Schluss mit Facebook

27. Dezember 2013 19:15; Akt: 27.12.2013 19:15 Print

«Nach dem Ausstieg fühlte ich mich wie befreit»

Immer mehr Junge wollen raus aus den sozialen Netzwerken. 20 Minuten hat mit Jugendlichen und jungen Erwachsenen gesprochen, die den Schritt gewagt und ihr Profil gelöscht haben.

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Viele Junge kehren Facebook den Rücken – sie haben genug davon, ständig online zu sein.

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Für das kommende Jahr haben Junge vor allem einen Wunsch: Sie möchten wieder mehr Ruhe in ihrem Leben. Besonders in Bezug auf Facebook und andere soziale Netzwerke sehnen sich viele nach einer Pause. Immer mehr setzen diesen Wunsch in die Tat um. Wie eine Studie vom Marktforschungsinstitut GlobalWebIndex zeigt, ziehen sich besonders Teenager aus dem sozialen Netzwerk zurück. Die Forscher haben Jugendliche in 30 Ländern befragt. Dabei zeigte sich, dass im dritten Quartal 2013 nur noch 56 Prozent der Teilnehmer auf Facebook aktiv waren. Im ersten Quartal waren es noch 76 Prozent.

20 Minuten hat mit Aussteigern über den nicht immer ganz einfachen Bruch mit Facebook gesprochen.

Lisa (15) aus Hochdorf LU, seit letztem August nicht mehr bei Facebook:
Ich habe meinen Account eröffnet, als ich 13 Jahre alt war. Am Anfang fand ich es spannend und war auch nur mit Leuten befreundet, die mir auch im richtigen Leben nahe standen. Doch dann kamen immer mehr dazu und plötzlich hatte ich über 800 sogenannte Freunde. Diese haben ständig Fotos und Videos gepostet – vieles davon hat mich einfach nicht interessiert, anderes, wie etwa brutale Videos, fand ich abstossend. Ausserdem störten mich die dauernden Lästereien und das Mobbing. Die meisten Kollegen können meinen Schritt nicht verstehen, aber für mich war es eine grosse Erleichterung. Davor war ich drei, vier Stunden täglich auf Facebook, musste immer informiert sein. Jetzt habe ich viel mehr Freizeit, die ich mit realen Freunden oder der Familie verbringe. Dass ich in der Schule manchmal nicht weiss, wovon die anderen sprechen, ist mir egal.

Robert (19) aus Unterlunkhofen AG, hat seinen Account im August 2012 gelöscht:
Nach zwei Jahren bei Facebook bin ich ausgestiegen und war seither nie wieder auf der Seite. Es war ein spontaner Entschluss und ich bin auch heute noch froh darüber. Als ich es meinen Kollegen mitgeteilt habe, waren die regelrecht schockiert. Die meisten konnten es gar nicht glauben. Die ersten Tage war es dann auch wirklich schwer, die Verlockung war gross, das Profil wieder zu aktivieren. Doch ich blieb stark. Früher sass ich stundenlang am Computer nur wegen Facebook, war auch in der Schule und während der Arbeit immer darauf, wenn ich konnte. Facebook zu checken war meine erste Handlung am Morgen und die letzte am Abend, es war eine richtige Sucht. Ein Aussenseiter bin ich durch den Ausstieg nicht geworden, auch wenn ich nicht immer weiss, was läuft. Nur meine Freunde drängen mich ab und zu, doch wieder einzusteigen.

Andreas (23) aus Chur, lebt seit zwei Jahren ohne Facebook und Co:
Ich habe Facebook gelöscht, als ich in meiner letzten Beziehung war. Es gab andauernd Stress mit meiner Freundin wegen Kommentaren oder Posts. Ich habe soziale Netzwerke dazu genützt, mich selber darzustellen und bekam von anderen Leuten dafür das Lob, das ich gesucht habe. Eben auch von Frauen. Irgendwann fing ich an, diese Bestätigung zu brauchen. Nachdem ich mein Profil gelöscht hatte, musste ich lernen, mein Selbstwertgefühl anders zu steigern und zu erhalten. Ich lernte, mich wieder so wertzuschätzen wie ich bin, nicht wie andere mich sehen. Ich brauche keine Drittpersonen mehr, die mir sagen, was ich anziehen soll und was an mir gut aussieht.

Tom (28), aus Sumiswald, ist vor einigen Monaten ausgestiegen:
Das Löschen meines Profils bedeutet für mich eine echte Befreiung. Bei Facebook aktiv zu sein ist zu einem grossen Stress geworden. In der Mittagspause bin ich jeweils gleich an den Computer gerannt, um die Neuigkeiten zu checken und abends war die Seite immer offen. Ich fühlte mich auch unter ständigem Druck, irgendetwas tolles zu posten, habe im Internet schon krampfhaft nach Videos und Ähnlichem gesucht. Das muss ich jetzt alles nicht mehr. Je länger ich nicht mehr dabei bin, desto mehr freue ich mich darüber. Mir geht es besser ohne und ich treffe auch wieder richtige Freunde in der realen Welt. Mein Umfeld hat es akzeptiert, viele denken selber über einen Ausstieg nach, aber schaffen es nicht – ähnlich wie Raucher, die aufhören wollen.

Julia (24) aus Chur GR, hat ihr Profil vor drei Jahren gelöscht:
Als ich dachte, ohne Facebook geht nichts mehr, stieg ich aus. Was sich anhört, wie der Bericht eines Ex-Junkies, ist Realität. Facebook hat Drogencharakter. Nicht umsonst war die erste Frage, nachdem ich meinen Ausstieg verkündete: «Und wie schaffst du das?» Andere meinten: «Du bist eh bald wieder dabei.» Am Anfang spürte ich Entzugserscheinungen, verpasste verschobene Vorlesungen oder Geburtstagsfeiern von Freunden. Mein Ausstieg sorgte für viele Gerüchte, etwa dass ich mich mit meinem Freundeskreis zerstritten hätten oder dass Stalker mich verfolgt hätten. Dass ich Facebook freiwillig verliess, wollte keiner so recht glauben.


(nj)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Suchti am 27.12.2013 20:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Andere Sucht

    Seit ich kein Facebook mehr habe, gehe ich anstatt auf Facebook die Artikel von 20 minuten lesen

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  • Peter Mayer am 27.12.2013 23:12 Report Diesen Beitrag melden

    Bin ich In oder Out?

    Ich hatte nie einen Facebook Account. Meine echten Freunde treffe ich lieber ab und zu LIVE. Auf FB Freunde kann ich gerne verzichten. Der ganze FB Hype ist jetzt zum Glück vorüber. Und der Twitter Hype ist ein Rohrkrepierer.

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  • iCH am 27.12.2013 22:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Viva la vida

    Bin überhaupt nicht "unmodern". Die meisten meiner Freunde sind auch bei Facebook und wenn es ihnen Spass macht.... Who cares? Habe mich bewusst nie registriert, denn, auch wenn ich die Anfänge mitbekommen habe und auch positives darin fand, hat es mich nie wirklich hineingezogen. Warum? Weil ich ja nicht mal täglich meine privaten Mails checke, denn wenn es wichtig ist, läutet das Telefon. Habe bis heute nicht das Gefühl, etwas verpasst zu haben. Und CHAPEAU (!) vor den Aussteigern. Kann mir vorstellen, dass sowas nicht leicht ist. Geniesst Euere Freiheit! Sie ist echt!

Die neusten Leser-Kommentare

  • jajajajajaj am 29.12.2013 23:07 Report Diesen Beitrag melden

    jajajajaj

    Ich, 18 m, habe mein Facebook account nun auch seit gut 3 Monaten gelöscht, war nie so süchtig das ich mich nun befreit fühle, jedoch fand ich es gegen Ende nur oberflächlich, langweilig und unnötig.... deshalb fehlt es mir auf keinen fall....

  • Peter Meier am 29.12.2013 18:25 Report Diesen Beitrag melden

    Probleme von heute

    Das sind ja richtige Rebellen!

  • keule am 29.12.2013 11:47 Report Diesen Beitrag melden

    man kann sein Profil nicht löschen

    leider jedoch kann man ein Facebook Profil nicht löschen... so ist die sucht die zugangsdaten wieder mal einzugeben immer vorhanden. DAS ist das Problem. löschen kann man nur fanseiten, aber ein privates freunde Profil eben nicht, nur stilllegen. !!!Facebook wäre da massiv in der pflicht !!!

    • svenh am 29.12.2013 13:11 Report Diesen Beitrag melden

      Kann man doch

      man kann es sehr wohl richtig löschen, einfach mal googeln

    • rahel mendieta am 29.12.2013 16:31 Report Diesen Beitrag melden

      deaktivieren/löschen nicht dasselbe

      stimmt, deaktivieren oder löschen ist nicht dasselbe. habe es auch gelöscht vor ca. einem Jahr und bin sehr froh. fb fehlt mir überhupt nicht. war eh nur alles total oberflächlich

    • pilotin am 29.12.2013 23:57 Report Diesen Beitrag melden

      facebook

      man kann es löschen in dem man 7 tage nicht mehr einlogt dan ist volständig gelöscht

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  • Roger am 29.12.2013 11:46 Report Diesen Beitrag melden

    Dinge die die Welt nicht braucht ...

    Der Grafiker und Komikautor Uli Stein hat als Einstieg in sein IT-Komik "Notebook" ein auch auf FB gut zutreffendes Zitat geliefert ... Tausche Computer durch FB und du erhälst:"Günter löst heute alle seine Probleme mit FB, welche er ohne FB nicht hatte." Wünsche allen einen guten Ausstieg ;-)

  • Hans H am 29.12.2013 10:59 Report Diesen Beitrag melden

    es ist wie bei allem anderen

    Das Mass ist wichtig. Facebook erinnert mich daran wenn Freunde Geburtstag haben oder ermöglicht es mir mit Freunden, die weggezogen sind in Kontakt zu bleiben. Kein Profilbild und auch sonst nix bekannt geben, dann bleibt man auch vor überfallartigen Freundschaftsanfragen verschont ;-)