Baumeister-Verband

16. Juli 2015 15:58; Akt: 16.07.2015 16:07 Print

«Müssen uns mehr um den Nachwuchs kümmern»

Immer mehr junge Menschen wechseln den Beruf, vor allem in handwerklichen Branchen. Das bereitet der Baubranche Kopfschmerzen.

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Die Zahl der Berufswechsler nimmt seit den 70er-Jahren stetig zu. Handwerkliche Branchen sind von diesen Berufswechseln häufiger betroffen als KV- und Bildungsberufe. Das zeigen Zahlen des Bundesamtes für Statistik.

Ueli Büchi, Leiter Berufsbildungspolitik beim Baumeisterverband SBV ist beunruhigt. In der Baubranche führe der Abgang von ausgebildeten Personen zu einem «Mangel an Fachkräften in den höheren Karrierestufen». Diese würden dringend benötigt, da die Fachkompetenz in der Branche besonders wichtig sei. «Wir müssen uns mehr um den Nachwuchs in der eigenen Branche bemühen und Entwicklungschancen aufzeigen», so Büchi. Der Baumeisterverband will deshalb eine Karriere auf dem Bau mittels Werbekampagne attraktiver machen. Die heutige Jugend wolle neben einem guten Verdienst auch eine sinnvolle Arbeit ausüben, bei der man das Resultat seiner Arbeit sehe. Diesen Ansprüchen müsse man entgegenkommen.

Lieber Informatiker als Metzger

Doch warum kehren immer mehr Lehrabgänger ihrem Job den Rücken zu? Stefan Wolter, Professor für Bildungsökonomie an der Uni Bern, macht dafür zwei Entwicklungen verantwortlich: Einerseits sei der Strukturwandel in der Wirtschaft schneller geworden. Als Beispiel dafür nennt er den IT-Sektor: «Als in den 90er-Jahren immer mehr IT-Fachkräfte gebraucht wurden, haben viele branchenfremde Leute wie Metzger oder Bäcker den Quereinstieg gewagt und ihrem Job den Rücken gekehrt.»

Auch würden in der Schweiz auf klassisch industriellen Lehrberufen mehr junge Menschen ausgebildet, als heute für die technischen Tätigkeiten gebraucht würden. Diese Erstausbildung kombinierten sie mit einer höheren Bildung, etwa einer Fachhochschule. «Ein Bespiel ist der Bauzeichner, der sich in Betriebsökonomie weiterbildet und dann im Immobiliensektor arbeitet, wo ihm auch die Erfahrung vom Bau nützt», sagt Wolter.

Laut George Sheldon, Professor für Arbeitsmarkt- und Industrieökonomie, ist der Arbeitsmarkt flexibler geworden. Dank Weiterbildungen sei es heutzutage einfacher, den Beruf zu wechseln.«Das bedeutet aber nicht, dass der Schreiner plötzlich Coiffeur wird, eine gewisse Gemeinsamkeit zum gelernten Beruf muss vorhanden sein», so Sheldon. Die heutige Generation habe aber auch nicht denselben Zeitdruck wie früher. «Man hat mehr Zeit, sich umzuentscheiden, weil man ungebundener ist und später Kinder und Familie hat.»

«Mitarbeiter schätzen zurückhaltende Chefs»

Auch im Laufbahnzentrum wird der Trend zu einer früheren Auseinandersetzung mit der Job-Zukunft festgestellt. Einerseits durch den Anstieg von Einzelberatungen, aber auch durch die rege Nachfrage nach Zukunftsseminaren, in welchen die jungen Erwachsenen informiert werden und Zukunftsszenarien erarbeiten. «Die Lehre beginnt man mit 15 oder 16 Jahren, die Interessen und die Persönlichkeit können sich im Verlauf der Grundbildung ändern und neue Fähigkeiten können zu Tage treten», sagt Benno Bachmann vom Laufbahnzentrum. Wichtig sei, Wege in Bezug auf Weiterbildung, Studium oder Berufswechsel aufzuzeigen, denn realistische Ziele seien wichtig für die Motivation und den Erfolg.

Vom Jobflucht-Trend verschont geblieben sind bisher die Lokführer. Nur 21 Prozent entscheiden sich nach der Ausbildung für einen anderen Beruf. Hubert Giger, Präsident des Verbands Schweizer Lokomotivführer, sieht den Grund dafür in der Selbständigkeit des Berufs: «Unsere Mitarbeiter schätzen die Verantwortung und die Tatsache, dass sie keinen Chef haben, der ihnen reinredet.»

(the/tab)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Hans mit Dampf am 16.07.2015 16:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wenn ich sehe...

    .... wie die ausgebildet werden. Ein Horror. Ich bin Gelernter Maler und abeite in einen Betrieb mit über 100 mann. Haben 9 Auszubilde die im 3 Lehrjahr noch nicht mal eine Wohnung streichen können. Die werden von Baustelle zu Baustelle geschickt um zu putzen oder Abkleben. Sie sind alle so motiviert am Anfang und dann brechen sie ein. Die UNJA hat auch nichts nach den anonymen Brief unternommen. Für mich sind die Azubis billige Hilfsarbeiter zu einen Sklavenlohn.

  • ruedi am 16.07.2015 16:02 Report Diesen Beitrag melden

    ohhh wunder.....

    wenn ich für harte Arbeit Fr. 4000.-- verdiene, aber im Dienstleistungssektor ohne wirklich zu arbeiten 10'000.-- verdiene, wo werde ich wohl arbeiten? Nebenbei kann ich im Büro noch surfen, meine nächsten Ferien planen und manchmal noch ein bisschen Homeoffice machen.....Komisch will niemand in Handwerker-Berufen arbeiten....

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  • Der Gipslieferant am 16.07.2015 18:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Outsourcing

    Als Gipser in der Schweiz sollte man italienisch oder albanisch beherrschen, sonst kriegt man nie eine Stelle.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Susanne am 17.07.2015 13:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gesamtbild:

    Viele Handwerker-KMU's bieten auf dem Land Arbeitsplätze und Ausbildungsplötze. Somit auch wieder Steuereinnahmen durch die Arbeiter..! Unsere Arbeiter wohnen in der Nähe oder sogar im Dorf, haben höchstens 5 Minuten Arbeitsweg, brauchen keine privaten Kleider, können zum z'Mittag nach Hause und haben keine/wenig Benzinkosten. Was wenn man diese Freizeit und Annehmlichkeit umrechnet? Wir haben langjährige Festangestellte! Warum wohl???

  • Nichtschwimmer am 17.07.2015 13:05 Report Diesen Beitrag melden

    Spiel von Angebot und Nachfrage

    Bei den Löhnen funktioniert das Spiel von Angebot und Nachfrage nicht. Man würde besser den Handwerkern/Metzgern/Bäckern mehr Lohn geben, da es davon zu wenig gibt, als den Bankangestellten mit stark überhöhten Löhnen. Diese Löhne kann man getrost senken, denn die Arbeitsbed. sind angenehm und der Job nicht schwieriger als z. B. in einem Reisebüro (wo nicht so hohe Löhne wie auf einer Bank bezahlt werden, obwohl beides vergleichbare Dienstleistungen sind.) Wir brauchen nicht so viele Banker, wohl aber Leute, die unsere Nahrung und sonstige Ver-/Entsorgung sichern.

  • Markus Schnieder am 17.07.2015 13:03 Report Diesen Beitrag melden

    Baumeister(verband)

    sollen sich doch selbst an der Nase nehmen. Die wenigen Willigen werden schon im 2. Lehrjahr verheizt, der Rest wird spätestens beim Berufseinstieg merken, dass die Herren Baumeister lieber günstige Arbeitskräfte aus dem Ausland holen.

  • Gelernte Malerin am 17.07.2015 12:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ...

    Ich stimme Ihnen, Hans mit Dampf, vorbehaltlos zu. Diese Praxis ist leider Gang und gäbe. Ich allerdings kenne es auch anders rum. Schon in meinem zweiten Lehrjahr habe ich Arbeiten ganz alleine und selbstständig ausgeführt. Z.B. hab ich eine 4Zimmer-Wohnung ganz alleine gestrichen. Und ich darf behaupten, dass meine Arbeit hervorragend war. Auch schulisch war ich bei den Stärksten. Welchen Gewinn, sich mein Chef Dank mir einstreichen konnte, mag ich mir gar nicht vorstellen. Er hat einen ausgelernten Maler in Rechnung gestellt. Ich, natürlich hab nur meinen normalen Lehrlingslohn bekommen. Das ist auch nicht fair.

    • Susanne am 17.07.2015 12:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Ha,ha,ha...

      Haben sie die Rechnung gesehen? Haben sie das Gefühl, die Offerte, Anleitung, Materialbesorgung, Nachkontrolle, Ausmessen, Rechnugsstellung hat ihr Chef in der Freizeit gemacht? Ein Lehrling und viele Arbeiter haben das Gefühl, der Preis/Stunde sei ihr Lohn! Ein Arbeitsplatz/ Lehrlingsplatz setzt sich aus vielen Kosten zusammen! Dem Kunde wird ja der Stundenansatz ausgewiesen und würde ja wohl kaum einverstanden sein, wenn ihm ein Stundenlohn eines Arbeiters verrechnet worden wäre!

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  • Gipser Polier am 17.07.2015 12:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    kleine firmen

    Mann muss natürlich unterscheiden, der Lohn ist nicht auf dem ganzen Baugewerbe schlecht. Wir als kleine Firma 12Pers. haben den Neubau fast aufgegeben. Dafür stark im Umbau, Bioprodukte wie Lehm oder auch spez. Trockenbau Arbeiten. Interessant und abwechlungsreich, auch für Lehrlinge. Als gel. Gipser 5000 bis 6000, Vorarbeiter 5500 bis 6200 und Polier ab 6500.- . Schön wenn man Qualität noch ausführen darf und nicht nur m2 im Kopf hat. Sucht euch kleine eingessene Firmen für die Lehre.

    • Seppi am 17.07.2015 12:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      ...

      Nehme an das sind Bruttolöhne... Also eine vier Köpfige Familie mit5000-6000.- ist heute doch schon eine Chllange...

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