geniesse die zeitliche Flexibilität, die der Job mit sich bringt.

Viele Vorstellungen sind aber auch einfach falsch: Nach dem Unterricht kommt man meistens nicht nach Hause und kann abschalten. Die Lektionen können immer noch besser gestaltet werden und die Probleme der Kinder sind auch nach Schulschluss noch da.

Während meiner Praktika unterrichtete ich auch in einer Stadtschule. Da hat es viele Kinder aus bildungsfernen Schichten, die mehr Betreuung brauchen – da können die Eltern nicht bei den Hausaufgaben helfen. Hier geht es auch darum, Kinder zu erziehen.

Mein Ziel ist es, die Kinder auf die Gesellschaft vorzubereiten. Sie sollen wissen, dass sie einzigartig sind, und zu Menschen heranwachsen, die ein gesundes Selbstwertgefühl haben. Das kann man zum Beispiel, indem man während den Pausen nicht nur im Lehrerzimmer sitzt, sondern auch dann auf die Kinder eingeht.»



Mario C., 26. Wädenswil: «Schon das Studium bringt keine Anerkennung.»
«Ich starte am Montag mein Zweitstudium an der PH in Zürich zum Sekundarlehrer. Vorher studierte ich Maschinenbau und habe schon zwei Jahre als Ingenieur gearbeitet. Den Lehrerberuf kenne ich durch mein familiäres und kollegiales Umfeld. Die Aufgabe ist abwechslungsreich und kein Vergleich zum 0815-Büro-Alltag.

Es waren die Vorurteile, die mich davon abhielten, gleich an die PH zu gehen. Wenn ich beispielsweise jemandem sage, ich studiere Maschinenbau, denkt man: Wow, Respekt. Sagt man allerdings, man gehe an die PH, gibt es keine Anerkennung.

Durch meine Berufserfahrung kann ich nun ein besserer Lehrer werden: Als Sekundarlehrer, der Jugendliche von handwerklichen Berufen begeistern sollte, muss ich auch verstehen und erzählen können, was draussen abgeht und welche Fähigkeiten dort zählen. Das ist zugegeben auch mein Kritikpunkt an Lehrern, die direkt vom Gymi kommen. Da muss man sich nicht wundern, wenn eine handwerkliche Berufslehre in der Schweiz immer unbeliebter wird.

Ich war über zehn Jahre Leiter im Jugendverband Jungwacht Blauring und habe unzählige Zelt-, Skilager und Freizeitaktivitäten gestaltet. Ich freue mich darauf, auch den Unterricht kreativ zu gestalten, und will die Kids mit meinen eigenen Inputs begeistern.»

Alexandra G., 25. Freiburg: «Ich will eine bessere Lehrerin werden, als es meine eigene war.»

«Ich bin in der Masterausbildung zur Heilpädagogin, arbeite aber schon Teilzeit. Gegenüber Vorurteilen rechtfertige ich mich nicht mehr. Viele verstehen die Herausforderungen des Berufs nicht.

Man muss sehr sensibel sein. Ich half schon als Kind gern den Schwächeren. Ich kenne die Probleme der Kinder von meiner eigenen Schulzeit. Ich war die einzige Asiatin an meiner Schule und wurde gemobbt. Jeder Tag war ein Kampf. Erst ab der fünften Klasse bekam ich eine Lehrperson, die nicht mehr wegschaute. Von da an wusste ich: Ich will auch Lehrerin werden.

Zudem gibt es viele schwierige Situationen mit Eltern: Letztes Jahr wollte beispielsweise die Mutter eines hochbegabten Kindes ihren Sohn mit Einzellektionen fördern und von der Klasse absondern. Bei solchen Kindern hinkt aber meistens die Sozialkompetenz den schulischen Leistungen hinterher.»

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • RS am 17.09.2018 13:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Was würden langjährige Lehrer sagen?

    Ich finde es schade das man nur junge Leute befragt hat. Die sind noch voller Tatendrang und freuen sich. Was absolut richtig ist sonst würden sie ja das falsch studieren. Interessant wäre aber auch etwas ältere Lehrer zu befragen, die schon ein paar Klassenzüge gemacht haben.

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  • Maya Forte am 17.09.2018 13:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Fee

    Das stimmt und es gibt viel Lehrer die wirklich auch mit viel Herz Zeit investieren und Lehrer zu sein ist nicht einfach

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  • Nina C. am 17.09.2018 17:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Stoppt das Drama

    Meine Güte... Jeder Beruf bringt andere Schwierigkeiten mit sich. Viele haben noch das Bild der Lehrpersonen von vor 20/30 Jahren im Kopf. Wirklich gute Lehrpersonen investieren genau gleich viel Zeit und Arbeit wie andere Leute aus anderen Berufen. Man kann es sich einfach machen ja... Aber das sind nicht jene Lehrperson die wirklich überzeugt von ihrer Arbeit sind. Wie viele Eltern sind mit 1 bis 2 Kindern überfordert? Denkt ihr die verhalten sich in der Schule anders? Die soziale und erzieherische Arbeit macht diesen Beruf sehr anspruchsvoll... Müsste man sich nicht um verwarloste Kinder, Kindern aus Bildungsfernen Familienhäusern, Kindern mit unterschiedlichen Intelligenz- und Leistungsniveaus kümmern, dann wäre alles viel einfacher. Ausserdem gibt es riesige Unterschiede betreffend Lohn. Je nach Kanton und je nach Alter der Kinder... Denken Sie der Lehrermangel sei auf Grund der Attraktivität des Berufstandes? Zudem muss ich sagen, dass es nicht die Kinder sind, die diese Beruf schwierig gestallten! Es sind die Eltern und die Gesellschaft, welche auf eine sehr despektierliche, agressieve und teilweise schon bedrohende Art und Weise auf Lehrpersonen und ihre Arbeir reagieren. Ich persönlich brauche nicht mehr Lohn... Ich sehe die Ferien und mein Einkommem jedoch oft als "Schmerzensgeld"an.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Cavi33 am 18.09.2018 09:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Leider ist es so

    Dass die Lehrpersonen noch Kinder erziehen muss zeigt ja schon auf dass etwas in unserer Gesellschaft nicht stimmt. Die meisten Lehrpersonen sind ihrer Aufgabe kaum gewachsen darum haben wir immer mehr Probleme mit den bildungsarmen Eltern.

  • Secondo am 17.09.2018 19:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Realistisch bleiben

    Okey vielleicht ist das nicht gerade einfach mit müehsamen Kindern. Aber die Lehrer müssen mir nicht mitUnterrricht vorberten in dem Ferien kommen. Die haben für alles schon eine Vorlage und Drucken die einfach aus. 1% der heutigen Lehrer erstellen noch selber Blätter.

  • Sonnenblume13313 am 17.09.2018 19:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bravo Mario C

    Bravo Mario C. :-) Deine Einstellung und deine Argumente finde ich sehr gut! Hoffe, es klappt alles so, wie du es dir vorstellst! Solche Lehrer braucht das Land:-)

  • T.Schneider am 17.09.2018 19:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Warum du nicht?

    Schoggijob und viel Lohn....das haben noch nicht alle kapiert...oder warum gibt es zu wenig Lehrer???

  • bealeu am 17.09.2018 19:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    lehrer sind auch nur menschen

    wie in jedem beruf gibt es solche und solche. ich selber bin keine lehrerin, habe aber beruflich mit vielen lehrern zu tun. da gibt es die, die 60% arbeiten und immer nur am jammern sind und die, die 100% arbeiten, zu hause vorbereiten und sich zeit für schüler und eltern nehmen, immer zufrieden sind und ihren beruf ernst nehmen! lehrer sind eben auch nur menschen!