Pädo-Monster

02. Februar 2011 23:41; Akt: 03.02.2011 08:53 Print

«Mein Sohn durfte nicht darüber reden»

Christian K.* ist eines der Opfer des Pädo-Monsters. Weil er seinen Eltern vom Missbrauch erzählte, flog Hansjürg S. auf. Jetzt redet Christians Vater.

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Christian (l.) sowie Bewohner und Pfleger des Heims Nische zusammen mit Hansjürg S. (Mitte). (Regiolive.ch)

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Christian (27) hat Down-Syndrom. Seit zehn Jahren lebt er im Wohnheim der Stiftung ­Nische in Zofingen. Es ist die letzte Station von Pfleger Hansjürg S., der gestanden hat, 114 Behinderte und Kinder sexuell missbraucht zu haben – da­runter auch Christian. Dieser war es, der im März 2010 gemeinsam mit einem anderen Heimbewohner den Eltern von den Schandtaten des Therapeuten erzählte und den Fall ins Rollen brachte.

Gegenüber 20 Minuten ringt Christians Vater nach Worten. Der 54-Jährige habe seinen Sohn eingeschüchtert: «Hansjürg hatte ihm verboten, über den Gräuel zu sprechen», so Vater A. K.* Er ist ausser Stande, darüber zu sprechen, was der Pfleger seinem Sohn angetan hat. Laut Polizei ging Hansjürg S. aber äusserst perfide vor, berührte Geschlechtsteile seiner Opfer, missbrauchte manche oral und anal.

«Ich weiss nicht, wie ein Mensch so etwas tun kann. Ich empfinde Hass», so der Vater. Als Eltern fühle man sich in einem solchen Fall hilflos. Der «ungepflegte und alternative» Hansjürg S. sei ihm nie sympathisch gewesen. Dass dieser so lange unentdeckt blieb, überrascht ihn nicht: «Das ist leichter, als auf einer Bank Geld zu klauen. Bei der Nachtwache gibt es keine Kontrolle.»
A. K. ist deshalb für eine Verwahrung des Pädo-Monsters: «Ich glaube nicht, dass man ihn heilen kann.» Christian habe den Missbrauch «recht gut verkraftet», doch durch die Medienberichte komme der ganze Schrecken nun wieder hoch.

In der Politik ertönt derweil bereits der Ruf nach einem ­Register für Pädophile und nach einer stärkeren Über­wachung der Betreuer. So fordert SVP-Nationalrätin Natalie Rick­li spontane Kontrollen in den Heimen. Mehrere Vorstösse wurden verfasst.

«Für Anklage fehlten damals Beweise»

2003 kam ans Licht, dass ein Pfleger der Stiftung Nathalie zwei Mädchen missbraucht hatte. Eines beschuldigte Hansjürg S. Der damalige Untersuchungsrichter erklärt, wie dieser trotzdem entkommen konnte.

Hansueli Hadorn, haben Sie es Hansjürg S. damals zu leicht gemacht?
Im Nachhinein ist man immer schlauer. Wir haben bei der betreffenden Person eine Hausdurchsuchung gemacht und alle Beteiligten befragt. Zudem wurden Experten beigezogen.

Weshalb haben Sie dem Mädchen nicht geglaubt?
Das Mädchen konnte weder ­lesen noch schreiben. Die rudimentäre Aussage kam mithilfe gestützter Kommunikation zustande. Das heisst, dass eine Drittperson die Finger auf einer Tastatur führte. Die Aussage musste teilweise bezweifelt werden. So wurden Nachnamen niedergeschrieben, obwohl im Heim nur Vornamen verwendet wurden. Für eine Anklage reichte dies nicht.

Was haben Sie dann gemacht?
Ich habe zusammen mit dem Staatsanwalt Antrag auf Nichteröffnung eines Verfahrens gestellt.

*Namen geändert

(daw/20 Minuten)