Ärger am SBB-Automat

06. Februar 2013 16:28; Akt: 07.02.2013 09:20 Print

«Nicht mal Kontrolleure haben den Überblick»

von Andreas Bättig - Die 20-Minuten-Online-User haben am Billettautomaten schon lange den Überblick verloren. Über 70 Prozent finden die Bedienung «furchtbar». Zu kompliziert sei das Tarif-System.

(Interview: P. Rüegg, Kamera/Schnitt: D. Galka/M. Gilliand)
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Bei den 20-Minuten-Online-Lesern ist der Ärger gross. «Ich will von A nach B. Dabei will ich mir keine Gedanken machen, ob die nächste schnellste Verbindung nun via Baden oder durch den Heitersberg geht», schreibt unter anderem User Daniel Zuppiger. Wie er wünscht sich die Mehrheit eine Vereinfachung des Billettautomaten. Denn wer zurzeit zum Beispiel vom Zürcher Hauptbahnhof nach Lenzburg fahren will, der muss sich durch einen Strecken-und-Preis-Dschungel kämpfen und sehr gute Geografie-Kenntnisse haben: 8 Routen und vier Preise stehen ihm zum Beispiel bei dieser Strecke zur Auswahl.

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«Wirrwarr ist nur der Vorname»

Insgesamt finden über 70 Prozent der Leser die Bedienung der Automaten «furchtbar». Um ein Billett richtig lösen zu können, müsse man gemäss den Usern mindestens Geografie studiert haben. «Ich bin 16 und komme mit diesen Kästen überhaupt nicht klar. Ohne Geografie-Doktortitel und extrem gute Kenntnis der näheren Umgebung hat man keine Chance, das richtige Ticket zu lösen. Wirrwarr ist noch der Vorname des ganzen Übels. Ich kaufe mir einen Roller», schreibt Leser Frank S. aus Zürich.

Besonders sauer stösst den Lesern auf, dass sie nach dem Lösen eines falschen Tickets auch noch vom SBB-Zugbegleiter gebüsst werden. «Ich wollte von Baden nach Full. Die SBB-App zeigte mir etwa 8 Vias an ohne weitere Erklärungen. Dummerweise habe ich das falsche gelöst und bekam eine Busse von 90 Franken aufgebrummt. Nach Einsprache musste ich noch 30 Franken Bearbeitungsgebühr bezahlen», schreibt Andy.

Selbst die Kontrolleure hätten zum Teil den Überblick über die verschiedenen Zonen verloren, wissen mehrere Leser zu berichten. «Als eines der grössten Problem erachte ich, dass selbst die Kontrolleure überhaupt keinen Überblick haben. Letzthin behauptete einer, dass ich von Zürich nach Zug die Zone 152 passiere und ich die hätte lösen müssen, was totaler Quatsch ist», schreibt ein Zugfahrer.

«Automaten sind Luxus pur»

Aber nicht bei allen fällt das neue Zonen-System durch. So schreibt der User «geboren mit Gehirn»: «Wie wär es, wenn man kurz nachschaut, welche Verbindung man wählen wird (in der Sbb- App oder im Internet auf sbb.ch oder im Fahrplan) und sich dann das Billett dazu kauft? Ist doch echt nicht so kompliziert.» Und auch Susanne Lüscher findet: «So schlimm sind diese Automaten nun wirklich nicht. Wir mussten früher noch lernen mit Hilfe des Kursbuches verschiedene Reiserouten mit dem Zug zu bestimmen, verglichen damit sind diese Automaten Luxus pur.»

Manche User wollen dem ganzen Ärger gleich ganz aus dem Weg gehen. Sie wollen in Zukunft auf das Bahnfahren verzichten und lieber das Auto benutzen. Wobei es gerade deshalb gemäss Karin S. das Ticketproblem gibt: «Kein Wunder, hat heute niemand mehr eine Ahnung von Geografie. Jedes Auto hat ja ein Navi, und dem folgt man, ohne zu studieren!»

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Ausgewählte Leser-Kommentare

Habe seit 6 Jahren ein GA. Kürzlich hat mich eine etwas ältere Dame gefragt ob ich ihr helfen könnte ein Billet zu Lösen. Selbstverständlich habe ich ja gesagt. Als ich dann diese Benutzeroberfläche sah, dachte ich nur "o-oh". Nach etwa 5 Versuchen (die gefühlte 2h gedauert haben) hat es dann aber doch geklappt. Einfach zu kompliziert. – Nora T.

Der Nahverkehr ist Sache der Kantone - das hat wenig bis gar nichts mit der SBB zu tun. Die und andere Bahnunternehmen fahren im Auftrag der Kantone und es ist die Politik, die die Tarife, Verbunde und Zonen festlegt. Das ist sehr komplex geworden - würden Varianten aber nicht angezeigt, wäre es bestimmt auch wieder nicht gut. – Ueli W.

Habe es am Samstag selbst erlebt (Beispiel 1 mit Aarau). Dachte zuerst es sei nur in der App so. Finde es unnötig, wenn man den Direktzug nimmt! Sie sollten es lieber so machen, dass man einfach die Verbindung wählen kann (also z.B. den konkreten Zug) und dann werden die Zonen selbst berechnet. Oder halt beide Varianten anbieten. – Michi

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Robinia am 09.02.2013 08:32 Report Diesen Beitrag melden

    Flucht vor dem ÖV

    Seit diesem Zonenwahn verzichte ich auf die Bahn und andere Beförderungsmittel! Hatte mein Auto zum Glück noch nicht verkauft, werde es im Frühjahr wieder einlösen. Dieses HickHack am Automaten ist unwürdig, genauso wie die Beschimpfungen im Rücken!

  • Kevin Thierstein am 07.02.2013 09:28 Report Diesen Beitrag melden

    Vereinfachen

    Man könnte es ja so machen, das nur ein via angezeigt wird, nämlich diese die die kürzeste Strecke ist. Dann sollte man, wenn man will, eine Option haben z.B. "Vias hinzufügen/ändern". So könnte man dem Wirrwarr mit den vias ein Ende setzen. PS: Ist beim Langstreckenverkehr auch so.

  • Bitte Anderes System am 06.02.2013 12:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Zonenärger

    Um mit dem zug von aarburg nach zofingen zu fahren mussich durch drei zonen in 3 minuten zugfahrt ergo 6 franke für 3 minuten fahrt.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Robinia am 09.02.2013 08:32 Report Diesen Beitrag melden

    Flucht vor dem ÖV

    Seit diesem Zonenwahn verzichte ich auf die Bahn und andere Beförderungsmittel! Hatte mein Auto zum Glück noch nicht verkauft, werde es im Frühjahr wieder einlösen. Dieses HickHack am Automaten ist unwürdig, genauso wie die Beschimpfungen im Rücken!

  • Peter G. am 07.02.2013 10:55 Report Diesen Beitrag melden

    Supersache!

    Die SBB haben ein Kapazitätsproblem, wie man seit Monaten immer wieder hört. Daher ist es das Einfachste, die Leute soweit zu vergrämen und zu verärgern, dass sie nicht mehr Zug fahren. Da ist doch so eine Horror-Software mit anschliessender Busse im Zug das beste und einfachste Mittel dazu.

  • Third Life am 07.02.2013 10:29 Report Diesen Beitrag melden

    Ganz einfach

    man löst das Ticket nur noch Km-basierend. Wenn die Strecke Zürich-Lenzburg aus 25 Bahnkilometern direkte und kürzeste Verbindung besteht sollte danach der Preis bestimmt werden. Man legt dann einfach einen Preis von z.B. 30 Rappen pro Bahn-KM zugrunde und kommt so zu einem Ticketpreis von 7 Franken 50. Dazu kommen dann noch entsprechende Zuschläge z.B. 1KL, mit Hund etc. Das wäre transparent, fair und übersichtlich. Es würde auch die Struktur deutlich verschlanken und womöglich den SBB eine Menge Ärger ersparen.

  • Kevin Thierstein am 07.02.2013 09:28 Report Diesen Beitrag melden

    Vereinfachen

    Man könnte es ja so machen, das nur ein via angezeigt wird, nämlich diese die die kürzeste Strecke ist. Dann sollte man, wenn man will, eine Option haben z.B. "Vias hinzufügen/ändern". So könnte man dem Wirrwarr mit den vias ein Ende setzen. PS: Ist beim Langstreckenverkehr auch so.

  • Sascha am 07.02.2013 07:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Einfachere Preusgestaltung ist dringend nötig.

    Wieso kann der Preis nicht einfach für das Ziel definiert sein? Es spielt doch eigentlich keine Rolle welche Strecke man fährt. Es sollte keinen anderen Preis sein wenn es verschiedene Strecken für ein Ziel gibt.