Replay-TV

05. Juli 2018 08:29; Akt: 05.07.2018 08:29 Print

«Leute glauben, dass man alles gratis haben kann»

Viele Bürger finden es daneben, dass TV-Werbung in Zukunft möglicherweise nicht mehr übersprungen werden kann. Politiker kontern die kritischen Kommentare der Leser.

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Das Thema zeitversetztes Fernsehen erhitzt derzeit die Gemüter vieler Leser. Grund: Anbieter wie Swisscom oder Zattoo sollen Replay-TV und das Überspringen von Werbung nur noch mit Einverständnis des jeweiligen Fernsehsenders zur Verfügung stellen dürfen. Eine entsprechende Gesetzesänderung hat am Dienstag eine erste Hürde genommen.

Umfrage
Würden Sie mehr für ein TV-Abo zahlen, wenn Sie dann die Werbung überspringen könnten?

Für den Konsumentenschutz wäre es ein Fall zurück in die Steinzeit: Wer einen alten Videorekorder hat, könnte die Werbung nämlich nach wie vor überspringen. Zugleich wird befürchtet, dass das zeitversetzte Fernsehen ganz vor dem Aus stehen könnte. Auf jeden Fall würden aber die TV-Abo-Preise extrem in die Höhe schiessen.

Gegen die Einschränkung ist ein Grossteil der 20-Minuten-Leser: 94 Prozent lehnen sie laut einer Umfrage ab. Zudem gab es über 1000 Leserkommentare. Die Nationalräte Bernhard Guhl (BDP) und Edith Graf-Litscher (SP) kontern die Kritik.

Guhl: Viele Leute glauben, dass man im Internet alles gratis haben kann. Die Produktion von TV-Beiträgen ist aber nicht gratis. Insbesondere private Fernsehstationen finanzieren sich über Werbung und nicht über Gebühren. Wer nichts mehr bezahlen will für wertvolle Videobeiträge, der kriegt auch keine.

Guhl: Private Fernsehsender werden hauptsächlich über die Werbung finanziert. Entzieht man ihnen diese, geht er unter. Werbefinanziertes Fernsehen soll es auch in Zukunft geben, daher müssen faire Rahmenbedingungen geschaffen werden. Die Medienvielfalt ist ein wichtiger Pfeiler unserer Demokratie und die privaten TV Sender tragen dazu bei.

Graf-Litscher: In der Schweiz ist das Replay-Angebot attraktiver als im Ausland, weil der Konsument das gesamte 24-Stunden-Programm im 7-Day-Replay für alle Programme zur Verfügung hat. Damit dieses Angebot aufrechterhalten bleiben kann, müssen die Verbreiter mit den Sendern faire Bedingungen aushandeln.

Guhl: Niemand will die Leute zwingen, auf dem klassischen TV zu bleiben. Es ist doch allen klar, dass sich die Kundenbedürfnisse verändern. Wenn wir in der Schweiz noch qualitativ hochstehende Filme, Nachrichten oder Reportagen wollen, müssen wir sicherstellen, dass diese auch finanziert werden.

Graf-Litscher: Die TV-Sender unternehmen alles, damit das TV in der Schweiz attraktiv bleibt, und wollen deshalb auch mit den Verbreitern darüber verhandeln. Attraktive Programme sind aber nur mit entsprechenden Investitionen möglich.

Guhl: Gratis gibt es nichts. Wir können die Ökonomie nicht ändern. Free TV braucht Werbung, sonst lässt es sich nicht finanzieren. Die Sender wollen den Zuschauer aber auch nicht verlieren, daher werden Lösungen angestrebt, die für den Konsumenten attraktiv sind. Die Alternative zu werbefreiem TV wären horrende Billag-Gebühren.


(viv)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • tiz am 04.07.2018 19:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ich bezahle genug...

    ..fürs werbung spulen können bei swisscom, da ist gar nicht gratis. ansonsten wechsel ich einfach nur noch auf netflix welches günstiger ist, oder streame gratis.

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  • Snoopy747 am 04.07.2018 19:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Zu lange Werbeblöcke

    Wenn die Werbeblöcke wenigstens max. 5 Minuten lang wären. Wenn ein Block aber zwischen 8-12Minuten dauert ists einfach viel zu lange. Da dauert ein Film dann mal 45min. länger, nur wegen der Werbung. :-{

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  • Babett am 05.07.2018 00:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Überholt

    Ich versteh das sowieso nicht , wenn ich ja jedesmal auf einen anderen Sender stelle wenn Werbung kommt. Oder glaubt ihr etwa ich schau den Mist. Wieviele Zappen um ?Also schau ich sie dann auch nicht! Oder vielleicht muss ich dann gerade mal , wer schaut dann ? Mein Kater, der kauft aber nicht ein. Man sollte sich eher mal fragen , wieviele Menschen schauen diese Werbungen wirklich und nehmen sie auch im Kopf auf. Für viele ist das heute doch einfach nur noch bla bla bla und hinhören tut keiner, nicht interessant.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Herr P. am 05.07.2018 11:58 Report Diesen Beitrag melden

    Optimierungspotential

    Gewisse Herren haben einfach das Potential entdekt durch das reply Angebot für die Werbung doppelt zu kassieren. Das will sich doch keiner entgehen lassen.

  • sista666 am 05.07.2018 11:47 Report Diesen Beitrag melden

    Von wegen gratis!

    Zu dem Kommentar von Guhl: Von "alles gratis haben im Internet" kann beim Swisscomabo ja wohl keine Rede sein! Und bevor es Replay-TV gab, hat man einfach Sendungen aufgenommen, später geschaut und die Werbung überspult (schon zu VHS-Zeiten). Von daher glaube ich nicht, dass den Sendern durch Replay-TV plötzlich so viel mehr Einnahmen verloren gehen - vor allem wenn es stimmt, dass dieses Angebot noch wenig genutzt wird. Sollen doch die Anbieter mehr an die Sender zahlen, wenn ihnen die Kunden wichtig sind - etwas mehr Gewinn und dafür zufriedene Kunden; wie wärs?

  • Chris am 05.07.2018 11:46 Report Diesen Beitrag melden

    Qualitativ hochstehende Filme

    Qualitativ hochstehende Filme ? Hab ich schon lange keine mehr im Fernsehen gesehen.

  • max62 am 05.07.2018 11:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gratis??

    Kann das sein das, das Wort gratis in der Schweiz eine ganz andere Bedeutung hat als im Rest der Welt. Oder das gratis hier einen Betrag von so 400 bis 500 CHF einschliesst.

  • Daniel Düsentrieb am 05.07.2018 11:44 Report Diesen Beitrag melden

    Idee um schnell Reich zu werden

    Wenn jemand ein "Böxli" erfindet, dass Werbung zuverlässig erkennt, wäre das Gold wert. Kann ja eigentlich nicht so schwierig sein, die höhere Lautstärke, das fehlende Senderlogo oder gar die üblichen Werbeverdächtigen (an Bild und Ton) zu erkennen. Man könnte da auch schnell eine Datenbank aufbauen, wo die Böxli-Besitzer anfänglich Werbung manuell als solche markieren. Das würde Ruck-Zuck zu einer sehr hohen Abdeckung und Erkennungsrate führen. Im Prinzip so ähnlich wie bei den Telefon-Terror-Melde-Seiten.