Hitzewelle

25. Juni 2019 19:12; Akt: 25.06.2019 19:12 Print

«Hitze ist die gefährlichste Wettererscheinung»

In weiten Teilen der Schweiz warnt der Bund vor der Hitze. Ein Szenario, das uns nun öfter drohen könnte, wie die Meteorologin Melanie Flubacher warnt.

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Die Schweiz schwitzt und hechelt: Bis zu 39 Grad warm werde es in den nächsten Tagen, warnt der staatliche Wetterdienst MeteoSchweiz. Er hat aufgrund der Hitzewelle für weite Teile der Schweiz eine Hitzewarnung herausgegeben. In der Nordwestschweiz, im Wallis und im Tessin gilt gar die Gefahrenstufe 4. Was das genau bedeutet, erklärt die Meteorologin Melanie Flubacher vom Bundesamt für Meteorologie (Meteo Schweiz).

Frau Flubacher, was bedeutet der Begriff Hitzewelle genau?
Unter Hitze versteht man das unangenehme Empfinden bei zu hoher Lufttemperatur. Mehrere Tage mit extremer Belastung durch diese hohe Lufttemperatur wird als Hitzewelle bezeichnet. Für gewisse Risikogruppen – also Kleinkinder, ältere Menschen, chronisch Kranke oder Schwangere – kann diese Belastung gesundheitsgefährdend sein. Wenn an mindestens drei aufeinanderfolgenden Tagen vordefinierte Schwellenwerte überschritten werden, gibt Meteo Schweiz eine Hitzewarnung heraus.

Wieso braucht es Hitzewarnungen überhaupt?
Im Sommer 2003 kam es aufgrund der grossen Hitze zu vielen Toten, weil man sich viel zu wenig gut vorbereitet hatte. Um solche Situationen zu verhindern, ist es angebracht, vor langen Hitzeperioden zu warnen. Hitze gehört in der Schweiz zu den gefährlichsten Wettererscheinungen, da es einen grossen Teil der Bevölkerung betrifft und man sich schwieriger dagegen wappnen kann. Bei Kälte kann man einfach in einen beheizten Raum gehen, bei Hitze gibt es Leute, die ihre Wohnung oder ihren Arbeitsplatz nicht klimatisieren können. Gerade für Spitäler, Pflege- und Altersheime und etwa Kindertagesstätten oder Krippen können Hitzewarnungen sehr wichtig sein.

Wie soll man sich als betroffene Person bei grosser Hitze verhalten?
Den gesunden Menschenverstand walten lassen. Also körperliche Anstrengungen möglichst auf die Morgen- oder Abendstunden verschieben, täglich mindestens 1,5 Liter Wasser trinken und versuchen, die Wohnung möglichst kühl zu halten, indem etwa die Rollläden tagsüber unten bleiben und in der Nacht gelüftet wird. Das Tragen von heller und luftiger Kleidung und das Essen von kühlen, leichten Speisen hilft zudem auch. Nach sportlicher Betätigung ist es zudem wichtig, den Salzverlust auszugleichen, etwa durch Säfte oder Suppen.

Was sind die Kriterien für eine Hitzewarnung?
Das eigene Hitzeempfinden ist abhängig von Lufttemperatur, Sonneneinstrahlung, Wind und Luftfeuchtigkeit. Je höher die Luftfeuchtigkeit ist, desto unangenehmer wird die Temperatur empfunden. Unsere Hitzewarnungen basieren also nicht auf der gemessenen Temperatur, sondern auf der durch den Hitze-Index beschriebenen gefühlten Temperatur.

Und was bedeuten die verschiedenen Warnstufen?
Wenn der Hitze-Index an mindestens drei aufeinanderfolgenden Tagen höher als 90 liegt, herrscht die orange Warnstufe 3, also erhebliche Gefahr. Liegt der Hitze-Index an mindestens fünf aufeinanderfolgenden Tagen höher als 93, gibt man eine Warnung der Stufe 4 heraus. Für die Risikogruppe gilt dann grosse Gefahr, ihnen drohen Kreislaufbeschwerden, Kopfschmerzen oder Schwindel. Die höchste Warnstufe 5 wurde bisher nicht verwendet. Jedoch wird von Meteo Schweiz laufend überprüft, ob es hier eine Anpassung brauchen wird.

Hat diese Hitzewelle einen Zusammenhang mit der Klimaerwärmung?
Von einer einzelnen Hitzewelle kann man nicht auf den Klimawandel schliessen. Man weiss aber, dass durch die Klimaerwärmung derartige Hitzewellen in der Schweiz häufiger und intensiver auftreten.

Was heisst das?
Das bedeutet, dass solche Hitzewellen nicht mehr nur einmal alle paar Jahre auftritt, sondern dass wir häufiger mit solchen Phasen rechnen müssen. 40 ist zudem das neue 35: Lag früher die Temperaturspitze bei Hitzewellen um 35 Grad, müssen wir uns in Zukunft wohl an Temperaturen gegen 40 Grad gewöhnen.

(dk)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Heaven burns red am 25.06.2019 20:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    küchen und bäckereien sind auch betroffen

    Auch in den küchen und Bäckereien ist es unerträglich und müssen trozdem arbeiten und den laden zum laufen bringen. Heute hatten wir fast 39 grad in der küche. Es sind nicht nur die oben genannten berufe.

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  • Büezer am 25.06.2019 19:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bau

    Ich arbeite aufem Bau und kans mir nicht leisten körperliche arbeit auf die morgen und abendstunden zu verlegen auch den ganzen tag schatten kan ich vergessen. Also von 13-17 uhr an der prallen sonne arbeiten.

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  • CB am 26.06.2019 10:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Allwetterarbeiten

    Ein grosses Kompliment an alle, die ihre Arbeit an der prallen Sonne ausführen müssen. Sie können weder ihren Arbeitsort noch das Wetter aussuchen. Ob Hitze, Regen oder Kälte, sie sind immer für die Allgemeinheit da. Darum, denkt beim nächsten Stau vor einer Baustelle daran, diese Leute leiden auch und sie würden sich auch lieber an einem schattigen Plätzchen aufhalten.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • an ton io am 27.06.2019 17:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    super

    Mein ganzes haus ist klimatisiert und im garten befinded sich ein grosser pool. Mich stört die hitze nicht

  • Masimann am 27.06.2019 12:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Dachdecker

    Hatten gestern ein Thermometer mit aufs Dach genommem. 35 grad im Schatten 59 an der Sonne. Brutal!

  • Spasti G. am 27.06.2019 11:43 Report Diesen Beitrag melden

    Klimaanlage einschalten

    Keine Sorge. Der Klimaanlage-Girod wird schon dafür sorgen, dass es kühler wird. Zumindest für die, die im selben Raum wie er sind.

  • Resi am 27.06.2019 09:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bleibt zu Hause

    Wir sind sooooo verwöhnt, nicht mal unser Hirn müssen wir einschalten. Es wird für alles gesorgt, Vorwarnungen, Tips usw. und doch halten sich die wenigsten dran. Kleinkindern werden in der prallen Hitze schutzlos der Sonne ausgesetzt, Sonnenschutz gilt nur für andere und Tiere sind oft ein Accessoire passend zum Bikini. Bleibt doch für diese paar Tage zu Hause und hört auf immer den andern die Schuld zuzuschreiben, Damit meine ich diejenigen, die nicht zur Arbeit müssen. Es sind genug Leute, die der Hitze ausgesetzt sind, Bauarbeiter, Chauffeure etc. Die tun mir leid, die Arbeiten für uns

  • Harper am 27.06.2019 08:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Seit eh

    In vielen Ländern auf dieser Erde, leben Menschen seit eh mit solch hohen Temparaturen.

    • wurks am 27.06.2019 08:53 Report Diesen Beitrag melden

      Tierschutzwidrig!

      Die arbeiten aber (vernünftigerweise) nicht so viel wie die Schweizer. Unser System basiert leider auf Arbeit und nochmals Arbeit. Und so werden auch alle zur Arbeit genötigt. Hitzefrei gibt es nicht mal für die Schüler. (Ich würde es nicht wagen, ein Tier bei diesen Temperaturen acht Stunden täglich arbeiten zu lassen. Das gäbe schlimmste Probleme mit dem Tierschutz. Und zwar zu Recht! Ach, ja der Mensch ist biologisch gesehen auch ein Tier...)

    • MelBel am 27.06.2019 10:57 Report Diesen Beitrag melden

      Evolution

      Das stimmt durchaus, jedoch sind das Regionen wo sich die Gesellschaft über hunderte von Jahre daran gewöhnen und Ramenbedigungen anpassen konnte (Arbeitszeiten, klimatisierte Infrastruktur, körperliche Anpassungen).

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