Neue Juso-Präsidentin

21. Juni 2016 23:19; Akt: 22.06.2016 11:18 Print

«Miss-Wahlen sind ein Frauen-Zoo»

Die neue Juso-Präsidentin Tamara Funiciello erklärt im Interview, warum ihr Schönheitswettbewerbe ein Graus sind und wie die Juso junge Wähler abholen will.

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Frau Funiciello, Ihnen eilt der Ruf einer Rabaukin voraus. Wird die Juso auch in Zukunft Plakate mit nacktem Daniel Vasella zeigen?
Die Juso wird mit mir sicher nicht weniger provokativ. Wir provozieren aber nicht nur um der Provokation willen: Sie ist dort legitim, wo man auf eine Thematik aufmerksam machen will, über die sonst nicht geredet würde.

Der «Bund» schrieb über Sie, Ihnen komme auch mal ein Fluchwort über die Lippen. Stimmt das?
Man sollte hässliche Sachen nicht mit schönen Worten schönen, sondern ungeschminkt aussprechen. Aber es ist nicht so, dass ich einfach vor mich hinfluche, als gäbe es kein Morgen.

Sie treten ein schweres Erbe an. Der einfache Büezer wählt heute SVP, während die SP zur Akademiker-Partei verkommt. Auch Europas Jugend tickt zunehmend rechts. Warum?
Man hat Angst – vor Jobverlust, vor sozialem Abstieg. Die Rechten geben eine ganz plakative Antwort darauf: Es sind einfach die Ausländer schuld. Das ist eine sehr einfache Antwort, die der Komplexität der Situation niemals gerecht wird. Das Problem ist, dass die Linke zu wenig pointierte Antworten für die Ängste bietet. Mit echten linken Antworten gewänne man aber. Es gibt in Europa auch einen linken Flügel, der erstarkt.

Welches sind denn Ihre Antworten?
Die Rückverteilung. Man muss das Geld da holen, wo es ist. Die 62 reichsten Menschen besitzen gleich viel wie die ärmsten 3,5 Milliarden. Reiche und internationale Grosskonzerne müssen stärker besteuert werden. Wir wollen eine Wirtschaft, die sich an den Bedürfnissen der Menschen orientiert und nicht am Profit.

Sie haben im Parteiorgan der Sozialdemokraten gesagt, Sie wollten «der Stachel im Arsch» der Mutterpartei sein. Ist die SP heute zu rechts? Zu viel Gurten-Manifest und Jositsch?
(Lacht). Ja, da müssen wir nicht lange diskutieren. Wir haben das Gefühl, dass die SP zu fest Jositsch und Gurten-Manifest ist. Wir müssen zurück zu sozialistischen Antworten.

Auf Ihrer Website schreiben Sie, Sie seien Feministin von Kopf bis Fuss. Was heisst das?
Ich bin für die Abschaffung des binären Geschlechtersystems. Das heisst: Unabhängig vom Geschlecht, das man bei der Geburt hat, soll man sich als Individuum frei entfalten können. Heute ist es so, dass das Geschlecht tendenziell definiert, was man arbeitet, was man anzieht, wie man sich benimmt. Und Frauen verdienen heute immer noch 15 Prozent weniger, Gopfriedstutz! Drei von fünf Frauen in der Schweiz werden in ihrem Leben Opfer sexualisierter Gewalt. Diese Zahl ist der Wahnsinn und hat mit den Machtstrukturen in unserer Gesellschaft zu tun. Das kann es nicht sein.

Für die Kampagne «Mein Körper – meine Entscheidung» zogen sie sich aus. Sind Sie da nicht selbst in die Sexismus-Falle getappt?
Es war keine sexistische Falle. Es ging um die Fristenregelung bei der Abtreibung, die in den Medien kaum thematisiert wurde. Dann haben wir uns für die Provokation entschieden, und es hat bestens funktioniert.

2014 protestierten Sie gegen die Miss-Schweiz-Wahl. Auf Plakaten der Juso war «Sexistische Kommerz-Scheisse» oder «Frauen-Zoo» zu lesen. Gefallen Ihnen die Stichworte?
Definitiv. Miss-Wahlen sind ein Frauen-Zoo, die Frau ist das angestarrte Geschlecht. Man versieht Leute aufgrund ihres Aussehens mit einem Krönchen – und das im 21. Jahrhundert, wo angeblich innere Werte grossgeschrieben werden.

Angenommen, Sie hätten eine Tochter: Was würden Sie tun, wenn diese an einer Miss-Wahl teilnehmen wollte?
Meine Tochter würde kaum an einer Miss-Wahl teilnehmen wollen.

Sie sind Halbitalienerin, teilweise in Italien aufgewachsen. Hat Sie das geprägt?
Natürlich, aber es wäre nicht anders gewesen, wenn ich in Schaffhausen gewohnt hätte und nach Bern umgesiedelt wäre. Ich hatte nie ein Heimatgefühl. Ich habe darum auch Mühe mit der Frage, ob ich mich mehr als Italienerin oder Schweizerin fühle. Meine Werte haben nichts mit meiner Passfarbe zu tun. Meine Werte sind Solidarität, Gleichheit, Freiheit.

Dann muss die schöne EM ein Graus sein für Sie. Stört Sie das Singen der Nationalhymnen, das Schwingen der Nationalflaggen?
Natürlich ist die EM eine nationalistische Veranstaltung, aber ich verurteile niemanden deswegen. Ich frage mich einfach, wieso ich mich aufgrund meiner Herkunft mit einem Team identifizieren soll. Ich schaue gern guten Fussball, das hat aber rein gar nichts mit der Herkunft der Mannschaft zu tun.

Sie sind 26 und immer noch im Bachelor-Studium in Geschichte und Sozialwissenschaften. Sind Sie eine ewige Studentin?
(Lacht). Ich habe immer viel gearbeitet neben dem Studium, da ist ein volles Studienpensum einfach nicht möglich. Aber mein Ziel ist es, vor Cédric Wermuth abzuschliessen!

(daw)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Belustigt am 22.06.2016 07:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Feministin

    Ich kann sie so nicht ernst nehmen. Es amüsiert aber zu lesen was sie von sich gibt. Was gibt ihr das recht, schöne frauen zu kritisieren welche sich miteinander messen wollen.

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  • Naja am 22.06.2016 06:35 Report Diesen Beitrag melden

    Eine "Vertreterin"

    des Volkes findet das Singen der Nationalhymne sowie das Schwingen von Fahnen als Nationalistisch? Noch sozialer werden obwohl man mit 26 noch immer studiert???? (Ich habe bei meinem Studium 80% gearbeitet und eine 4köpfige Familie versorgt und das über 4 Jahre...) Aber ja, sie hatte ja auch nie ein Heimatgefühl...irgendwie bemitleide ich diese Person

  • giorgio m am 22.06.2016 06:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Provokation als Karriere

    Die meisten SP-ler wie sie arbeiten nichts und versuchen so eine Art Karriere in der Politik oder bei den Behörden zu machen. Dazu ist ihnen jedes Mittel recht.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Patrick Glanzmann am 22.06.2016 12:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Karrierejunky

    Und wieder eine Politikerin die sich nicht um wesentlich Anliegen der Schweiz beschäftigt. Jeder Schweizer hat ein Meinungsrecht. Eine Miss-Schweiz Wahl dermassen zu bodigen obwohl viele stolz sind die Schweiz zu vertreten ist eine Beleidigung und riecht nach Maulkorb. Das hat nichts mit Feminismus zu tun sondern ist eine rein persönliche Einstellung. Wie von anderen KommentatorInen bereits erwähnt ist das Ziel zu provozieren und sich in Show setzen um die Karriere zu fördern. Da wird wohl die Wählerquote schrumpfen

    • jowe am 22.06.2016 13:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Patrick Glanzmann

      ihre Karriere ins "Aus" ist so vorprommiert wie es schon bei etlichen der Fall war. Deshalb nichts Ernstzunehmendes.

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  • jowe am 22.06.2016 10:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ..Begriffsstutzig?..

    ich glaube, sie hat den Begriff "Zoo" nicht ganz verstanden. Zoo aus dem altgriechischen bedeutet Tierlebewesen. Also bitte, seit wann sind Frauen, egal was sie tun, Tierlebewesen.

  • OliverD am 22.06.2016 09:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Also bitte

    Frau Funiciello kümmern sie sich um die wirklichen Probleme in unserem Land. Oder geht es jetzt gerade darum, Aufmerksamkeit durch sehr fragliche Äußerungen zu erlangen? Vielleicht sollten sie sich erst noch weiter integrieren. Aber Sie können natürlich auch weiterhin auf tiefem Niveau politisieren; die SVP freut sich schon jetzt.

    • Patrick Glanzmann am 22.06.2016 15:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @OliverD

      Das finde ich unsportlich und hat überhaupt nichts mit integration zu tun. Bin selbst ein secondo aber dennoch schweizer. Vergleichen Sie mal Brunner was der manchmal für quatsch erzählt oder auch gewisse parlamentarier. Die meisten davon sind Vollblutschweizer und weniger integriert!

    • OliverD am 22.06.2016 21:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Patrick Glanzmann

      Hier geht es nicht um sportlich oder nicht sondern um Fakten. Bitte googeln Sie zuerst diese JUSO-Dame und dann schreiben Sie bitte ganz ehrlich auf DIESEN Kommentar, welches Adjektiv ihnen beim Betrachten dieser Seite als erstes in den Sinn kommt.....

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  • Zottel am 22.06.2016 07:01 Report Diesen Beitrag melden

    0-Verständnis

    Vieleicht ist es noch zu früh am Morgen, aber zu solchen Menschen fällt mir jetzt echt nichts mehr ein.

  • Belustigt am 22.06.2016 07:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Feministin

    Ich kann sie so nicht ernst nehmen. Es amüsiert aber zu lesen was sie von sich gibt. Was gibt ihr das recht, schöne frauen zu kritisieren welche sich miteinander messen wollen.

    • Samuel am 22.06.2016 09:03 Report Diesen Beitrag melden

      Ich bin nicht belustigt

      Hat sie die Frauen kritisiert die mitmachen oder die Veranstaltung? Eher letzteres, oder? Ich finde sie hat absolut recht, Frauen werden immer noch sehr sehr häufig auf ihr Äusseres reduziert, da muss man sich nur mal durch die Webseiten bekannter Boulevardblätter der Schweiz klicken...

    • Belustigt am 22.06.2016 09:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Samuel

      Aber bei einem schönheitswettbewerb machen die frauen doch sicher nach ihrem freien willen mit, oder etwa nicht? Alle die mitmachen wollen die sollen und die anderen sollen es lassen. Aber nicht sie kritisieren, welche diesen frauen eine plattform geben

    • jana-alex am 22.06.2016 12:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Belustigt

      Richtig lesen! Sie beleidigt nicht die Missen, sondern die ganze Veranstaltung. Sie steht für die freie Entfaltung JEDES Geschlechtes, was ich echt befürworte. Dass Frauen immer noch weniger verdienen und sexuelle Gewalt nach wie vor Überhand hat, hat nichts mit Feminismus zutun, sondern ist einfach traurig und hinderlich. Ich kann mitreden, ich arbeite 100% in einem körperlich anstrengenden Beruf. Ich bin nicht die Sorte, die wegen jedem Quatsch die Schwache raushängt.

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