Gesund oder nicht

03. Juli 2015 11:42; Akt: 03.07.2015 11:42 Print

«Lehrer sollen nicht über den Znüni bestimmen»

von Annette Hirschberg - In England dürfen Lehrer Schülern ungesundes Essen wegnehmen. Auch Schweizer Schulen bekämpfen Fettiges und Süsses – zum Ärger mancher Eltern.

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Lehrer in Grossbritannien konfiszierten kürzlich ein Minipic und ein Scotch Egg (Ei in Wurstbrät und das Ganze frittiert) aus Essensboxen von Schülern. Dies führte zu einem Aufschrei unter den Eltern, weil die Schule sich ihrer Meinung nach zu sehr in Privates einmische. Aber das Erziehungsministerium hat nun offiziell bestätigt, dass Lehrer berechtigt sind, die Boxen zu durchsuchen und ungesundes Essen wegzunehmen.

Umfrage
Soll sich die Schule einmischen, wenn es um den Znüni der Kinder geht?
36 %
61 %
3 %
Insgesamt 7911 Teilnehmer

Auch in der Schweiz ist das Essen, das Kinder in die Schule mitbringen, ein wichtiges Thema. Es geht vor allem um den Znüni. Dieser solle möglichst wenig Fett und Zucker enthalten und vor allem aus Vollkorngetreide, Früchten oder Gemüse bestehen, sagt Sprecher Simon Thiriet vom Erziehungsdepartement Basel-Stadt.

Gesunde Ernährung als Ziel

Halten sich die Eltern nicht daran, wird interveniert. «Wenn Kinder regelmässig Essen mitbringen, das nicht den Empfehlungen entspricht, sprechen die Lehrpersonen dies zuerst bei den Eltern an», so Thiriet. Damit die Eltern verstehen würden, was sich die Schule vorstelle, werde im ersten Kindergarten auch eine Box mit einem Beispiel-Znüni abgegeben. Mit dabei sei ein Flyer voller Tipps, was gesund sei. Thiriet: «Ziel ist, dass sich alle Schulkinder vom Kindergarten bis zum Ende der Schulzeit gesund ernähren.»

Die Lehrpersonen dürfen laut Ralph Kreuzer, Sprecher des Stadtzürcher Schul- und Sportdepartements, die Eltern aber nicht zwingen, das passende Essen mitzugeben. «Die Znüni-Tipps an die Eltern sind nur Empfehlungen, keine Weisungen.» Und: Man nehme den Kindern kein Essen weg.

Die Madeleine kam wieder nach Hause

Die Idee sei aber schon, dass die Kinder nicht Mars, Chips oder Früchtequarks mitbringen würden. «Wenn es gar nicht klappt, werden die Eltern auch mal auf die Seite genommen oder der Znüni in einem Elterngespräch thematisiert», so Kreuzer. Die allermeisten Eltern würden das Konzept aber schnell begreifen und sich auch daran halten. «Schliesslich geht es um gesunde Zähne und die Verhinderung von Fettleibigkeit.»

Roger M.* und seine Partnerin haben die Situation mit ihrer Tochter im Kanton St. Gallen anders erlebt. Sie hätten der 5-Jährigen an einem Morgen eine Madeleine mit in den Kindergarten gegeben. M.: «Diese brachte sie unberührt wieder nach Hause.» Die Kindergartenlehrerin habe seiner Tochter verboten, die Madeleine zu essen, so M.

«Essen ist Sache der Eltern und nicht der Schule»

Ihn ärgert, dass sich die Lehrer so einmischen. «Es ist unsere Entscheidung, was unsere Tochter isst, und es ihr zu verbieten, geht gar nicht.» Die Fünfjährige sei spindeldürr und dürfe sehr wohl hin und wieder mal etwas Süsses essen. Ausserdem trifft es ihn, dass man Druck auf seine Tochter ausübt, statt das Gespräch mit ihm zu suchen. «Es gibt kein Znüni-Gesetz und auch kein Reglement, nur einen Flyer mit empfohlenen Speisen. Aber der Kindergarten duldet nichts, was nicht dieser Empfehlung entspricht.»

Auch Andrea Caroni, Vater und FDP-Nationalrat, kritisiert das Vorgehen der Schulen. «Was gesund ist und was nicht, ist eine Frage des Masses.» Ausserdem sei Essen Privatsache, solange das Wohl des Kindes nicht gefährdet sei. «Die Eltern sollen entscheiden, was das Kind isst. Es wird nicht zur Sache der Schule, nur weil sich das Kind in der Schule befindet.»

*Name geändert.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Zweifler am 03.07.2015 11:48 Report Diesen Beitrag melden

    es iikläämts

    Man kann aber auch alles schlecht reden. Was ist schon gesund und was nicht. Man kann sich ja auch nicht nur von Salat ernähren. Die Dosis macht das Gift....

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  • Vollkorn-Krümelmonster am 03.07.2015 11:53 Report Diesen Beitrag melden

    Ja genau..

    Beim Essen dürfen die Lehrpersonen nicht reinreden, aber die ganze restliche Erziehung sollen sie übernehmen. Dass sich nicht lache...

  • Mr. Gesund am 03.07.2015 11:55 Report Diesen Beitrag melden

    Meine Güte

    Chips, Mars, Snickers etc. haben nichts im Znüni verloren. Bei uns gab es noch Äpfel, Banenen und Rüebli....

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Die neusten Leser-Kommentare

  • L. L. am 06.07.2015 14:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gesunder Menschenverstand

    Kann man nicht einfach den gesunden Menschenverstand einschalten? Süßes, fettiges, ungesundes kann man doch auch zu Hause essen! Zu Hause kann man ja den Kindern alles geben. Zum Frühstück, am Mittag und zum Abendessen können die Kinder alles essen. Wo ist das Problem? 4-5 Std. ohne süßes? Wenn das Probleme sind, dann weiß ich auch nicht.

  • Josef St. Alin am 06.07.2015 14:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Staatskinder

    hatten wir das nicht schon einmal in der DDR, UdSSR und vor 1945 in einem Nachbarland? Offensichtlich wollen gewisse Kreise Staatskinder. Und unsere Jammer-Burnout-Lehrer können noch mehr über Stress klagen. Aber vielleicht kümmert sich dann die Ernährungs-Integrations-Gleichstellungs-Beauftragtenperson darum ...

  • Grossvater am 05.07.2015 22:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Jedem was er möchte?

    Das, was auf unsern Tellern liegt, ist zum Politikum geworden. Es ist eben NICHT mehr jedem seine Sache. Wir zerstören Umwelt, Gesundheit, Tiere UND die Zukunft unserer Kinder und Enkelkinder wenn wir so weitermachen wie bisher. Es ist HÖCHSTE ZEIT einzulenken! Danke an die Lehrer, die das unterstützen!

  • Karl Miller am 05.07.2015 21:55 Report Diesen Beitrag melden

    Was ist los?????

    Mann, was seit ihr für arme Kreaturen.. So ein Theater wegen einer Kleinigkeit.Fact ist,dass viele Eltern keine Ahnung von gesundem Essen haben, selber schon dick sind und die Kinder mit Süssigkeitem vollstopfen. Wenn dann Zahnreparaturen anstehen ist kein Geld da.. Die Allgemeinheit kann zahlen.. Die Lehrer sollen noch mehr kontrollieren, wenn die Eltern nicht fähig sind...

  • Basler am 05.07.2015 13:40 Report Diesen Beitrag melden

    Man kann's übertreiben

    Bei Stichproben habe ich nichts dagegen, wenn manche Kinder (kalte) Pizzas, Pide, Chips o. a. mitbringen. Diese Kinder sind meistens übergewichtig. Übertrieben ist es aber, wenn die Lehrer über die Verpackung urteilen, wenn z. B. ein Sandwich in Alufolie eingepackt wird damit es nicht auseinander fällt. Das Sandwich wäre gesund (gem. Lehrer), doch wird es, aufgrund der Folie, bei jemanden aus einer anderen Klasse versteckt, aus Angst vor einer Strafe.