«Nicht normal»

21. Januar 2020 13:29; Akt: 21.01.2020 13:29 Print

Gleich vier Bundesräte aufs Mal für Trump

Ex-Diplomat Paul Widmer sagt, worauf es beim Treffen zwischen Simonetta Sommaruga und US-Präsident Donald Trump ankommt.

Das Weltbild von Simonetta Sommaruga und Donald Trump unterscheidet sich stark, wie die Montage zeigt. (Video: 20 Minuten)
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Herr Widmer, gleich vier Bundesräte sollen Trump am Dienstag am WEF in Davos treffen. Ist das normal?
Normal ist das nicht. Aber Sie haben auch noch nie gehört, dass ein US-Präsident in seiner ersten Amtszeit zweimal in die Schweiz reist. Das Treffen hat eine sehr grosse Bedeutung – entsprechend wollen einige dabei sein. Da kein Mitglied des Bundesrats weisungsbefugt ist, möchte jeder Departementsvorsteher seine Themen besprechen.

Entsprechen vier Bundesräte einem US-Präsidenten? Schmeichelt das Grossaufgebot Trump oder wird er verwirrt sein?
In die Seele von Donald Trump kann ich nicht schauen. Mit den Verhandlungen um ein Freihandelsabkommen und den Guten Diensten – aktuell ist der Iran-Konflikt – stehen unterschiedliche Themen auf der Traktandenliste. Dass gleich die federführenden Bundesräte dabei sind, ist ein Vorteil: Sie kennen die Dossiers am besten.

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Bundesrätin Sommaruga und US-Präsident Donald Trump sind politisch meilenweit voneinander entfernt. Allein der Name Trump dürfte bei ihr einen Hautausschlag auslösen. Sind das schlechte Voraussetzungen für ein gelungenes Treffen?
Wichtig ist, dass sie die Interessen der Schweiz vertritt. Es geht nicht um persönliche Befindlichkeiten. Die grosse Kunst ist, es nicht zu zeigen, wenn man eine Person nicht mag. Das Atmosphärische ist bei solchen Treffen sehr wichtig – Doris Leuthard hatte das auf internationalem Parkett meisterhaft beherrscht. Der Eindruck von einer Person bleibt länger haften als der Inhalt der Gespräche selbst. Ich hoffe, dass sich der Bundesrat gut schlagen wird.

Guy Parmelin ist bekanntlich kein Freund der englischen Sprache («I can English understand»). Braucht er einen Dolmetscher, um Trump ein Freihandelsabkommen schmackhaft zu machen?
Das kann ich nicht sagen. Dolmetscher sind aber völlig normal, selbst wenn man eine Sprache beherrscht. Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel würde auch nie in einer Fremdsprache verhandeln. Ich würde den Einsatz von Dolmetschern sehr empfehlen. Man kann auch nur wichtige Dinge übersetzen lassen und den Smalltalk auf Englisch führen.

Wie sollte Sommaruga Trump begrüssen? Braucht sie ein Geschenk?
Normalerweise gibts einen Handshake, auch Umarmungen sind heute an der Tagesordnung. Die Schweiz ist Gastgeberin. Hier ist es üblich, ein Geschenk zu überreichen. Das sind oft Uhren oder Kugelschreiber. Ausgefallene Geschenke – etwa eine Motorsäge, die der ehemalige deutsche Bundeskanzler Gerhard Schröder einst dem damaligen US-Präsidenten George W. Bush überreicht hat – sind selten.

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Sollten die Bundesräte nicht auch bei Tochter Ivanka Trump und ihrem Schwiegersohn lobbyieren? Vielleicht kann man so mehr erreichen.
Man wird versuchen, mit allen Gästen freundschaftliche Gespräche zu führen. Priorität haben aber der Präsident sowie die Fach- und Finanzminister.

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Am Montag traf der Sommaruga auch EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen. Was bringt das Treffen?
Die Schweiz steckt beim Rahmenabkommen in der Sackgasse. Jetzt kam es zum ersten Treffen mit der neuen EU-Chefin. Es ist das Hauptproblem der Schweiz und es gibt grossen Erklärungsbedarf. Das Treffen könnte dazu führen, dass wieder Bewegung in das Dossier kommt.

(daw)