Hermann zur Nomination

08. Dezember 2011 22:36; Akt: 08.12.2011 22:03 Print

«Moralische Massstäbe fast inexistent»

Michael Hermann findet, dass die Nomination von Walter durchaus einen falen Nachgeschmack hinterlasse.

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Herr Hermann, die SVP hat gestern den Rückzug Bruno Zuppigers bekannt gegeben. Was für einen Eindruck hat die Partei dabei auf sie gemacht?
Michael Hermann:
Die gegenseitigen Schuldzuweisungen wirkten unsouverän, die überstürzte Nominierung Hansjörg Walters chaotisch. Seit die erfolgsverwöhnte Partei im Gegenwind steht, hat sie Mühe Kurs zu halten.

Die SVP-Spitze rechtfertige Zuppigers Kandidatur damit, die Affäre sei abgeschlossen. Ein zureichendes Argument?
Die Parteispitze wusste, dass Zuppiger versucht hatte ein Erbe zu veruntreuen - dennoch haben bei der SVP nicht die Alarmglocken geläutet. Obwohl es sich um eine sehr grosse Summe handelte, wurde es wie ein Kavaliersdelikt behandelt. Moralische Massstäbe scheinen nicht zu existieren. Nur bei kleinkriminellen Ausländern kenn man kein Pardon. Dieses ‹messen mit unterschiedlich langen Ellen› hat mich befremdet..

Nun schickt die SVP Hansjörg Walter ins Rennen. Ein kluger Schachzug?
Anders als Zuppiger gehört Walter wirklich zum gemässigten Flügel der SVP. Man kann ihr also nicht vorwerfen, sie habe keine wählbaren Kandidaten aufgestellt. Die überhastete Nomination von Walter, der nicht im Auswahlverfahren stand und der Partei bis vor kurzem als zu wenig linientreu galt, hinterlässt allerdings einen schalen Beigeschmack. Es könnte der Eindruck entstehen, die SVP opfere ihre Grundwerte für den reinen Machterhalt. Ich bin mir nicht sicher, ob die Basis dies goutiert.

* Michael Hermann ist Politgeograf

(dp/20 Minuten)