Gleichberechtigung

03. Oktober 2013 11:27; Akt: 03.10.2013 13:58 Print

«Männer nervt das Feministinnen-Geklöne»

von D. Pomper - Zwei Drittel der deutschen Männer finden, es reiche mit der Emanzipation der Frauen. Auch Schweizer Männer haben die Nase voll von der traditionellen Gleichstellungspolitik.

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Frauenquote und Lohngleichheit: Vielen Männern in der Schweiz reicht es langsam mit der Gleichberechtigung. «Klar gibt es einige Punkte, an denen man noch arbeiten muss», sagt Oliver Hunziker, Präsident der Organisation Verantwortungsvoll erziehende Väter und Mütter VeV. Aber aus Erfahrung weiss er: «Viele Männer, aber auch junge Frauen haben zunehmend die Nase voll vom Geklöne der Feministinnen.» Vor allem das Thema Lohngleichheit hänge vielen zum Hals heraus. «Wir wissen es langsam», sagt Hunziker.

Umfrage
Ist genug für die Emanzipation von Frauen getan worden?
79 %
17 %
4 %
Insgesamt 10424 Teilnehmer

Müde vom Kampf für Gleichberechtigung sind auch die Männer in Deutschland: Zwei Drittel finden, es sei genug für die Emanzipation von Frauen getan worden. 28 Prozent finden, dass «zum Teil schon übertrieben» worden sei. Dagegen finden 45 Prozent der Frauen, dass sie gegenüber Männern noch immer nicht gleichberechtigt sind. Das zeigt eine Studie, die das Institut für Demoskopie Allensbach im Auftrag der «Bild der Frau» erstellt hat.

Revival einer traditionellen Weltanschauung

Geschlechterforscher Denis Hänzi von der Technischen Universität Darmstadt geht davon aus, dass sich in der Schweiz ein ähnliches Bild zeigen dürfte. Er beobachtet ein «Revival traditioneller, recht konformer Weltanschauungen» bei Männern und Frauen: «In eher unsicheren Zeiten entwickeln die Individuen Sehnsüchte nach alten Gewissheiten.» Insbesondere Männer, die mit prekären Arbeitsverhältnissen zu kämpfen hätten und eine weitere soziale Abwertung fürchten, sähen es ungern, wenn ihnen Frauen den Rang ablaufen würden. «Das hat auch mit dem Erhalt des eigenen traditionellen männlichen Selbstbildes zu tun.»

Die negativen Äusserungen von Männern zur neueren Frauenbewegung sei ein Zeichen dafür, dass die «Trutzburgen der Männlichkeit zu bröckeln beginnen», so Hänzi. Doch auch viele Frauen würden sich offenbar danach sehnen, dass «endlich wieder Ruhe in die Geschlechterverhältnisse kommt».

Rosmarie Zapfl, Präsidentin von Alliance F, glaubt, dass viele Männer mit der selbstbewussten Frau von heute überfordert seien: «Für die Männer war es jahrhundertelang selbstverständlich, dass sie alleine das Sagen haben.» Das habe sich geändert. «Frauen bestehen auf ihren Freiheiten, sie gehen arbeiten und am Abend mit ihren Freunden aus – auch wenn sie verheiratet sind.» Das wäre noch in den 70er-Jahren unvorstellbar gewesen.

Überforderte und frustrierte Männer?

«Diese Situation überfordert viele Männer, da sie aus Familien mit einem anderen Rollenverständnis stammen.» Diese Frustration wandle sich dann in eine Aversion gegen die Emanzipation von Frauen. So verwundert es Zapfl nicht, dass vor allem Single-Männer ein kritisches Verhältnis zum Wandel der Geschlechterrollen haben, wie die Studie zeigt.

Vaterrechtsaktivist Oliver Hunziker wehrt sich gegen das Bild des überforderten, frustrierten Mannes, der nicht mit emanzipierten Frauen klarkommt: «Das ist völlig realitätsfern. Wir sind keine Opfer.» Das Problem sei vielmehr, dass die Gleichstellungsgeschichte noch immer frauendominiert sei. «Sobald wir Väter und Männer für Gleichberechtigung kämpfen wollen, wird das als Angriff gegen die Frau verstanden.»

Auch Markus Theunert, Präsident vom Dachverband der Schweizer Männer- und Väterorganisationen, glaubt, dass die Mehrheit der Schweizer Männer genug von einer Gleichstellungsarbeit habe, die nur Frauenförderung im Fokus hat. Die Kritiker liessen sich in vier verschiedene Gruppen aufteilen.

Neue Form der Gleichberechtigung

«Einerseits gibt es die Chauvinisten, die sich die Frau zurück an den Herd wünschen», so Theunert. Daneben gebe es die Männer, die sich heimlich die alten Geschlechterrollen zurückwünschten, sich aber nicht getrauten, das öffentlich zu sagen. «Dann gibt es die verunsicherten Männer, die auf der Suche nach einem neuen Rollenbild sind», sagt Theunert. Etwa die Männer, die gern Teilzeit arbeiten wollten, um sich mehr um ihre Kinder zu kümmern, aber nicht wissen, wie sie das umsetzen wollen.

Zur vierten Gruppe zählt Theunert Männer, die ein egalitäres Familienleben führten, also sich ebenso wie die Frau um die Kindererziehung kümmern und dafür ihr Arbeitspensum reduzierten. Dafür kämpft auch Theunert: «Es muss eine Gleichstellungspolitik angestrebt werden, die auch die Anliegen von Buben, Männern und Vätern berücksichtigt.»

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Yshtar am 03.10.2013 11:38 Report Diesen Beitrag melden

    Gleichberrechtigung für Männer?!

    Da bin ich der gleichen Meinung wie der Herren im Bericht. Es geht nicht darum, dass uns die Gleichberechtigung/Emanzipations-Bewegung stresst. Sondern die immer mehr auffallende De-Emanzipation des Mannes. Wenn wir von Gleichberechtigung sprechen, dann sollten wir langsam die Männer auch einbeziehen. Was ist mit all den Vätern, die in der Schweiz, Ihren Kindern gegenüber keine Rechte besitzen. Wieso werden Männer immer noch hintergangen? Sind wir nicht so modern, dass wir es schaffen sollten, MÄNNER und FRAUEN als gleichwertig anzuerkennen und dies auch in unseren Gesetzen zu verankern.

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  • Ädu am 03.10.2013 15:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Frauen müssen umdenken

    Frauen fordern oft nur Rechte, und die stehen ihnen natürlich zu. Gleiche Arbeit gleicher Lohn...das ist das einzig wahre. Das ist aber auch der Einzige Punkt wo Männer Vorteile haben. Frauen übersehen oft dass es mehr Punkte gibt wo sie Vorteile haben: Militärdienst: Zivildienst oder Ersatzzahlungen könnten/müssten auch Frauen leisten für Gleichberechtigung. Scheidungsrecht; Sorgenrecht Wittwen; Wittwerente sind weitere gesetzliche Punkte zudem kommt noch das eine hübsche Frau oft bevorzugt wird gegenüber Männern...Schule (Lehrer); Stellensuche sind nur ein Zeil davon.

  • Souffleur am 03.10.2013 13:01 Report Diesen Beitrag melden

    Frauenbewegung

    Gleichberechtigung? Sehr gerne: Dann sollen die Frauen bitte auch so lange arbeiten wie wir männer. Sorgerecht für beide ob verheiratet oder nicht usw usw. Immer nur schreien für die eigenen Rechte aber da wo wir männer benachteiligt sind wird nix gemacht und sich sogar quer gestellt. Das ist die Gleichberechtigung der heutigen Frauenbewegung.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Stephan Riediker am 04.10.2013 21:56 Report Diesen Beitrag melden

    feministische Gewalt

    Das mit Abstand gravierendste Resultat der feministischen Lobbygruppe ist der gesellschaftliche Umgang mit männlichen Sexual- und Gewaltopfern. Aus menschenrechtlicher Sicht ist es nicht nachvollziehbar, wie solche zentralen Themen von Medien, Politik und Justiz entsachlicht dargestellt werden. Aus rationaler Sicht ist es nicht erklärbar, dass ein Opfer physischer oder sexueller Gewalt theoretisch zuerst weiblich sein muss, um angemessene Unterstützung zu erhalten. In diesem Sinne ist die Schweiz noch auf dem Niveau der Steinzeit. Menschenrechtlich muss sich die Schweiz noch entwickeln.

  • JustMe am 04.10.2013 10:01 Report Diesen Beitrag melden

    Achtung Ironie

    Papperlapapp. Ich hab im Thaibox-Training bei mir kaum eine andere Frau gesehen. Und wenn, kamen sie vielleicht 2 Mal. Mädels, wo seid ihr, wenn ihr immer Gleichberechtigung fordert? Redet von den "starken Männern", habt Angst vor ihnen aber lebt lieber eure Opferrolle weiter? Eine Frau.

  • Kariny am 04.10.2013 09:50 Report Diesen Beitrag melden

    Genau!

    Ich bin eine Frau und kanns nicht mehr hören! Wer emanzipiert ist, muss dies nicht ständig erwähnen. Ich arbeite seit 20 Jahren in einer Männerdomäne, verdiene gleich viel wie meine Kollegen. Ist Verhandlungssache. Die Wirtschaft mit dem Arbeitszwang ist das einzige Übel, man will die Geschlechter gegeneinander aufhetzen! Richtige Gleichstellung wäre zb wenn jeder Elternteil zb die Freiheit hätte zu arbeiten oder zuhause das Kind betreuen. Frau sowie Mann. "Strafsteuer für Hausarbeit" gehört abgeschafft!

  • Chris am 04.10.2013 09:07 Report Diesen Beitrag melden

    Gleichberechtigung nicht nur für Frauen

    Was mich einfach nervt ist, dass die Frauen meist nur die positiven Sachen im Namen der Emanzipation wollen. Alles oder nichts, liebe Frauen.

  • S.B. am 04.10.2013 01:23 Report Diesen Beitrag melden

    Gute idee

    Ab ins Militär mit ihnen. Das gibt eine Gute Ausbildung. Und fiel Führungsqualitäten. Zusätzlich würde ich Weibliches Ausbildungspersonal bevorzugen die das mit den Herren durchbeissen mussten. Qualifiziert sieht auf dem Foto Jede aus :D (Demo umleiten in die Kaserne zur Rekrutierung) Sonnst tun auch Ersatzzahlungen was zur Sache...