Verschwundener Sprengstoff

13. September 2016 08:34; Akt: 13.09.2016 08:34 Print

«Mit ein paar Kilo kann man ein Auto sprengen»

In einer Aargauer RS werden mehrere Kilo Sprengstoff vermisst. Politiker fordern eine lückenlose Aufklärung und eine Überprüfung der Sicherheitsmassnahmen.

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Der Fall der Durchdiener-Rekrutenschule 14 in Aarau, in der mehrere Kilogramm Sprengstoff vermisst werden, sorgt in der Politik für rote Köpfe. SP-Sicherheitspolitikerin Edith Graf-Litscher fordert, dass die Sicherheitsvorkehrungen in der Rekrutenschule nun überprüft werden müssen.

Umfrage
Was ist Ihrer Vermutung nach mit dem Sprengstoff passiert?
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18 %
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Insgesamt 6693 Teilnehmer

«Die Armee muss hier dringend über die Bücher, so etwas darf nicht passieren.» Auch die Rekruten müssten stärker auf die Gefahren eines solchen Vorfalls sensibilisiert werden. «Schon kleine Unachtsamkeiten können dazu führen, dass Waffen oder Munition verschwinden, die grossen Schaden anrichten und Menschenleben gefährden können.»

Auch SVP-Nationalrat und Oberst Werner Salzmann ist schockiert. «In meiner ganzen Militärkarriere habe ich so etwas zum Glück nie erlebt.» Der Fall müsse nun lückenlos durch die Militärjustiz aufgeklärt werden. Es sei äusserst schwierig, Sprengstoff zum Verschwinden zu bringen. «Es gibt minutiöse Kontrollen, wann wo wie viel Sprengstoff abgegeben wird, der Munitionschef protokolliert jeden Einsatz genau.»

Ein einzelner Durchdiener sei wohl kaum in der Lage gewesen, den Sprengstoff zu entwenden. «Da muss es ein eklatantes Versagen in der Kontrollkette gegeben haben.» Sollte jemand mutwillig den Sprengstoff entwendet haben, habe er damit massiv gegen das Militärgesetz verstossen, ihm drohe eine harte Strafe.

«Es handelt sich wohl um einen Ernstfall»

Einen harmloseren Grund vermutet Sprengstoffexperte Günter Schwarz. «Die fehlenden Kilo Sprengstoff sind wohl einfach ein Buchhaltungsfehler, da hat sich jemand bei der Kontrolle verzählt, das passiert schnell einmal.» CVP-Nationalrat und Major Alois Gmür ist skeptisch: «Dass die Armee aber die Öffentlichkeit informiert, bedeutet, dass es sich wohl um einen Ernstfall handelt.»

Die Verantwortlichen könnten einfache Buchhaltungsfehler wohl ausschliessen und wollten deshalb informieren, bevor den Medien Informationen auf inoffiziellem Weg zugespielt würden. Gmür hält es für möglich, dass der Sprengstoff direkt aus dem Munitionslager entwendet wurde, entweder in böser Absicht oder als schlechter Scherz.

Um den Sprengstoff detonieren zu lassen, braucht es laut Salzmann neben dem Sprengstoff Plastid auch die entsprechenden Sprengkapseln. «Mit einigen Kilogramm kann man zum Beispiel schon Türen aufsprengen und Stahlrohre zerstören.» Schwarz ergänzt: «Mit ein paar Kilo Plastid kann man auch ein Auto sprengen oder Gebäude beschädigen.» Die nötige Sprengvorrichtung könne man sich auch selbst basteln.

(the)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • rene w am 12.09.2016 19:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    sprengmeister

    Ist auch ziemlich altmodidsch. Modere Sprengmeister verwenden das Samsung Note 7.

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  • Hercule de Soleure am 12.09.2016 19:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Der Knaller

    Was heisst hier ein paar Kilo reichen aus um ein Auto zu sprengen? Nach meinen Erfahrungen tuns 100g auch.

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  • Beo Bachter am 12.09.2016 19:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Zusammenhang?

    Am Vormittag brannte doch im Bahnhofparking Aarau ein Auto?

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Bardo Jaeger am 13.09.2016 10:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Frau Graf-Litscher

    -dann sollte doch Frau Graf - Litscher erst einmal Militärdienst leisten und danach Forderungen stellen...

  • Stefan am 13.09.2016 09:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    mit "ein paar Kilos"

    Kann man einen Strassenzug verwüsten.

  • Ulrich Heimberg am 13.09.2016 09:06 Report Diesen Beitrag melden

    Verantwortung

    Zuverlässigkeit wäre wieder gefragt ! Es häufen sich Unfälle auf der Schiene, auf dem Wasser, in der Luft, usw. und man rätselt über das warum. Vermehrtes Verkehrsaufkommen kann nicht der einzige Grund sein. Und an Zufall zu glauben wäre vermutlich auch falsch. Wir sind zu einer Spass-/ und Konsumgesellschaft verkommen und lassen uns in allen Lebenssituationen und Tageszeiten von den modernen Kommunikationsmitteln ablenken und Verlässlichkeit und Konzentration leiden darunter. Viele sind für verantwortungsvolle Arbeit heute völlig ungeeignet und werden trotzdem eingesetzt.

  • ZornigeAnarchist am 13.09.2016 08:45 Report Diesen Beitrag melden

    Brauche Regenmantel

    «Mit ein paar Kilo kann man ein Auto sprengen» hhhmmm da käme mir doch was anderes im zinn......

  • Oblt Hülsensack am 13.09.2016 08:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kein Einzelfall

    Das passiert andauernd, nur landet es selten in den Medien. Jeder der einmal im Militär war, kann das bestätigen. Wenn Sprengstoff fehlt, wird einfach angenommen, dass die Detonationskontrolle falsch geführt worden ist.