Elmedina (19)

30. Juli 2019 14:25; Akt: 31.07.2019 08:53 Print

«Schulde Eltern Geld wegen Einbürgerung»

In Schwyz kostet die Einbürgerung mindestens 3600 Franken. Eine Neo-Schweizerin findet die Gebühren viel zu hoch. Trotzdem bereue sie die Einbürgerung nicht.

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Ein Gebührenvergleich von Comparis fordert gewaltige Unterschiede zwischen den Gemeinden und Kantonen zutage: So kostet eine Einbürgerung in Schwyz mindestens 3600 Franken – gut viermal mehr als in Lausanne.

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Soll der Schweizer Pass überall gleich teuer sein?

Von den hohen Kosten im Zentralschweizer Kantonshauptort hat sich Elmedina Jusufovic (19) nicht abschrecken lassen. Sie wurde dieses Jahr in Schwyz eingebürgert, nachdem sie im April 2018 den Antrag gestellt hatte. Der rote Pass kostete sie insgesamt gegen 4000 Franken.

Elmedina zahlt Gebühren zurück

«Das war sehr teuer, vor allem, weil ich noch in Ausbildung zur Detailhandelsfachfrau war.» Die Eltern hätten ihr den Betrag vorgeschossen, da sie gleichzeitig an der Autoprüfung gewesen sei. «Jetzt wird das zurückbezahlt.»

Die Gebühren empfindet sie als viel zu hoch: «Ich denke, das ist einer der Gründe, warum sich nicht mehr einbürgern lassen.» Bereut hat sie den Entscheid trotzdem nicht: «Ich bin in der Schweiz geboren und aufgewachsen. Mein Heimatland Mazedonien kenne ich nur wegen der Ferien. Ich fühle mich in der Schweiz sehr wohl und wollte deshalb den Pass.» Das Abstimmen hingegen sei nur ein kleiner Teil der Motivation gewesen.

In der Comparis-Analyse wurden einzig die Kantonshauptorte berücksichtigt. So gibt es Gemeinden, in denen eine Einbürgerung noch teurer kommt. In Vorderthal SZ etwa belaufen sich die Gebühren laut einer Aufstellung von 2017 auf 4300 Franken. Ebenfalls nicht berücksichtigt wurden die Kosten für das Ausstellen des Passes oder Folgekosten infolge der Wehrpflichtersatzabgabe.

«Keine abschreckende Wirkung»

Dragan Ilic, Dozent und wissenschaftlicher Mitarbeiter Uni Basel und ETH Zürich, hat zum Thema Einbürgerung geforscht und publiziert. Er glaubt nicht, dass die derzeitigen Gebühren für Einbürgerungen eine abschreckende Wirkung haben: «Die Vorteile, die ein Schweizer Pass bringt, wiegen höher. Umgekehrt vermute ich auch keine solche Absicht seitens der Gemeinden. Ein Grund für hohe Gebühren kann zum Beispiel unverhältnismässig grosser Aufwand für kleinere Gemeinden bei der Bearbeitung von Anträgen sein.»

Die Kosten für die Einbürgerung einkommensabhängig zu machen, ist für Ilic keine gute Idee: «Wohnungsmiete, Krankenkassenprämien und die Milch im Laden sind ebenfalls einkommensunabhängig. Ich sehe keinen Grund, warum es bei Einbürgerungskosten anders sein sollte.»

(daw/mg)