Mike Egger

06. August 2015 14:40; Akt: 18.08.2015 13:51 Print

«Meine Freundin ist überhaupt kein SVP-Fan»

von J. Büchi - Er ist Metzger, kämpft gegen Kopftücher an Schulen und arbeitet eng mit Lukas Reimann zusammen. Nun will Mike Egger für die SVP ins Bundeshaus.

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Entweder hat Mike Egger eine besonders treue Fangemeinde, oder seine Politik trifft einen Nerv. Vielleicht hat auch sein Wahlvideo eine Rolle gespielt, als er das Jungpolitiker-Rating von 20 Minuten klar für sich entschied. Jedenfalls wollten viele der Umfrage-Teilnehmer mehr über den jungen Nationalratskandidaten erfahren. Wir treffen ihn an seinem Arbeitsort in Bazenheid SG.

«Entschuldigen Sie, falls ich etwas streng rieche, ich komme gerade aus dem Schlachthof», sagt Egger bei der Begrüssung gut gelaunt. Der 23-Jährige trägt die Ärmel seines Hemds hochgekrempelt, optisch könnte er ein Jungschwinger sein. Doch Egger ist gelernter Fleischfachmann, wie zuvor schon sein Vater und sein Grossvater. Nur, dass das damals noch Metzger hiess. Seit der Weiterbildung zum Technischen Kaufmann arbeitet er im Büro eines führenden Fleischproduzenten. Offizielle Berufsbezeichnung: «Newcomer Frischfleisch». Vor dem Treffen führte er gerade eine Gruppe von Lehrlingen durch den Betrieb, deshalb der Abstecher in den Schlachthof.

Kopftuchverbot gefordert

Egger ist ein Mann fürs Grobe. Mit seinen politischen Forderungen sorgt der Präsident der Jungen SVP St. Gallen immer wieder über die Kantonsgrenze hinaus für Schlagzeilen. Im Februar präsentierte er zusammen mit Lukas Reimann einen Forderungskatalog gegen den «radikalen Islam», in dem er unter anderem ein Verbot des Islamischen Zentralrats der Schweiz und ein Kopftuchverbot an Schulen verlangte. In St. Margrethen war er jüngst an der Gründung eines Komitees beteiligt, das sich für die Ausschaffung einer integrationsunwilligen bosnischen Familie einsetzt.

Seine politischen Gegner werfen ihm teilweise vor, es gehe Egger vor allem darum, Stimmung gegen Zuwanderer zu machen. Dagegen wehrt sich der Jungpolitiker vehement – er will sich nicht als Ausländerfeind verstanden wissen. In seiner Firma hätten 54 Prozent der Mitarbeiter einen Migrationshintergrund. Auch in seinem Freundeskreis gebe es mehrere Ausländer. «Ich schätze Leute, die sich integrieren und mitanpacken», betont Egger. «Wir müssen aber endlich damit aufhören, Leute aufzunehmen, die unsere Sozialsysteme ausnutzen und sich nicht an unsere Gesetze halten.» In diesen Fragen brauche es eben eine klare Linie.

Freundin «überhaupt nicht» auf SVP-Linie

Mike Egger spricht, als wäre er bereits ein alter Hase im Politgeschäft. Tatsächlich ist er in seinem zarten Alter bereits seit zehn Jahren politisch aktiv. Seit 2012 sitzt er als jüngstes Mitglied im St. Galler Kantonsrat. Besonders stolz sei er darauf, sich gemeinsam mit seiner Fraktion erfolgreich für die Einführung von Sozialhilfe-Detektiven eingesetzt zu haben, so Egger. Vor seiner Wahl hatte er bereits mit einer Hotline für Furore gesorgt, auf der Bürger Sozialhilfemissbrauch melden konnten.

Aufgewachsen ist Egger mit drei älteren Schwestern in Berneck SG. Von den vieren ist er als einziger politisch aktiv. Auch seine Freundin hat mit der SVP-Politik nichts am Hut. «Also wirklich überhaupt nichts – ich habe sie kennengelernt, weil sie mir die Meinung sagen wollte», lacht Egger. Die politischen Differenzen stellten aber kein Problem dar – mit der Freundin rede er ohnehin lieber über anderes.

Reimanns Schützling

Eggers politischer Partner heisst Lukas Reimann. Der Nationalrat begleitet den Jungpolitiker schon seine ganze politische Karriere lang. Über die Jahre wurden die beiden gute Freunde. Reimann motivierte Egger zur Kantonsratskandidatur, machte ihn zu seinem Sekretär, die beiden waren sogar schon zusammen in den Ferien. Zu Reimanns Wasserträger will Egger aber nicht degradiert werden. «Ich bin ein eigener Politiker mit eigenen Positionen.»

Der wohl grösste Unterschiede zwischen den beiden ist der berufliche Hintergrund: Reimann ist studierter Jurist, Egger sieht sich als klassischen Büezer. Spricht er über seinen Beruf, gerät er ins Schwärmen: «Metzger ist einer der abwechslungsreichsten Berufe: Vom Schlachten über das Wursten bis zum Kundenkontakt ist alles dabei.» Falls er in den Nationalrat gewählt werde, wolle er sich dafür einsetzen, dass die Berufsbildung in der Schweiz gestärkt werde. «Weiterbildungen nach der Lehre sind beispielsweise im Vergleich zu einem Studium sehr teuer, das muss sich ändern.»

Ob Egger vom sechsten Listenplatz aus eine Chance auf einen Nationalratssitz hat, ist offen. Beim Sprung nach Bern soll ihm der eingangs erwähnte Wahlkampf-Song helfen, den ein befreundeter Musiker für ihn geschrieben hat – und der es dank zahlreichen Medienberichten bereits zu einiger Bekanntheit gebracht hat. «Meine Bedingung an Sänger Dominik Baumgartner war, dass der Song nicht ganz so peinlich wird wie jener der FDP Reinach», grinst Egger.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • TomTurbo am 06.08.2015 14:49 Report Diesen Beitrag melden

    For Bundesrat

    Ein junger und dynamischer Politiker der die Bodenhaftung sowie den Kontakt zum Volk schätzt aus dem er kommt.

  • Secondo am 06.08.2015 15:09 Report Diesen Beitrag melden

    mehrdavon

    Wusste nicht, dass es doch noch echte Schweizer gibt wie dieser junge Mann, davon wirds noch mehr brauchen.

    einklappen einklappen
  • Patrick Platter am 06.08.2015 15:34 Report Diesen Beitrag melden

    Lukas Reimann

    Kenne Lukas Reimann nun schon mehr als 15 Jahre als Kollege. Wenn Mike nur die Hälfte von Lukas seiner Aufrichtigkeit, Loyalität zur Schweiz, Mut etwas auszuprobieren und menschlicher Nähe abbekommt hat er gutes Rüstzeug für die Karriere. Gruss aus der Nordwestschweiz :)

Die neusten Leser-Kommentare

  • Sara Bosshard am 07.08.2015 10:32 Report Diesen Beitrag melden

    Lieber nicht

    Solche hemdsärmligen Leute gehören aber meiner Meinung nach nicht in ein politisches Behördenamt. Ich weiss nicht, ob das gut kommen würde. Da sind mir Daniel Jositsch oder Martin Bäumle doch wesentlich lieber.

  • Walter am 07.08.2015 09:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unterschiede dürfen sein

    Ich hab noch einen grösseren Unterschied in meiner Liebe, ich bin Aargauer und sie Zürcherin. Aber es funktioniert

  • Sepp am 07.08.2015 08:47 Report Diesen Beitrag melden

    Medienwirksam, aber nicht volksdienlich

    Das einzige, was er im Kantonsrat jeweils kann, ist auf sich zu verweisen. "Bei mir im Betrieb...", "Wenn ich so etwas tue...", "Ich bezahle...", "Meine Verwandten...". Nichts gegen Büezer. Bin/war selber einer. Aber ein Politiker muss die Welt mit unabhängigen Augen sehen und nicht nur in seiner eigenen kleinen Welt leben und mit Stammtischparolen um sich werfen.

  • Brigle am 07.08.2015 08:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schaden?

    Mich nimmt Wunder wieviele der Kommentar-Schreiber jemals mit einer Kopftuchträgerin zu tun gehabt hat. Wegen diesen wenigen Frauen die ganze Schweiz aufzuhetzen finde ich total daneben. Ich bin dafür, dass sich die Familien gut integrieren sollen, aber seien wir mal ehrlich, was schaden uns die paar Kopftücher. Ich glaube es gibt viel wichtigere Probleme zu lösen.

  • Beobachter am 07.08.2015 08:35 Report Diesen Beitrag melden

    Weltoffen war einmal.

    Als Auslandschweizer frage ich mich,was ist aus dem Land nur geworden. Politiker loesen keine Probleme, viel mehr verursachen sie welche.