Solaranlagen-Förderung

29. Juli 2014 11:27; Akt: 29.07.2014 11:27 Print

«Mit den Chinesen werden wir nie mithalten können»

von Florian Meier - Der Bund will die finanzielle Unterstützung privater Solaranlagen kürzen. Grund dafür ist der technische Fortschritt. Aus der Branche hagelt es Kritik.

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Betreiber von Solaranlagen bekommen vom Bund finanzielle Unterstützung. Nun will der Bundesrat diese Beiträge aber kürzen. (Bild: Keystone/Dominic Favre)

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Wer in der Schweiz eine Solaranlage auf dem Dach hat, bekommt vom Bund Geld für den damit produzierten Strom. So soll die Entwicklung alternativer Energien gefördert werden. Doch jetzt senkt der Bundesrat diese sogenannte Kostendeckende Einspeisevergütung (KEV) per Anfang 2015 – je nach Grösse der Anlage um bis zu 22 Prozent. Begründet wird diese Massnahme mit dem technischen Fortschritt und den damit verbundenen tieferen Preisen auf dem asiatischen Markt für Solaranlagen.

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David Stickelberger, Geschäftsführer von Swissolar, versteht zwar dieses Argument. Er befürchtet aber negative Konsequenzen für hiesige Märkte. «Diese Massnahme zwingt uns, künftig nur noch Solaranlagen aus China zu importieren.» Dort werden die Hersteller staatlich unterstützt und können deshalb zu viel billigeren Preisen anbieten. «Firmen aus Europa werden aus diesem Grund nie mit den chinesischen Preisen mithalten können.»

Know-how in Europa gehe verloren

In der Schweiz selber würden zwar nur noch wenige Solaranlagen produziert, sagt Stickelberger. Aber in Deutschland gebe es noch einige grosse Hersteller. Diese seien oft beispielsweise über Forschungsprojekte mit der Schweiz vernetzt. «Indirekt wird die Schweiz also auch darunter leiden, wenn in Europa vermehrt Unternehmen, die Solaranlagen produzieren, verschwinden.» Zudem ginge wertvolles Know-how verloren.

SVP-Nationalrat Albert Rösti (BE) widerspricht: «Es kommen schon heute Solaranlagen aus Asien.» Er würde die KEV am liebsten ganz abschaffen. Sie verzerre den freien Markt und sei deshalb unnötig. «Ausserdem können wir auch bei höheren Vergütungen die Kunden nicht dazu zwingen, ihre Solaranlagen in Europa zu kaufen.»

Martina Munz, Nationalrätin der SP (SH), sieht das ähnlich. «Der Solarstrom und mit ihm die Solaranlagen sind in den letzten Jahren deutlich billiger geworden.» In solchen Fällen sei es normal, dass die Vergütungen den neuen Rahmenbedingungen angepasst würden.

Ausweichen auf Installateure aus Polen

Ein weiteres Problem für die Schweiz nennt Lukas Herzog, Geschäftsführer der Alteno AG aus Basel. Er befürchtet, dass vor allem Installationsfirmen unter der Massnahme leiden werden. Herzogs Unternehmen unterstützt seine Kunden bei der Finanzierung neuer Solaranlagen. «Heute werden neue Solaranlagen meist von Schweizer Firmen installiert. Die Nachfrage nach solchen Installationen wird in Zukunft sinken.» Dies werde dem Wirtschaftsstandort Schweiz schaden.

Das befürchtet auch Stickelberger von Swissolar. Er glaubt, dass mit der neuen Regelung bei der Installation von Solaranlagen vermehrt auf ausländische Firmen zurückgegriffen wird. Dies sei aus zwei Gründen problematisch. «Auf der einen Seite sind ausländische Installateure, beispielsweise aus Polen, häufig weniger gut ausgebildet. Auf der anderen Seite müssen sie oft unter sehr fragwürdigen Bedingungen arbeiten.»

Auch der Grünen-Nationalrat Bastien Girod findet, dass die Reduktion der KEV viel zu hoch ausfällt – jedoch aus einem anderen Grund. Er befürchtet, dass die Produktion von erneuerbaren Energien darunter leiden wird und glaubt sogar, dass die Nachfrage nach Solaranlagen künstlich reduziert wird. «Der Anreiz, Solaranlagen zu bauen, wird auf diese Weise gemindert. Das ist sicher ein Schritt in die falsche Richtung.»

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Fritz Bühler am 29.07.2014 11:38 Report Diesen Beitrag melden

    Ist doch gut

    Die Schweiz hat doch seit kurzem ein Freihandelsabkommen mit China. Dann können doch Solaranlagen sowieso viel besser aus China importiert werden als aus der EU. Und im Gegensatz zur EU braucht China keine Kohäsionsmilliarde und redet der Schweiz auch bei der Politik nicht drein.

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  • Marmon Maas am 29.07.2014 11:38 Report Diesen Beitrag melden

    Nicht nachvollziehbar, aber logisch

    Ist ja logisch, dass der Bund die Unterstützung für private Solaranlagen kürzen will. Mit der Abschaffung des PK-Vorbezugs für Wohnbau kann sich ja sowieso nur noch die Elite einen Hausbau leisten. Naheliegend, dass der Bund dann denkt: Die haben eh genug Geld, um ihre Solaranlage selber zu finanzieren. Warum sollen wir da noch Fördermittel zur Verfügung stellen ? InDeutschland gehen Bund und Länder genau den umgekehrten Weg: Private Solaranlagen werden schon seit Jahren grosszügig gefördert. Aber die Schweizer sind ein Volk von Mietern - die kann man besser schröpfen.

  • Neubauer am 29.07.2014 12:18 Report Diesen Beitrag melden

    Bunderätin hat kassiert...

    hab soeben eine 15KW Solaranlage installieren lassen... kann nich nur empfehlen. Das sollte bei Neubauten obligatorisch sein! Mindestens 60% erneuerbare Energie zu benutzen. Aber unser Bundesrat hat halt genug Geld, dass er auch in alten Häusern wohnen kann und die Energie kostet für ihn im Verhältnis zum Verdienst nichts! Fau Leuthard hat ja neu gebaut und hat von den höheren Zuschüssen profitieren können. Nun kan man ja die Unterstützung wieder kürzen! Gell Frau Leuthard!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • sugus am 30.07.2014 15:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    solaranlage

    Ich wollte auch eine Solaranlage bauen im 2015 weil ich ab Oktober im Kev bin. Wenn es eine kürzung gibt, werde ich gar nichts mehr machen. Es gibt bessere Investitionen!

  • fungel am 30.07.2014 11:30 Report Diesen Beitrag melden

    Lachhaft

    Wenn ich mir anschaue, wie hier gebaut und installiert wird, vertraue ich definitiv lieber einem Installateur aus Polen. Das diese dort schlechter ausgebildet sein sollen, ist schlicht gelogen, das Gegenteil ist der Fall!

  • Linus am 30.07.2014 09:49 Report Diesen Beitrag melden

    Falsches System

    Super Unterstützung von unserer Regierung... Meine Nachbarn haben eine Solaranlage installiert und die Unterstützung des Bundes, also das Geld, kommt etwa 3 Jahre später. Das ist so etwas von uninteressant für normal Verdienende. Welcher Normalverdiener sich dies denn heute schon leisten.

  • Reto am 30.07.2014 08:56 Report Diesen Beitrag melden

    Gesetzesänderung rückwirkend ein Skandal

    Das traurige dabei ist dass die Gesetzesänderung in diesem Jahr mit rückwirkender Gültigkeit auf das ganze letzte Jahr beschlossen wurde! Für mich ein Skandal sondergleichen! Für Haushalte in der Schweiz rechnet sich eigener Solarstrom auch trotz tieferer Anlagepreisen weiterhin nicht auch weil private Speichermöglichkeiten weiterhin viel zu teuer sind!

  • john doe am 29.07.2014 22:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    umverteilung von arm nach reich

    grundsätzlich bin ich für die Unterstützung von alternativenenergie. das Problem bei der Unterstützung privater solaranlagen ist jedoch, dass die Mieter davon nicht profitieren können, selbst wenn sie wollten. verschlimmernd kommt hinzu, dass der Bundesrat eine energiesteuer in Aussicht gestellt hat (was ich auch prinzipiell befürworte). nimmt man nun beides zusammen, so profitieren die "reichen" Hausbesitzer heute von Subventionen auf ihre solaranlagen und müssen zukünftig weniger (Energie-) steuern bezahlen weil sie ihren strom ja selbst herstellen. die armen mieter bleiben beide male aussen vor!