Verbot gefordert

12. November 2017 04:57; Akt: 13.11.2017 13:37 Print

«Mit jeder Ohrfeige wird eine Grenze überschritten»

42 Prozent der Jugendlichen wurden in ihrer Kindheit mit Ohrfeigen traktiert. Ein neuer Verein will deshalb eine gewaltfreie Erziehung im Gesetz verankern.

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Der neu gegründete Verein «Keine Gewalt gegen Kinder» lanciert zum Internationalen Tag der Kinderrechte am 20. November eine landesweite Petition für ein gesetzliches Verbot von körperlicher Züchtigung. Die Gruppe fordert gemäss «Sonntagszeitung», dass im Zivilgesetzbuch «das Recht der Kinder auf eine ­gewaltfreie» Erziehung und «ein ausdrückliches Verbot von Körperstrafen und psychischer Gewalt an Kindern» verankert werden.

Zu den Gründungsmitgliedern des ­ Vereins gehören Andreas Brunner, ehemaliger leitender Oberstaatsanwalt des Kantons Zürich, und Franz Ziegler, langjähriger Geschäftsleiter bei Kinderschutz Schweiz. Partnerorganisationen der nationalen Aktion sind Terres des Hommes in Lausanne und die Kinderschutz-Stiftung im Kanton Tessin. Der Vorstoss wird von der Zürcher SP-Regierungsrätin Jacqueline Fehr offiziell unterstützt.

Ohrfeigen seien keine Erziehungsmassnahmen

«Das Ohrfeigen und Schlagen der eigenen Kinder ist heute, im Gegensatz zu Ohrfeigen unter Erwachsenen, nicht gesellschaftlich geächtet, ­sondern teilweise akzeptiert», sagt ­Ex-Oberstaatsanwalt Brunner gegenüber der «Sonntagszeitung». «Doch mit jeder Ohrfeige wird die rote Linie zur Gewalt überschritten.» Körperliche Strafen müssten «endgültig aus dem Arsenal der Erziehungsmassnahmen verbannt werden», fordert Brunner. Dazu brauche es eine neue Gesetzesbestimmung und einen gesellschaftlichen Wandel.

Wie verbreitet Gewalt in den Schweizer Kinderstuben ist, zeigte kürzlich eine aktuelle Studie der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW). Von den befragten Jugendlichen gaben 42 Prozent an, dass sie in ihrer Kindheit mit Ohrfeigen und ähnlichen Gewaltakten traktiert wurden. 20 Prozent erlebten sogar schwere Übergriffe.

(roy)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Augen auf! am 12.11.2017 05:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Rechtsgewalt

    Klar ist Gewalt kein Erziehungsmittel. Schläge sind die Bankrotterklärung, weil der/die Betreffende im Moment oder im Affekt nicht weiter weiss. Wer eigene Kinder hat, der weiss, dass diese einem dann und wann zur Weissglut bringen können. Ein Gesetz, das liebende Eltern wegen Momenten der Überforderung kriminalisiert, bringt mehr Schaden als Nutzen.

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  • SinnLos am 12.11.2017 05:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Staat!

    Lieber Staat, wenn du soo gut und perfekt bist, erziehe doch du unsere Kinder! Kleine Frage noch neben bei, darf ich noch Atmen???

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  • Ledi am 12.11.2017 19:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kopfschütteln

    Jetzt geht's aber los. Die eigenen Kinder sollen die Eltern anklagen dürfen. Und die Kids dürfen sich alles erlauben oder was. Wie weit sind wir gekommen.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Smörebröd am 13.11.2017 12:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kurz durchatmen

    Wir haben vier erwachsene Kinder. Keines davon haben wir je geschlagen. Auch kein Klaps! Auch wir waren oft am Anschlag. Trotzdem, auf zehn zählen, nachdenken und dann handeln. Es gibt immer eine andere Lösung!

  • Anja am 13.11.2017 10:19 Report Diesen Beitrag melden

    Schläge an den Kopf gehen gar nicht!

    Schläge an den Kopf und somit auch Ohrfeigen sollten absolut verboten werden! Man muss sich da nur mal das Grössen- resp. Kräfteverhältnis zwischen einem 40-Jährigen und einem 4-Jährigen vorstellen. Wenn es denn bei unseren Kindern mal zum Alleräussersten kam, reichte auch ein Haarezupfen - hier geht es dann aber auch nur darum, ein Kind in seinem Verhalten zu stoppen und nicht es dafür zu züchtigen. Dieses Zeitalter ist hoffentlich ein- für allemal vorbei!

  • Gebranntmarkt am 13.11.2017 10:14 Report Diesen Beitrag melden

    Grausam!

    Wurde zwischen dem achten und ca 13. Lebensjahr regelmässig geschlagen. Zum Teil wöchentlich! Auch eingeschüchtert. Leide heute noch darunter. Einen Teppichklopfer hatte man auf meinem Hintern zerschlagen! Narben zeugen heute noch von diesen unentschuldbaren Taten! Kein Gesetz könnte meine Adoptiveltern gerecht bestrafen. Kann mich heute weder beruflich noch privat durchsetzen! Es schmerzt mich heute noch wenn ich daran denke! Bin Ü50.

  • errare humanum est am 13.11.2017 10:06 Report Diesen Beitrag melden

    Was seid ihr nur für Menschen

    Ohrfeigen können (nicht müssen) das Trommelfell beschädigen, das nehmt ihr also in Kauf? Viele hier sagen, dass ein Klaps auf den Po oder eine Schelle keine Gewalt sei. Mal sehen wie es ankommt, wenn ich denen die in den Zug stürmen bevor alle ausgestiegen sind, einfach eine klatsche. Ist ja offenbar ganz in Ordnung, wenn man Fehlverhalten mit Schlägen verhindern will.

  • Pazifist am 13.11.2017 10:04 Report Diesen Beitrag melden

    Gewaltgeil?

    Wenn ich die Kommentare hier durchlese, scheint es so, als würde der Durchschnittsschweizer durch die Gegend ziehen und es wäre vollkommen in Ordnung, jedem Menschen, dem er begegnet, eine "harmlose Ohrfeige" auszuteilen?!