Arbeitsame Politiker

01. Juni 2015 16:20; Akt: 01.06.2015 17:07 Print

«Mein Studium finanzierte ich als Käser»

von Ph.Flück - Die Stipendieninitiative entfacht eine Diskussion um Studentenjobs. 20 Minuten hat nachgefragt, wie Parlamentarier ihr Studium finanziert haben.

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Die Stipendien-Initiative will allen Absolventen einer höheren Berufsbildung und allen Studenten in der Schweiz einen «minimalen Lebensstandard» garantieren. Wer sich mit eigener Erwerbsarbeit und finanzieller Unterstützung der Eltern nicht durchschlagen kann, soll ein Anrecht auf Stipendien erhalten. Die Vergabe von Stipendiengeldern soll zu diesem Zweck in der ganzen Schweiz harmonisiert werden.

Umfrage
Haben Sie neben dem Studium gearbeitet?
65 %
8 %
25 %
2 %
Insgesamt 1126 Teilnehmer

Bekannt ist, dass zwei Drittel aller Absolventen einer höheren Berufsbildung und aller Studenten während ihrer Ausbildung arbeiten. Dies habe auch die meisten Schweizer Parlamentarier getan. 20 Minuten hat bei Nationalräte nachgefragt, die keine Stipendien bezogen haben, welchen Jobs sie nachgegangen sind.

Käser Wasserfallen und Dachdecker Candinas

FDP-Nationalrat Christian Wasserfallen arbeitete unter anderem in einer Käserei. «Dies aber nur am Anfang meiner Studienzeit, später fand ich eine Stelle in einer Kaffeemaschinenfabrik.» Dort habe er jeweils mehrere Wochen lang in der Montage gearbeitet. Damit habe er genug verdient: «Ich wohnte noch zu Hause, deshalb hatte ich keine grossen Ausgaben.»

Sein Parteikollege Andrea Caroni konnte während dem Jus-Studium auf die finanzielle Hilfe seiner Familie zählen. «Trotzdem habe ich während dem Studium lange Zeit als Assistent an der Universität gearbeitet.» Die Hilfe seiner Eltern erlaubte es ihm auch noch einige nichtbezahlte Praktika zu machen.

CVP-Nationalrat Martin Candinas arbeitete während den Ferien bei seinem Onkel auf dem Bauernhof. «Später durfte ich dann im Dachdeckergeschäft meines Vaters mitwirken.» So habe er nicht nur ein wenig Geld verdient, sondern auch «gelernt zu arbeiten».

«Ich arbeitete in einer Metzgerei»

SP-Nationalrätin Nadine Masshardt hatte während ihres Geschichtsstudiums gleich mehrere Jobs: «Ich war Deutschlehrerin für Nichtmuttersprachler, dann kam ein Job im Service dazu und schliesslich arbeitete ich in der Unternehmenskommunikation.» Weiter hatte sie ein Zusatzeinkommen als Mitglied des Berner Kantonsparlaments und jobbte als Platzanweiserin im Stadttheater Langenthal. Es sei als Studentin nicht immer einfach gewesen alles unter einen Hut zu bringen, doch dies habe sie gerne in Kauf genommen: «Ich hatte dafür sehr viele Freiheiten.»

Auch Evi Allemann (SP) gab während ihrem Rechtswissenschaftsstudium Deutschunterricht für Fremdsprachige. «Ich habe aber auch Kinder gehütet, in einer Anwaltskanzlei ausgeholfen und sogar in einer Metzgerei gearbeitet.» Viele dieser Jobs habe sie parallel zu einander gehabt: «Ich lebte sehr bescheiden und habe gelernt, mit wenig Geld über die Runden zu kommen.»

Matthias Aebischer (SP) besuchte das Lehrerseminar und hatte ebenfalls mehrere Jobs: «Ich packte in einer Drogerie mit an und putzte in den Ferien Schulhäuser.» Dies habe gereicht, weil er erst mit 20 Jahren von zu Hause auszog. «Ausserdem wurde besonders das Schulhausputzen sehr gut bezahlt.»

«Ich musste den Gurt enger schnallen»

SVP-Nationalrat Thomas Aeschi hat Betriebswirtschaft an der Universität St.Gallen studiert. Er wollte sich vollständig auf sein Studium konzentrieren: «Deshalb habe ich vor meiner Studienzeit bei der Sandwich-Kette Subway gearbeitet und das Ersparte zur Finanzierung des Studiums verwendet.» Er habe genug Geld gehabt, musste aber den Gürtel zum Teil enger schnallen: «Man überlegt es sich immer zwei Mal, bevor man Geld ausgibt, um beispielsweise in den Ausgang zu gehen.»

Mehr Glück hatte sein Parteikollege Lukas Reimann. «Ich arbeitete während dem Jus Studium zuerst im Denner und später in einer Anwaltskanzlei, dann wurde ich Nationalrat und die Zeit für weitere Jobs neben dem Studium fehlte.»

«Mehr ein Müssen als ein Wollen»

Bastien Girod, Nationalrat der Grünen, hat sich schon während seinem Umweltnaturwissenschaftsstudium für Umweltangelegenheiten engagiert: «Ich machte Werbung für verschiedene Umweltorganisationen.» Später sei er Assistent geworden an der ETH Zürich, wo er studiert hat. «Die Arbeit bereitete mir damals noch deutlich weniger Freude als meine Forschung heute.»

Auch seine Parteikollegin Aline Trede war während ihrem Studium der Umweltwissenschaft als Assistentin an der ETH tätig. «Nebenbei dreht ich noch Filme für verschiedene Kampagnen und schliesslich wurde ich Koordinatorin der jungen Grünen.» Damit habe sie etwa zwei Drittel ihrer Kosten decken können, der fehlende Teil wurde von ihren Eltern beigesteuert.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Studentin am 01.06.2015 16:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nicht einfach

    Ich bin Studentin und arbeitswillig, nur finde ich keine Jobs! Es gibt zu wenig Studentenjobs...früher war das wohl noch einfacher. Da meine Eltern "normale Arbeiter" sind, kann ich nicht Unterschlupf im Betrieb der Eltern suchen. Vitamin B habe ich auch nicht viel...so viel dazu. Nebenbei: ich schätze mein Stipendium sehr und verbrate das Geld nicht für Partys. Und ja, ich geh in den Ferien körperlich arbeiten, um mir was dazu zu verdienen, hat zum Glück geklappt.

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  • Anna Bolika am 01.06.2015 16:28 Report Diesen Beitrag melden

    Fehlt in der Umfrage

    In der Umfrage fehlt die Option "Ich habe vor dem Studium gearbeitet". ... Dank Militärdienst (Durchdiener) und ein halbes Jahr arbeiten, konnte ich genug Geld beiseite legen um damit mein Vollzeit-Studium zu finanzieren.

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  • Marie Stark am 01.06.2015 16:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Mathias Aebischer

    Schulhaus Putzen... süss, aber ein Studium finanziert man sich so nicht. Das machen meine Kinder auch, aber zum Taschengeld aufstocken. Überhaupt glaube ich nicht, dass die alle ihr Studium selbst finanziert haben. Klar hat jeder mal einen Ferienjob gehabt... Ich habe meins ausschliesslich selbst finanziert und bereue es sehr, da ich der Meinung bin, man sollte seine volle Energie für's Studium einsetzen.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Lena am 02.06.2015 12:50 Report Diesen Beitrag melden

    Nur Taschengeld

    Nach der Lehre hatte ich nicht wirklich viel auf dem Konto. Ich habe neben meinem Vollzeitstudium gearbeitet und damit 1200 Franken monatlich verdient. Gleich viel hätte ich vom Staat haben können. Wollte ich jedoch nicht. Ich bin weder gereist noch hatte ich teure Freizeitbeschäftigungen und Kleider habe ich mir 3 Jahre praktisch nicht geleistet. Trotzdem bin ich ohne die Hilfe meiner Eltern nicht 100% ausgekommen.

  • Beni am 02.06.2015 05:29 Report Diesen Beitrag melden

    Ja logisch!!

    Alle arbeiten, das ist schon mal gut. Aber wenn das Geld im Notfall nicht reicht, kommen die Eltern Spiel. Etwa 70% konnten bei den Eltern hausen, oder bei Verwandten. Logisch brauchen die keine zusätzliche Hilfe. Und dann haben Sie auch keine Existenzängste wie Leute die sich nirgends abstützen können. Es geht hier darum Leute die Niemanden haben zu unterstützen. Ja das gibts, aber darüber spricht man nicht gerne.

  • Frustkuchen am 02.06.2015 03:01 Report Diesen Beitrag melden

    Neidisch? Ja.

    Ganz klar, Studenten mit reichen Eltern sind privilegiert. Mag sein, dass auch sie zur Arbeit verdonnert werden, jedoch sind sie im Notfall immer abgesichert. Es besteht kein Zwang, sie können sich auf's Studium konzentrieren. Das sind dann die mit den hübschen Ferienfotos und dem "Das Studium war die schönste Zeit meines Lebens!". Für ärmere Leute heisst es krüppeln, schlaflose Nächte und schlechtere Ergebnisse beim Abschluss oder verzögertes Studium. Und absolut niemand wird dir am Ende auf die Schulter klopfen und dich dafür loben, dass du in deiner Freizeit Hamburger braten musstest.

  • Nikk am 02.06.2015 01:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Chancengleichheit

    Jeder Studiengänger sollte am Anfang gleich viel Stipendien Gelder erhalten. Doch wer dann mit der Zeit die erwarteten Leistungen nicht erfüllt soll mit Kürzungen rechnen müssen.

  • Hans Peter Allemann am 01.06.2015 23:54 Report Diesen Beitrag melden

    Geht doch!

    Wo ein Wille ist, da ist auch ein Weg. Ganz einfach.