Zürcher Luxus-Boutiquen

09. August 2013 15:12; Akt: 09.08.2013 15:32 Print

«Mit T-Shirt wird man arrogant bedient»

Kein Einzelfall: Nicht nur Star-Talkmasterin Oprah Winfrey hat in Zürcher Luxus-Shops schlechte Erfahrungen gemacht – auch 20-Minuten-Leser sind aufgrund ihres Aussehens schon schlecht bedient worden.

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Die Empörung über die schäbige Behandlung der US-Talkmasterin Oprah Winfrey in Zürich ist gross. Auch 20-Minuten-Leser haben in Luxusshops in und ausserhalb von Zürich schlechte Erfahrungen gemacht, wie zahlreiche Zuschriften an die Redaktion zeigen. Dabei ist nicht primär die Hautfarbe an der schlechten Behandlung schuld, wie Oprah vermutet, sondern die Kleidung.

So schreibt zum Beispiel Leserin B.C.: «Ich wollte in einem Uhrengeschäft an der Bahnhofstrasse ein neues Lederarmband für meine Breitling kaufen. Da hiess es: ‹Das ist aber sehr teuer.›» In Basel wollte C. in einem Luxuskaufhaus als Stammkundin auf Rechnung kaufen. Da habe die Verkäuferin quer durch den Laden zur Filialchefin geplärrt, ob sie wohl kreditwürdig sei. C. schreibt, dass sie nur in Jeans, T-Shirt und Flip-Flops unterwegs war. «Das war wohl mein Fehler», schreibt sie.

Ähnliche Erfahrungen hat S.K. gemacht. «Ich war mit Wanderhosen und einem einfachen T-Shirt an der Bahnhofstrasse. Unglaublich, wie arrogant die Verkäuferin war. Seither gehe ich nicht mehr an der Bahnhofstrasse einkaufen.» Und auch P. L. ist aufgrund seiner Kleider in einem Juweliergeschäft in Zürich schlecht bedient worden: «Ich hatte zwar eine Anzugshose und ein Hemd meiner Firma an, aber das reichte wohl nicht.»

L. wollte seiner Frau ein Paar Perlenohrringe kaufen: «Doch die Verkäuferin hat mir immer wieder Perlenohrringe gebracht, die ich eher einem Schulmädchen geschenkt hätte.» Nach Protest habe die Verkäuferin ihm erklärt, dass die «richtigen» Perlen zu teuer seien. «Schlussendlich habe ich mich aber durchgesetzt und Perlen für insgesamt 2'000 Franken gekauft.»

Kein Dresscode bei Dior & Co.

Gibt es in Luxusläden in Zürich Dresscodes oder Anweisungen an die Mitarbeiter, gewisse Kunden nicht zu bedienen oder nur günstige Ware zu zeigen? Margrit Roth, Geschäftsführerin des Burberry-Ladens an der Bahnhofstrasse, winkt ab. «Kleidervorschriften gibt es bei uns nicht. Es steht der Mensch im Mittelpunkt und nicht, wie er aussieht oder angezogen ist. Bei uns sind Kunden in Flip-Flops ebenso willkommen wie jene in teuren Anzügen.» Gemäss der langjährigen Erfahrung von Roth kann man aufgrund der Kleider keine Schlüsse ziehen, ob jemand wohlhabend ist oder nicht.

Auch bei der Boutique von Christian Dior an der Bahnhofstrasse will man nichts von Dresscodes oder sonstigen Auswahlkriterien für die Kunden wissen. «Man kann nicht aufgrund des Äusseren erkennen, wer viel Geld hat und wer nicht. Manchmal erlebt man grosse Überraschungen», sagt Verkäuferin Ludmilla Ramage. Auch das Alter gebe keinen Hinweis auf das Vermögen. «Zu uns kommen manchmal Kinder wohlhabender Eltern, die noch im Teenageralter sind, aber für viel Geld hier einkaufen.» Man bediene bei Dior grundsätzlich jeden, und wer wolle, könne sich auch die ganz teuren Taschen ansehen. «Das ist kein Problem», so Ramage.

«Ein Missverständnis»

Eine ganz andere Version des Vorfalls mit Winfrey vertritt derweil Boutiquenbesitzerin Trudie Götz, bei der Oprah Winfrey die Tasche kaufen wollte. Im Tages-Anzeiger sagt sie: «Das war ein Missverständnis. Ich lege meine Hand ins Feuer für die Verkäuferin.» Die Modeberaterin sei eine routinierte Mitarbeiterin mit Jetset-Erfahrung, die ein Interesse an einem Verkauf gehabt hätte.

Laut Götz hat sich Winfrey erkundigt, wie teuer die Tasche sei. Die Angestellte habe ihr gesagt, dass es sich um die schönste und teuerste Tasche handele. Die Verkäuferin habe Winfrey gefragt, ob sie ihr die Tasche zeigen dürfe. Aber Winfrey habe nur gesagt: «No, no, I just want to have a look.» Die Verkäuferin habe ihr dann Taschen im Wert von 4000 Franken gezeigt, doch Winfrey habe kein Interesse an einem Kauf gehabt. Die Tasche ist in der Zwischenzeit in einer anderen Boutique in St. Moritz verkauft worden.

(bat)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Tausender am 10.08.2013 15:20 Report Diesen Beitrag melden

    Unprofessionell

    Wer in dieser Branche arbeitet, sollte eigentlich wissen, dass nicht jeder Millionär seinen Reichtum offen zur Schau stellt. Manche haben dieses Theater nicht mehr nötig und machen sich womöglich sogar einen Spass daraus, in Jeans und T-Shirt aufzutreten und Reaktionen zu beobachten. Anspruchsvolle Kunden haben aber eines gemeinsam: Man verärgert sie meist nur einmal. Aber Rassismus als Ursache? Da denkt wohl jemand selbst noch in Kriterien der Vergangenheit...

  • Käufer am 10.08.2013 12:22 Report Diesen Beitrag melden

    Qualität im Verkauf

    Hätten gewisse Verkäuferinnen bei uns einen oder zwei IQ-Punkte mehr, wären sie Coiffeusen geworden. Leider sind immer mehr Verkäuferinnen und Verkäufer Leute aus dem Ausland, häufig ohne adäquate Schulbildung oder Lehre, die gebrochen Deutsch sprechen (und offenbar auch nur wenig Englisch), sogar in Läden an der Bahnhofstrasse. Jung und vor allem günstig müssen sie sein, damit für Trudie und ihre Kolleginnen genügend Geld für die nächste Botoxspritze übrig bleibt.

  • Aufmerksamer Leser am 10.08.2013 12:30 Report Diesen Beitrag melden

    Nicht übertreiben......

    Die USA steht in der Kritik schon länger, nun hat man ein super fressen gefunden.... Jedoch gibt es auch andere Leute bei denen solche Sachen passieren, auch bei ganz normalen Menschen, doch die bekommen keine Entschuldigung. Ich finde Oprah übertreibt mit dieser Geschichte, denn wäre Sie eine Frau von Welt würde Sie mit der Situation ganz relaxt und besser umgehen. Es gibt genug andere Themen mit denen man sich auseinander setzten sollte.....z.B. Verbrechen, Krieg, Sekten und so weiter.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Wally Facer am 11.08.2013 09:35 Report Diesen Beitrag melden

    Megalomanie mit schwarzer Karte

    Die Oprah muss ja eine schöne Megalomanie (auch GW beziehungsweise Grössenwahn) haben, wenn sie meint, hier in der Schweiz müsste sie auch jeder kennen! Tatsache ist, dass andere grosse und kleine Stars gerade deswegen unser Land schätzen, weil sie hier noch unerkannt ein anonymes Privatleben geniessen können (wenn sie das wollen). Auch ihre schwarze Karte hätte ihr wahrscheinlich nicht viel genützt, man kennt das bei uns ja sozusagen nicht! PS : Auch ich habe eine schwarze Karte, es steht sogar noch SUPER-Card darauf! Ha,Ha!...

  • Morgan Schwab am 10.08.2013 21:25 Report Diesen Beitrag melden

    @Donz

    @Donz : Im Speisewagen sitzt auch mal jemand mit geistiger Behinderung. Nur : Auch diese haben Geld. Und auch diese kaufen sich etwas zu trinken. Da wäre so eine Feststellung wie : Das können Sie sich nicht leisten, absolut daneben. Genauso daneben, wie den Begleiter fragen : Was will die Dame denn trinken ? Menschen mit Behinderung möchten selber entscheiden, was sie haben möchten. Und : In der Regel können sie auch sehr gut einschätzen, was für sie geht oder eben nicht geht. Es gibt viele Websites, in denen Behinderte über sich selbst, ihre Gedanken oder ihre Wünsche schreiben.

  • Morgan Schwab am 10.08.2013 21:16 Report Diesen Beitrag melden

    Körp.Behinderung=geistige Behinderung?

    @ich : Ich bin körperlich behindert, aber nicht geistig behindert. Trotzdem : Viele Leute mit geistiger Behinderung sind genauso empört. Denn sie wollen etwas bestellen, also ein Café, und wenn man den Begleiter fragt, so ist das sehr unhöflich. Körperliche Behinderung bedeutet nicht per se automatisch, dass die betreffende Person auch geistig behindert ist. Wenn einer langsam spricht, oder Mühe mit Worte finden hat, so heisst das nicht, dass der Betroffene geistig behindert ist. Im Kopf geht alles sehr schnell, aber der Körper tut nicht so, wie der Betroffene will.

  • Johannes Pullus am 10.08.2013 17:58 Report Diesen Beitrag melden

    Trost

    Zum Trost gibt es einen Gratiseintritt in die Badi Bremgarten und dann ist aber mal gut.

  • Souichi Sugano am 10.08.2013 16:58 Report Diesen Beitrag melden

    Selbst in Deutschland erfahren...

    In Deutschland wurde ich ebenfalls schon entsprechend diskriminierent behandelt, da ich mit meinem Schweizer Dialekt offenbar unwillkommen war. Ich hatte da auch folglich kein Einkauf getaetigt. Sogar mal in Karlsruhe am DB Schalter, wo die Situation eskaliert war, als die Mitarbeiterin offen diskriminiertend wurde, und mich wie ein stueck dreck behandelte. Leider gibt es dies ueberall, und solche Leute sollten fristlos Entlassen werden, ich habe fuer diese kein Respekt mehr...