Belohnung bei Schulnoten

08. April 2019 04:52; Akt: 08.04.2019 08:55 Print

«Für die 5,6 im Mathe-Test gab es 600 Franken»

von S. Strittmatter - Eine deutsche Bloggerin entfachte die Debatte über Geschenke für gute Schulnoten. Auch in der Schweiz greifen Eltern tief in die Tasche.

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Ein Aquarium als Belohnung für die Bestnote in der Mathe-Prüfung? Dieses Geschenk hätten die Eltern einem Mitschüler ihres Sohnes angeboten, schreibt eine deutsche Bloggerin auf Twitter.

Auch in der Schweiz sind Geschenke für schulische Leistungen – oder Strafen bei schlechten Noten – verbreitet. Es sei eindeutig eine Tendenz dazu festzustellen, sagt Erziehungsexpertin Margrit Stamm. «Man denkt an die nächste Prüfung, das nächste Zeugnis, den nächsten Übertritt.» Gute Noten seien fast zu einem Statussymbol geworden, schlechte Noten gäben den Eltern das Gefühl, sie selber hätten versagt.

Dass einige Eltern schlechte Leistungen bestrafen, findet Stamm bedenklich: Kinder könnten dadurch sogar Prüfungsangst entwickeln.

Wie haben Leser die Versuche ihrer Eltern erlebt, sie zu Bestnoten zu animieren? Neben einigen ausgewählten Beispielen sehen Sie in der obigen Bildstrecke alle kreativen Einfälle der Eltern.

600 Franken
Miriam R., Bürofachkraft, 30

«Ich hatte vor ein paar Monaten in einer Mathematikprüfung eine 5,6. Dafür gab es 600 Franken. Ich habe halt eine sehr grosszügige Grossmutter, die sich mit mir freut. Soeben habe ich die Matur auf dem zweiten Bildungsweg abgeschlossen und gehe demnächst an die Uni.

Es kommt ab und zu vor, dass ich für eine einzelne Prüfung so einen Zustupf bekomme, aber ich möchte lieber nicht sagen, wie oft genau. Wir haben nichts vereinbart, es gibt kein Belohnungs-System, aber es bewegt sich schon auch mal in diesem Bereich. Mathematik war früher immer mein schlechtestes Fach, weshalb ich in die Nachhilfe gegangen bin. Die Belohnung ist schön, aber ich hätte mich auch ohne sie motivieren können.»

Ausgang
Katja W., Bürokauffrau, 24

«Mit 16 wollte ich jedes Wochenende in den Ausgang. Das wirkte sich negativ auf meine schulischen Leistungen aus. Da hat sich mein Vater ein Belohnungs-System ausgedacht: Die Note 5 war die Ausgangslage und bedeutete, dass ich um Mitternacht zu Hause sein muss. Bei einer 5,1 durfte ich eine halbe Stunde länger wegbleiben und so weiter. Doch das funktionierte auch rückwärts: Bei einer 4,9 wurde eine halbe Stunde abgezogen.

Mit einem Wochenschnitt von 6,0 hätte ich theoretisch bis 5 Uhr morgens in den Ausgang gedurft, aber das habe ich nie erreicht. Ich glaube, mein Rekord war 5,4. Mein Vater und ich haben dieses System nur ein gutes Jahr beibehalten, aber es hat zweifelsfrei funktioniert. Meine Noten wurden schlagartig viel besser, und auf den Ausgang musste ich auch nicht verzichten.»

Hund und Auto
A.B., Beetriebsökonomin, 24

«Mein Vater schuldet mir bis heute noch einen Hund und einen Mini Cooper für meine Mathematik-Noten. Für die 5 in Mathe wurde der Hund versprochen, und für die 5,5 dann das Auto. Ich hatte beides erreicht. Aber die beiden Belohnungen werde ich wohl nie sehen, was auch völlig in Ordnung ist.

Die versprochenen Belohnungen waren aber ein «running gag», bei dem beiden Seiten klar war, dass das nicht ernst gemeint ist. Aber auch kleinere Belohnungen gab es nicht, also kein Geld oder so. Ich hätte das aber auch nie erwartet. Noten hatten bei uns keinen hohen Stellenwert.»

Strafe
S.M., Pflegefachfrau, 22

«Einige meiner Mitschüler bekamen nach jeder guten Prüfung ein 50er-Nötli. Dies schon in der vierten bis sechsten Klasse. Ich bekam jeweils gar nichts, meine Eltern hielten das nicht für nötig. Ich weiss noch, wie ich mein Mami darauf angesprochen habe. Aber sie meinte, dass ich für mich lerne und die guten Noten genug Motivation sein müssen.

Bei schlechten Noten hatte ich dafür immer Angst, sie zuhause zu zeigen. Ich habe deswegen auch in der Schule geweint. Einmal hatte ich einen Abschiffer im Diktat. Als ich meiner Mutter den 3er beichtete, hat sie das ganze Heft zerrissen. Ich weiss nicht, ob ich deshalb mehr Prüfungsangst hatte. Aber ich hatte in meiner Schulzeit meistens gute Noten, also anscheinend hat das System funktioniert.»

Coupe
Beatrice T., Lehrerin, 21

«Als Kind gab es für mich keine Belohnungen für schulische Leistungen. Meine Eltern sind höchstens bei einer sehr guten Note spontan mit mir einen Coupe essen gegangen. Und für mein Matura-Zeugnis habe ich 200 Franken bekommen. Aber vereinbart war das nie.

Doch die Zeiten haben sich stark gewandelt. Als Primar-Lehrerin staune ich, wenn ich sehe, was meine Schülerinnen und Schüler bekommen, wenn sie gute Noten schreiben. Erst kürzlich habe ich erfahren, dass ein Mädchen für einen 6er 60 Franken versprochen bekommen hat. Das ist das dreifache meines Taschengeldes pro Monat damals.»

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • heute Omi am 08.04.2019 05:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unfähige Eltern

    Entsetzlich, dass Eltern so ein materalistisches Belohnungssystem einsetzen. Mir war die Zeit nie zu schade, meinen Kindern zu erklären, dass sie für sich selbst lernen. Nicht für mich, Lehrer oder sonst wer. Belohnt habe ich gute Noten nur mit Lob. Schlechte Noten waren zu Hinterfragen, aber kein Grund zur Abwertung des Kindes. Jeder Mensch hat Stärken, sowie auch Schwächen, nicht nur Kinder.

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  • claudia am 08.04.2019 05:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Belohnung

    Wahnsinn,wie man heute die Kinder mit Geld belohnen muss. Zu meiner Zeit musste ich mir mein Sackgeld selbst verdienen,mit Treppenhäuser putzen oder einkäufe für ältere Menschen erledigen. Heute bin ich froh,wurde ich damals so erzogen. Mir pers.wäre es wichtiger,die Kinder mit Liebe und gemeinsamer Zeit zu verwöhnen. Geld beruhigt,aber gemeinsame Zeit kann man damit nicht kaufen. Wünsche allen einen guten Wochenstart.

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  • Zuckerbrot am 08.04.2019 05:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Geld ersetzt Lob nicht

    Nehmt euere Kinder als Persönlichkeiten wahr. Geld ersetzt euere Freude über gute Leistung, der Kinder nicht. Freut euch ehrlich mit ihnen und drückt sie. Das macht Kinder stark und motiviert sie.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Vorname am 09.04.2019 12:27 Report Diesen Beitrag melden

    600 Franken? Na klar.

    da hat jemand wohl eine null zuviel eingegeben..

  • Der absolute Exot am 08.04.2019 23:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Komisch!

    Ich hatte bei einer guten Note immer einfach so Freude an meiner eigenen Leistung... das genügte mir immer!

  • Lukas G. am 08.04.2019 20:20 Report Diesen Beitrag melden

    Extra Bonus

    Werden dann sicher auch gute Arbeitnehmer, die sich nur dann wirklich anstrengen, wenn's einen Extra Bonus gibt...

  • Globetrotter am 08.04.2019 19:42 Report Diesen Beitrag melden

    Intrinisiche Motivation?

    Das ist die Beste Methode um jede intrinische Motivation total abzutöten. Viel Spass im echten Leben. Wie wäre es mit Süssigkeiten weiter falsche Anreize zu setzen?

  • Nick am 08.04.2019 19:28 Report Diesen Beitrag melden

    Leistung lohnt sich

    Ich habe für gute Noten von meinen Eltern auch immer Geld bekommen. Und zum (sehr guten) Abitur dann ein schönes neues Auto. Damit ich damit zur Universität fahren konnte.