CO2-Ausstoss

04. Oktober 2018 10:16; Akt: 04.10.2018 10:53 Print

«Ich gebe zu, dass ich einmal pro Jahr fliege»

Der Staat müsse handeln, damit die Schweizer weniger fliegen, sagt eine Politikerin. Die Schweiz unternehme schon genug für die Umwelt, widerspricht ein anderer.

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Frau Seiler Graf, was ist Ihre grösste Umwelt-Sünde?
Ich gebe ganz offen zu: Einmal pro Jahr fliege ich nach London, weil meine beste Freundin und mein Göttibub dort leben. Ich setze mich ja nicht für ein generelles Flugverbot ein, sondern dafür, dass wir bewusst und weniger fliegen. So sind auch Flugticket-Abgabe und Kerosinsteuer, die es bisher nur für Inlandflüge gibt, etwas, das dringend eingeführt werden sollte. Weiter bin ich Vegetarierin – wegen des CO2-Ausstosses bei der Fleischproduktion – und versuche, wann immer möglich den ÖV dem Familienauto vorzuziehen.

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Priska Seiler Graf ist SP-Nationalrätin (Bild: Anthony Anex/Keystone)

Liegt die Verantwortung bei den einzelnen Bürgern oder ist der Staat dafür verantwortlich, dass wir uns umweltschonend verhalten?
Status quo ist, dass die Verantwortung beim Einzelnen liegt. Jedoch zeigt sich, dass die Freiwilligkeit nicht genügend greift. Deshalb befürworte ich ein Eingreifen des Staates. Dabei sollten nicht nur Verbote und Abgaben erlassen, sondern auch Anreize für alternatives umweltschonendes Verhalten geschaffen werden. So sollte man etwa die Nachtzüge europaweit fördern und das Netz ausbauen. Auch die Velowege sollten besser ausgebaut werden. Schliesslich sollte anhand von Kampagnen über den übermässigen Fleischkonsum informiert werden.

Wo liegt Ihrer Meinung nach umwelttechnisch das grösste Problem?
Eindeutig bei der Mobilität. Kerosin ist der einzige Treibstoff, der international nicht besteuert wird. Das müssen wir rasch ändern. Repräsentative Umfragen haben zudem gezeigt, dass über die Hälfte der Schweizer bereit wären, rund 50 Franken Flugticket-Abgabe zu bezahlen, sofern dieses Geld in inländische Klimaprojekte investiert würde. Die Verlockung, das Flugzeug zu nehmen, ist heute schlicht zu gross.

Herr Imark, Flugreisen schaden dem Klima enorm – und dennoch fliegen die Schweizer immer mehr. Müssen nicht endlich die Ticketpreise steigen, damit die Vielfliegerei eingedämmt werden kann?
Natürlich ist Fliegen schädlich für die Umwelt. Doch der Flugverkehr ist ein globales Problem, das auch nur global gelöst werden kann. Eine Insellösung lehne ich klar ab: Wenn wir in der Schweiz die Flugtickets verteuern, führt das zu einem einseitigen Wettbewerbsnachteil für die hiesigen Airlines und die gesamte Schweizer Wirtschaft. Internationale Abkommen wie das CO2-Kompensationssystem Corsia zeigen, dass die Flugbranche die Problematik erkannt hat und es in die richtige Richtung geht.


Christian Imark ist SVP-Nationalrat (Bild: Gaetan Bally/Keystone)

Auch Fleischkonsum oder Autofahren schaden dem Klima. Warum wehren Sie sich gegen staatliche Eingriffe wie CO2-Steuern?
Ich bin nicht prinzipiell gegen jede CO2-Steuer. Aber die jeweilige Massnahme muss sozial verträglich sein, will heissen: Die Leute müssen es sich leisten können. Und es darf nicht sein, dass Industrien deswegen ins Ausland abwandern. Es ist ja nicht so, dass die Schweiz nichts fürs Klima tut: In den letzten Jahren konnten wir den CO2-Ausstoss immerhin um einen Viertel reduzieren. Doch man muss realistisch sein: Die CO2-Problematik lässt sich nicht von heute auf morgen lösen. Wesentliche Fortschritte werden wir nur mit technischen Entwicklungen erzielen können. Übertriebene staatliche Regulierungen bringen nichts.

Was tun also, um die Umwelt zu schonen?
Jeder kann im Kleinen dafür sorgen, das Klima möglichst wenig zu belasten. Beim Kauf eines neuen Autos auf einen möglichst geringen CO2-Ausstoss schauen. Ich persönlich fahre viel Zug, was sich für einen Parlamentarier in Bern ja anbietet. In meinem neuen Haus habe ich eine Wärmepumpe installiert und auf eine gute Isolation geachtet. Aber man darf sich nichts vormachen: Solche Massnahmen sind letztlich nur ein Tropfen auf den heissen Stein.

(jk/sul)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Thomas Stark am 04.10.2018 10:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Heuchelei

    Ich setze mich ja nicht für ein generelles Flugverbot ein. Nur für ein Flugverbot für andere Leute. Ich darf weiterhin nach London fliegen

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  • Pilot und Zugfahrer am 04.10.2018 10:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Zug unter dem Meer

    Frau Seiler Graf, warum fahren Sie nicht mit dem Zug nach London? 1 x umsteigen ab Zürich. Ist das zu wenig cool? Irgendwie sonst ungelegen? Oder sollen vor allem die anderen mit dem Zug gehen, damit Sie nicht müssen?

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  • Madyh am 04.10.2018 10:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Energieeffizienz

    hört doch mal auf so rum zu jammern. vergleicht mal die heutigen flugzeuge mit denen vor 20 jahren! das war umweltverschmutzung! neue flugzeuge sind sparsamer, günstiger im betrieb und sicherer.... man findet immer irgendwo einen grund warum die erde wärmer wird.... am schluss sind es wir mit dem methan ausstoss

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Hugo Biss am 05.10.2018 17:36 Report Diesen Beitrag melden

    Lösungsvorschlag

    Die Lösung ischt: Kerosin muss derart hoch besteuert werden, dass sich all die Plausch-Wochenend-Flieger-Geiz ist geil- Gesellschaft das Ticket aus lauter Geiz nicht mehr leisten kann!

  • Knoebias am 05.10.2018 16:52 Report Diesen Beitrag melden

    Nur für sich schauen

    Bedenklich wie sich einige CO2-Trolle aufführen. Ganz nach dem Motto: Mir egal, nach mir die Sintflut...

  • Didi am 05.10.2018 16:21 Report Diesen Beitrag melden

    Verbrauch wurde 10x zu hoch angegeben!

    In der kürzlich veröffentlichten Studie ist leider der Kerosinverbrauch 12,5 x zu hoch angegeben worden! Es stand da, ein Airbus würde auf 100 km 1700 l verbrauchen. Fakt ist: Im Tank haben gerade mal 19000 l Platz. Mit einem vollen Tank kommt der Airbus von Zürich bis Buenos Aires (14000 km), ergibt gerade mal 135 l/100 km oder bei 500 Passagieren 75 l für Hin- und Rückflug (= 2 Wo Arbeitsweg im Auto oder 1 Wo heizen). In allen reisserischen Artikeln der letzten Woche wurden diese falschen Zahlen von allen kritiklos kopiert! Ferien machen aber gerade mal 1% des Energieverbrauchs aus!

    • Didi am 05.10.2018 16:36 Report Diesen Beitrag melden

      Daumen nach unten ???!!!

      Interessant, dass es Typen gibt, die wenn eine Tatsache publiziert wird, die ihnen nicht passt, mit Daumen nach unten reagieren! Meine obigen Zahlenangaben kann aber jeder nachvollziehen! Es gehen nun mal nicht mehr als 19'000 Liter in einen Airbustank, also können die Verbrauchsangaben von 1700 Litern/100 km schlicht und ergreifend nicht stimmen, da würde ein voller Tank kaum von Zürich nach Stockholm reichen, geschweige denn nach Amerika oder Asien! Ich wähle selber immer GLP oder grün, das Umweltproblem ist gross, aber mit falschen Zahlen argumentieren bringt gar nichts!

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  • Mario Capelli am 05.10.2018 13:54 Report Diesen Beitrag melden

    Zu schwierig für eine Nationalrätin

    Die Zugfahrt von Zürich HB nach London Victoria dauert heute exakt neun (9) Stunden; einmal umsteigen in Paris, Abfahrt Zürich HB 15.34, verkehrt täglich. Das ist natürlich viel zu umständlich und zu schwierig für Priska Seiler Graf. Da steigt man selber lieber ins Flugzeu und zeigt mit dem Finger auf die andern. Dazu gebiert man Monster der Bürokratie zur Kujonierung der erziehungsbedürftigen Mitbürger. Und winkt lächelnd aus dem Flieger.

  • ste u am 05.10.2018 12:47 Report Diesen Beitrag melden

    Andere Länder haben das nötiger

    Ich finde auch wir sorgen uns schon genug um die Umwelt. Wenn ich so denke als ich in Brasilien war dort schert sich keiner darum - ok, denen geht's auch nicht so gut wie uns aber schaut euch mal die grösser dieses Landes an? Und wie viele Menschen dort leben? Abfall gibt's dort überall sogar da wo Kilometer weit niemand wohnt! Recycling ist ebenfalls ein Fremdwort für die - also bitte verschohnt uns mit diesen ständigen wir Schweizer müssen noch besser zur Umwelt schauen. Da gibt's andere Länder die es echt nötiger hätten!!!

    • Mario Capelli am 05.10.2018 13:25 Report Diesen Beitrag melden

      Nur Brasilien?

      Das gilt für den ganzen Kontent, jedenfalls für Süd- und Mittelamerika, aber auch für Alaska.

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