Bauernsterben

06. Januar 2016 13:53; Akt: 06.01.2016 13:58 Print

«Milch darf nicht billiger sein als Coca-Cola»

Die Landwirtschaft kämpft mit Nachwuchsproblemen. Niklaus Peterhans, ein junger Bauer aus dem Aargau, erklärt, warum.

storybild

Niklaus Peterhans ist Bauer im Kanton Aargau. (Bild: Keystone/Lukas Lehmann)

Zum Thema
Fehler gesehen?

Herr Peterhans (28)*, der Bauernverband berichtet von grossen Nachwuchsproblemen – die Situation in der Landwirtschaftsbranche sei «besorgniserregend» (siehe Box). Warum haben Sie als junger Mann trotzdem diesen Beruf erlernt?
Der Beruf hat viele schöne Seiten: die Vielseitigkeit, die Arbeit in der Natur und auch die Selbstständigkeit. Ausserdem konnte ich den bereits bestehenden Hof eines Nachbarn übernehmen. Es ist aber tatsächlich so, dass in einem kleinen Betrieb die Chancen gross sind, dass niemand mehr weitermacht, sobald es einen Generationenwechsel gibt.

Wie unterscheidet sich die neue Generation von den älteren Bauern?
Wir jungen Bauern sind nicht nur Landwirte, sondern auch gleichzeitig Unternehmer. Wir müssen Entscheidungen treffen wie etwa, ob es sich lohnt, eine bestimmte Maschine zu kaufen, oder wie viel von welchem Futter bestellt werden soll. Man muss sich immer die Frage stellen: Wie führe ich den Betrieb am rentabelsten?

Stimmt das romantische Bild des naturverbundenen Bauern, wie wir ihn in Sendungen wie «Bauer, ledig, sucht» erleben, also doch noch?
Teilweise schon. Vor allem in den Bergen wird noch viel von Hand gemacht, da es die geografische Lage der Betriebe nicht möglich macht, die Felder mit Maschinen zu bearbeiten. Hier kann dieses romantische Bild schon noch stimmen. Allgemein ist es aber so, dass wir weniger Zeit haben und oft einfach schauen müssen, dass die Arbeit gut und rasch erledigt wird. Da bleibt nicht viel Platz für Romantik.

Der Bauernverband sagt auch, die wachsende Abhängigkeit vom Tropf des Staates sei für viele Jungbauern unbefriedigend. Wollen Sie also ab sofort keine Subventionen mehr?
Nein, es geht darum, dass wir vom Verkauf unserer Produkte leben können möchten. Damit dies möglich wird, müssen die Produkte teuer verkauft werden. Ein gutes Beispiel ist die Milch: Um diese zu produzieren, muss ein Bauer grossen Aufwand betreiben. Trotzdem wird sie im Laden billiger verkauft, als ein Getränk wie etwa Coca-Cola, das zu viel tieferen Produktionspreisen hergestellt wird. Hier muss ein Umdenken stattfinden: Der Käufer muss bereit sein, für ein qualitativ hochwertiges Produkt einen gewissen Preis zu zahlen. Dies wird aber kaum der Fall sein, solange im Regal neben den teureren Schweizer Produkten die günstigere Ware aus dem Ausland steht.

Wie hoch sind die Direktzahlungen in Ihrem Betrieb?
Bei uns macht das Geld des Bundes nur etwa 20 Prozent des Jahreseinkommens aus. Dies aber vor allem auch, weil wir eine Biogasanlage besitzen, mit der wir einen grossen Teil unseres Einkommens generieren. Ich weiss von Betrieben in den Bergen, bei denen Direktzahlungen bis zu 80 Prozent des Einkommens ausmachen, und die Tendenz ist eher steigend.

Gibt es noch Produkte, mit denen Bauern heute gut verdienen können?
Ja, einige gibt es noch. Bei uns im Betrieb haben wir zum Beispiel das Glück, im Sommer Zuckermais anbauen zu können, der sich zu einem guten Preis an Grosshändler weiterverkaufen lässt. Auch unser Natura-Beef, das wir unter anderem direkt an den Verbraucher verkaufen, ist rentabel. Bei praktisch allen anderen Kulturen gibt es aber einen Negativtrend.

Laut Studien werden bis 2024 rund 10'000 Betriebe ihre Arbeit einstellen müssen. Was heisst das für die Branche?
Ich glaube, es wird immer weniger, dafür grössere Betriebe geben. Die grossen Höfe werden das Land der kleinen übernehmen. Dies ist nicht unbedingt eine positive Entwicklung: In grossen Betrieben sind die meisten Arbeiter einfache Angestellte und haben keine Anteile am Betrieb. Ein eigener Hof ist aber für jeden Bauer etwas ganz Besonderes und eine grosse Motivation.

*Niklaus Peterhans und seine Familie betreiben zusammen mit seinen Eltern und einer weiteren Familie zwei Höfe im Kanton Aargau.

(phi)

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Schweizerin am 06.01.2016 14:14 Report Diesen Beitrag melden

    Faire Trade - auch für unsere Bauern

    Alle wollen immer einen super Lohn haben, aber für Dienstleistungen und Produkte wollen wir nichts mehr zahlen. Hinter der Milch steckt viel Arbeit und zwar mehr als nur 2x täglich die Kühe melken. Wenn der Liter Milch Fr. 1.50 kostet finden dass alle soo teuer aber eine Dose Energy-Drink kann Fr. 5.-, einen Becher Kaffee bei Starbucks sogar bis Fr. 8.50 - und alle finden es okay. Da stimmt doch etwas mit der Wahrnehmung nicht mehr.

    einklappen einklappen
  • Ein Stadtkind am 06.01.2016 14:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gut gibt es die CH bauern!

    Also ich bin mehr als froh, gibt es leute, die die harte arbeit auf dem feld und im stall aufsich nehmen, um meine lebensmittel herzustellen, die ich täglich konsumiere. Vielen dank für eure total unterschätzte und leider unterbezahlte arbeit!

    einklappen einklappen
  • Yves P. am 06.01.2016 14:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Freiheit vs. Subventionen

    Die Bauern fordern mehr unternehmerische Freiheit. OK, dann müssen sie aber auch das unternehmerische (finanzielle) Risiko selbst tragen, wie die Privatwirtschaft auch. Wer Subventionen vom Staat bezieht, muss auch Bedingungen und Vorgaben akzeptieren. Mit mehr Freiheiten müssten dementsporechend auch die Subventionen gekürzt oder sogar aufgehoben werden. Wer bezahlt hat das Sagen!

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Jürg Wehrli am 07.01.2016 15:43 Report Diesen Beitrag melden

    Flächendeckend Bio für die Schweiz

    "Grossbauern" bedeutet nicht zwangsläufig nicht-grün, unökologisch, mangelnder Tierschutz. Ganz im Gegenteil. Das romantische Bild des Klein-Bio-Bauern, der seine Tierlein vorm Zubettgehen noch kurz streichelt, ist verzerrt. Grosshöfe können viel effizienter "bio" flächendeckend umsetzen. Das ist eine Chance, wäre eine Chance gerade für die Schweiz. Bergbauern, das ist ein ganz anderes Kapitel, das gesondert behandelt werden muss; da sollten wir auch dafür schauen, dass Landschaftspflege nicht als "bauernfremde" Tätigkeit gilt; die müsste dann halt auch gut abgegolten werden. Let's do it!

  • der jungbauer am 07.01.2016 13:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    wir schweizer schätzen die schweizer produkte nich

    Ich find das die welt verrückt spielt! im ausland wird die schweizer milch super teuer angeboten und sie wird gekauft da man denkt/weis das die tierhaltung in der schweiz super ist und in der schweiz wird das einfach nicht geschätzt!!!

  • jhm am 07.01.2016 08:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    welt

    ihr wisst alle schon das immer mehr soja aus brasilien in europa und leider auch immer mehr in der schweiz für Futtermittel und vegetarier importiert wird um di produktions kosten zu senken auch bio erlaubt! wo vor 10 jahren regenwald stand und kleine bauern Familien lebeten sind heute riessige soja felder! X tonnen mangos, Bananen usw werden in europa importiert ein dritel davon landet im abfall und dort verhungern 1000de! das gleiche gilt für afrika mit unmengen von wasser und pestiziden und kunstdünger werden billige schnittblumen und narungsmittel hergestellt für europa und was haben die afrikaner mit ausname von hunger nichts! wiso seit ihr Konsumenten nicht bereit mehr für narungsmittel zu bezahlen aus der schweiz! wen wir mehr für das produkt erhalten können wir auch ohne das soja usw kostendekend produzieren! und wen sich jeder Konsument mal an der eigenen nase nimmt keine bananen usw kaufen würde gänge es in vielen armen länder weniger hunger die natur würde weniger ausgebeutet und co2 austoss für den vielen transport würde auch weniger und die bauerm in der schweiz könnten von ihren produkten leben ohne Subventionen allso gewinnen fast alle wenn wir unser luxusleben ein wenig einschränken würden!

    • Ingenieur am 07.01.2016 09:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Landraub

      Guter Punkt. Aber: Der Grossteil der Sojaernte wird fuer den Futtermittelanbau fuer Nutztiere verwendet. Das Soja, das fuer die Menschennahrung hergestellt wird, entspricht geradezu einmal 1%. Ganz klar wird hier Raubbau betrieben fuer die Fleisch- und Milchindustrie.

    • massey am 07.01.2016 10:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Ingenieur

      ihre aussage stimmt aber wenn die konsumenten für narungsmittel statt 5-7 % des einkommens 8- 10% ausgeben würden könnte Mann in der schweizerlandwirtschaft ohne billiges brasilianisches soja produzieren

    • massey am 07.01.2016 10:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @massey

      und noch was! wiso jammern täglich viele kunden in den läden weils eine halbe stunde vor laden schluss kein vollkorn brot mehr hat aber noch viele andere! Nehmt doch ein anderes oder kommt morgen wieder! die zuviel gebackenen brote müssen weggeworfen werden und mit allen andern lebensmittel das gleiche! Wenn die grossverteiler die weggeworfenen Produkte nicht mehr beim preis einberechnen muss werden die lebensmittel auch billiger! aber den bauern die schuld geben ist ja viel einfacher

    einklappen einklappen
  • Singer Peter am 06.01.2016 23:00 Report Diesen Beitrag melden

    Weg mit den Bauern!

    Stimmt es braucht keine Kühe! Schaft endlich diese sinnlosen Kuhherden ab, die kosten nur unsinnig Geld und bringen nichts, ausserdem produzieren sie Gigantisch viel äusserst schädliches CO2! Bauern braucht es ebenfalls keine, ausser um Unsummen von Direktzahlungen abzukassieren! Der ALDI oder LIDL bringt alles viel günstiger auf den Tisch!!

    • mona am 06.01.2016 23:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      im ernst????

      geh du dann aufs feld und mach landschaftspflege! oder es muss von firmen erledigt werden die teurer sind als die direktzahlungen. zahlst dann moch mehr und wärst froh es wär wieder wie früher! es soll ja leute geben die glauben alls kommt von migros oder aldi. aber wer produzierts?

    • Singer Peter am 06.01.2016 23:16 Report Diesen Beitrag melden

      Industrieland!

      Landschaftspflege für was.... INDUSTREILAND ist gesucht, DAS bringt Arbeitsplätze!

    • privat am 06.01.2016 23:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Singer Peter

      sie wissen schon das der größte teil vom wald wiesen alpen usw privat sind und den Bauern gehören und alle wandert biken usw durch unser privat eigentum ohne das uns das jemand endschädigt aber die landwirtschaft ist zu teuer braucht es nicht usw! frechheit

    • vera am 06.01.2016 23:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      aldi machts

      ohne landschaftspflege verwaldet alles, egal ob berg oder tal. gibt sicher gärtner wo dies gern übernehmen. herr singer, zahlen sie dann auch was daran oder suchen sie die hilfe im aldi? da ists günstiger!

    • am 07.01.2016 20:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @vera

      Sind auch nicht die bessere wir arbeiten tag für tag und sie in büro und heben ein papier nach dem anderen

    einklappen einklappen
  • G. Horner am 06.01.2016 22:17 Report Diesen Beitrag melden

    Zeit für Veränderung

    Milch bringt niemandem was - ausser den Kälbchen. Befreit doch unsere Bauern endlich von der Viehhaltung: Besser für die Umwelt, besser für die Tiere, besser für die Steuerzahler - und schlussendlich auch besser für die Bauern selbst.

    • Annebäbi am 06.01.2016 22:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @G. Horner

      Mir bringt sehr wohl was: Jeden Morgen eine feine Ovi. Durch NICHTS zu ersetzen. Dann Jogurt, Käse, Quark und Butter. Ohne würd ich verhungern, wie unsere Vorfahren ohne Milch verhungert wären.

    • Ig nomou am 07.01.2016 00:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Annebäbi

      Ich hab den Rahm vergessen....wie konnt ich nur.

    • Chnubali am 07.01.2016 00:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Annebäbi

      So ein Quatsch.. dann müssten X-Menschen längst tot sein. Ich sage Ihnen was nicht gut ist.. das viele Dioxun und die vielen Antibiotika und Zucker... das ist nicht gut.

    • Vera am 07.01.2016 09:22 Report Diesen Beitrag melden

      Industrie

      @G.Horner: Sehe das wie Sie. Darum machen ja viele Mutterkuhhaltung. So wie heute Milch produziert ist, und das Endprodukt in den Läden, könnte einem schlecht werden. Sojafutter, überzüchtete Milchkühe, Mischung von Proteinen verschiedener Kühe. Kein Wunder hat die Milch keinen Wert mehr. Aber eben, wir werden ja auf Milch konsumieren getrimmt. Ist ja ne ganze Industrie dahinter.

    einklappen einklappen