Grippe-Epidemie

21. Januar 2016 05:48; Akt: 21.01.2016 05:48 Print

«Nicht anstecken lassen ist das Einzige, das hilft»

Die Schweiz liegt flach, die Grippe regiert. Und das ist erst der Anfang. Immerhin: Die Impfung ist deutlich wirksamer als im Vorjahr.

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Die Grippewelle hat die Schweiz im Griff. Laut Medizinern ist eine Impfung das Einzige, das wirklich hilft. Sie können es den Viren aber etwas schwerer machen. Mit den folgenden Tipps dürften das gelingen. Waschen Sie Ihre Hände und waschen Sie sie oft. Probanden, die während einer Untersuchung ihre Hände fünfmal pro Tag wuschen, reduzierten ihre Grippeanfälligkeit um 45 Prozent. Waschen Sie Ihre Hände nicht ein-, sondern zweimal. Denn nach einmaligem Waschen, so Forscher, seien Viren und Bakterien - auch mit spezieller Seife - noch nicht weggewaschen. Sehr viele Menschen waschen nach dem Klo-Besuch ihre Hände nicht. Nehmen Sie also, um die Tür nach dem Händewaschen zu öffnen, ein Papiertuch, damit sie nicht mit dem verseuchten Türgriff in Berührung kommen. Das Grippevirus wird zwar auch durch Küssen oder Husten übertragen, am meisten aber durch Hand-zu-Hand- oder Hand-zu-Objekt-Kontakt. Desinfizieren Sie also auch unterwegs oder am Arbeitsplatz Ihre Hände. Mit Tüchlein oder mit flüssigem Mittel. Benützen Sie, um sich die Augen zu reiben, nicht ihre Fingerspitze, sondern ihren Knöchel. Auf ihm sitzt das Grippevirus seltener. Geben Sie nicht immer sich selber die Schuld an allem! Menschen mit weniger Selbstvertrauen erkranken öfter an Grippe als andere. Zurückzuführen ist dies darauf, dass Stress nicht gut fürs Immunsystem ist. Platzieren Sie in der Grippe-Zeit Taschentücherboxen überall dort, wo Menschen sind. In der Wohnung, am Arbeitsplatz, im Auto. Niest dann jemand in Ihrer Nähe, tut er dies sehr wahrscheinlich in ein Taschentuch und mindert so die Ansteckungsgefahr. Reduzieren Sie die Raumtemperatur um fünf Grad. In der trockenen Luft eines überheizten Raumes fühlen sich die Viren pudelwohl. Installieren Sie zusätzlich einen Luftbefeuchter. Kaufen Sie sich ein Hygrometer. Es misst die Luftfeuchtigkeit. Unter 40 Prozent ist die Luft zu trocken und Sie sind anfällig auf Viren, über 60 Prozent bedeutet, dass sich Schimmel bilden wird. Um die 50 Prozent ist perfekt. Einmal die Woche ab in die Sauna. Denn, so eine Studie, erkranken Menschen, die einmal pro Woche saunieren, 50 Prozent weniger häufig an Grippe. Unglaublich, hilft aber: Atmen Sie regelmässig die heisse Föhn-Luft ein. Den Föhn dazu auf warm (nicht heiss) stellen und eine Armlänge vom Gesicht entfernt halten. Atmen Sie so lange Sie können durch die Nase ein, am besten während 20 Minuten. Die tägliche Knoblauch-Ration hält nicht nur die Grippe fern. Sollte das Virus nämlich trotzdem zuschlagen, waren die Symptome bei Knoblauch-Essern viel weniger schlimm. Einmal pro Tag setzen Sie sich in einen abgedunkelten Raum, schliessen die Augen und denken an ein bestimmtes Wort. Meditation macht frei von Stress. Und stressfreie Menschen erkranken weniger schnell. Handtücher müssen in der Grippe-Saison alle drei bis vier Tage gewechselt werden. Waschen Sie sie heiss, um die Viren abzutöten. Reinigen Sie allabendlich Ihre Fingernägel. Dort krallen sich nämlich die bösen Viren fest! Joghurt-Esser erkranken in der Regel viermal seltener als Nicht-Joghurt-Esser. Essen Sie jeden Tag einen Becher - starten Sie diese Gewohnheit im Sommer, damit Ihr Immunsystem bis im Winter voll widerstandsfähig ist.

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Die Zahl der Grippefälle hat sich in nur einer Woche verdoppelt. Die Hochrechnungen des Bundesamts für Gesundheit (BAG) zeigen, dass der Schwellenwert für eine Epidemie erstmals in dieser Saison überschritten wurde. Die Kurve, die der neusten Statistik zu entnehmen ist, verläuft derzeit parallel zu jener des Vorjahres – damals handelte es sich um eine der extremsten Grippewellen der letzten zehn Jahre.

«Letztes Jahr gab es einen Super-GAU», sagt Andreas Widmer, Leiter Abteilung Spitalhygiene am Unispital Basel. In diesem Jahr habe man sich bereits vorbereitet, es seien zwei Abteilungen eingerichtet worden, die nur für Influenza-Patienten reserviert seien, da sie sonst andere anstecken könnten. Das Personal wird zudem ab nächster Woche am Morgen früher zu arbeiten beginnen und abends länger bleiben.

Pendler und Kitas besonders gefährdet

Trotzdem gibt sich Widmer zuversichtlich: «Wir glauben, dass es in diesem Jahr weniger Fälle gibt als im letzten Jahr.» Die Grippe sei spät dran, was unter anderem an den warmen Temperaturen im Dezember liegen könnte. Ausserdem dürfte eine Impfung zu 70 bis 100 Prozent vor der Grippe schützen. Im vergangenen Jahr war sie lediglich in 30 Prozent der Fälle auch tatsächlich wirksam. «Dass es zwei so schwere Grippewellen in Folge gibt, ist extrem selten.»

Trotzdem stehen wir erst am Anfang: «Nächste Woche geht es richtig los. Die Zahl wird sich nochmals verdoppeln. Besonders gefährdet sind Pendler und Kitas», erklärt Widmer. Das bestätigen die Zahlen des BAG: Den grössten Anstieg gibt es derzeit bei Kindern zwischen null und vier Jahren.

Vorsicht vor wandernden Gegenständen

Doch was hilft? Warme Kleider nützen jedenfalls nichts gegen virale Infektionen wie die Influenza, sagt Widmer. Die Impfung sei momentan das wirksamste Mittel. Bereits erkrankte Mitmenschen können zudem ein Ausbreiten verhindern, indem sie etwa statt in die Hände in die Ellenbeugen niesen.

Daniel Koch, Leiter der Abteilung Übertragbare Krankheiten vom BAG, sieht die Impfung ebenfalls als wirksamstes Mittel. Allerdings sei es mittlerweile fast schon zu spät, da sie 14 Tage braucht, um einen vollständigen Schutz aufzubauen. Er verweist auf die gängigen Verhaltensregeln wie häufiges Händewaschen und die Verwendung von Papiertaschentüchern. Ausserdem sei bei jedem Gegenstand, der von einer Hand in die andere gereicht werde, Vorsicht geboten.

«Mitleid hilft immer ein bisschen»

«Es gibt nur eines, das wirklich hilft. Und zwar, sich nicht anstecken zu lassen», ergänzt der Immunologe Beda Stadler. Das ist einfacher gesagt als getan. Dennoch ist auch für ihn eine Impfung die sicherste Vorbeugung gegen die Grippe.

Ein weiterer Faktor, der laut Stadler hilft, ist, «menschenscheu» zu werden. Wer Menschenmengen jedoch nicht meiden kann, sollte besonders achtgeben. Da die Viren mehrere Stunden überleben können, ist es ratsam, sich die Hände bei der nächstbesten Gelegenheit – etwa am Arbeitsplatz – zu desinfizieren.

Besser wäre es dennoch, einfach zu Hause zu bleiben und die Grippe auszukurieren. Denn ein effektives Mittel gegen Influenza gibt es nicht. Stadler formuliert es mit folgendem Bonmot: «Mit Medikamenten dauert sie ungefähr eine Woche, ohne rund sieben Tage.» Das einzige, was Linderung verschaffen könnte, ist die Bekämpfung der Symptome. Man sollte beispielsweise immer genug Getränke dabei haben, Aspirin und ähnliche Mittel helfen gegen Kopfschmerzen. Und: «Das Mitleid der Mitmenschen hilft immer ein bisschen», sagt Stadler.

(vro)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • k.j. am 20.01.2016 13:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Dunkelziffer

    wird wohl noch viel höher sein. Viele überstehen die Grippe auch ohne Arztbesuch (weil z.B. Kinder und Hausfrauen trotz mehreren Tagen mit hohem Fieber kein ärztliches Zeugnis brauchen). Allen Patienten wünsche ich von Herzen gute Besserung und schnelle Genesung.

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  • Tannenwald420 am 20.01.2016 13:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    nervige sache..

    Wünsche allen Menschen welche momentan unter einer Grippe leiden gute Besserung.

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  • sori am 20.01.2016 13:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Denkt daran...

    ...dass nicht jeder und jede gleich zum Arzt geht

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Die neusten Leser-Kommentare

  • burner am 21.01.2016 21:49 Report Diesen Beitrag melden

    Es ist doch nur eine Grippe

    Ich weiss wer vom Impfen wirklich profitiert... Man sollte es mit weniger Arbeit und Stress versuchen können. Nur kann sich das nicht jeder leisten. Ein solides Imunsystem wäre von Vorteil. Und rennt nicht immer alle gleich zum Doctore oder gleich in die Notaufnahme. Die Aphoteke tut es meist auch. Ich mag nicht immer noch mehr Krankenkasse bezahlen.

    • Mimi am 21.12.2016 19:32 Report Diesen Beitrag melden

      nicht verharmlosen

      "Nur"eine Grippe? Eine Grippe kann bei schwachen oder älteren Menschen auch einen schweren,komplizierten Verlauf nehmen.

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  • Emma am 21.01.2016 19:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sauber und seriös hilft wirklich!

    Ich wiederhole mich: Es gibt einfach nur folgendes: Sauberkeit, Hygiene, keine wechselnden Sexualpartner und genügend Schlaf! Es ist erwiesen, wer unseriös lebt, bekommt viel öfters die Grippe! Ich weiss, was ich sage, ich habe so ein Beispiel in nächster Nähe! Ich selbst hatte genau einen einzigen Mann in meinem ganzen Leben und erst 2 mal eine ganz kleine und harmlose Erkältung! Die Hormone sind schuld daran!

    • tri am 21.01.2016 19:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      ......

      Super, und in welchem Job arbeiten Sie, dass Sie immer genügend Schlaf und gesunden Food bekommen ?

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  • Peter G. am 21.01.2016 16:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sich einfach nicht anstecken ...

    ... lassen hilft übrigens auch bei vielen anderen Krankheiten, das ist wissenschaftlich erwiesen.

  • Kuno am 21.01.2016 15:58 Report Diesen Beitrag melden

    Impfen!??

    Nie wieder!! Machte die letzten 10 Jahre die jährliche Grippeimpfung und bekam sie doch jedes Jahr! Seit 2 Jahren lass ich das mit der Impfung und ich hatte auch keine Grippe mehr!! Werden wir eigentlich verschaukelt oder was?

    • Dr. Med. H.Eucheler am 21.01.2016 16:10 Report Diesen Beitrag melden

      Impfstoff

      Da weiss aber jemand gefährlich wenig über das Prinzip des Impfens. Frage voraus, sind Sie ein Anhänger der 'Impfungen fördern Autismus' Philosophie?

    • kein arzt am 21.01.2016 19:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Dr. Med. H.Eucheler

      anscheinend wissen sie gefährlich wenig über das prinzip und die wirkung von impfungen. jedenfalls ist gesunden menschen dringend von einer grippeimpfung abzuraten. auch ärzte und pflegepersonal sollten davon abstand nehmen, was ja in der realität auch geschieht. dass impfungen derart schlimme folgeschäden, an neugeborenen wie auch erwachsenen, haben können ist nicht hinlänglich erwiesen aber zumindest anzunehmen. wie bei allem anderen ist aber auch hier zu bedenken, dass jeder körper anders reagiert und keine allgemeine aussage getroffen werden kann.

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  • Luna am 21.01.2016 15:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Aufpassen!

    Jetzt mit diese Wetter ist normal das schnell krank wird und jeder weiss wenn nicht fit ist besser zu hause bleiben als alle überall die Viren bringen und verteilen