Sekundarschule

07. April 2015 15:11; Akt: 08.04.2015 14:35 Print

«Mehr Werken, weniger Französisch büffeln»

von J. Büchi - In vielen Lehrberufen sind keine Französischkenntnisse nötig. Nun fordern Politiker, dass der Stundenplan für schwache Schüler angepasst wird.

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Glaubt man dem SGV-Profil, sind Fremdsprachen-Kenntnisse für Schreiner-Lehrlinge unwichtig. (Bild: Keystone/Gaetan Bally)

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Manuel ist kräftig, handwerklich begabt und hat ein gutes Auge für Masse und Formen. Ein Blick auf einen Plan – und er weiss, was er zu tun hat. Damit entspricht der Jugendliche dem Profil des idealen Schreinerlehrlings. Dass er in der Schule ein Französisch-Muffel war, ändert daran nichts.

Umfrage
Sollen schwache Schüler vom Französisch-Unterricht entbunden werden?
62 %
24 %
14 %
Insgesamt 3376 Teilnehmer

Manuel ist nicht allein: Gemäss einer Analyse der Lehrstellen-Profile des Schweizerischen Gewerbeverbands (SGV) sind in 60 Prozent der Lehrberufe keine Fremdsprachen-Kenntnisse nötig. Das schreibt die «NZZ am Sonntag». Politiker verschiedener Lager fordern nun, dass diese Erkenntnis in den Lehrplan der Sekundarschule einfliesst.

Mehr Deutsch und Werken

Der Zürcher GLP-Politiker und Sekundarlehrer Christoph Ziegler hatte schon 2012 verlangt, dass der Französischunterricht für Sek-B- und Sek-C-Schüler in den letzten beiden Schuljahren freiwillig wird. Nachdem der Kantonsrat ein entsprechendes Postulat versenkt hat, doppelt Ziegler nun mit einer parlamentarischen Initiative nach.

«Die Schule hat den Auftrag, dass sie den Kindern mitgibt, was sie später brauchen – und bei vielen schwachen Schülern sind das eben keine Französisch-Kenntnisse», so Ziegler. Es sei sinnvoller, wenn die betroffenen Schüler in der deutschen Sprache oder beim Erwerb handwerklicher Fertigkeiten gefördert würden. «Ich bin zuversichtlich, dass die neuen Zahlen meine Ratskollegen zu überzeugen vermögen.»

Interesse am Handwerk wecken

In dieselbe Kerbe schlägt SVP-Nationalrätin Verena Herzog, die im Kanton Thurgau den Anstoss zur Abschaffung des Frühfranzösisch gegeben hatte. Es müsse zwar das Ziel sein, dass bis Ende Sekundarschule der Grossteil der Schüler gut Französisch spreche. Prioritär seien aber bessere Grundkenntnisse in Deutsch und Mathematik. «Ich meine deshalb, dass wir die schwächsten Schüler in der Oberstufe von der Französischpflicht entbinden sollten.»

Mit einem Vorstoss im Nationalrat will Herzog zudem darauf hinwirken, dass das Fach Werken auf dem Stundenplan und in der Lehrerausbildung wieder mehr Gewicht erhält. «Insbesondere Schüler mit Migrationshintergrund oder grossen sprachlichen Schwierigkeiten können davon mehr profitieren, als wenn sie Französisch-Voci büffeln.» Zwar ist das Schulwesen kantonal geregelt – für Herzog hat das Anliegen aber durchaus eine nationale Relevanz. Gerade, weil jedes Jahr viele Lehrstellen im handwerklichen Bereich nicht besetzt werden könnten, sei es im Interesse von Wirtschaft und Gesellschaft, dass bei diesen Schülern die Freude am Handwerk geweckt werde.

«Keine Fachidioten»

Genau vor dieser Argumentation warnt SP-Nationalrätin und Berufsschullehrerin Martina Munz. «Die Volksschule soll den Kindern eine Allgemeinbildung garantieren und sie nicht zu Fachidioten machen!», ärgert sie sich. Es sei falsch, wenn schon in der Sekundarschule die Wirtschaft den Takt vorgebe. «Insbesondere, weil heute die meisten Leute nicht mehr lebenslang denselben Beruf ausüben.»

Munz betont, die Sprachkenntnisse seien oft matchentscheidend, wenn es darum gehe, sich im Beruf weiterzuentwickeln. Die Bildungspolitikerin pocht deshalb nicht nur darauf, dass der Fremdsprachenunterricht in der Volksschule unangetastet bleibt. Geht es nach ihr, soll er in der Berufsschule sogar ausgebaut werden. Munz kritisiert, heute hätten beispielsweise Elektroinstallateur-Lehrlinge keinen Fremdsprachen-Unterricht mehr. «Ich finde das sehr fragwürdig. Denn so erschwert man diesen jungen Leute die Chance, später beispielsweise die Berufsmatur nachzuholen.»

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Inf am 06.04.2015 13:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unverständlich

    Wir haben in der Lehre als Informatiker mehr Französisch als Englisch. Wenn mir das jemand erklären kann...

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  • Jan am 06.04.2015 13:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    zu fest gewichtet

    Französisch in der Oberstufe geht in Ordnung, sollte aber weniger gewichtet werden wie Englisch.

  • Doni am 06.04.2015 13:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Franz?!

    Französisch horrorfach... Hab diese sprache nie begriffen und ohne spicks bestimmt nur 1er kassiert

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Claudia am 11.04.2015 00:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Englisch geht vor

    Ich habe seit der 5. Klasse Französisch und erst ab der 1. Sek. Englisch. In der neuen KV-Verordnung schliesse ich Englisch bereits nach 2. Jahren ab, Französisch aber erst nach 3. Jahren. Das heisst ich lerne insgesamt 8 Jahre Französisch. Ich frage mich sehr oft, wieso Französisch so schwerlastig ist? Habe weder im Beruf noch in der Freizeit noch nie Französisch gesprochen.

  • Irgendein Schüler am 10.04.2015 23:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ich spreche für meine Klasse xD

    Ich find Französisch echt schlecht. Wieso sollen wir ihre Sprache lernen? Sie lernen ja auch nicht Schwitzerdütsch???? Und das Fach zieht meine Noten voll ab -.- Wenn schon denn schon in der 4. Klasse sollte man anfangen da kann man als kind viel besser lernen!!

  • Dütschwizer am 10.04.2015 21:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Eine Schweiz

    Hört doch endlich mit der Englischdebatte auf. Natürlich ist Englisch wichtig, niemand will es abschaffen. Dennoch ist es meiner Meinung nach wichtig für den Zusammenhalt und das Nationalgefühl das wir nicht immer weiter auseinanderdriften sondern eine Zweite unserer vier Landessprachen, wenigstens in den Grundzügen kennenlernen. Auch wenn ich es damals hasste bin ich heute sehr froh darüber.

  • Sara Li am 10.04.2015 21:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wichtiger als man denkt

    Franz ist wichtiger als man denkt. Häufig bekam ich deshalb die Stelle. in gewissen Berufssparten ist es gesucht!

  • Richi am 10.04.2015 20:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wüsste nicht

    was ich ohne Franz täte. In der Schule und Lehre hätte ich nie gedacht, diese Sprache brauchen zu können, heute ist sie beruflich und privat wichtig geworden. Fast genauso wie Englisch. Gehört für mich einfach dazu.