Vorstadt-Offensive der SP

01. Juli 2014 16:05; Akt: 01.07.2014 16:24 Print

«Neue Agglo-Bewohner fühlen sich verloren»

von N. Glaus - Die SP will in der Agglo mehr Wähler gewinnen. Thomas Hardegger, SP-Nationalrat und Gemeindepräsident von Rümlang, weiss, wie das gelingen kann.

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«Die Agglomerationen sind besonders geplagt vom Durchgangsverkehr, einem schlechten Wohnungsmix, einem ungenügenden Kinderbetreuungsangebot und dem hohen Migrationsanteil», so der SP-Nationalrat und Gemeindepräsident von Rümlang, Thomas Hardegger. (Bild: Keystone/Gaetan Bally)

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Thomas Hardegger*, Sie leben selber in der Agglomeration und sind Gemeindepräsident von Rümlang. Wieso hat die SP in den Agglomerationen Mühe, Wähler zu gewinnen?
Ich glaube, dass sich viele neuzuziehende Bewohner in Agglomerationsgemeinden verloren fühlen. Sie fühlen sich nicht heimisch. Offenbar schliessen sich solche Bürger eher der SVP an, weil sie sich durch diese Partei mit dem ausgeprägten Heimatbewahrungsimage eher abgeholt fühlen.

Warum fühlen sich diese Leute verloren?
Die Agglomerationen sind die Teile in der Schweiz, die im Moment am meisten wachsen. Es gibt dabei viele, die eher zufällig in einer dieser Gemeinden landen, weil sie hier vielleicht eine bezahlbare Wohnung finden. Das führt dazu, dass sie sich weniger mit der Gemeinde identifizieren. Eine Partei, egal ob SP oder nicht, kann da mithelfen, dass jemand in einer Gemeinde Kontakte findet.

Aber offenbar gelingt das den Bürgerlichen besser als den Linken…
Um die Integration der Einwohnerinnen und das Zusammengehörigkeitsgefühl zu fördern, braucht es auch Aktivitäten der Gemeinde, die etwas kosten. Die SVP macht es sich einfach, indem sie nur die Sündenböcke benennt, zum Beispiel die ausländischen Zuziehenden, und den tiefen Steuerfuss höher gewichtet als etwa die Wohnqualität.

Wie kann die SP bei Agglo-Bewohnern punkten?
Die Agglomerationen sind besonders geplagt vom Durchgangsverkehr, einem schlechten Wohnungsmix, einem ungenügenden Kinderbetreuungsangebot und dem hohen Migrationsanteil, der besondere Anstrengungen im Bereich Integration fordert. Die SP sollte sich dieser Probleme annehmen.

Haben Sie weitere Vorschläge?
Man muss unbedingt den gemeinnützigen Wohnungsbau fördern. Je höher der Anteil an bezahlbaren Wohnungen ist, desto mehr sesshafte Einwohnerinnen und Einwohner gibt es. Sesshafte Leute engagieren sich mehr, zum Beispiel im Elternrat in der Schule, in Vereinen, aber eben auch in Parteien. Eine zukunftsgerichtete Verkehrsplanung erfordert eine Koordination über die ganze Agglomeration hinweg: Wohnquartiere können verkehrsberuhigt werden und der Stau bleibt ausserhalb des Siedlungsgebietes. Etwas ketzerisch gesagt: Wenn in allen Agglomerationen die SP an der Macht wäre, hätte man ein ähnlich erfolgreiches System wie in der Stadt Zürich und so mehr verkehrsberuhigte Quartiere.

Sie haben es als SP-Politiker geschafft, Gemeindepräsident von Rümlang zu werden. Was läuft in Ihrer Agglomerationsgemeinde anders?
Wir scheinen tatsächlich eine Ausnahme zu sein. Bei den Kantonsratswahlen erreicht die SP in Rümlang regelmässig 25 Prozent oder mehr. Es ist natürlich auch abhängig davon, ob ihre Exponenten die Bevölkerung ansprechen und Vertrauen in ihre politische Arbeit wecken können, dann legt die SP zu. Trotzdem gibt es ganz markante Unterschiede. In Dübendorf zum Beispiel sind wir in einer Stadt mit 25‘000 Einwohnern seit Jahren nicht mehr im Stadtrat vertreten.

Hand aufs Herz: Würden Sie eigentlich nicht lieber in der Stadt wohnen?
Nein, es gibt hier in Rümlang einiges an Wohn- und Lebensqualität, das ich der Stadt noch vorziehe. Von der Haustüre weg bin ich in fünf Minuten im Grünen, im Wald oder am Fluss, trotzdem bin ich mit der S-Bahn in einer Viertelstunde in der pulsierenden Stadt.

*Thomas Hardegger ist Zürcher SP-Nationalrat und Gemeindepräsident von Rümlang

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Parteiloser am 01.07.2014 16:16 Report Diesen Beitrag melden

    nur weiter so SP

    Wenn ihr noch länger nur von Integrationsbemühungen und Verkehrsbehinderungen als einzige Lösung sprecht und die Probleme der Überbevölkerung (ungleich Überfremdung) aufgrund eures weltfremden Ideologismus mit Scheuklappen ausblendet, werdet ihr bald gar nicht mehr gewählt werden...und das ist auch gut!

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  • Paul am 01.07.2014 16:21 Report Diesen Beitrag melden

    Ach SP...

    Ihr lernt es wohl nie. Seit geraumer Zeit manöveriert ihr euch mit euren Vorstössen ins Abseits. Wenn eine Partei einen internationalen Sozialismus anstrebt und die Schweiz an Brüssel verkaufen will, wäre es meiner Meinung nach wirklich angebracht, über ein Verbot dieser Partei nachzudenken. Immerhin will die SP die Souveränität abschaffen und das Volk entmündigen.

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  • gabi am 01.07.2014 16:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    sollte doch zu denken geben,oder???

    warum wohl schliessen sich immer mehr der svp an?

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Peter Blank am 02.07.2014 01:01 Report Diesen Beitrag melden

    wie Burgdorf?

    Nehmt mal als Beispiel die Stadt Burgdorf. In dieser Stadt hat die SP gewühtet und aus der einst schönen und lebhaften Oberstadt (bin in der Oberstadt aufgewachsen) eine Geisterstadt gemacht.

  • Steuerzahler am 01.07.2014 17:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Steuerzahler danken

    Hört doch endlich auf, kann SP-Blödsinn nicht mehr hören. Ich versuche immer wieder zu ergründen, was einige überhaupt bewegt SP zu wählen?? - Gibt ja weder für Arme noch Reiche Vorteile???

  • O R am 01.07.2014 17:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sp

    Super unser Präsi cool und ehrlich wie immer dafür liebe ich diese Partei !

  • Züri Leu am 01.07.2014 17:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Witz

    Ich musste gerade laut lachen über den Witz, dass das System in Zürich City erfolgreich sei. Oje, was für eine gnadenlose Selbstüberschätzung.

  • Nico am 01.07.2014 16:44 Report Diesen Beitrag melden

    Erst Probleme Verursachen...

    und dann die Lösung verkaufen. Alle Probleme in den Agglomerationen sind verursacht durch die Linke Immigrations- und Verkehrspolitik. Das beste Mittel wäre eine andere Politik als die der SP.

    • Populist am 01.07.2014 17:15 Report Diesen Beitrag melden

      Zum totlachen

      Ist schon einfach wenn man andere die Schuld in die Schuhe schieben kann. Klingt ein wenig SVPlastig!

    • Werni am 01.07.2014 20:16 Report Diesen Beitrag melden

      Nein eben nicht

      @ Populist. Tja die Leserkommentare zeigen wohl eindeutig wie die Leser denken. Wie lange der sich wohl noch in Rümlang hält. Nehme an bis zur nächsten Wahl. Er soll seinen Job machen und nicht lamentieren.

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