Berufswahl

31. Januar 2019 09:28; Akt: 31.01.2019 09:58 Print

«Mit 14 zählt nur, dass man eine Lehre findet»

Laut der Nidwaldner Bildungsdirektion und dem Lehrerverband sind Schüler mit 14 zu jung für die Berufswahl. Auch für einige 20-Minuten-Leser kam die Entscheidung zu früh.

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Der Nidwaldner Regierungsrat will das Schuleintrittsalter heraufsetzen und das Stichdatum um vier Monate vorziehen. Diese Massnahmen sollen sicherstellen, dass die Jugendlichen am Ende der Schulzeit reifer sind. 20 Minuten hat mit drei Betroffenen gesprochen, für die die Berufswahl zu früh kam.

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Dominic Segala (22): Käser wie der Vater

«Ich habe mich für eine Lehre als Käser entschieden, weil mein Vater, der selber Käser ist, mir dazu geraten hat», sagt Dominic Segala. Der 22-Jährige arbeitet nun seit zwei Jahren auf diesem Beruf und ist noch immer nicht davon überzeugt, das Richtige für sich gefunden zu haben. Nach der obligatorischen Schulzeit hat Segala das zehnte Schuljahr besucht. «Mit 14 und 15 Jahren war ich noch viel zu jung, um mich für einen Beruf zu entscheiden. In diesem Alter hat man noch keine Ahnung davon, was es bedeutet, wirklich zu arbeiten.»

Nach dem zehnte Schuljahr begann Segala die Wirtschaftsfachschule, die er nach einiger Zeit abbrach. «Heute bereue ich diesen Schritt. Finanziell liegt es momentan aber nicht drin, eine solche Ausbildung nachzuholen.» Nach Abbruch der Fachschule habe er rund 50 Bewerbungen geschrieben, auf den grössten Teil habe er keine Rückmeldung bekommen. «Ich habe mich für alle möglichen Lehrstellen beworben. Es zählte nur, dass ich etwas finde.» Irgendwann habe er auf seinen Vater gehört und sich als Käser beworben. Auf alle drei Bewerbungen bekam er eine Antwort. So entschloss er sich, diesen Beruf zu erlernen. Zu Beginn der Lehre habe er dies aber jeden einzelnen Tag bereut. «Es war keine Entscheidung aus tiefer Überzeugung.»

Abee Hoti (21): «Bewusstsein für Tragweite der Entscheidung fehlt»

Ihr Traum sei es immer gewesen, Innenarchitektin zu werden, erzählt Abee Hoti aus St. Gallen. Aufgrund von Prüfungsangst habe sie schulisch jedoch keine überdurchschnittlichen Noten erreicht, was ihr eine Lehre als Hochbauzeichnerin verunmöglichte. «Ich hatte gehofft, dank meiner Zeichenkünste überzeugen zu können. Dass man bei der Lehrstellensuche vorwiegend nach Noten beurteilt wird, finde ich sehr schade.» Nach den Absagen drängte die Zeit und Hoti bewarb sich als Detailhandelsfachfrau. «Mein Lehrer hatte mich davor gewarnt, dass dieser Beruf mir nicht entsprechen würde, doch ich war verzweifelt, weil ich dringend eine Lehrstelle brauchte.»

Heute arbeitet die junge Frau nur noch Teilzeit auf ihrem erlernten Beruf. Sie hat eine Ausbildung zur Visagistin gemacht und ihre grosse Leidenschaft gefunden. «Ich werde in Kürze meine erste eigene Wimpernkollektion herausbringen.» Nebenbei absolviert sie eine Ausbildung zur kaufmännischen Sachbearbeiterin. In diesem Berufsfeld seien die Arbeitszeiten schlicht besser als im Detailhandel. «An solche Aspekte denkt man mit 14 oder knapp 15 Jahren nicht. In dem Alter zählt einzig, dass man eine Lehrstelle findet. Das Bewusstsein, dass es eine sehr weitreichende Entscheidung ist, die das ganze Leben beeinflusst, fehlt meist.»

A. B.(21): «Fühlte mich nicht zu jung»

Leserin A. B.* begann ihre Lehre mit knapp 15 Jahren. Sie habe sich damals nicht als «zu jung» wahrgenommen. «Selbstverständlich war vieles für mich Neuland. Doch das ist auch dann der Fall, wenn man bei Lehrbeginn älter ist. Denn in der Schule nimmt man praxisnahen Stoff kaum durch», sagt die Leserin. Sie glaube deshalb, dass es weniger am jungen Alter als vielmehr an fehlender Erfahrung mit vollkommen eigenständigem Arbeiten und praxisnahem Allgemeinwissen liege. Daher rühre die Schwierigkeit bei der Berufswahl.

*Name der Redaktion bekannt

(jk)