Aufsicht in Badis

17. August 2018 08:23; Akt: 17.08.2018 09:47 Print

Badmeister rufen Eltern zu Handyverzicht auf

von A. Peterhans - Laut Badmeistern kleben Eltern in der Badi zu oft am Smartphone – und bringen so ihre Kleinen in tödliche Gefahr. Hitzewelle und Besucherrekorde verschärften das Problem.

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Die deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) schlägt Alarm: Immer häufiger würden Eltern ihre Kinder aus den Augen verlieren, weil sie vom Smartphone abgelenkt sind. Diese Erfahrung macht auch Michel Kunz, Präsident des Schweizerischen Badmeister-Verbands (SBV). «Es gibt Mütter und Väter bei denen ich das Gefühl habe, dass sie lieber mit ihrem Handy beschäftigt sind, anstatt mit ihrem Kind.» Gemäss Kunz hat sich die Situation durch die Hitze zusätzlich verschärft: Mehr Besucher erforderten stärkere Aufsicht in den Badis. In der Praxis komme es immer wieder zu kritischen Situationen, sagt Kunz, der in Bolligen als Badmeister tätig ist: «Ich musste schon ein ertrinkendes 4-jähriges Kind aus dem Schwimmerbereich rausziehen... ...die Mutter war mit dem Handy beschäftigt und bemerkte die Gefahr nicht. Sie reagierte danach nicht einsichtig, sondern genervt.» Fehlende Aufsicht der Eltern beobachtet auch Hanspeter Heiniger, Anlagechef der Badi Weyermannshaus in Bern. «Wir müssen teilweise Eltern per Lautsprecher ausrufen lassen, weil ihre Kinder sie nicht mehr finden.» Im Bild: Das Freibad Weyermannshaus - im Volksmund Weyerli. Passiert ein Unfall, ist dies nicht nur für die Familie, sondern auch für die Badmeister traumatisch. SBV-Präsident Kunz: «Wenn ein Kind stirbt, ist die moralische Belastung des Badmeisters enorm. Auch wenn er alles richtig gemacht hat.» Mit der Kampagne «Ich trage Verantwortung» macht der Schweizerische Verband für Rettungsschwimmer (SLRG) auf die Gefahr aufmerksam, wenn Kinder nur ungenügend von ihren Eltern beaufsichtigt werden.

In der Schweiz sind laut Zahlen der Beratungsstelle für Unfallverhütung (Bfu) zwischen 2008 und 2017 im Schnitt zehn Kinder bis neun Jahre tödlich verunfallt.

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In Deutschland sind dieses Jahr bereits 20 Kinder unter 15 Jahren ertrunken. Nun schlägt die deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) Alarm: Immer häufiger würden Eltern ihre Kinder aus den Augen verlieren, weil sie vom Smartphone abgelenkt sind.

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Diese Erfahrung macht auch Michel Kunz, Präsident des Schweizerischen Badmeister-Verbands (SBV). «Es gibt Mütter und Väter bei denen ich das Gefühl habe, dass sie lieber mit ihrem Handy beschäftigt sind, anstatt mit ihrem Kind.» Es sei zu befürchten, dass Ablenkung am Handy auch in der Schweiz zu Todesfällen führen werde.

Einige Eltern wollten die Verantwortung abschieben: «Mütter haben das Gefühl, der Badmeister sei verantwortlich. Dieser hat aber neben der Badeaufsicht noch andere Funktionen: Er muss die Hygienevorschriften kontrollieren, die Wasseraufbereitung betreuen oder bei anderen kleinen Zwischenfällen Badegäste verarzten.»

«Mutter reagierte genervt statt einsichtig»

In der Schweiz sind laut Zahlen der Beratungsstelle für Unfallverhütung (Bfu) zwischen 2008 und 2017 zehn Kinder bis neun Jahre tödlich verunfallt. Gemäss Kunz hat sich die Situation durch die Hitze zusätzlich verschärft: Mehr Besucher erforderten stärkere Aufsicht in den Badis. «Die Aufsicht ist nur gewährleistet, wenn die Begleitpersonen von Kinder selbst auch ihre Pflicht erfüllen.»

In der Praxis komme es immer wieder zu kritischen Situationen, sagt Kunz, der in Bolligen als Badmeister tätig ist: «Ich musste schon ein ertrinkendes 4-jähriges Kind aus dem Schwimmerbereich rausziehen. Die Mutter war mit dem Handy beschäftigt und bemerkte die Gefahr nicht. Sie reagierte danach nicht einsichtig, sondern genervt.»

Fehlende Aufsicht der Eltern beobachtet auch Hanspeter Heiniger, Anlagechef der Badi Weyermannshaus in Bern. «Wir müssen teilweise Eltern per Lautsprecher ausrufen lassen, weil ihre Kinder sie nicht mehr finden.» Das Handy habe ein grosses Ablenkungspotenzial.

Eltern sensibilisieren

In der drittgrössten Badi der Schweiz ist die Belastung für die Badmeister gross: «Wir springen täglich ein- bis zweimal ins Wasser, um Kinder rauszuholen», sagt Heiniger. «Je mehr Kinder es hat, desto angespannter ist ein Badmeister.» Man müsse immer voll konzentriert sein, um erste Hilfe leisten zu können. Die eigentliche Aufsicht der Kinder liege aber bei den Eltern. «Viele sind sich ihrer Pflicht leider nicht bewusst. Sie sind gedankenlos und lassen ihre Kinder mit Flügeli allein im Schwimmbecken. Ganz nach dem Motto: Der Badmeister wird schon schauen», so Heiniger.

Passiert ein Unfall, ist dies nicht nur für die Familie, sondern auch für die Badmeister traumatisch. SBV-Präsident Kunz betreut Bademeister aus der ganzen Schweiz und sagt: «Wenn ein Kind stirbt, ist die moralische Belastung des Badmeisters enorm. Auch wenn er alles richtig gemacht hat.» Viele Badmeister suchten nach einer negative Erfahrungen das Gespräch mit ihm.

Prävention mit einem Lerneffekt verbinden

Das Thema Ablenkung steht auch für für Philipp Binaghi vom Schweizerischen Verband für Rettungsschwimmer (SLRG) ganz oben auf der Prioritätenliste: Der Verband hat die Kampagne «Ich trage Verantwortung» lanciert. Damit macht er zusammen mit der Krankenkasse Visana auf zwei Regeln aufmerksam: Kinder sollen von den Eltern richtig beaufsichtigt werden und Alkohol sowie Drogen sollen vom Wasser fernbleiben.

Beobachtungen aus der Realität zeigen laut Binaghi: Kinder sind vermehrt alleine im Wasser: «Wir erhalten auch viele Rückmeldungen von Rettungsschwimmern, die fehlende Aufsicht der Kinder in Gewässern betreffen.»

Der SLRG setzt auf Aufklärung, nicht aber auf eine gesetzliche Regulierung wie ein Handy-Verbot: «Weitere Regulierungen machen das Leben komplizierter», so Binaghi. Wichtiger sei es, die nötige Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit zu erhalten und die Bevölkerung so zu schulen.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • UPP am 17.08.2018 08:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Verantwortung?

    Mich wundert immer, dass man Eltern darauf aufmerksam machen muss, dass sie auf ihre Kinder aufpassen sollen....

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  • Rezeptheft am 17.08.2018 08:31 Report Diesen Beitrag melden

    Ein Spiel spielen

    Man sollte solche Eltern einmal beobachten. Dann ihr Kind zur Seite nehmen und warten bis den Eltern endlich auffällt, das diese nicht mehr da sind. Und sie dann mal ein paar Minuten in Panik (oder auch nicht) ihr Kind suchen lassen. Die sollten einfach mal den Schock ihres Lebens bekommen. Ob es was hilft, ist eine andere Frage.

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  • Vreneli am 17.08.2018 08:35 Report Diesen Beitrag melden

    Telekom hat keine Freude an Verboten

    Mir ist es ein Rätsel wieso allgemein so viel telefoniert werden muss. Anscheinend ist es sehr schwierig sich zu dem konzentrieren was man gerade tut. Demnächst muss man das Handy auch im Kino verbieten. Wieso merken es die Dauerplauderi nicht von selbst, wie sie anderen im ÖV auf die Nerven gehen? Und warum sagt niemand etwas. Ist das jetzt die heuchlerische Toleranz? Oder sollte man einfach sagen: Halt jetzt endlich deine Klappe? Muss es immer im Streit enden? Hirn gebrauchen ist gratis! Die Dauerplauderei nicht!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Fan 35 am 18.08.2018 13:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Handyverbot

    Bin hin und wieder in einem Hallenbad im Kt.AG. Dort ist es sogar beschildert das man kein Handy benutzen darf.Was ich da schon gesehen habe.Der Bademeister wo mit Badegäste diskutieren musste, weil man sich nicht daran halten kann.Mütter die versteckt in der Tasche die ganze Zeit auf das Handy starren.Oder das Badetuch in den Händen, falls der Bademeister kommt, kann man sofort das Tuch über das Handy legen.Das man schon die ganze Zeit in den Händen hält.Wenn man in ein Frei/Hallenbad geht, kann man nicht einfach die Aufsichtspflicht den Bademeistern/innen überlassen.

  • Wookie am 18.08.2018 11:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Einmal ohne Smartphone

    wenn ich in die Badi gehe ist mein Handy zuhause wer mich anruft in der Zeit muss halt warten bis ich zurück bin. Ich beaufsichtige lieber due Kinder der Badmeister ist auch nur ein Mensch und kann nicht überall sein

  • Beo Bachter I am 18.08.2018 11:18 Report Diesen Beitrag melden

    Armselige Digital-Gesellschaft

    Liebe "Eltern", wie wär's mit einem Tamagotchi anstatt Kindern? Kinder sind Lebewesen die nach Liebe, Geborgenheit, Aufmerksamkeit und Schutz suchen. Also, entscheidet Euch für Euren Streichel-Zoo (Handy) oder für Eure Kinder.

    • Antonov am 18.08.2018 11:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Beo Bachter I

      Quatsch wir sind nicht arm. Noch nie in meinem Leben konnte ich so viel Geld sparen wir durchs zocken. Günstigste beschäftigung ever.

    • hulda am 18.08.2018 12:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Antonov

      arm im Gehirn ist hier gemeint. das haben Sie soeben bestätigt dass Sie das sind

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  • xavi am 18.08.2018 11:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    unverständlich...

    ich gehe regelmässig mit meinen beiden kleinen ins bad - wenn ich mit jemanden aus meinem freundeskreis hingehe sage ich zu beginn dass ich nicht plaudern kann wenn die kids im wasser sind. es braucht ununterbrochen die volle aufmerksamkeit, vorallem bei so kleinen.

  • Vierfache Mutter am 18.08.2018 10:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Keine Verantwortung

    Solche Eltern die das Handy besser beaufsichtigen und nicht aus den Augen lassen sollten keine Kinder haben.